DER HL. FRANZ VON PAULA
von
Eugen Golla
In diesem Heiligen, der von frühester Jugend bis ins höchste
Greisenalter in strengster Askese lebte und über dessen zahlreiche
Wundertaten sogar Päpste und Könige staunten, wurde der Kirche
gleichsam ein zweiter Franz von Assisi geschenkt.
Im Gegensatz zum hl. Franziskus entstammte der in Paola in Kalabrien
wahrscheinlich 1416 geborene Franz von Paula ärmlichen Verhältnissen.
Seine Eltern, die lange Zeit vergeblich auf Kindersegen gewartet
hatten, wurden schließlich auf die Fürbitte des Heiligen von Assisi
erhört. Die Legende berichtet, daß im Augenblick seiner Geburt das Dach
des dürftigen Hause von Flammen erhellt wurde, gleichsam um die Ankunft
eines begnadeten Lichtbringers anzukündigen. Als der kleine Franz noch
in der Wiege lag, wurde er von einer gefährlichen Augenkrankheit
befallen. Für den Fall seiner Heilung legten die Eltern das Gelübde ab,
ihn nach Erreichen des erforderlichen Alters für ein Jahr - zwar ohne
die Ablegung des Ordengelübdes, aber im Ordenshabit - der strengen
Zucht eines Franziskanerklosters zu überlassen. Franz wurde geheilt und
die dankbaren Eltern erfüllten ihr Gelübde, nachdem er das zwölfte
Lebensjahr erreicht hatte. Der fromme Junge nutzte diese Gelegenheit,
seinen Namenspatron, den hl. Franz von Assisi, nachzuahmen. Sämtliche
Dienste, die man ihm in der Sakristei, der Küche oder in der
Krankenpflege anvertraute, erfüllte er mit größtem Eifer, wobei er sich
zusätzlich - trotz seines jugendlichen Alters - einem strengen Fasten
unterwarf.
Es war daher begreiflich, daß das Kloster ihn als Novizen behalten
wollte. Aber Gott hatte anderes mit ihm vor. So holten die Eltern ihren
Sohn wieder ab, und Franz kehrte mit ihnen ins Vaterhaus zurück. Nach
einer Wallfahrt nach Rom und Assisi erhielt er von ihnen später die
Erlaubnis, auf ihrem Grundstück eine Einsiedelei zu errichten. Bald
empfand er jedoch den häufigen Besuch von Leuten aus der Nachbarschaft
für sein Andachtsleben so störend, daß er sich in eine nahe dem Meere
gelegene Felsenhöhle zurückzog. Aber auch in dieser Einsamkeit konnte
er es nicht vermeiden, daß sich der Ruf von seinem heiligmäßigen Leben
rasch verbreitete. Im Laufe der Zeit errichteten sogar eine Reihe
gleichgesinnter Männer in dieser Abgeschiedenheit jeder für sich eine
Zelle. Als dann noch eine kleine Kirche gebaut worden war, in der ein
Priester aus der Pfarre Gottesdienst abhielt, war der Grundstock für
die spätere Ordensgründung gelegt, die schließlich 1454 vom Erzbischof
von Cosenza genehmigt wurde.
Als die Arbeiten für den Bau eines eigentlichen Klosters schon weit
fortgeschritten waren, sah Franz plötzlich vor sich eine Gestalt im
Habit eines Franziskanermönchs stehen, der ihm vorwurfsvoll befahl, den
fast fertigen Bau wieder niederzureißen und an seiner Stelle einen
wesentlich größeren zu errichten. Als Franz im Hinblick auf seine
finanziellen und sonstigen Verhältnisse ein-wandte, er sei hierzu
außerstande, erwiderte die Erscheinung, Gott, der Allmächtige werde ihn
nicht verlassen. Sein Glaube, in diesen Worten eine göttlichen Befehl
erhalten zu haben, wurde nicht getäuscht: Zuerst ließ ihm ein Edelmann
aus Cosenza eine namhafte Summe zukommen. Bald danach folgten andere
Wohltäter, und es meldeten sich freiwillige Mitarbeiter, die beim Bau
der Klosterkirche halfen.
