56. Jahrgang Nr. 3 / Mai 2026
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Ausgabe Nr. 9 Monat November 2004
Widerstand? - Fehl(er)anzeige!


Ausgabe Nr. 11 Monat Dezember 2004
Die Allerheiligste Dreifaltigkeit


Ausgabe Nr. 4 Monat April 2004
Joseph Görres


Ausgabe Nr. 6 Monat Oktober 2005
Ein terminologisches Dilemma


Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2005
Unfreundliche Betrachtungen


Ausgabe Nr. 11 Monat december 2005
The Holy Trinity


Ausgabe Nr. 11 Monat december 2005
La Sainte Trinité


Ausgabe Nr. 1 Monat Februar 2006
Am Scheideweg


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1971
Einige präzise Fragen an Herrn Professor Schmaus


Ausgabe Nr. 2 Monat Mai 1971
WAHNSINN


Ausgabe Nr. 2 Monat März 2003
Orthodoxie und europäische Identität


Ausgabe Nr. 3 Monat April 2003
Die Irrtümer des Johannes Rothkranz


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2002
Buchbesprechung


Ausgabe Nr. 3 Monat Mai 2002
Welche Bedeutung hat der Kanon 1366 § 2 des CIC


Ausgabe Nr. 4 Monat Juli 2002
AN DIE PRIESTER


Ausgabe Nr. 1 Monat April 2000
Der heilige Anselm von Canterbury


Ausgabe Nr. 2 Monat Juni 2000
Der selige Oliver Plunket


Ausgabe Nr. 6 Monat Dezember 2000
Linientreue Zwerge


Ausgabe Nr. 6 Monat Dezember 2000
MITTEILUNGEN DER REDAKTION (dt/espa)


Ausgabe Nr. 7 Monat Oktober 1971
FRIEDRICH HEINRICH JACOBIS


Ausgabe Nr. 3 Monat August 1999
Warum die Einsicht Ecône unterstützt


Ausgabe Nr. 5 Monat Dezember 1999
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 2 Monat Juni 1998
ERWIDERUNG AUF DIE STELLUNGNAHME VON DR. E. HELLER


Ausgabe Nr. 5 Monat Dezember 1998
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1997
Buchbesprechungen


Ausgabe Nr. 3 Monat Juli 1997
Buchbesprechungen


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1997
SEKTIERERTUM ALS VORGABE


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 1993
DER HL. ALBERTUS MAGNUS


Ausgabe Nr. 5 Monat Februar 1994
ZUM PROBLEM DER ERFORDERLICHEN INTENTION BEI DER SAKRAMENTENSPENDUNG


Ausgabe Nr. 4 Monat November 1996
VERSINKT DER KATHOLISCHE WIDERSTAND... (Anmerkungen)


Ausgabe Nr. 5 Monat Dezember 1996
Buchbesprechungen


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1995
WELCHE PHILOSOPHIE? - Einleitung


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1995
WELCHE PHILOSOPHIE? -Fortsetzung


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 1995
NUR NOCH AUSLAUFMODELL?


Ausgabe Nr. 5 Monat März, Doppelnr. 5-6 1996
WELCHE PHILOSOPHIE? 2. Teil


Ausgabe Nr. 13 Monat June 2011
La Santisima Trinidad


Ausgabe Nr. 3 Monat September 1994
LESERBRIEFE


Ausgabe Nr. 4 Monat Mai 2006
Leserbriefe zu dem Beitrag Am Scheideweg


Ausgabe Nr. 3 Monat September 2013
Die Irrtümer des II. Vatikanums und ihre Überwindung


Ausgabe Nr. 5 Monat Dezember 1984
DIE LÄSTERUNG DES GEISTES


Ausgabe Nr. 1 Monat Mai 1980
EINSICHT!


Ausgabe Nr. 1 Monat Mai 1980
PRÄZISE ZIELE!


Ausgabe Nr. 2 Monat Juni 1980
EINSICHT!!


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Ausgabe Nr. 6 Monat Februar 1981
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Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2006
Und ihr werdet sein wie Gott


Ausgabe Nr. 3 Monat September 1979
DASS (...) DER WAHRHEIT DIE EHRE GEGEBEN WIRD


Ausgabe Nr. 3 Monat September 1979
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Ausgabe Nr. 7 Monat April 1980
JOHANNES PAUL II.


