DAS NEUE BILD DER FRAU IN OSTEUROPA
von
Hans Lehleitner
Während hierzulande und im übrigen Westen die Mehrzahl der Frauen im
Streben nach Gleichberechtigung, Unabhängigkeit und Freiheit von der
Herrschaft des Mannes in das Berufsleben drängt, vollzieht sich in den
bankrott gegangenen sozialistischen 'Paradiesen' Osteuropas in diesen
Anschauungen eine radikale Kehrtwendung. Am 18. August dieses Jahres
gedachte die sozialistische Frauen-Internationale auf einer
Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Stuttgart des 85.
Jahrestags dieser Vereinigung und ihrer Gründerin, der 1857 geborenen
Pfarrerstochter Clara Zetkin, die sich vom Sozialismus die endgültige
Befreiung und Gleichberechtigung der Frauen erhoffte. Anita Gradin,
ehemalige schwedische Ministerin und gegenwärtige Präsidentin der
Frauen-Internationale hielt aus diesem Anlaß vor 550 Zuhörerinnen einen
Vortrag, in dem sie ihre Geschlechtsgenossinnen in den ehemals
sozialistischen Ländern zu berichten hatte. Sie führte u.a. aus,
"daß Frauen im Kommunismus nur scheinbar emanzipiert gewesen seien" und
"daß sich im Osten gegenwärtig fundamentalistische, religiöse Tendenzen
verbreiteten, die 'zutiefst sexistisch' seien. Die Frauen in Osteuropa
hätten eine Kehrtwendung gemacht hin zum 'stock-bürgerlichen
Konservatismus'. Heute, wo sie selbst entscheiden könnten, wollten die
osteuropäischen Frauen zu Hause bleiben, ihre Kinder erziehen, 'ganz
Heimchen am Herd' sein und 'nichts mehr als das bürgerliche Idyll, das
konservative Ideal ausleben'."
Frau Gradin hatte natürlich eine Erklärung für das atavistische
Verhalten ihrer vordem sozialistischen Schwestern, denn, so führte sie
weiter aus, "dies sei nicht verwunderlich, da sie früher meist nicht
freiwillig im Arbeitsprozeß gestanden hätten." Auch in der Politik
seien die Frauen nur als '"stummes Aushängeschild'" benutzt worden.
(Nachrichten aus der "WELT" vom 19.8.92.)
Daß es vielleicht auch Frauen gibt - und dies waren wohl in
vorsozialistischen Zeiten die meisten -, die es als natürliche Aufgabe
ansehen, Gattin und Mutter zu sein, ist wohl in diesem Stuttgarter
Auditorium nicht zur Sprache gekommen. In jahrzehntelanger permanenter
sozialistischer Propaganda und Gehirnwäsche - für den Westen gilt
ähnliches - ist den Frauen das natürlichste Verlangen ausgetrieben
worden und hat man sie in einen mörderischen Konkurrenzkampf mit dem
Mann getrieben. Doch wieder einmal hat "Männerwirtschaft" die Befreiung
der Frau verhindert. Und so träumen denn hiesige Sozialistinnen und
Sozialisten von der "befreiten" Frau.
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