"EINANDER SOLLEN SIE PARTNER SEIN"
DER NEUE RITUS FÜR DIE ZEREMONIE DER EHESCHLIESSUNG
TRÄGT DER STELLUNG DER FRAU MEHR RECHNUNG
(DT VOM 27.2.93 - WIEN (KNA) - Für die katholische Kirche des
deutschsprachigen Raums ist ein neuer Ritus für die kirchliche Trauung
in Kraft getreten. Die Neureglung ersetzt den alten Ritus aus dem Jahre
1975 und geht insbesondere auf die geänderte Stellung der Frau und auch
auf die Möglichkeiten religionsverschiedener Ehenein. "Künftig wird
kein Ehepartner etwas versprechen müssen, was seinem Gewissen oder
Glauben widerspricht", erläuterte Rudolf Schwarzenberger,
Liturgiereferent der Wiener Erzdiözese, am Donnerstag den neuen Ritus,
der vom Vatikan und den zuständigen Bischofskonferenzen beschlossen
wurde. Eine nichtglaubende Frau müsse beispielsweise nicht mehr
versprechen, ihre Kinder im katholischen Glauben zu erziehen. Das
geänderte Rollenverständnis von Mann und Frau werde ebenfalls in den
neuen Texten berücksichtigt durch Formulierungen wie: "Den Menschen
hast du erschaffen als Mann und als Frau und ihre Gemeinschaft
gesegnet. Einander sollen sie Partner sein und ihren Kindern Vater und
Mutter." Offen ist nach Angaben Schwarztenbergers nur noch die Frage
der Kommunionspendung bei Brautmessen für Mischehen, für die das
Kirchenrecht eine Absprache mit den anderen Konfessionen vorsieht.
Kommentar:
Ohne exaktes Studium des neuen Ritus läßt sich aufgrund der hier
wiedergegebenen Zitate, die entscheidende Punkte der Ehe betreffen,
folgendes sagen: Die Ehe als Sakrament ist ihrem Wesen nach eine
moralische Institution, die die Abbildlichkeit des Verhältnisses von
Christus zu Seiner Kirche im Verhältnis von Mann und Frau darstellt,
wodurch die Eheleute unmittelbar Anteil haben am gnadenhaften Leben
Gottes. Im Eheversprechen binden sich Mann und Frau durch die Bindung
an Christus auch gegenseitig. Dieser Ehebund soll sich an der von
Christus empfangenen Liebe ausrichten und nach ihr durchgestalten. Und
wie Christus der Kirche in Seiner Liebe treu ist, so sollen es auch
Mann und Frau sein. Die spezifische Stellung von Mann und Frau ergibt
sich aus der vorgegebenen Abbildlichkeit. Gerade dadurch, daß sich Mann
und Frau an diese moralische Instituierung in ihrem Verhältnis binden,
unterscheidet sich die Ehe von spontanen Freundschaften.
1. Wenn nun keiner der Eheleute
mehr verpflichtet ist, "etwas versprechen (zu) müssen, was seinem
Gewissen oder Glauben widerspricht", heißt das in concreto, daß er
unter Umstanden den sakramentalen und/oder institutionellen Charakter
ablehnen darf (!) und sich gegebenenfalls den Verpflichtungen nicht
stellen muß, die normalerweise aus dem Eheversprechen resultieren.
(Wenn man zudem den heutigen Informationsstand der jungen Leute, die
heiraten wollen, unterlegt, dann darf man davon ausgehen, daß das
Wissen über das Wesen der Ehe und die Aufgaben in ihr sehr gering ist.)
Damit aber ist die Ehe als moralische Institution prinzipiell
aufgegeben.
2. Die angesprochene Änderung
der (von Gott bestimmten!) Stellung von Mann und Frau in der Ehe
bedeutet zum anderen die Aufhebung der für Mann und Frau geltenden
spezifischen, d.h. unterschiedlichen Relationalität zueinander. Eine
bloß partnerschaftliche Beziehung - ein Terminus, der aus dem
Geschäftsbereich übernommen ist - negiert nicht nur die
geschlechtsspezifische Stellung, sondern auch die damit jeweils
verbundenen Aufgaben. Zum anderen wird suggeriert, daß die Positionen
von Mann und Frau austauschbar sind. (N.b. was das in letzter
Konsequenz bedeutet, sieht man in der öffentlich massiv betriebenen
Propaganda für die 'Ehen' gleichgeschlechtlicher Paare, die heute
teilweise schon den 'Segen' einer 'Kirche' erhalten.)
3. Die Ehe als Sakrament
bedeutet-wie oben bereits ausgeführt-, daß die Eheleute durch und in
ihrem Liebesbund teilhaben am gnadenhaften Leben Gottes. Wird - wie es
der neue Ritus insinuiert - zugestanden, daß auch Ehen (bzw. 'Ehen')
zwischen religionsverschiedenen Personen geschlossen werden können,
heißt das, daß gegebenenfalls auch Paare kopuliert werden, die
untereinander und jeder für sich von jeweils völlig verschiedenen, auch
sich widersprechenden Grundpositionen ausgehen (dürfen) d.h. auch von
Positionen, die das Wesen der christlichen Ehe direkt negieren. Was
also eigentlich in der Ehe als Sakrament intendiert sein sollte -
nämlich ein in Gott gegründeter Liebesbund -, kann dann prinzipiell
nicht mehr erreicht werden. Damit ist es sinnlos, sich einem solchen
Ritus zu unterziehen, der von sich aus rechtens nicht mehr beanspruchen
kann, die Form für einen sakramentalen Eheschluß zu sein.
Resümee: Die in diesem Ritus
angesprochene Beziehung von Mann und Frau könnte bestenfalls ein
Geschlechtsverhältnis meinen, das noch hinter dem protestantischen
Verständnis von der Ehe (als "weltlich Ding") hinterherhinkt.
Eberhard Heller
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