Ausgabe Nr. 7 Monat April 1980
STELLUNGNAHME GEGEN DIE VORWÜRFE, DIE GEGEN DAS VON DER SAKA GEPLANTE SEMINAR GERICHTET SIND.


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
EN LA ENCRUCIJADA


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
À la croisée des chemins


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
At the crossroads


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
Y seréis como Dios (Gn. 3, 5)


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
And thou wilt be like God (Gen. 3,5)


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DER VERABSCHEUTE DIENST


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Ausgabe Nr. 13 Monat September 2007
LA SANTISIMA TRINIDAD


Ausgabe Nr. 13 Monat September 2007
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Zum 50. Todestag des katholischen Dichters Reinhold Schneider


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Ausgabe Nr. 13 Monat June 2011
E sarete come Dio (Gn. 3, 5)


Ausgabe Nr. 13 Monat June 2011
Al crocevia


Ausgabe Nr. 3 Monat Sptember 2011
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Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
DIE THEORIE DER INTERPERSONALITÄT IM SPÄTWERK J.G. FICHTES


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Einleitung


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
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Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel II


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
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Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 1


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 2


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 3


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 4


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 5


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 6


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 7


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 8


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 9


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel IV


Ausgabe Nr. 3 Monat September 2012
Mitteilungen der Redaktion, Hinweise


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 2012
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Gedanken zu „Einsicht“, Sept. 2015, Dr. E. Heller


Ausgabe Nr. 4 Monat Juni 2020
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Ausgabe Nr. 4 Monat Juni 2020
How Christ can be recognized as Son of God – further reflections


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Ausgabe Nr. 5 Monat Juni 2020
Cómo se puede conocer a Cristo como Hijo de Dios: nuevas consideraciones


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Ausgabe Nr. 5 Monat November 2025
Herr und Knecht


Ausgabe Nr. 3 Monat Mai 2026
Welche Philosophie? Thomas oder Fichte?


DER HL. ALBERTUS MAGNUS
 
DER HL. ALBERTUS MAGNUS

von
Eugen Golla


Als Sohn eines Ministerialen, d.h. eines Beamten in staufischen Diensten, dessen Geschlecht später unter dem Namen "von Bollstädt" geadelt wurde, erblickte Albert um das Jahr 1193 in dem zwischen Ulm und Donauwörth gelegenen Lauingen das Licht der Welt. Wie bei den meisten Menschen im Mittelalter haben wir nur wenige Nachrichten über seine frühe Jugendzeit. Erst nachdem er ein Alter von etwa 3o Jahren erreicht hatte, erfahren wir mehr über Albert: er widmete sich an der neugegründeten Universität von Padua dem Studium der Freien Künste, vielleicht auch der Medizin.

Hier lernte er den zweiten Ordensgeneral der Dominikaner, den seligen Jordanus von Sachsen, kennen, der ihn - wie viele seiner Studiengenossen auch - derart faszinierte, daß dieser Einfluß für sein ganzes zukünftiges Leben richtungsweisend werden sollte: Albert entschloß sich nach kurzem Zögern, das weiße Gewand der Predigermönche anzuziehen, ungeachtet der Schwierigkeiten, die ihm seine Verwandten zu bereiten suchten. Jordanus als sein Oberer beließ ihn allerdings nicht in Italien, sondern schickte ihn nach Köln, damit er im dortigen Dominikanerkloster sein Noviziat absolvieren solle. Im Alter von etwa 4o Jahren zum Priester geweiht, begann für Albertus ein Wanderleben im Dienste des Herrn, indem er zunächst als Lektor an verschiedenen Ordenshäusern, wie denen in Hildesheim, in Freiburg, in Regensburg und Straßburg, unterrichtete.

Als er sich in dem Kampf des letzten Stauferkaisers, Friedrichs II., mit dem Papste, der das gesamte Abendland erschütterte, profiliert hatte, wurde ihm 1245 die Ehre zuteil, als erster Deutscher an der Pariser Universität lehren zu dürfen. Dort befand sich unter seinen Schülern ein unscheinbar aussehender, wortkarger italienischer Adliger, dem es bestimmt war, als der größte Theologe des Mittelalters seines Lehrers Werk weiterzuführen: Thomas von Aquin.

