56. Jahrgang Nr. 3 / Mai 2026
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Ausgabe Nr. 9 Monat November 2004
Widerstand? - Fehl(er)anzeige!


Ausgabe Nr. 11 Monat Dezember 2004
Die Allerheiligste Dreifaltigkeit


Ausgabe Nr. 4 Monat April 2004
Joseph Görres


Ausgabe Nr. 6 Monat Oktober 2005
Ein terminologisches Dilemma


Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2005
Unfreundliche Betrachtungen


Ausgabe Nr. 11 Monat december 2005
The Holy Trinity


Ausgabe Nr. 11 Monat december 2005
La Sainte Trinité


Ausgabe Nr. 1 Monat Februar 2006
Am Scheideweg


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1971
Einige präzise Fragen an Herrn Professor Schmaus


Ausgabe Nr. 2 Monat Mai 1971
WAHNSINN


Ausgabe Nr. 2 Monat März 2003
Orthodoxie und europäische Identität


Ausgabe Nr. 3 Monat April 2003
Die Irrtümer des Johannes Rothkranz


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2002
Buchbesprechung


Ausgabe Nr. 3 Monat Mai 2002
Welche Bedeutung hat der Kanon 1366 § 2 des CIC


Ausgabe Nr. 4 Monat Juli 2002
AN DIE PRIESTER


Ausgabe Nr. 1 Monat April 2000
Der heilige Anselm von Canterbury


Ausgabe Nr. 2 Monat Juni 2000
Der selige Oliver Plunket


Ausgabe Nr. 6 Monat Dezember 2000
Linientreue Zwerge


Ausgabe Nr. 6 Monat Dezember 2000
MITTEILUNGEN DER REDAKTION (dt/espa)


Ausgabe Nr. 7 Monat Oktober 1971
FRIEDRICH HEINRICH JACOBIS


Ausgabe Nr. 3 Monat August 1999
Warum die Einsicht Ecône unterstützt


Ausgabe Nr. 5 Monat Dezember 1999
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 2 Monat Juni 1998
ERWIDERUNG AUF DIE STELLUNGNAHME VON DR. E. HELLER


Ausgabe Nr. 5 Monat Dezember 1998
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1997
Buchbesprechungen


Ausgabe Nr. 3 Monat Juli 1997
Buchbesprechungen


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1997
SEKTIERERTUM ALS VORGABE


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 1993
DER HL. ALBERTUS MAGNUS


Ausgabe Nr. 5 Monat Februar 1994
ZUM PROBLEM DER ERFORDERLICHEN INTENTION BEI DER SAKRAMENTENSPENDUNG


Ausgabe Nr. 4 Monat November 1996
VERSINKT DER KATHOLISCHE WIDERSTAND... (Anmerkungen)


Ausgabe Nr. 5 Monat Dezember 1996
Buchbesprechungen


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1995
WELCHE PHILOSOPHIE? - Einleitung


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1995
WELCHE PHILOSOPHIE? -Fortsetzung


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 1995
NUR NOCH AUSLAUFMODELL?


Ausgabe Nr. 5 Monat März, Doppelnr. 5-6 1996
WELCHE PHILOSOPHIE? 2. Teil


Ausgabe Nr. 13 Monat June 2011
La Santisima Trinidad


Ausgabe Nr. 3 Monat September 1994
LESERBRIEFE


Ausgabe Nr. 4 Monat Mai 2006
Leserbriefe zu dem Beitrag Am Scheideweg


Ausgabe Nr. 3 Monat September 2013
Die Irrtümer des II. Vatikanums und ihre Überwindung


Ausgabe Nr. 5 Monat Dezember 1984
DIE LÄSTERUNG DES GEISTES


Ausgabe Nr. 1 Monat Mai 1980
EINSICHT!


Ausgabe Nr. 1 Monat Mai 1980
PRÄZISE ZIELE!


Ausgabe Nr. 2 Monat Juni 1980
EINSICHT!!


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1980
DIE KATZE LÄSST DAS MAUSEN NICHT.


Ausgabe Nr. 6 Monat Februar 1981
IM VERTRAUEN AUF GOTT!


Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2006
Und ihr werdet sein wie Gott


Ausgabe Nr. 3 Monat September 1979
DASS (...) DER WAHRHEIT DIE EHRE GEGEBEN WIRD


Ausgabe Nr. 3 Monat September 1979
UNSCHULD UND SCHULD DER FRAU IN DOSTOJEWSKIJS WERK


Ausgabe Nr. 7 Monat April 1980
JOHANNES PAUL II.


Ausgabe Nr. 7 Monat April 1980
STELLUNGNAHME GEGEN DIE VORWÜRFE, DIE GEGEN DAS VON DER SAKA GEPLANTE SEMINAR GERICHTET SIND.


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
EN LA ENCRUCIJADA


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
À la croisée des chemins


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
At the crossroads


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
Y seréis como Dios (Gn. 3, 5)


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
And thou wilt be like God (Gen. 3,5)


Ausgabe Nr. 1 Monat Mai 1975
DER VERABSCHEUTE DIENST


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Ausgabe Nr. 13 Monat September 2007
LA SANTISIMA TRINIDAD


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Ausgabe Nr. 2 Monat Juni 2008
Zum 50. Todestag des katholischen Dichters Reinhold Schneider


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 2008
Die prinzipielle Offenbarung Gottes und die konkrete Offenbarung


Ausgabe Nr. 1 Monat Februar 2009
Die Erfassung der Einheit (des Wesens) Gottes


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A. 9- 13. a-b Ist das Kirchenvolk in der Konzilskirche erhalten?


