DIE HOCHZEIT ZU KANA
- NACH DEN VISIONEN DER GOTTSELIGEN
ANNA KATHARINA EMMERICH -
Als Jesus mit seinen Jüngern vor Kana ankam, wurde er von Maria, von
den Brauteltern, dem Bräutigam und anderen, welche ihm entgegengegangen
waren, sehr ehrerbietig empfangen. Er wohnte mit seinen vertrauten
Jüngern und namentlich mit den nachmaligen Aposteln in einem einzelnen
Haus, welches der Mutter-Schwester des Bräutigams gehörte, die
ebenfalls eine Tochter der Sobe, Annas Schwester, war. Sie vertrat bei
der ganzen Feierlichkeit Mutterstelle bei dem Bräutigam. Der Vater der
Braut hieß Israel und stammte aus Ruth von Bethlehem. Er war ein
wohlhabender Mann, der ein großes Frachtgeschäft, Packhäuser, große
Herbergen und Futterplätze für Karawanen längs der Heerstraße und viele
Unterbeamte hatte.
Aus Galiläa waren alle Verwandten der heiligen Anna und Joachims, im
ganzen über hundert Gäste, in Kana vereinigt. Von Jerusalern kamen
Maria Markus, Johannes Markus, Obed und Veronika. Jesus selber brachte
an Jüngern wohl fünfundzwanzig Gäste.
Wohl hatte Jesus schon in seinem zwölften Jahre bei der Kindermahlzeit
im Hause der heiligen Anna, da er von demTempel zurückkam, dem
Bräutigam nach einigen geheimnisvollen Reden über Brot und Wein gesagt,
daß er einst auf seiner Hochzeit erscheinen werde; allein seine jetzige
Teilnahme an dieser Hochzeit hatte doch, wie jedes andere Ereignis
seines irdischen Wandels, außer der höheren geheimnisvollen Ursache
auch ihre äußerlichen, scheinbar gewöhnlichen Veranlassungen. Schon
mehrmals hatte Maria Jesus durch Boten gebeten, auf diese Hochzeit zu
kommen. Es war nach menschlicher Weise unter den Verwandten und
Bekannten der Heiligen Familie das Gerede entstanden: Maria, seine
Mutter, sei eine verlassene Witwe; er ziehe durch das Land, kümmere
sich nicht um sie und seine Familie. Er wollte darum auf die Hochzeit
mit seinen Freunden kommen und ihr Ehre antun. Die Hochzeit wurde als
eine eigene Sache von ihm angesehen, und er hatte einen Teil des ganzen
Festes über sich genommen; darum war Maria schon so frühe da und half,
alles einzurichten. Jesus hatte übernommen, allen Wein auf der Hochzeit
zu liefern, weshalb Maria so sorglich sagte, daß es an Wein fehle.
Jesus hatte auch Lazarus und Martha, welche Maria in der Anordnung
beistanden, nach Kana beschieden; und Lazarus war es, der, was Jesus
und Maria allein bekannt war, jenen Teil der Kosten trug, welche Jesus
übernommen hatte. Jesus hatte ein großes Vertrauen zu ihm. Er empfing
alles gerne von ihm, und dieser war selig, alles zu geben. Lazarus war
auch bis zuletzt wie der Schatzmeister der Gemeinde. Er wurde während
des ganzen Festes als ein besonders vornehmer Herr von dem Brautvater
mit Auszeichnung behandelt, der sich persönlich viel um seine Bedienung
bemühte. Lazarus war sehr fein gesittet, ernst, ruhig und mit
freundlicher Zurückhaltung in seinem Benehmen; er redete wenig und
achtete stets mit Innigkeit auf Jesus.
Außer dem Wein hatte Jesus auch einen Teil des Mahles übernommen,
nämlich die vorzüglicheren Speisen, Früchte und allerlei Vögel und
Kräuter. Für alles dieses war gesorgt. Veronika hatte von Jerusalem
einen Korb mit wunderbaren Blumen und künstlichem Zuckerwerk
mitgebracht. Jesus war wie der Herr des Festes. Er leitete alle
Vergnügungen und würzte sie mit Lehren. Er teilte auch die ganze
Festordnung ein und sagte, daß alle an diesen Tagen nach Brauch und
Sitte sich ergötzen, aber aus allem in ihrer Freude Weisheit ziehen
sollten. Unter anderem sagte er, daß sie täglich zweimal das Haus
verlassen wollten, um im Freien sich zu unterhalten.
