VOM HL. PAPST PIUS X.
(Die Feinde der Kirche hatten sich in Frankreich der Hoffnung
hingegeben, durch das Gesetz, welches die Trennung von Kirche und Staat
herbeiführte und durch welches die Kirche alle Besitzungen verloren
hatte, würde bewirken, daß sich die Kirche von Frankreich von Rom
lossagen würde. Tatsächlich erreichten sie nur, daß die Verbindung der
französischen Katholiken zum Vatikan noch enger wurde. Die Mittel für
den Unterhalt des französischen Klerus brachte das katholische Volk
auf) In beispielloser Weise sorgten sie dafür, daß es ihren Bischöfen
und Priestern nicht am Notwendigsten fehle und stellten Mittel für die
würdige Feier des Gottesdienstes zur Verfügung. Sie boten ein
wunderbares Schauspiel der Eintracht und Disziplin. Am 18. November
19o8 schrieb Pius X.:
"Ich werde nie aufhören, Gott zu danken, daß er mir eingab, meinen
Kindern in Frankreich zu raten: Folgt mir im Leid. Das einzige, was
mich bekümmert, ist, daß ich nicht bei euch sein kann, um mit euch zu
leiden und die Schlachten Gottes zu schlagen. Und da sind mir aus eurem
Lande die schönsten Tröstungen zuteil geworden. Frankreich hat sich
wirklich als die erstgeborene Tochter der Kirche gezeigt, nicht nur in
Worten, sondern durch die glänzendsten Taten. Ich habe zu meinen
Brüdern, den ehrwürdigen französischen Bischöfen, gesagt: Verlaßt eure
Paläste. Entfernt aus den Seminarien die jungen Leute, die Hoffnung der
Kirche. Nehmt von denen, die die Kirche versklaven wollen, nicht einen
einzigen Sous an, der euch angeboten wird, um euren Hunger zu stillen.
In eurer Trübsal, in eurem Schmerz schaut auf Jesus Christus, der aller
Dinge beraubt war, entblößt, gekreuzigt. Nach wenigen Tagen hat er über
den Tod triumphiert, und auch für euch wird der Triumph nicht
ausbleiben.
Und so sahen diese teuren Söhne, die in Schmerz und Trostlosigkeit treu
blieben, wie ihre jungen Leute die Seminarien, diese Stätten der
Frömmigkeit, verließen. Sie sahen die guten barmherzigen Schwestern von
den Krankenbetten entfernt, wo sie so überaus verdienstlich gewirkt
hatten. Sie sahen die Ordensgenossenschaften, die in der
Jugenderziehung so Großes leisteten, gezwungen, die Heimat zu verlassen
und im Ausland Zuflucht zu suchen, weil die entartete Mutter sie
verjagte.
Alles dieses sahen sie und gaben ein Beispiel, das in der
Kirchengeschichte einzig dasteht. Alle Bischöfe ohne Ausnahme horten
auf das Wort des Papstes wie auf das Wort Gottes. Alle Priester hörten
in Ehrfurcht und Gehorsam auf das Wort ihrer Oberhirten. Und die
Gläubigen erklärten einstimmig: 'Zählt auf unsere Kräfte und auf unsere
Großmut. Ihr werdet keine prachtvollen Paläste haben, aber doch ein
Heim, wo ihr euch ausruhen könnt. Ihr werdet keine bequemen und
geräumigen Seminarien haben, aber doch Stätten, wo ihr eure Kleriker
heranbilden könnt. Ihr werdet nicht mehr Ordensmänner und Schwestern
haben, aber die Gläubigen werden im Apostolat ihre Stelle einnehmen.
Ihr werdet keine Renten mehr erhalten, aber die Mittel für den Kultus
werden euch nicht fehlen.'
Und wenn ich unter Tränen das Miserere gebetet habe wegen der
Heimsuchungen, die über die Kirche Frankreichs hereingebrochen sind, so
habe ich doch auch das Te Deum anstimmen müssen wegen des Trostes, den
ich jedesmal empfange, wenn ich an die Opfer denke, die die
französischen Gläubigen aus Liebe zur Kirche bringen. Und immer muß ich
das Te Deum der Freude und des Dankes singen."
(Vgl. Pii X Acta, Bd.IV, S. 3o7 f; vgl. auch Acta Apost. Sedis, Bd.I, Rom 19o9, S.4o8.)
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