Seiner Gründung eines Eremitenordens nach der Regel des hl. Franziskus
gab er den Namen "Minimen", d.h. Mindeste Brüder. In diesem Orden
besitz das strengste Fasten einen so hohen Stellenwert, daß es
gleichsam zum vierten Mönchsgelübde erhoben wurde. So wurde den Minimen
nicht nur der Genuß von Fleisch verboten, sondern auch der sämtlicher
Speisen, die von Tieren stammen, also auch Milch, Eier, Butter und
Käse.
Franz, der sein ganzes Leben niemals Wein getrunken hatte, zerfleischte
sich wiederholt durch Geißeln. Unter seinem Gewand aus grobem Stoff,
das er so lange trug, bis es vollständig abgenützt war, trug er stets
einen Bußgürtel. Auch wenn er sich nicht in Ekstase befand, war er
gleichsam durch anhaltendes Gebete mit Gott verbunden, auf seinem
Antlitz spiegelte sich ein überirdischer Glanz. Dieses in
Selbstabtötung zugebrachte Leben machte ihn aber nicht mürrisch. So
zeichnete er sich gegenüber seinen Mitbrüdern - selbst wenn er sie
tadeln bzw. bestrafen mußte - durch Milde aus. Er hielt es auch als
Ordensoberer nicht unter seiner Würde, im Kloster die niedrigsten
Dienste zu verrichten.
Was ihn aber besonders auszeichnete, war die ihm in außergewöhnlichem
Maße verliehene Gnade, Wunder zu wirken. Ein Zeuge versicherte, daß er
an einem einzigen Tage 200 Personen auf wunderbare Weise geheilt habe.
Auch wird berichtet, daß er beim Bau des Klosters die Arbeiter mit
Speisen, die kaum für einen gereicht hätten, ernährte und daß aus
sieben, von ihm in die Erde gelegten Kastanien sofort sieben
Kastanienbäume wuchsen, deren Früchte in ganz Italien Kranke heilten.
Er besaß aber auch das Charisma der Weissagung. So prophezeite er, daß
in einigen Jahren die Türken Konstantinopel erobern würden. Nicht
minder bewahrheitete sich seine Voraussage hinsichtlich der Eroberung
Otrantos: Sultan Mohammed II., nicht zufriedengestellt durch die
Vernichtung des byzantinischen Reiches, hatte sich als weiteres Ziel
die Eroberung Italiens gesteckt. Entsetzen befiel daher die
Christenheit, als 1480 die Türken in die im äußersten Südosten Apuliens
gelegene Stadt Otranto eindrangen und einen großen Teil der Bevölkerung
töteten oder in die Sklaverei schleppten. Der Oberbefehlshaber der
Truppen, welche für die Rückeroberung bestimmt waren, begab sich vor
dem Feldzug zu Franz, um sich seinen Fürbitten anzuempfehlen und ihn um
seinen Segen zu bitten. Franz versicherte ihm, daß den Türken die Stadt
wieder abgenommen werde, was dann auch tatsächlich eintraf.
Die schnelle Verbreitung der Minimen in Süditalien sowie auf Sizilien
hatte zur FoIge, daß der 0rden der Jurisdiktion des Erzbischofs von
Cosenza entzogen und unmittelbar dem Heiligien Stuhl unterstellt sowie
Franz zum Generalsuperior ernannt wurde.
Im Jahre 1481 wünschte König Ludwig XI. von Frankreich - ein grausamer
Despot, der sich schon wiederholt gegen die päpstliche Autorität
gestellt hatte und auch vor schismatischen Akten nicht zurückgeschreckt
war - den Besuch des Minimen-Oberen, von dem er die wunderbare Heilung
von einer lebensgefährlichen Krankheit, die ihn befallen hatte,
erhoffte. Franz wollte jedoch auf keinen Fall auf unbestimmte Zeit sein
Heimatland und seine Gründungen verlassen, da ihm schon klar war, daß
sich der König nur eine Heilung von ihm erhoffte. Als er aber von Papst
Sixtus IV. den Befehl erhalten hatte, sich nach Frankreich zu begeben,
konnte er sich dieser Anordnung nicht mehr widersetzen.