Ausgabe Nr. 13 Monat June 2011
E sarete come Dio (Gn. 3, 5)


Ausgabe Nr. 13 Monat June 2011
Al crocevia


Ausgabe Nr. 3 Monat Sptember 2011
Das Reich Gottes 'haben wollen'


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
DIE THEORIE DER INTERPERSONALITÄT IM SPÄTWERK J.G. FICHTES


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Einleitung


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel I


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel II


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel II, Forts. 1


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 1


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 2


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 3


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 4


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 5


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 6


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 7


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 8


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 9


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel IV


Ausgabe Nr. 3 Monat September 2012
Mitteilungen der Redaktion, Hinweise


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Mitteilungen der Redaktion, Hinweise


Ausgabe Nr. 2 Monat Juni 2013
Hinweis: Promotion von Eberhard Heller


Ausgabe Nr. 2 Monat Juni 2013
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Ausgabe Nr. 1 Monat Februar 2014
Moderne Sozial- und Schulpolitik


Ausgabe Nr. 1 Monat Februar 2015
Gehört der Islam zu Deutschland?


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Ausgabe Nr. 4 Monat September 2015
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Himmelfahrt Christus im Herzen


Ausgabe Nr. 2 Monat Mai 2019
Ich rufe dich bei Deinem Namen: Mein bist Du


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Ausgabe Nr. 3 Monat Mai 2020
Gedanken zu „Einsicht“, Sept. 2015, Dr. E. Heller


Ausgabe Nr. 4 Monat Juni 2020
The Errors of Vatican II and their defeat through Recognizing Christ as Son of God


Ausgabe Nr. 4 Monat Juni 2020
How Christ can be recognized as Son of God – further reflections


Ausgabe Nr. 5 Monat Juni 2020
Los errores del Vaticano II y su superación gracias al conocimiento de Cristo como Hijo de Dios


Ausgabe Nr. 5 Monat Juni 2020
Cómo se puede conocer a Cristo como Hijo de Dios: nuevas consideraciones


Ausgabe Nr. 6 Monat Juni 2020
Comment le Christ peut être reconnu comme le Fils de Dieu


Ausgabe Nr. 6 Monat Juni 2020
Les erreurs de Vatican II


Ausgabe Nr. 7 Monat Juli 2020
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Ausgabe Nr. 4 Monat August 2021
Der Herr ist der Geist


Ausgabe Nr. 3 Monat Juni 2022
Zum 80. Geburtstag von Dr. Eberhard Heller


Ausgabe Nr. 4 Monat September 2022
Fanatismus im Islam und im Christentum?


Ausgabe Nr. 5 Monat November 2022
Wie im Islam


Ausgabe Nr. 4 Monat August 2023
Herr und Knecht


Ausgabe Nr. 5 Monat August 2024
Anmerkungen Nur noch Auslaufmodell


Ausgabe Nr. 5 Monat November 2025
Seelsorgerliches Wirken von P. Michael Mutter


Ausgabe Nr. 5 Monat November 2025
Herr und Knecht


Ausgabe Nr. 3 Monat Mai 2026
Welche Philosophie? Thomas oder Fichte?


WELCHE PHILOSOPHIE? -Fortsetzung
 
Wiedereinführung des hl. Thomas von Aquin als verbindliche Lehrautorität

Die Wiederbelebung des Thomismus (Neuthomismus, Neuscholastik) muß man vor dem Hintergrund
a) der allgemeinen Entwicklung der modernen Philosophie und
b) der immanenten Fortbildungen der rivalisierenden thomistischen Schulen sehen.

Durch Kants radikale Wendung in der Philosophie, die er selbst in Anlehnung an die Umkehr der Sichtweise, ob die Sonne um den Mond kreise oder umgekehrt, mit der des Kopernikus vergleicht, war in die philosophische Debatte ein irreversibler Ansatz eingebracht worden, der zur Stellungna-hme geradezu herausforderte. In der Vorrede zur zweiten Auflage der "Kritik der reinen Vernunft" schreibt er: "Bisher nahm man an, alle unsere Erkenntnis müsse sich nach den Gegenständen richten; aber alle Versuche über sie a priori etwas durch Begriffe auszumachen, wodurch unsere Erkenntnis erweitert würde, gingen unter dieser Voraussetzung zunichte. Man versuche es daher einmal, ob wir nicht in den Aufgaben der Metyphysik damit besser fortkommen, daß wir annehmen, die Gegenstände müssen sich nach unserem Erkenntnis richten, welches so schon besser mit der verlangten Möglichkeit einer Erkenntnis derselben apriori zusammenstimmt, die über Gegenstände, ehe sie uns gegeben werden, etwas festsetzen soll. Es ist hiermit ebenso, als mit den ersten Gedanken des Kopernikus bewandt, der, nachdem es mit der Erklärung der Himmelsbewegungen nicht gut fort wollte, wenn er annahm, das ganze Sternenheer drehe sich um den Zuschauer, versuchte, ob es nicht besser gelingen möchte, wenn er den Zuschauer sich drehen, und dagegen die Sterne in Ruhe ließ. In der Metaphysik kann man nun, was die Anschauung der Gegenstände betrifft, es auf ähnliche Weise versuchen. Wenn die Anschauung sich nach der Beschaffenheit der Gegenstände richten müßte, so sehe ich nicht ein, wie man a priori von ihr etwas wissen könne; richtet sich aber der Gegenstand (als Objekt der Sinne) nach der Beschaffenheit unseres Anschauungsvermögens, so kann ich mir diese Möglichkeit ganz wohl vorstellen. Weil ich aber bei diesen Anschauungen, wenn sie Erkenntnisse werden sollen, nicht stehen bleiben kann, sondern sie als Vorstellungen auf irgend etwas als Gegenstand beziehen und diesen durch jene bestimmen muß, so kann ich entweder anneh-men, die Begriffe, wodurch ich diese Bestimmung zustande bringe, richten sich auch nach dem Gegenstande, und dann bin ich wiederum in derselben Verlegenheit, wegen der Art, wie ich a priori hiervon etwas wissen könne; oder ich nehme an, die Gegenstände oder, welches einerlei ist, die Erfahrung, in welcher sie allein (als gegebene Gegenstände) erkannt werden, richte sich nach diesen Begriffen, so sehe ich sofort eine leichtere Auskunft, weil Erfahrung selbst eine Erkenntnisart ist, die Verstand erfordert, dessen Regel ich in mir, noch ehe mir Gegenstände gegeben werden, mihin a priori voraussetzen muß, welche in Begriffen a priori ausgedrückt wird, nach denen sich also alle Gegenstände der Erfahrung notwendig richten und mit ihnen übereinstimmen müssen." 56)

