Das Turiner Grabtuch wird weiter untersucht
von
Eugen Golla
Eine Forschergruppe aus Oxford unter der Leitung des Konservators des
Britischen Museums, Dr. Tite, untersuchte 1988 das Turiner
Grabtuch (vgl. EINSICHT 19. Jg, Nr. 3, S. 75). Die angewandte
Methode, eine modifizierte Form der Kohlenstoffdatierung, kam zum
Ergebnis, daß das Tuch aus der Zeit zwischen 1210 und 1440 stammen
müsse.
Die Feinde des Christentums - besonders die Förderer einer
glaubenslosen Weltordnung - betrachte-ten dieses Ergebnis, eine
Diffamierung der wohl bedeutendsten Reliquie, als eine erfolgreiche
Leugnung der Gottheit Christi und seiner glorreichen Auferstehung. Wie
nicht anders zu erwarten, bemächtigten sich natürlich auch die Medien
dieser Bekanntgabe, meist im negativen Sinne. "Etwas erstaunlich war,
daß Johannes Paul II. auf diese Kampagne in den Medien antwortete und,
ohne auf irgendwelche Beweise für diese Behauptung zu warten,
bekanntgab, er sei bereit, diesen 'wissenschaftlichen' Beweis
anzunehmen! (Dr. Kitty Little, "Das heilige Leichentuch von Turin und
das Wunder der Auferstehung" SAKA Informationen, Januar/Februar 1995).
Selbstverständlich wurde dieser Test auch einer scharfen Krtik
unterzogen. So verlangte bereits der Fachkongreß der Grabtuchforscher
vom 8.-9. September 1989 eine neue, auf streng wissenschaftlicher Basis
durchgeführte und kontrollierte Untersuchung.
Am 7.1. 1990 wandte sich der berühmte Grabtuchexperte Fr. Bonnet-Eymard
in der Zeitschrift CONTRE-REFORME CATHOLIQUE an die 21 Mitunterzeichner
des Berichts über das Ergebnis dieses C-14-Tests. Er wies darauf hin,
daß die Ergebnisse dieser Datierung nicht nur dem ständigen Glauben der
Kirche und den wissenschaftlichen Untersuchungen seit Ende des 19.
Jahrhunderts widersprächen, sondern auch die angewandte Methode voll
von Mißständen gewesen sei. Einen ähnlichen Beitrag leistete der
deutsche Jesuit Werner Bulst "Betrug am Turiner Grabtuch - Der
manipulierte Carbon-Test", Frankfurt/Main 1990.
Ein Kongreß von Wissenschaftlern überprüfte im Juni 1993 von neuem die
Ergebnisse des Carbon-Tests. Trotz Einladung erschien aber niemand von
der Unterzeichnern der Untersuchung von 1988.
Dem in der Deutschen Tagespost Nr. 63 vom 28. Mai 1994 erschienen
Artikel von Michael Spethling: "Das Grabtuch - ärztlich untersucht" ist
u.a. folgendes zu entnehmen: 1993 wurde der Grabtuch-Expertenkommission
eine Untersuchung von Augenärzten über die Verletzung des rechten Auges
Jesu vorgelegt. Die entdeckten Verletzungen - der Spannungsverlust der
Augenmuskeln, das Auge liegt in der Augeninnenhöhle, die Lidfalte ist
verstrichen, dürften, obwohl in keiner der vier Passionen von einer
solchen Verletzung berichtet wird, auf einen Geißelhieb in das Gesicht,
eine Verletzung durch die Dornenkrone oder einen Sturz beim Kreuztragen
zurückzuführen sein. Das Begräbnisritual der Juden verlangte, daß dem
Verstorbenen Münzen auf die geschlossenen Lider gelegt werden sollen.
Die Augenärzte gehen nun davon aus, daß der Münzabdruck über dem
rechten Auge besonders wahrnehmbar sei, weil bei der Folterung Jesus
vermutlich der rechte Augapfel durchstochen worden sei und daher das
Wundsekret einen deutlichen Abdruck hinterlassen habe. Übringens konnte
bereits 1977 F.L. Filas die Abdrücke über dem rechten Auge als
Münzabdrücke identifizieren und der Aufschrift entnehmen, daß es sich
um ein Geldstück handelt, das während der Statthalterschaft des Pilatus
in Umlauf war.
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