Mit jenen Jüngern, welche nachmals seine Apostel wurden, sprach Jesus
in diesen Tagen viel allein; die anderen Jünger waren nicht dabei
zugegen. Jesus wandelte aber auch mit allen Jüngern und Gästen in der
Gegend umher und lehrte, und die nachmaligen Apostel legten wieder
andern die gehörten Lehren Jesu aus. Dieses Wandeln der Gäste diente,
daß man die Zubereitungen zum Feste desto ungestörter machen konnte;
doch waren mehrere Jünger und auch Jesu manchmal im Haus und bei den
Zurüstungen, um dies oder jenes anzuordnen; und weil mehrere darunter
waren, welche ein Geschäft bei dem Brautzug hatten.
Jesus wollte an diesem Feste allen seinen Freunden und Verwandten sich
zu erkennen geben und wollte, daß alle, die er bis jetzt erwählt hatte,
sich untereinander und den Seinigen in der größeren Offenheit bei einem
Fest bekannt würden. Auch in der Synagoge, wo alle Gäste versammelt
waren, lehrte Jesus von der Freude erlaubter Ergötzung, ihrer
Bedeutung, ihrem Maß, ihrem Ernst, ihrer Weisheit; dann auch von der
Ehe, von Mann und Weib, von der Enthaltung und Keuschheit und der
geistlichen Ehe. Am Schluß der Lehre trat das Brautpaar vor Jesus, und
er belehrte sie einzeln.
Am dritten Tage nach Jesu Ankunft war morgens ungefähr neun Uhr die
Trauung. Die Braut wurde von den Brautjungfern aufgeputzt; ihre
Kleidung war auf die Art, wie das Kleid der Mutter Gottes bei ihrer
Hochzeit, ebenso auch ihre Krone, nur war diese reicher verziert. Das
Netz ihrer Haare war aber nicht fein in einzelnen Linien verbunden,
sondern mehr in dickeren Strängen. Als ihre Kleidung fertig war, wurde
sie der Heiligen Jungfrau und den anderen Frauen gezeigt.
Die Trauung geschah vor der Synagoge durch die Priester. Die Ringe, die
sie wechselten, hatte der Bräutigam von Maria zum Geschenk erhalten,
und Jesus hatte sie bei seiner Mutter gesegnet. Merkwürdig war mir bei
der Trauung, was ich bei der Trauung Josephs und Mariä nicht
beobachtet, der Priester verwundete den Bräutigam und die Braut mit
einem spitzen Instrument an der Stelle des linken Ringfingers, wo der
Ring hinzustecken kam; er ließ von dem Bräutigam zwei, von der Braut
einen Tropfen Bluts in einen Becher Wein tröpfeln, welchen sie
gemeinschaftlich austranken und den Becher weggaben. Es wurden dann
noch manche anderen Sachen, Tücher und Kleidungsstücke an dabeistehende
Arme verschenkt. Als die Brautleute nach dem Festhaus zurückgebracht
waren, empfing sie Jesus daselbst.
Der Raum des Festhauses vor der geschmückten Feuerstelle war durch zwei
niedere Schirmwände so, daß die zu Tisch liegenden Gäste sich sehen
konnten, in drei Räume geteilt, in deren jedem eine schmale lange Tafel
stand. Jesus lag im mittelsten Raum oben an der Tafel mit den Füßen
gegen die geschmückte Feuerstelle zu. An diesem Tisch saßen Israel, der
Brautvater, die männlichen Verwandten Jesu und der Braut und auch
Lazarus. An den Seitentafeln saßen die anderen Hochzeitsgäste und
Jünger. Die Frauen saßen in dem Raume hinter der Feuerstelle, konnten
aber alle Worte des Herrn hören. Der Bräutigam diente zu Tische. Es war
jedoch auch ein Speisemeister mit einer Schürze da und einige Diener.