Mit diesem Programm beschreibt Kant den erkenntnis-theoretischen Standpunkt, den er in der "Kritik der reinen Vernunft" gegenüber der bisherigen Philosophie einzunehmen gedenkt. Kant geht es primär nicht um eine Seinsmetaphysik im herkömmlichen Sinne, sondern um eine Erkenntnistheorie zur Begründung möglichen Wissens. Diese Art zu philosophieren, die er "transzendental" nennt, will nicht einfachhin den Gegenstand der Erkenntnis für sich reflektieren, sondern eine Erkenntnis erreichen, die sich "mit unserer Erkenntnisart von Gegenständen, insofern diese a priori möglich sein soll, überhaupt beschäftigt." 57) Für ein System derartiger Erkenntnis, das unter diesem Aspekt die apriorischen Bedingungen des Gegenstandes im Wissen und den Bedingungen dieses Wissen selbst erreichen will, nennt Kant "Transzendentalphilosophie" 58). Von diesem Standpunkt aus, den vor ihm in gewisser Weise auch schon Descartes eingenommen hatte, in dem es diesem auch um die absolute Verankerung des Wissens ging (cogito, ergo sum - auf dem Hintergrund: Deus est) 59), zu philosophieren heißt, die alten Seinsmetaphysiken in Frage zu stellen. Auf diese Herausforderung mußten auch die katholischen philosophischen Fakultäten reagieren. Auch wenn im süddeutschen Raum, z.B. in den Prämonstratenser-Klöstern Polling und Steingaden, ein gewisses Interesse an Kants Schriften bestand, so wurde doch der von ihm begründeten Transzendentalphilosophie (fortgeführt von Reinhold und Fichte) von katholischer Seite eher ablehnend begegnet.

Spätere Systemübertretungen in Schellings Naturphilosophie lieferten sogar berechtigte Gründe den vermeintlichen transzendentalen Ansatz - den man leider nicht mehr glaubte, ernst nehmen zu müssen, und als Idealismus abtat - fallen zu lassen. Was sollte das aber auch heißen, wenn Schelling schreibt: "§ 154. Der Stickstoff ist die reelle Form des Seins der absoluten Identität. - Denn er ist der positive Faktor der Kohäsion". Oder: "§ 155. Das Geschlecht, welches die Pflanze mit der Sonne verknüpft, heftet umgekehrt das Tier an die Erde." -"§ 156. Der potenzierteste positive Pol der Erde ist das Gehirn der Tiere, und unter diesen des Menschen." 60) Diese Überschreitungen der Kompetenzen eines Philosophen, die Natur als konkrete zu deduzieren, haben nicht nur ihrem Autor, sondern auch der Transzendentalphilosophie mächtig geschadet. Schelling will deduzieren, was prinzi-piell nicht ableitbar, sondern nur erfahrbar ist. (Diesen Sachverhalt müßte man aus einer durchgeführten Erkenntnislehre noch weiter einsichtig darlegen.) Solch abstruse Sätze von bekannten Autoren haben das Ansehen der Philosophie nachhaltig untergraben, so daß wenig später eine Abwendung vom apriorischen Erkennen erfolgte hin zum philosophischen Empirismus und Historismus mit allen inhärenten Relativismen.

Neben solchen Fehlspekulationen waren auch die materialistischen Theorien von Marx in der Tat nicht angetan, daß sich die Kirche weiter für die Adaption seiner Gedankenwelt interessierte. So konnte Pius IX. zu Recht später gegen Bonnetty am 11. Juni 1855 anführen: "Die Methode, derer sich der heilige Thomas, der heilige Bonaventura und andere Scholastiker nach ihnen bedienten, (...) war nicht der Grund dafür, daß bei den heutigen Schulen die Philosophie zum Naturalismus [bei Marx] und Pantheismus [bei Schelling z.B.] neigt." 61)

Andererseits muß man aber auch einräumen, daß die thomistischen Schulbildungen mit ihrer gegenseitigen Verketzerung - ich denke nur an den sog. "Gnadenstreit" im 17. und 18. Jahrhundert, in den Clemens XII.mit seiner Bulle "Apostolicae providentiae officio" vom 2. Oktober 1733 eingriff, um eine gegenseitige Verunglimpfung der Kontrahenten zu verbieten - keineswegs fähig waren, den neuen Herausforderungen durch die Transzendentalphilosophie zu begegnen. Diese bewirkte, daß im Laufe des 18. Jahrhunderts alle miteinander streitenden sog. thomistischen Positionen obsolet wurden. Unter dem Einfluß der Romantik und bedingt durch quellenkritisches Studium von Thomas' Handschriften setzte deshalb eine Rückbesinnung unmittelbar auf das Original, auf Thomas selbst als Philosophen ein (und nicht auf irgendeinen Thomismus), galt es doch, den antitheologischen Bewegungen der Zeit (bloßer Rationalismus, Liberalismus, Sozialismus, Religionskritik) Paroli zu bieten.

So kam es dann zu einer Renaissance der Philosophie des hl. Thomas - unter Umgehung einer ernsthaften Auseinandersetzung mit der Transzendentalphilosophie. In Spanien, wo eine ununterbrochene Thomastradition vorlag, kam es z.B. zu einer neuen Blüte der Thomas-Forschung an der Universität von Salamanca. Ebenso blühte der Neuthomismus in Frankreich, Belgien, Kanada, Deutschland und Italien auf. Hier sind als Pioniere vor allem in Italien Liberatore (+ 1892) und Perrone (+ 1876) zu nennen. Es erscheinen Thomas-Gesamtausgaben, zunächst unkritisch, aber vollständig (Parma 1853-73, Vives 1871-80), dann kritisch (Leonina, ab 1882).