Wenige Jahre später wurde Albertus nach Köln zurückberufen, wo sein Orden - wie bereits in Bologna, Oxford und Montpellier - eine eigene Hochschule, den Ursprung der späteren Kölner Universität, errichtet hatte. Hier wirkte er nun nicht nur als Hochschullehrer, der unter seinen Hörern wieder jenen Thomas von Aquin hatte, den er schon in Paris unterrichtete, sondern auch als Volksprediger, ja sogar als Schiedsrichter in den Streitigkeiten der selbstbewußten Kölner Bürger mit ihrem Erzbischof.

Im Jahre 1254, in einer Zeit voll gefährlicher Krisen - mit dem Tode Friedrichs II. endete für immer das mächtige Imperium des Hochmittelalters, es begann die kaiserlose, schreckliche Zeit -, wurde Albertus zum Provinzial der deutschen Ordensprovinz ernannt, die 4o Klöster umfaßte. Stets auf die Einhaltung der strengen Ordensregel bedacht und dabei mit gutem Beispiel vorangehend, legte er sämtliche Wege auf den weiten Visitationsreisen zu Fuß zurück, begnügte sich mit ärmlichen Unterkünften in Klöstern, ja er schreckte nicht davor zurück, notfalls als wirklicher Bettelmönch um Almosen und das tägliche Brot nachzufragen.

Da sich die Franziskaner und die Dominikaner in vielen Dingen, in den Ideen und auch den Gebräuchen, stark von den alten Orden unterschieden, erweckten sie vielfach den Eindruck, Unruhestifter zu sein, ja sie galten so manchem Zeitgenossen als so revolutionierend, daß er Angst hatte, sie würden die christliche Gesellschaftsordnung unterminieren. Besonders das radikale Armutsideal und ihre Lehrtätigkeit erregten bei den etablierten Lehrern den Eindruck, die alte Ordnung und die alten Lehren umstürzen zu wollen. Überall erregten diese Lehrer der neuen Orden Ärger, besonders in Paris, In ihrer Aufgebrachtheit schreckten deshalb diese alten Dozenten nicht davor zurück, sie der Häresie anzuklagen. Zur Klärung dieser nun theologischen Streitigkeiten berief daher 1256 Papst Alexander IV. Albertus an seinen Hof nach Anagni, das in den Wirren dieser Zeit wiederholt als päpstliche Residenz dienen mußte. Der Papst, selbst ein Freund der Bettelorden, ließ sich durch die überzeugende und gewandt geführte Verteidigung Alberts von der Rechtgläubigkeit und dem segensreichen Wirken der neuen Orden überzeugen. Dagegen wurde Wilhelm von St. Amour, der Hauptgegner unter den Pariser Universitätsprofessoren, verurteilt und aus Paris ausgewiesen, Thomas von Aquin durfte dagegen dorthin zurückkehren und seine Vorlesungen wieder aufnehmen.*)

Kurze Zeit nach dieser erfolgreichen Apologie war es Albertus vergönnt, sich wieder in Deutschland seinen Pflichten als Ordens-Provinzial und als Gelehrter zu widmen. Wohl aufgrund des Eindrucks, den er beim Papst hinterlassen hatte, bestimmte ihn dieser zum Oberhirten der Diözese Regensburg, die ein schlechter Bischof an den Rand des Ruins gebracht hatte. Sein Oberer beschwor Albertus jedoch, das mit so hohen Ehren verbundene Amt, das für einen schlichten Mönch unpassend sei, abzulehnen. Auch Albertus widerstrebte es, das Bischofsamt anzunehmen, aber Alexander IV. befahl ihm schließlich, seinen Wünschen zu entsprechen... und Albertus nahm schließlich diese neue Bürde auf sich. Getreu der Regel seines Ordens, die den Brüdern Pferd und Wagen als Reisemittel verbot, traf er in derber bäuerlicher Fußbekleidung in Regensburg ein. Der "Bundschuh" - diesen Spitznamen gaben ihm seine Diözesanen - mißfiehl nicht nur den hohen Herren, sondern auch vielen einfachen Gläubigen, denen das schlichte Auftreten ihres neuen Bischofs im Vergleich mit dem Prunk, den sein Vorgänger entfaltet hatte, nicht geheuer war. Es gelang Albertus, der weder Ritter noch Adliger, sondern nur Bischof und Ordensmann sein wollte, innerhalb von zwei Jahren die in der Diözese eingerissenen Mißstände zu beseitigen, die Verwaltung neu zu organisieren und die Schulden seines Vorgängers zu tilgen. Daß er als Regensburger Bischof auch als Prediger Popularität erlangt hatte, davon zeugen die sogenannten Alberti-Tafeln, d.s. auf Holztafeln übertragene und passend illustrierte Merksprüche wie z.B.:

"Verurteile niemand; das ist Gott wohlgefälliger, denn daß du dein Blut vergießest sieben Stunden am Tag,"
"Wer ein hartes Wort geduldiglich erträgt in der Liebe unseres Herren, das ist Gott wohlgefälliger, denn daß er zerschlüge auf seinem Rücken so viel Besen, als auf einem ganzen Acker gewachsen sind "
"Geh selber zu Gott, das ist dir nützer, denn daß du alle Heiligen und alle Engel hinsendest, die im Himmel sind."

Nach der Wiederherstellung der Ordnung in der Regensburger Diözese ruhte Albertus nicht eher, bis ihn der Papst wieder von seinen Pflichten als Diözesan-Bischof entbunden hatte. Dafür wurde er aber von Alexander IV. mit der Aufgabe betraut, als Kreuzzugsprediger im Deutschen Reiche und in Böhmen zu wirken. Damals - nur noch ein Vierteljahrhundert vor dem endgültigen Verlust Akkons, der letzten im Besitze der Christen befindlichen Stadt des Heiligen Landes - war allerdings die Kreuzzugsbegeisterung längst erloschen. Man muß daher annehmen, daß Albertus in Wirklichkeit Missionen abhielt.

Nach Beendigung dieser Aufgabe lehrte er einige Zeit an verschiedenen Hochschulen, u.a. in Straßburg und Würzburg. Nebenbei war er auch als Weihbischof tätig, meist in Süddeutschland, wo er viele Altäre und Kirchen konsekrierte.

Als er ein Alter von ungefähr 80 Jahren erreicht hatte, ging das Interregnum, die kaiserlose Zeit, zu Ende. Er selbst setzte sich für die Wahl Rudolfs von Habsburg zum deutschen Kaiser ein.

Ein schwerer Schlag für den greisen Albertus war der im Jahre 1274 erfolgte Tod von Thomas von Aquin, dessen Rechtgläubigkeit kurz zuvor in Paris angezweifelt worden war. **) Um das Ansehen und das Werk seines Lieblingsschülers zu retten, unternahm Albertus trotz seines hohen Alters die anstrengende Reise nach Frankreichs Hauptstadt, wo es ihm gelang, über die Gegner des Aquinaten zu siegen.

Danach war es ihm noch vergönnt, sich einige Jahre den Wissenschaften zu widmen. Zuletzt soll er aber sein Gedächtnis verloren haben. Nach einer Legende sollte sich damit eine Prophezeiung der Gottesmutter an ihn erfüllen: als er sie nämlich in seiner Jugend um die Erhaltung des Glaubens, der durch seine wissenschaftliche Betätigung gefährdet schien, gebeten hatte, soll sie ihm nicht nur seinen zukünftigen Ruhm als Gelehrter, sondern auch den plötzlichen Verlust seiner Geisteskraft, ohne daß hierdurch jedoch sein kindlich aufrichtiger Glaube betroffen werde, vorausgesagt haben.