Bei den Frauen diente die Braut und einige Mägde.
Als die Speisen aufgetragen waren, wurde auch ein gebratenes Lamm vor
Jesus gesetzt. Es hatte die Füße kreuzweis gebunden. Als nun der
Bräutigam Jesus ein Kästchen brachte, worin die Zerlegemesser lagen,
sagte Jesus zu ihm allein, er solle sich jener Kindermahlzeit nach dem
Osterfest erinnern, da er eine Parabel von einer Hochzeit erzählt und
ihm gesagt hatte, er werde auf seine Hochzeit kommen. Dieses werde mit
dem heutigenTage erfüllt. Der Bräutigam wurde dadurch sehr ernsthaft;
denn er hatte auf jenes Ereignis ganz vergessen, Jesus war bei dem
Mahl, wie während der ganzen Hochzeit, sehr heiter und zugleich
lehrreich; er begleitete jede Handlung des Mahles mit einer Ausle-gung
ihrer geistigen Bedeutung. Er sprach auch von der Fröhlichkeit und
festlichen Aufheiterung. Er erwähnte, der Bogen müsse nicht immer
gespannt sein, ein Feld müsse durch Regen erquickt werden. Er sagte
Parabeln darüber. Als Jesus das Lamm zerlegte, erzählte er besonders
wunderbare Dinge. Er sprach vom Trennen des Lammes von der Herde, vom
Auserwähltwerden, nicht zur Lust, sondern um zu sterben, dann vom
Braten, vom Ablegen der Roheit durch das Feuer der Reinigung, dann vom
Zerlegen der einzelnen Glieder: so müßten die, welche dem Lamme folgen
wollten, sich auch trennen von den innigst fleischlich Verwandten. Und
als er die einzelnen Stücke herumreichte und sie das Lamm nun aßen,
sagte er: also von den Seinigen getrennt und zerteilt werde das Lamm in
ihnen allen eine sie gemeinsam verbindende Nahrung; so auch müsse, wer
dem Lamm folge, seiner Weide entsagen, seinen Leidenschaften absterben,
von den Gliedern seiner Familie sich trennen und eine Nahrung und
Speise der Vereinigung werden durch das Lamm und in seinem himmlischen
Vater.
Jeder Gast hatte einen Teller oder Brotkuchen vor sich. Jesus legte
auch eine dunkelbraune Platte mit gelbem Rande vor, die herumgereicht
wurde. Ich sah ihn manchmal ein Büschchen Kraut in der Hand halten und
darüber lehren. Jesus hatte den zweiten Gang des Hochzeitsmahles und
auch den Wein zu bestreiten übernommen, und es war für alles durch
seine Mutter und Martha gesorgt. Als nun der zweite Gang, bestehend aus
Vögeln, Fischen, Honigbereitungen, Früchten und einer Art Backwerk,
welches Veronika mitgebracht hatte, auf den Seitentisch aufgetragen
war, trat Jesus hinzu und schnitt jedes Gericht an; dann legte er sich
wieder zu Tische. Die Gerichte wurden aufgetragen; der Wein aber
fehlte. Jesus lehrte. Da nun die Heilige Jungfrau, welcher dieser Teil
des Mahles zu besorgen oblag, sah, daß der Wein mangle, ging sie zu
Jesus und erinnerte ihn, daß er ihr gesagt, er werde für den Wein
sorgen. Jesus, der von seinem himmlischen Vater lehrte, erwiderte:
"Weib, bekümmere dich nicht! Mache dir und mir keine Sorge! Meine
Stunde ist noch nicht gekommen." Es war dieses keine Härte gegen die
Heilige Jungfrau. Er sprach zu ihr "Weib" und nicht "Mutter", weil er
in diesem Augenblicke als Messias, als der Sohn Gottes, eine
geheimnisvolle Handlung vor seinen Jüngern und allen Verwandten ausüben
wollte und in göttlicher Kraft anwesend war.