Die Enzyklika Leos XIII. "Aeterni Patris", die den hl. Thomas von Aquin 1879 zum authentischen Lehrer der Kirche erklärt (Auszüge der Enzyklika im Anhang) und deren Inhalt im wesentlichen von seinen Nachfolgern bis Pius XII. wiederholt wird (Auszüge der Enzykliken und Briefe im Anhang), schafft damit auf der einen Seite die Voraussetzung einer ungeheuren Wiederbelebung der thomasischen Gedankenrezeption, aber auch ebensoviel neue Probleme. Aufgrund unzureichender Textlage ist z.B. ein direkter Rückgriff auf den authentischen Thomas erschwert, so daß für den Unterricht an Kommentarwerke älteren Datums angeknüpft werden muß (Cajetan, Sylvester), die eigentlich durch die Rückkehr zum originären Thomas-Text abgelöst werden sollten. Die päpstlichen Empfehlungen und Entscheiduneng ab der Mitte des 19. Jahrhunderts können auch keine Lehr- und Methodenkontinuität für sich beanspruchen.


Selbstbeschränkungen des kirchlichen Lehramtes bei der Empfehlung des hl. Thomas von Aquin als philosophischem Lehrer

Auch wenn man verstehen kann, daß die Kirche versuchte, gegen die modernen Strömungen in der Philosophie, denen sie zu Recht Pantheismus und Naturalismus bzw. Materialismus vorwarf, ein Bollwerk zu errichten, welches sie in der Philosophie des hl. Thomas glaubte, gefunden zu haben, so ist es unter philosophiegeschichtlichen als auch wissenschaftlich-systematischen Aspekten höchst befremdlich, wenn man sieht, in welch einseitiger Weise sich die Kirche auf diese Lehrautorität eingeengt hat. 62) Einmal abgesehen, daß sie sich damit weitgehend von der Entwicklung innnerhalb der Philosophie selbst ausgeschlossen hatte, so führte die Fixierung auf Thomas praktisch zum Aus-schluß der Kirchenlehrer, der Väter, des hl. Bonaventura, des Dun Scotus, des hl. Karl Borromäus, des hl. Cajetan, des Suarez, um nur einige hervorragende Gelehrte der Kirche zu nennen, aus dem Lehrbetrieb. Diese Einseitigkeit stellte in den katholischen Lehranstaltenb eine bis dahin nicht gekannte Neuerung dar. Man darf nicht vergessen, daß z.B. der hl. Pfarrer von Ars noch Philosophieunterricht nach Descartes erhielt.63) Auslassungen von Leo XIII., wonach Thomas "durch die Fülle seines göttlichen und menschlichen Wissens der Sonne gleich ... es erreicht, allein alle Irrtümer früherer Zeiten zu überwinden und zur Vernichtung der künftig in unablässiger Folge auftauchenden Irrtümer das unbesiegbare Rüstzeug zu liefern" (Encykl. "Aeterni Patris"), jenes Thomas - für die damaligen Verhältnisse ein moderner Theologe, dessen Lehrgebäude durch das energische Auftreten seines ehemaligen Lehrers, des hl. Albert, drei Jahre nach seinem Tod (1277) gestützt werden mußte, sind für mich nicht nachvollziehbar. Dies gilt um so mehr, als Thomas auf dem Gebiet der Philosophie primär Fundamentaltheologie, d.i. Religionsphilosophie, betrieben hat. Bestimmte Einzeldisziplinen innerhalb der Philosophie wie z.B. die Interpersonalitätstheorie, sind von ihm nicht einmal thematisiert oder als (Erkenntnis-)Problem aufgegriffen worden. Wie soll nun der hl. Thomas zu einer Theorie, zu welcher er nicht einmal eine einzige These beigesteuert hat, schon mögliche Irrtümer ausschalten können? Die hier aus rein systematischen Gründen angedeuteten Vorbehalte gelten nicht dem hl. Thomas, denn es ist durchaus legitim, sich auf gewisse Disziplinen innerhalb der Philosophie zu beschränken, sondern richten sich an Leo XIII., der m.E. die Kompetenzen des Aquinaten auf philosophischem Gebiet überschätzt hat. 64)

Auch die Aufnahme der Methode, Lehre und Prinzipien des Thomas von Aquin als verbindlicher Lehrstoff ins Kirchenrecht von 1917 (c. 1366 §2) stellt eine Neuerung dar - der alte Corpus kannte eine Vorschrift, die die philosophischen und theologischen Darstellungen eines bestimmten Autors rechtsverbindlich machten, nicht.

Aufgrund dieser scheinbar einseitigen Festlegung auf die Methode, Lehre und die Grundsätze des hl. Thomas - eine Vorgehensweise, die diesem selbst zutiefst zuwider gewesen wäre, weil er die Selbständigkeit der Philosophie, auch gegenüber kirchlich-autoritativen Anordnungen, immer verfochten hat -, könnte man annehmen, die Kirche sei für eine Erweiterung des Wissens über das des hl. Thomas hinaus nicht offen gewesen und hätte - ihre lehramtlichen Kompetenzen überschreitend - der Philosophie nicht nur didaktische, sondern auch inhaltliche Vorgaben gemacht, ihr also gleichsam mit Thomas einen Maulkorb verpaßt - wie dies u.a. Frau Gerstner und Herr Filser zu suggerieren versuchen. Dies trifft jedoch so nicht zu!