Wahrscheinlich im Alter von 87 Jahren entschlief er sanft am 15. November 128o zu Köln. Im Chor seiner Klosterkirche wurde er beigesetzt, Als diese zu Anfang des vorigen Jahrhunderts zerstört wurde, ließ man seine sterblichen Überreste in die Stiftskirche St. Andreas überführen. Wenn seine Verehrung auch schon frühzeitig in Köln und Regensburg einsetzte, erfolgte die Beatifikation erst 1622 durch Papst Gregor XIV. Es war Pius XI. der ihn 1931 heiligsprach und ihm gleichzeitig den Titel eines Kirchenlehrers verlieh, die höchste Ehre, die einem Theologen zuteil werden kann. Zusätzlich ernannte ihn 1941 Pius XII. zum Patron der Naturwissenschaftler. Die Kirche feiert sein Fest am 15. November.

Albertus gilt als der universalste deutsche Gelehrte des Mittelalters infolge seiner außergewöhnlichen Kenntnisse auf den Gebieten der Theologie, der Philosophie und der Naturwissenschaften. Die Werke dieses "doctor universalis" umfassen etwa 50 Anlaß zum Folgebände. Viele seiner Abhandlungen verfaßte er unter ungünstigen Bedingungen auf seinen Visitationsreisen oder in primitiven Herbergen Betrachten wir zunächst seine Leistungen auf dem Gebiete der Naturwissenschaften. Er hörte als erster Gelehrter damit auf, sich allzu eng an antike Autoren anzulehnen, damit er selbst den Kosmos aus eigener Erfahrung beobachten und interpretieren könne. Dies verleitete ihn aber niemals dazu, in der Schöpfung nicht das Werk des allmächtigen und weisen Gottes zu sehen. Es bestand für ihn kein Gegensatz zwischen Glaube und Naturwissenschaften. Vielmehr böten - so seine Auffassung - die Worte des Herrn für den wahren Naturforscher keinen Anlaß zum Zweifeln. Selbstverständlich konnte er keine mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden vorbereitete Experimente durchführen - wie wir dies heute tun -, fehlte es seiner Zeit doch an allen Geräten, mit denen die moderne Naturwissenschaft arbeitet. Aber sein konzentriertes Versenken in Naturvorgänge und sein Suchen nach Zusammenhängen und Kausalitäten veranlaßten ihn z B. nicht nur, den gestirnten Himmel zu beobachten, sondern auch Heilkräuter zu testen und zu beschreiben, das Auge eines Maulwurfes zu sezieren oder in Bergwerken Gesteine und Mineralien zu untersuchen. Er zählte auch zu den Gelehrten, welche die damals noch stark umstrittene Theorie von der Kugelgestalt der Erde vertraten und mehr als 200 Jahre vor Kolumbus annahm, daß Indien auch vom Westen her erreicht werden könne. War es ihm auch nicht vergönnt, Naturgesetze zu entdecken, so legten doch seine Forschungen die Grundlage für so manche spätere Entdeckungen.

Epochemachend war Albertus auf dem Gebiet der Theologie und der Philosophie, vor allem dadurch, daß er Aristoteles, der bisher im Abendland wenig bekannt war und kaum studiert worden war, in die abendländische Philosophie einbrachte. Die Voraussetzungen hierzu waren gegeben, da sich damals die wissenschaftlichen Werke der Araber, unter welchen sich insbesondere die aristotelischen Schriften in arabischer Übersetzung befanden, über ganz Europa verbreiteten. Er war der erste, der die gesamte Philosophie des Aristoteles sowie die von arabischen und jüdischen Gelehrten verfaßten Kommentare, in denen allerdings theologische Irrtümer enthalten waren, nach denen z.B. die Welt ewig sein sollte oder die individuelle Seele geleugnet wird sowie deren Unsterblichkeit, in die mittelalterliche Theologie und Philosophie einarbeitete. Dies war ihm möglich, da ihm die Schriften des Aristoteles vorlagen, frei von Entstellungen und Überfremdungen. Mag auch Aristoteles für Albertus auf dem Gebiet der Philosophie eine Autorität gewesen sein, auf dem der Theologie vertrat er immer die Positionen der Kirche. Stets blieb es das Anliegen von Albertus, der Vernunft neben dem Glauben den ihr gebührenden Platz einzuräumen, um so die geistigen Voraussetzungen für das einträgliche Zusammenwirken von Offenbarung und Vernunft, von Theologie und Philosophie, zu schaffen Der Einfluß seiner Werke auf die philosophische und theologische zeitgenössische Entwicklung in diesen Gebieten endete mit dem Mittelalter. Erst unser Jahrhundert begann wieder damit, seine Abhandlungen zu studieren und aufzuarbeiten. Zweifellos ist an dieser Unterbelichtung seines Ruhmes die überragende Persönlichkeit des hl. Thomas v.A. 'schuld', der ihn an Verstandesschärfe und Systematik übertraf. Welch große Bedeutung Albertus dennoch für seine Zeitgenossen hatte, geht allein daraus hervor, daß selbst Thomas von Aquin und seine anderen Schüler von diesen "Albertisten" genannt wurden.