Seine Reise durch Neapel und Salerno war von Wundern markiert. Der
heiligmäßige Eremit kümmerte sich jedoch nicht um die Ehrungen, die ihm
überall zuteil wurde. Überaus ehrenvoll war auch die Audienz, die ihm
der Papst gewährte. Der berühmte französische Historiker Philippe de
Commines berichtet, daß Sixtus IV. ihm bei dieser Gelegenheit die
Priesterweihe erteilen wollte, was er aber aus Bescheidenheit ablehnte.
Er erbat sich lediglich die Vollmacht, Rosenkränze und Kerzen weihen zu
dürfen.
Nachdem er in Plessis-les-Tours, wo Ludwig XI. residierte,
angekonmen war, warf sich ihm der König zu Füßen mit der flehentlichen
Bitte, ihn wieder gesund zu machen. Franz erwiderte, daß auch das Leben
eines Herrschers in den Händen Gottes liege, dessen Ratschlüssse
unabänderlich seien. Schließlich fand sich der König sogar damit ab,
daß er nicht geheilt werden konnte. Ja des heiligmäßigen Eremiten
Mahnungen, sich auf den Tod vorzubereiten, fanden bei Ludwig XI.
schließlich Gehör, so daß er versöhnt mit Gott aus dem Leben schied.
Die beiden Nachfolger Ludwigs XI. bat Franz immer wieder, ihm doch zu
erlauben, nach Italien zurückkehren zu dürfen. Aber vergebens, denn
beide Könige waren sich bewußt, welchen Segen der wundertätige Eremit
ihrem Lande brachte. Um Paul aber entgegenzukommen, ließ Karl VIII. ihm
im Park von Plessis-les-Tours ein schönes Kloster errichten und ein
zweites zu Amboise. Sein Glaubenseifer befähigte ihn, in seiner neuen
Heimat eifrig die in Frankreich schon fast zur Tradition gewordenen
antipäpstlichen Strömungen zu bekämpfen. Trotz aller Ehrungen und der
Ausbreitung seines Ordens - im Laufe der Jahre entstanden
Niederlassungen in Spanien und auch in Deutschland - gab er bis in sein
hohes Alter - er wurde über 90 Jahre alt - die Lebensweise eines
Einsiedlermönches nicht auf. Sein einziges Privileg bestand
darin, eine Einzelzelle zu bewohnen, in der er Verkehr mit Gott
und den Engeln hatte. Seine besondere Verehrung galt der
allerheiligsten Dreifaltigkeit und der Jungfrau Maria sowie der
Leidensgeschichte unseres Herrn Jesus Christus. Fast ständig waren die
Worte "Jesus und Maria" auf seinen Lippen. Als der heiligmäßige Mann in
seinem 91. Lebensjahre von einem schweren Fieber befallen wurde, fühlte
er, daß sein Lebensende nahe war. Er zog sich in seine Zelle zurück, wo
ihn der Tod am 2. April 1507 erlöste. Umgehend wurde sein Grab das Ziel
für viele Pilger, die ihn schon wie einen Heiligen verehrten und seine
Hilfe anriefen.
Auf die besondere Fürsprache König Ludwigs XII. und seiner Gattin, die
beide auf seine Fürbitte von einer schweren Krankheit geheilt worden
waren, nahm Papst Leo X. bereits 1513 die Seligsprechung vor; die
Kanonisation erfolgte durch denselben Papst bereits sechs Jahre später.
Die Kirche feiert sein Fest am 2. April.
Während der furchtbaren Religionskriege, die Frankreich an den Rand des
Verderbens brachten, zerstörten die Kalvinisten das Grab und
verbrannten den Leichnam. Nur kleinere Teile davon konnten
gerettet werden.
***
Benutzte Literatur:
Melchers, Erna und Hans: "Die Heiligen" Augsburg 1980
Stadler, Joh.Ev.:"Vollständiges Heiligenlexikon in alphabethischer Ordnung" Bd. 2, Augsburg 1861
"Vies des Saints " Bd. 4, Paris l946.
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