Bereits Leo XIII., dessen Enzyklika "Aeterni Patris" vom 4.8.1879 entscheidend für die Wiederbelebung des Thomismus war und auf die sich die nachfolgenden Päpste bis Pius XII. immer wieder bezogen, gibt die Grenzen der wissenschaftlichen Verbindlichkeit des Thomas an. Er schreibt: "Wenn etwas mit den Forschungsergebnissen der späteren Zeit weniger im Einklange steht oder schließlich in irgendeiner Weise nicht wahrscheinlich ist, so beabsichtigen Wir keineswegs, daß dies unserer Zeit zur Nachahmung vorgelegt werde." (Hervorhebung vom Autor) D.h. wenn die Wissenschaft nachweist, daß bestimmte Lehr-inhalte von Thomas oder von ihm vorgelegte Resultate falsch sind, müssen diese revidiert werden bzw. ist es Pflicht, nach neuen Lösungen zu forschen. Diese Passage impliziert zugleich auch einen Freiraum wissenschaftlicher Forschung über den Thomismus hinaus. Denn von welchem Standpunkt aus sollte eine Prüfung von Thomas' Thesen erfolgen, wenn nicht von einem Punkt außerhalb dessen Lehrgebäudes, der wiewohl in der Wahrheit begründet ist und diese darstellt. Eine rein werkimmanenter Vergleich würde eine solch kritische Überprüfung nicht leisten können. 65) Bei näherem Hinsehen bzw. bei genauerem Lesen stellt man fest, daß auch die nachfolgenden Päpste ihre Lehramtsaussagen zur Verbindlichkeit der Philosophie des Aquinaten zumindest als teilweise eingeschränkt verstanden wissen wollen.

So scheitert z.B. der Versuch, durch die Einschärfung der thomistischen Methode die nötige Offenheit in der philosophischen Forschung (im Verhältnis von Glaube und Vernunft) zugunsten der Geschlossenheit des thomistisch-theologischen Systems einzugrenzen.

Als S. Pius X. in seinem Motu proprio "Doctoris Angelici" vom 29.6.1914 (66) an die kirchlichen Lehranstalten Italiens (!) 67 die Summa theologiae als Lehrbuch verpflichtend vorschreibt und den Begriff der scholastischen Philosophie auf thomistische Philosophie einengt, werden der Studienkongregation 24 Thesen aus der Metaphysik des Thomas - gleichsam ein Kondensat dieser Philosophie - vorgelegt, von ihr gebilligt und veröffentlicht. 68) Daraufhin regt sich bei nicht-thomistischen Autoren Widerstand, dem stattgegeben wird. So sieht sich die Studienkongregation unter Benedikt XV. am 7.3.1916 gezwungen, die ihr vorgelegten philosophischen Thesen zwar als historisch echte Lehre des hl. Thomas zu bestätigen, die sie als sichere Leitnorm bezeichnet - mit der Zustimmung des Papstes ("suprema sua auctoritate ratam habuit et confirmavit" - "mit seiner höchsten Autorität gebilligt und bestätigt"), der aber keine unbedingte Verpflichtung innewohne. 69) So schreibt Benedikt XV. in seinem Brief "Quod de fovenda" an den Jesuitengenral Wladimir Ledóchowski am 19.3.1917 - also ein Jahr später! -: "Wir glauben nämlich, daß Du bei dieser Beurteilung richtig gedacht hast, als Du annahmst, diejenigen hingen dem Engelgleichen Lehrer zur Genüge an, die meinen, man müsse die Thesen der Lehre des Thomas in ihrer Gesamtheit als sichere Leitnormen vorlegen, ohne daß allerdings eine Pflicht auferlegt wäre, alle Thesen anzunehmen." Im gleichen Brief schreibt der Papst weiter: "Im Blick auf diese Regel können die Studenten der Gesellschaft (d.i. die Gesellschaft Jesu) mit Recht die Furcht ablegen, nicht mit dem angebrachten Gehorsam den Geboten der Römischen Bischöfe zu folgen, deren beständige Auffassung es war, daß der hl. Thomas als Führer und Lehrer bei den Studien der Theologie und Philosophie angesehen werden müsse, wobei es jedoch jedem unbenommen bleibt, darüber nach beiden Seiten zu disputieren, worüber man disputieren kann und zu disputieren pflegt." 70) (Hervorhebungen vom Autor) Auch hier wird ein freies Disputieren zugestanden.

Ähnliche Freizügigkeiten im philosophischen Disput und der wissenschaftlichen Forschung werden auch von Pius XI. eingeräumt. In der Enzyklika "Studiorum Ducem" vom 29.6.1923 schreibt er: "Keiner soll nämlich daran gehindert werden, bei den Dingen, über die in katholischen Schulen unter Autoren von höherem Ansehen in entgegengesetzte Richtungen disputiert zu werden pflegt, jener Auffassung zu folgen, die ihm wahrscheinlicher erscheint." 71) Nach Pius XI. soll zwar nach der scholastischen Methode Philosophie gelehrt werden, doch wird ein Vergleich mit anderen philosophischen Systemen gefordert - was deren Kenntnis voraussetzt! -, allerdings wiederum auf der Basis des philosophischen Thomismus. 72) (N.b. es bleibt natürlich zu fragen, was solch ein philosophischer Systemvergleich wert ist, wenn das Ergebnis schon präjudiziert wird. Es hat m.E. wenig Zweck, lediglich festzustellen, daß der Gegner andere Waffen hat als man selbst, sondern es gilt, den Gegner zu besiegen. Aber es ist naiv davon auszugehen, daß der andere immer die schlechteren Waffen hat.)

Pius XII. wiederholt zwar die vom Kirchenrecht, Kan. 1366 § 2, gewiesenen Vorgaben zur philosophischen Thomas-Rezeption, doch grenzt er die Philosophie des Aquinaten näher ein: Thomas "Lehre aber weiß sich in harmonischem Einklang mit der göttlichen Offenbarung und kennt sie als überaus wirksam, um die Grundlagen des Glaubens sicherzustellen und die Früchte eines gesunden Fortschritts mit Nutzen und ohne Gefahr zu ernten." 73) Eine ähnliche Schwerpunktbestimmung der Philosophie des Aquinaten erfolgt in dem Mahnschreiben "Menti Nostrae" vom 23.9.1950: "In diesem Zusammenhang ist es angebracht, daran zu erinnern, daß die scholastische Methode besonders geeignet ist, klare Begriffe zu vermitteln und darzulegen, wie die der Kirche als Lehrerin aller Christen anvertrauten Glaubenswahrheiten untereinander organisch verbunden sind." 74) Eine weitere Einschränkung der Fixierung auf Thomas gibt Pius XII. in dem gleichen Mahnschreiben: "Obwohl bei der intellektuellen Bildung der jungen Seminaristen auch die anderen Fächer nicht vernachlässigt werden dürfen (...), so muß doch besonderes Gewicht auf die philosophische und theologische Ausbildung nach der Lehre des heiligen Thomas von Aquin (Vgl. C.I.C., can. 1366, 2) gelegt werden, und zwar unter Anpassung an die heutige Zeit und mit Rücksicht auf die Irrtümer der Gegenwart." 75) (Hervorhebungen vom Autor)