Zum Schluß soll Albertus Magnus noch als Beter bzw., als Verfasser volkstümlicher Betrachtungen zu den Sonntagsevangelien des Kirchenjahres zu uns sprechen. So schrieb er für den Sonntag Sexagesima folgende Meditation (Evangelium vom Sämann):

"Herr Jesus Christ,
Du hast den Samen deines Wortes ausgesät
in meinem Geist in jedem guten Gedanken,
in meinem Willen zu jedem guten Werk.
Du hast ihn ausgesät in all mein Wirken,
Laß mich ausziehn aus dem Altland meines Lebens,
damit der Same deines Wortes
nicht von den leichten Vögeln eitler Gedanken aufgefressen werde,
damit er nicht zertreten werde auf dem flüchtigen Wege,
damit er nicht vertrockne auf dem harten, zähen Felsgestein
und nicht ersticke in den Dornen der Kümmernisse.
Gib mir ein mildes Herz voll Demut und Fröhlichkeit,
daß ich ein gutes und bestes Erdreich werde
und Frucht bringe in Geduld.
Amen."

Benutzte Literatur:
"Albert von Bollstädt", in: "Allgemeine Deutsche Biographie" 1875, Neudruck: Berlin 1967.
Feldmann, Christian: "Gottes sanfte Rebellen" Freiburg 1984.
Tüchle, Hermann: "Aus dem schwäbischen Himmelreich. Religiöse Gestalten des Schwabenlandes" Ulm 1977.

***

Anmerkungen der Redaktion:

*) In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gab es einen Wendepunkt in der Geschichte der mittelalterlichen Wissenschaft. Sie erlebte einen bedeutenden Umbruch. Über den Umweg der arabischen Philosophie war das Gesamtwerk des Aristoteles bekannt geworden, von dem man bis gegen Ende des 12. Jahrhunderts nur die logischen Schriften, das "Organon", besessen hatte. Dieses Gesamtwerk des Aristoteles umfaßte neben der Metaphysik, der (nikomachischen und eudemischen) Ethik, der Politik und der Poetik auch die Darstellungen der Naturwissenschaften und übte wegen der Erweiterung des Wissens hinsichtlich seines Inhalts und Umfangs einen tiefgreifenden Einfluß auf die damalige Zeit aus. Die Einarbeitung dieses wissenschaftlichen Materials in die christlich abendländische Gedankenwelt war Aufgabe der Zeit, an der Albertus maßgeblich beteiligt war. Seine Stellung in der Geschichte der Wissenschaft resultiert aus der Erfüllung dieser Aufgabe. Für ihn stellt das universelle Wissen des Aristoteles den wissenschaftlichen Unterbau dar, auf dem ihm die Errichtung der christlichen Theologie als Wissenschaft möglich erschien. Denn dessen Begrifflichkeit bot nach Albertus Meinung die Mittel zur wissenschaftlichen Darstellung und zum systematischen Schematisieren der christlichen Lehrinhalte. Bedeutsam waren für ihn nicht nur des Aristoteles (realistische) Seins- und Erkenntnislehre, sondern auch dessen Theismus, obwohl die darin entfaltete Gottesvorstellung sich mit dem christlichen Gottesbegriff keineswegs deckte. Nach Aristoteles ist die Welt unentstanden, in der sich in ewigem Rhythmus des Geschehens die Naturformen verwirklichen. Für Aristoteles stellt sich nicht die Frage nach dem Ursprung des Seins dieser Welt, sondern nach der Bewegung (in) der Welt. Die Lösung sieht er in der Annahme eines ersten Bewegers, der selbst unbewegt ist. Diesen Beweger nennt er Gott, der reine Aktualität ist. Auch Thomas v.A. fußt u.a. auf der theistischen Vorstellung von Aristoteles, von dem er die Auffassung von der Welt als "ordo" übernimmt, welche bei ihm von entscheidender Bedeutung wird. Zugleich galt es, das tradierte Material des Aristoteles von den Schlacken seiner arabischen Übersetzer und Interpreten, zu deren bedeutendsten Avicenna (980-l037) und der in Cordoba / Spanien geborene Averroes (1126-1198) gehörten, zu reinigen und Irrlehren zu bekämpfen, die von diesen verbreitet worden waren wie z.B. der eigenartige Pantheismus des Averroes, der bereits im christlichen Abendland viele Anhänger (u.a. die Libertinisten) gewonnen hatte, Fußend auf dem aristotelischen Theismus (Gott nur als Erstbeweger und nicht als Schöpfer) hatte dieser behauptet, daß Gott die Einzelwesen nicht kennt bzw. anerkennt, weshalb nach Averroes es auch keine göttliche Vorsehung geben kann. Dieser reduzierte Gottesbegriff hatte auch (destruktive) Auswirkungen auf die Konzeption des Sittengesetzes. Die Scholastiker taten alles, um die averronistischen Irrtümer zu bekämpfen (mit einem gereinigten und vertieften Aristotelismus) und sahen darin gleichsam einen geistigen Kreuzzug gegen die arabische Welt, von der man annahm, via Philosophie noch den Sieg über das Christentum erringen zu wollen, den sie auf politischem Gebiet bereits verloren hatte. Thomas v.A. war 1248 nach Köln gekommen, wo er unter Albertus studierte und 1252 sein Studium abschloß. Auf dessen Anraten ging er darauf nach Paris, um den theologischen Magistertitel zu erwerben. Dort war er zugleich als Lehrer tätig (1252-1259). Diese Tätigkeit nahm er dann 1269 (bis 1272) wieder auf, verließ aber dann nach harten Auseinandersetzungen mit den Bettelorden und franziskanischen Vertretern des Augustinismus die Universität endgültig. Er starb am 3.7.1274.

**) Auch wenn die Erweiterung des Wissensstandes durch den neu entdeckten Aristoteles und die Auseinandersetzung mit ihm Gebot der Stunde war, um in der Diskussion mit den arabischen Philosophen zu bestehen und um immanent die von ihnen vertretenen (und verbreiteten) Irrtümer zu bekämpfen, so war die Einführung und Adaption seiner Lehren als systembildende theoretische Basis für die christliche Theologie mehr als problematisch. Denn die Ansätze des Aristoteles stellten weder ein System dar noch waren sie wissenschaftlich abgesichert (vgl. z.B. seinen Theismus), weshalb ihre Anwendung in der Theologie und für sie als Reformvorhaben aus