In solchen Augenblicken, wo Jesus als das eingefleischte Wort handelte,
wird ein jeder dadurch, daß er als der genannt ist, der er ist, mehr
gewürdigt und in der Heiligkeit der Handlung gewissermaßen durch die
Nennung seines Namens wie mit einer Würde, einem Amt belehnt. Maria war
das "Weib", welches den geboren, der hier als ihr Schöpfer an den Wein
gemahnt wird für seine Geschöpfe, denen er zeigen will, daß er der Sohn
Gottes und nicht, daß er der Sohn Mariä ist. Als er am Kreuze starb und
sie weinte, sagte er auch: "Weib, siehe das ist dein Sohn!" auf
Johannes deutend. Da Jesus ihr gesagt, er werde für den Wein sorgen,
tritt Maria hier auf in ihrer Würde als Mittlerin und Fürsprecherin und
stellt ihm den Mangel des Weines vor. Der Wein aber, den er geben
wollte, war mehr als Wein im gewöhnlichen Sinn, er bezog sich auf das
Geheimnis des Weines, den er einst in sein Blut verwandeln wollte. Er
sagte daher: meine Stunde ist noch nicht gekommen, erstens, daß ich den
versprochenen Wein gebe, zweitens, daß ich Wasser in Wein verwandle,
drittens, daß ich den Wein in mein Blut verwandle. Maria war nun nicht
mehr besorgt für die Gäste der Brautleute; sie hatte ihren Sohn
gebeten, und darum sagte sie zu den Dienern: "Tut alles, was er euch
sagen wird." Es ist dasselbe, als wenn die Braut Jesu, die Kirche, zu
ihm betet: "Herr, deine Söhne haben keinen Wein", und es sagte Jesus zu
ihr nicht Braut, sondern: "Kirche bekümmere dich nicht, sei nicht
beunruhigt, meine Stunde ist noch nicht gekommen!" Und als sagte die
Kirche zu den Priestern: "Beobachtet alle seine Winke und Befehle, denn
er wird euch helfen!"
Maria sagte also zu den Dienern, sie sollten die Befehle Jesu erwarten
und erfüllen. Nach einiger Zeit befahl Jesus den Dienern, die leeren
Krüge vor ihn zu bringen und umzukehren. Sie brachten die Krüge heran,
es waren drei Wasser- und drei Weinkrüge, und zeigten, daß sie leer
waren, indem sie dieselben umgewendet über ein Becken hielten. Jesus
befahl ihnen, sie allesamt mit Wasser zu füllen; sie trugen sie fort
nach dem Brunnen, der sich in einem Kellergewölbe befand und aus einem
steinernen Wasserkasten und einer Pumpe bestand. Die Krüge waren groß
und schwer von Erde; an einem vollen hatten zwei Mann an den beiden
Henkeln des Kruges zu tragen. Sie hatten mehrere mit Zapfen
geschlossene Röhren von oben nach unten; und wenn das Getränk bis zu
einer gewissen Höhe geleert war, wurde der niedere Zapfen geöffnet und
dieser Ausguß gebraucht. Die Krüge wurden beim Ausgießen nicht gehoben,
sondern nur auf ihren hohen Füßen etwas gesenkt.