Auch vor der neuzeitlichen Debatte um die Grenzen der Geltung des philosophischen Thomismus gab es von höchster kirchlicher Seite Appelle, in philosophischen Debatten Toleranz zu üben. So mußte schon Clemens XII. 1733 der bañezischen und molinistischen Schule, die sich im Gnadenstreit im 17. und 18. Jahrhundert bekämpften und beide auf Thomas beriefen, eine gegenseitige Verketzerung verbieten. 76)

Besonders interessant hinsichtlich der Verbindlichkeit des philosophischen Thomismus ist auch eine genauere Analyse der scheinbar so intransingenten Bestimmung des Kanon 1366 § 2 des Kirchenrechtes. Schon die Textfassung wirft Probleme hinsichtlich ihres Verpflichtungsgrades auf. So kommt Mörsdorf in einer Untersuchung zu dem Schluß, daß die grammatische Form des Konjunktivs als Jussiv (wie er in c. 1366 § 2 bezüglich der Lehre des Thomas von Aquin sich findet) im CIC sowohl einen Rechtsrat (sollen) als auch eine Rechtsvorschrift (müssen) bedeuten kann. 77) Da der CIC nach der Konzeption von Gasparri ein positivistisches Rechtsbuch ist, kann die Übertretung einer Vorschrift nur dann als Delikt betrachtet werden, wenn sie mit einer Strafe belegt ist. Das ist für c. 1366 § 2 aber nicht der Fall. Darüber hinaus tut der CIC so, als gäbe es keine thomistischen Schulbildungen. Er ignoriert die immanenten Widersprüche des Thomas in seinem Gesamtwerk, die schon nach seinem Tode mit Konkordanzen auszugleichen versucht wurden.

Auch wenn in allen lehramtlichen Bestimmungen auf den hl. Thomas als philosophischen Pflichtautor verwiesen wird (auch unterschwellig mit der Forderung verbunden, dessen philosophische Aussagen einfach zu akzeptieren - was nebenbei gesagt ein recht unbilliges, weil unphilosophisches Verlangen wäre, was von Thomas selbst nicht geteilt würde), so dürfte doch aus den angegebenen Zitaten auch erhellen, daß sich die kirchlichen Autoritäten bezüglich der Grenzen der Geltung ihrer Bestimmungen zugunsten der Lehre, Methode und Prinzipien des hl. Thomas bewußt blieben und diese Begrenzung auch deutlich formulierten.

Diese Einschränkung möglicher Komptenz des hl. Thomas, die besonders klar von Leo XIII. formuliert wurde, besagt somit prinzipiell - und das in der ausdrücklichen Intention von Thomas selbst, der auf der Freiheit der philosophischen Forschung bestand! 78) - zweierlei:
a) methodische und inhaltliche Irrtümer, die in der Philosophie des hl. Thomas enthalten sind, müssen revidiert bzw. Lücken oder nicht ausgeführte Einzeldisziplinen - dies von einem wissenschaftlich-systematischen Ansatz der Philosophie her gesehen - müssen ausgefüllt oder erst dargestellt werden,
b) freie philosophische Forschung bleibt prinzipiell geboten.

Um nun im Sinne der Kiche - wohlgemerkt in den von ihr gesteckten Grenzen! die ja einzuhalten kirchliche Wissenschaftsinstitute verpflichtet sind 79) - dennoch vornehmlich eine andere Philosophie als die des Thomas zu dozieren, muß systematisch geklärt werden,

1) ob und gegebenenfalls welche methodischen und inhaltlichen Fehlpositionen bzw. Irrtümer es in der Lehre des Thomas gibt,
2) was die Bestimmung, Thomas zu studieren, vom Philosophierenden her heißt - in methodischer
und didaktischer Hinsicht - auch in der radikalsten Formulierung, die von Pius X. stammt:
"Das bedeutet in der Hauptsache, daß wir unter scholastischer Philosophie, die wir vorschreiben, die von Thomas von Aquin überlieferte verstehen." 80)