a) methodischen und
b) sach-logischen Gründen

gravierende Probleme mit sich brachte. Dies wurde von den Repräsentanten der Kirche sehr genau gesehen. Bereits 12l0 hatte ein Konzil unter dem Vorsitz von Erzbischof Petrus v. Corbeil in Paris die Behandlung der Naturphilosophie des Aristoteles und deren Kommentare in Vorlesungen untersagt, welches Verbot von Papst Gregor IX. im Jahre 1231 bestätigt und wiederholt wurde. 1215 verbieten die Statuten der Universität von Paris die Lektüre der aristotelischen Naturphilosophie und der Metaphysik. Nur durch Umgehen dieser Verbote konnte Thomas v.A. nach seinem Weggang von Monte Cassino im Jahre 1239 an der kaiserlichen Universität von Neapel, wo diese Verbote nicht in Kraft waren, Aristoteles studieren. Weitere Zensuren folgten: Papst Innozenz IV. dehnte 1245 das Aristoteles-Verbot auf die Universität von Toulouse aus; im Jahre 1263 wiederholte Papst Urban IV. das Verbot, die Naturphilosophie zu lesen. Als die Interpretation des Aristoteles ab 1265 sich immer stärker von christlichen Positionen wegbewegte, predigte der hl, Bonaventura mehrfach öffentlich gegen den Aristotelismus und nahm dabei auch Positionen von Thomas aus seiner Kritik nicht aus. In der Osterpredigt von 1272 kritisierte er mit bis dahin nicht gekannter Schärfe erneut den Aristotelismus, dessen Philosophie für ihn eine "apokalyptische Bedrohung der Christenheit" darstelle. Am 3. Todestag vom Thomas v.A., am 7. März 1277 verurteilte der Pariser Erzbischof Stephan Tempier - auf Ersuchen des Papstes in einem Brief vom 18.1.1277 - 219 philosophische Thesen der Averroenisten, unter denen sich nun auch 16 Sätze des Thomas befanden. Diese Verurteilung wurde vom Papst brieflich am 28.4.1277 gutgeheißen. In den folgenden Jahren wurden Thesen von Thomas noch mehrfach zensuriert. Auch wenn bald darauf die immense Arbeitsleistung des Aquinaten gewürdigt und er bereits 1323 von Papst Johann XXII. heiliggesprochen (Fest: 7. März), 1567 durch Pius V, zum Kirchenlehrer und von Leo XIII. 1880 zum Patron aller kath. Hochschulen ernannt worden ist und das Studium seiner Schriften u.a. von Leo XIII. 1879 in "Aeterni patris", ebenso von Pius XII. in "Humani generis" vom 12.8.195o ausdrücklich empfohlen wird (DH 3894), so handelt es sich dabei nicht um eine zwingende Verpflichtung, auch nicht in der Fixierung des Studiums des Aquinaten in CIC c. 1366 § 2, sondern nur um eine Empfehlung (die lateinischen Versionen benutzen alle den Konjunktiv! - Pius XII!: "...instruantur..."). Abgesehen davon, daß man sich philosophisches Wissen nur durch eigene EINSICHT im Vollzug des Denkens - und nie durch bloßes Memorieren! - aneignen kann, wobei man sehr wohl auf die klassischen Autoren als pädagogische und propädeutische Stützen zurückgreifen kann, zeigt ein signifikantes Beispiel auch die sach-logische Begrenztheit des Thomismus. Auf dieses hat u.a. der inzwischen verstorbene Mgr. Storck hingewiesen: "Eine (...) vom Primat der theoretischen Vernunft (wie z.B. im Aristotelismus) ausgehende Philosophie bleibt unfähig, die Gesetze des Denkens selbst zu begründen. Hier liegt nebenbei auch ein Fehler der Argumentation des Thomas v. Aquin in den 'quinque viae': S.th. I q 2a 3. Alle von ihm genannten 'Beweise' setzen ganz unreflektiert die Geltung des Grund-Folge-Verhältnisses voraus. Das Bewiesene ist aber nur so beweiskräftig wie die Voraussetzungen, von denen der Beweis ausgeht bzw. mit denen er operiert. Das 'Absolute' dieser Gottesbeweise hängt also von der Geltung der Denkgesetze ab!" (Storck, Günther: "Die Gottesidee der Wissenschaftslehre J.G. Fichtes", I.-D., München 1976, S 42)

Quellen:
Codex Iuris Canonici, ed. 1917
Denifle, Henri / Chatelain, Emile: "Chartularium Universitatis Parisiensis", Paris 1889 ff.
Denzinger-Hünermann: "Enchiridion Symbolprum definitionum et declarationum de rebus fidei et morum", Barcelona-Freiburg-Rom(36) 1976.
Denzinger-Schönmetzer: "Enchiridion...", Barcelona-Freiburg-Rom(37) 1991.
Flasch, Kurt: "Aufklärung im Mittelalter" Mainz 1989.
Imbach, Ruedi: "Die Vorworte der Aristoteleskommentare des Thomas v Aquin, Frankfurt am Main 1992.
Steenbergen, Fernand van: "Die Philosophie im 13 Jahrhundert" München-Paderborn-Wien 1977.
Weisheipl, James: "Thomas von Aquin" Graz-Wien-Köln 1980

(Quellen zusammengestellt und ausgesucht von Christian Jerrentrup)
                                                          
 Eberhard Heller

 
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