Die Mahnung Mariä geschah leise; die Antwort Jesu laut, ebenso der
Befehl, Wasser zu schöpfen. Als die Krüge gefüllt mit Wasser alle sechs
bei dem Speise- oder Schenktische aufgestellt waren, ging Jesus dahin
und segnete die Krüge; und als er wieder zu Tische lag, sagte er:
"Schenket ein und bringet dem Speisemeister einen Trunk!" Da nun dieser
den Wein versuchte, ging er zu dem Bräutigam und sagte, sonst gebe man
den guten Wein zuerst, und wenn die Gäste berauscht seien, dann gebe
man gewöhnlich schlechteren; er aber habe den köstlichen Wein zuletzt
gegeben. Er wußte nicht, daß dieser Wein von Jesus zu besorgen
übernommen war wie dieser ganze Teil des Mahles, was allein nur der
Heiligen Familie und der Hochzeitsfamilie bekannt war. Da tranken auch
der Bräutigam und der Brautvater mit großem Erstaunen, und die Diener
beteuerten, daß sie Wasser geschöpft und die Trinkgefäße und Becher auf
den Tafeln gefüllt hätten. Nun tranken alle. Es war aber kein Lärm über
das Wunder, es war eine Stille und Ehrfurcht in der ganzen
Gesellschaft, und Jesus lehrte viel über dieses Wunder. Er sagte unter
anderem: die Welt gebe den starken Wein zuerst und betrüge die
Berauschten mit schlechtem Getränke, so aber nicht das Reich, welches
sein himmlischer Vater ihm gegeben; das reine Wasser werde da zu
köstlichem Wein, wie die Lauigkeit zum Geiste und starkem Eifer werden
müsse. Er sprach auch von der Mahlzeit, welche er in seinem zwölften
Jahre nach der Rückkehr von der Lehre im Tempel mit mehreren der hier
Anwesenden als Knabe gefeiert, und wie er damals von Brot und Wein
gesprochen und eine Parabel von einer Hochzeit erzählt habe, wo das
Wasser der Lauigkeit werde in den Wein der Begeisterung verwandelt
werden, und wie dieses nun vollbracht sei. Dann sprach er auch, daß sie
größere Wunder erleben würden. Er werde mehrere Ostern halten, und an
den letzten Ostern werde Wein in Blut und Brot in Fleisch verwandelt
werden, und er werde bei ihnen bleiben und sie trösten und stärken bis
ans Ende; auch würden sie nach jenem Mahle Dinge an ihm geschehen
sehen, welche sie jetzt nicht verstehen könnten, so er sie ihnen sagte.
Er sagte dieses alles nicht so plan hin, sondern es war in Parabeln
gehüllt, welche ich vergessen habe, es war aber dieses der Sinn davon.
Sie hörten alles mit Scheu und Verwunderung. Alle aber waren wie
verwandelt durch diesen Wein, und ich sah, daß sie nicht durch das
Wunder allein, sondern auch mit dem Wein selbst, wie früher durch die
Früchte, innerlich eine wesentliche Stärkung und Veränderung empfangen
hatten. Alle seine Jünger, seine Verwandten und alle Festgenossen waren
nun überzeugt von seiner Macht und Würde und seiner Sendung; sie
glaubten alle an ihn, und in allen war dieser Glaube gleich verbreitet,
und sie waren alle besser und einig und innig geworden, die von dem
Wein getrunken hatten. So war er hier zum erstenmal in seiner Gemeinde,
und es war das erste Zeichen, welches er in derselben und für dieselbe
zu seiner Bestätigung in ihrem Glauben getan, darum auch wird es als
erstes Wunder in seiner Geschichte erzählt, wie das Abendmahl das
letzte, wo sie bereits glaubten.
Am Schluß des Mahles kam der Bräutigam noch zu Jesus allein und sprach
mit ihm sehr demütig und erklärte ihm, wie er aller Begierde sich
abgestorben fühle und gerne mit seiner Braut in Enthaltung leben möge,
so sie es ihm gestatte, und auch die Braut kam zu Jesus allein und
sagte dasselbe, und Jesus rief sie beide zusammen und sprach mit ihnen
von der Ehe und der gottgefälligen Reinheit und den hundertfältigen
Früchten des Geistes. Er sprach von vielen Propheten und heiligen
Leuten, welche keusch gelebt und dem himmlischen Vater ihr Fleisch
geopfert, und wie sie viele verlorene Menschen, die sie zum Guten
zurückgeführt, gleich geistlichen Kindern gewonnen hätten, und wie ihre
Nachkommenschaft groß und heilig sei. Er sprach alles dieses im Sinne
von Zerstreuen und von Sammeln; und sie taten ein Gelübde der
Enthaltung, als Bruder und Schwester zu leben, auf drei Jahre. Sie
knieten auch vor Jesus, und er segnete sie.
(aus: "Das arme Leben unseres Herrn Jesu Christi" nach
den Gesichten der gottseligen Anna Katharina Emmerich, Augustinerin des
Klosters Agnetenberg zu Dülmen, Aschaffenburg (Pattloch) 1971, S. 128
ff.) |