Anmerkungen:
1) Zur Biographie des Thomas von Aquin vgl. u.a. Weisheipl, James A.: "Thomas von Aquin - Sein Leben und seine Theologie" Graz Wien Köln 1980; ebenso Torrell, Jean-Pierre: "Magister Thomas, Leben u. Werk des Thomas von Aquin" Freiburg Basel Wien 1995; ebenso Pesch, Otto Hermann: "Thomas von Aquin" Mainz 1988, S.66f f.; vgl. auch Chenu, M.-D.: "Thomas von Aquin" Hamburg 1960 - Die ältesten Biographien stammen aus der Feder von Wilhelm von Tocco, der Thomas in den Jahren 1272 bis 74 noch persönlich kennengelernt hatte und der bis zu dessen Heiligsprechung am 18.7.1323 daran geschrieben haben soll, von Bernhard Gui (entstanden zwischen 1324-26) und Peter Calo (abgeschlossen erst nach 1330).
2) Vgl. Denifle, H.: "Die Entstehung der Universitäten des Mittelalters bis 1400" Berlin 1885.
3) "Quodlibetum" IV, Art, 16 - gehalten 1271 zu Paris.
4) "Summa Theologiae" (STh), II-II 2, 10.
5) Zur gleichen Zeit, zu der Thomas seine "Summa contra gentiles" abfaßt, fordert Alexander IV. Albert, der damals am päpstlichen Hof zu Anagni weilt, auf, eine christliche Darstellung der Einheit des Vorstellens gegenüber der von Averroes vertretenen These einer überpersönlichen Einheit des Intellektes, in der dieser das persönliche Fortleben nach dem Tode in Frage stellte, abzufassen. Albert kommt dieser Bitte mit der Schrift "De unitate intellectus contra Averristas" nach.
6) Vgl. Kommentar zur Metaphysik, n. 342.
7) Zur Enstehungsgeschichte der Summa Theologiae vgl. Mandonnet, P.: "Chronologie des écrits scripturaires de saint Thomas d'Aquin" in "Revue thomiste" Bd. 33, Toulouse 1928, S. 27-45; 116-155; 211-245 u.a.; ebenso Sertillanges, A.-D.: "Saint Thomas d'Aquin, Somme theologique, La création" Paris Rom 1963.
8) Wie Pesch, a.a.O., S. 59, meint, hatten die Päpste in Albert und Thomas und ihnen gleichgesinnte Kollegen - einer wurde später selbst Papst: Petrus von Tarantasia, der sich als Papst den Namen Innozenz V. gab - das Vertrauen gesetzt, durch sie einen "purgierten" Aristoteles zu erhalten, dessen wissenschaftlich umfassendes Konzept für die Theologie nutzbar gemacht werden sollte. Die Päpste glaubten, daß bei diesen Wissenschaftlern die Sache des Glaubens nicht in Gefahr geraten würde.
9) Über den Tagesablauf schreibt Bartholomäus von Capua, einer seiner Zeitgenossen: "Bruder Thomas feierte jeden Morgen die Messe in der Nikolauskapelle, ein anderer Priester folgte ihm sofort, der seinerseits die Messe feierte. Nacdem er dieser beigewohnt hatte, zog er die (Meß-)Gewänder aus und hielt sogleich seine Vorlesung ab; sobald diese beendet war, fing er an zu schreiben und mehreren Sekretären gleichzeitig zu diktieren." (Processus canonizationis S. Thomae, S. 373, hrsg. von M.-H. Laurent; zitiert nach Torrell, a.a.O., S. 257)
10) Pesch, a.a.O., S. 77.
11) Zur Entstehungsgeschichte und der Datierung der Werke vgl. auch die Studie von M. L. Guérard des Lauriers, des nachmaligen von Mgr. Ngô-dinh-Thuc geweihten, inzwischen verstorbenen Bischofs, in "Bulletin thomiste" Bd. 12, Etiolles 1963-1965, S. 5-168.
12) STh I 2, Prol.); paraphrasiert nach Torrell, a.a.O., S. 166.
13) Vgl. dazu Torrell, a.a.O., S. 168 ff.
14) Man kann diese Formel, die eine Struktur von (Heils-)Geschichte aufweist, auch - sie erweiternd auf die konkrete, unableitbare, kontingente Heilsgeschichte - so formulieren (wie es z.B. Pesch, a.a.O., S.394 tut): "Von Gott durch die Welt zurück zu Gott durch Jesus Christus, den Gekreuzigten."
15) Vgl. Weisheipl, a.a.O., S.294, ebenso Pesch, a.a.O., S. 51.
16) Wilhelm von Tocco: "Das Leben des hl. Thomas von Aquino", Kap 58 in: Eckert, Willehaud Paul: "Das Leben des hl. Thomas von Aquino, erzählt von Wilhelm von Tocco..." Düsseldorf 1965, S. 161.
17) STh I 1,6.
18) Thomas sagt es so: "Denn alles, was allein vom Willen Gottes abhängt und jeden Anspruch des Geschöpfes übersteigt, kann uns nur offenbar werden, soweit es uns die Hl. Schrift lehrt. In ihr gibt sich der Wille Gottes kund." (STh I 1,3)
19) STh I 1,3 ad 2.
20) STh I 1,6.
21) Es wird nötig sein, im systematischen Teil diese sog. Gottesbeweise näher zu untersuchen, denn sie stellen - philosophisch gesehen - Zirkelschlüsse dar, die nichts beweisen bzw. keine Erweiterung der Erkenntnis leisten.
22) Quaestiones disputatae De potentia 7,5 ad 14.
23) STh I 3, Prol.
24) Summa contra Gentiles, I 8.
25) Ohne der systematischen Debatte vorgreifen zu wollen, könnte man hier schon fragen, wie denn die natürliche Erkenntnis das Dasein Gottes erreichen kann, ohne etwas von dessen "substantia" (Wesen) zu wissen. Es wäre ein 'Erkennen' von etwas, was in sich ungewußt wäre. So etwas ist nicht denkbar. Erreicht das Wissen die Existenz Gottes, dann muß es notwendigerweise auch dessen Substanz erreichen. Er erscheint, wie Er ist, und ist, wie Er erscheint. Daß dem Ich die Einschauung in Gott verwehrt ist, das weiß das Ich, weil es eben Nicht-Gott ist.
26) Diese Einstellung hat Thomas in neuerer Zeit den Vorwurf eingebracht, er könne im eigentlichen Sinne gar nicht
philosophieren, da er die Philosophie an den Glauben ausgeliefert habe. (So u.a. bei Blumenberg: "Der Prozeß der theoretischen Neugier", Frankfurt a.M. 1973, S. 129 ff.)
27) z.B. STh I-II 110,2.
28) Vgl. dazu auch Pesch, a.a.O., S. 231 ff.
29) STh I 5,6 obj. 1; I-II 49, 1c.
30) Augustinus: "De libero arbritrio" II, 19 in: PL 32, 1268.
31) Kommentar zum Traktat "De Trinitate" des Boethius 2,3.
32) Torrell, a.a.O., S. 251 f.
33) Zum Verständnis vgl. man u.a. Grabmann, Martin: "Die Werke des hl. Thomas von Aquin" in: "Beiträge zur Geschichte der Philosophie und Theologie des Mittelalters" Bd. 22, 1-2, Münster 1949; ebenso Chenu, Marie-Dominique: "Das Werk des hl. Thomas von Aquin" Graz Wien Köln 1982.
34) DenCh I, 70, n.11, zit n. Steenberghen, 91
35) DenCh I, 78-79, n.20, zit n. Steenberghen, 92
36) DenCh I, 114-116, n.59, zit n. Steenberghen, 101
37) DenCh I, 138, n.79, zit n. Steenberghen, 106
38) DenCh I, 185-186, n.149, zit n. Steenberghen, 109, 144
39) DenCh I, 277-279, zit n. Flasch, 30
40) DenCh I, 472, n.348, zit n. Steenberghen, 144
41) Flasch, 42
42) Flasch, 52
43) DenCh I, 543-555, Flasch, 99-261
44) Flasch, a.a.O.
45) Flasch, a.a.O.
46) Torell, a.a.O., S. 313
47) Flasch, a.a.O.
48) Flasch, 57.
49) DenCh I, 559, zit n. Weisheipl, 308 f., zit n. Steenberghen, 457.
50) Weisheipl, 309 f.
51) Weisheipl, 310.
52) DenCh I, 520-560, n.149, zit n. Steenberghen, 458.
53) Das folgende nach Torrell, a.a.O., S. 309 ff.
54) Der Nominalismus behauptet, daß den Allgemeinbegriffen jede konkrete Realität abginge. Der frühmittelalterliche Nominalismus ist im wesentlichen beherrscht durch den sog. Universalienstreit. Im 14. Jahrhundert lebt der Nominalismus wieder auf. Ihr Hauptvertreter ist der Franziskaner Wilhelm von Ockham. Nach ihm vermag die menschliche Erkenntnis nur das je Individuelle in der intuitiven Erkenntnis zu erfassen. Aus dem Denken abgeleitete Erkenntnisse haben nur logische, aber keine objektive Gültigkeit. - Ein solches erkenntnistheoretisches Konzept ist der scholastischen Theologie, die sich durch Rationalität ihrer Argumente um allgemeine Verständlichkeit ihrer Aussagen bemüht, diametral entgegengesetzt.
55) Zusammenfassung nach LThK X, 157-161.
56) Kant, Immanuel: "Kritik der reinen Vernunft" Riga 1787, S. XVI-XVIII.
57) Kant, a.a.O., Vorrede, B 25.
58) Kant, a.a.O.
59) Hier können auch noch die Wissensbegründungen des hl. Anselms von Canterbury (+ 1109) angeführt werden, der in seinen Schriften "Monologion", "Proslogion" und "De veritate" ebenfalls durch den Ausweis seines "unum argumentum" einen absolut sicheren Ausgangspunkt für das Wissen aufzustellen bemüht war.
60) Schelling: "Darstellung meines Systems der Philosophie" 1801 (erschienen zuerst in der "Zeitschrift für spekulative Physik" 2.B., 2. Heft, 1801, I, IV, 209.
61) DH 2814.
62) Und das, obwohl nicht einmal die Textlage gesichert ist. Denn auch bis heute, d.h. nach über 100 Jahren, ist die von Leo XIII. initiierte kritische Thomas-Ausgabe, die sog. Leonina, noch nicht abgeschlossen.
63) Vgl. Trochu, Francis: "Der heilige Pfarrer von Ars" Stuttgart 1928, S. 68 ff.
64) Man kann m.E. den Stellenwert dieser Maßnahme, nämlich die Fixierung auf den Thomismus und die Haltbarkeit dieses "Bollwerkes des Glaubens" (Leo XIII. in "Aeterni Patris") religions- und philosophie-geschichtlich am besten aus folgendem Vorgang ablesen. Wenn doch alle Theologen und Kleriker mit soviel Autorität auf das Studium und die Adaption der Lehre des Pastor Angelicus hingelenkt wurden, ist es doch merkwürdig festzustellen, daß all die dezidierten Thomisten dem theologischen Reformismus der sog. nach-konziliaren Phase fast nichts entgegenzusetzen hatten. Reihenweise sind sie fast alle - als Wissenschaftler - umgefallen und den Rahners und Küngs nachgelaufen.
65) Es wäre m.E. auch unangebracht von Leo XIII. gewesen - trotz aller Eingenommenheit für Thomas - und er hätte damit auch seine Lehrkompetenzen als Papst überschritten, wenn er behauptet hätte, die philosophische Wahrheit hätte sich in Thomas gleichsam irrtumsfrei inkarniert - ein Fortschritt auf dem Gebiet des philosophischen Wissen sei deshalb nicht mehr denkbar.
66) CICF III, 830-834, n.701.
67) Vorwort zu DH 3601.
68) DH 3601-3624; CICF VIII, 447-449, n. 6417.
69) CICF VIII, 450, n. 6418.
70) Vorwort zu DH 3601; lat.: Acta Romana S.I. 9 (1917) 318 f.
71) DH 3667.
72) Vgl. Pius XI. Apostolisches Schreiben "Deus scientarum Dominus" vom 24.5.1931, Art. 29. (Mayer II, 436.)
73) Pius XII. Enzyklika "Humani generis" vom 12.8.1950 - Mayer IV, 478.
74) Mayer IV, 78
75) ebd.
76) Clemens XII., Bulle "Apostolicae providentiae officio", 2. Oktober 1733 (DH 2509 - 2510).
77) Mörsdorf, Klaus: "Die Rechtssprache des Codex Juris Canonici Paderborn 1937, S. 32f., 95 f.
78) Vgl. dazu Pesch, Otto Hermann: "Thomas von Aquin" Mainz 1988, S. 33.
79) Es ist klar, daß diese nur für von der Kirche abhängige Institute gelten, zu denen z.B. unsere Zeitschrift nicht gehört.
80) Motu proprio "Sacrorum Antistitum" n. 1, 1. September 1910 (CICF III, 774-790, n. 689).
 
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