Versammlung der bösen Geister
von
Maria von Agreda
(aus: "Leben der Jungfrau und Gottesmutter Maria", S. 534-544)
Der Sturz Luzifers und seiner Genossen vom Kalvarienberg in die Tiefe
der Hölle war viel stürmischer und wilder als damals, als sie aus dem
Himmel verstoßen wurden. Die Hölle ist zwar stets voll Verwirrung,
Elend, Qualen und Unordnung. Bei dieser Begebenheit aber steigerte sich
die Verwirrung noch mehr. Die Verdammten fühlten neuen Schrecken und
eine akzidentelle (außerordentliche) Pein infolge des Ungestümes und
der Heftigkeit, womit die Teufel in Wut und Raserei aufeinander
niederstürzten. Es ist gewiß, daß es den Teufeln nicht freisteht, nach
Belieben den Seelen in der Hölle mehr oder weniger qualvolle Orte
anzuweisen. Dies ordnet die Macht der göttlichen Gerechtigkeit je nach
den Mißverdiensten eines jeden einzelnen Verdammten an. Es ist aber
eine Anordnung des gerechten Richters, daß sie im Verlaufe der Zeit und
bei gewissen Veranlassungen außer der wesentlichen Pein auch noch
andere, akzidentelle Qualen erdulden können. Denn ihre Sünden haben auf
der Welt Wurzeln hinterlassen und vielfachen Schaden für andere
gebracht, welche um ihretwillen verdammt werden. Eben diese Wirkung
ihrer nicht gesühnten Sünden verursacht ihnen diese Pein. So quälten
nun die Teufel auch den Judas erneut, weil er Christus verkauft und
seinen Tod veranlaßt hatte. Sie erkannten, daß dieser Ort mit seinen so
schrecklichen Qualen, an den sie den Verräter gebracht hatten, zur
Bestrafung jener bestimmt sei, die den Glauben gehabt, aber ihn nicht
durch Werke betätigt und die Frucht der Erlösung geflissentlich
verachtet haben. Gegen alle diese zeigen die Teufel eine besonders
große Wut aus Haß gegen Jesus und Maria. (1424)
Als Luzifer die Erlaubnis erhalten hatte, von seinem Falle sich wieder
zu erheben, war er bedacht, den höllischen Geistern die neuen Pläne
seines Stolzes mitzuteilen. Er rief sie alle zusammen und sprach:
«Euch, die ihr aus Rache wegen der mir zugefügten Ungerechtigkeiten
seit so vielen Jahrhunderten meiner gerechten Partei folgt und ihr
immer folgen werdet, ist es bekannt, welches Unrecht ich neuerdings von
diesem merkwürdigen Gottmenschen erlitten habe. Dreiunddreißig Jahre
lang hat er mich hinters Licht geführt, mir seine göttliche Natur
verborgen, die Tätigkeiten seiner Seele verhüllt und durch den Tod, den
wir zu seiner Vernichtung über ihn gebracht haben, uns besiegt. Schon
bevor er Fleisch annahm, habe ich ihn gehaßt und mich nicht
herbeigelassen, anzuerkennen, daß er mehr als ich würdig sei, von allen
als Oberhaupt angebetet zu werden. Ich bin zwar wegen dieser
Widersetzlichkeit mit euch vom Himmel verstoßen und mit dieser
Häßlichkeit bekleidet worden, in der ich dastehe, und die meiner Größe
so unwürdig ist.
Aber mehr als all dies quält mich, daß ich mich durch diesen Menschen
und seine Mutter besiegt und unterdrückt sehe. Von jenem Tage an, als
der erste Mensch erschaffen wurde, habe ich danach getrachtet, den
Gottmenschen und seine Mutter zu vernichten oder, falls mir dies nicht
gelänge, alle seine Geschöpfe zugrunde zu richten.
Ich habe zu bewirken versucht, daß niemand ihn als Gott anerkenne oder
ihm folge und daß seine Werke den Menschen nicht zum Segen gereichen.
Doch alles war umsonst. Durch seine Demut und Armut hat er mich
besiegt, durch seine Geduld mich niedergeschmettert und endlich mich
durch sein Leiden und seinen schmachvollen Tod meiner Herrschaft über
die Welt beraubt. Das quält mich derart, daß selbst dann mein Neid
nicht befriedigt und meine Wut nicht besänftigt wäre, wenn ich ihn von
der Rechten seines Vaters, wo er nun triumphierend sitzt, hinwegreißen
und alle seine Erlösten in diese höllischen Abgründe herabziehen
könnte.» (1425)
«Wie kann die menschliche Natur, die doch so weit unter der meinigen
steht, so weit über alle Kreaturen erhoben werden? Warum mußte sie von
ihrem Schöpfer so sehr geliebt und begünstigt werden, daß er sie in der
Person des ewigen Wortes mit sich selbst vereinigte? Und warum hat er
mich schon vor seiner Menschwerdung bekriegt und nachher zu meiner
großen Beschämung mich niedergeschmettert? Ich habe diese Person des
Wortes allezeit als meine grimmigste Feindin betrachtet und beständig
war sie mir verhaßt und unerträglich. O ihr Menschen, wie seid ihr doch
von Gott, den ich hasse, so sehr begünstigt, so zärtlich behandelt und
von seiner brennenden Liebe mit Wohlwollen überhäuft! Wie werde
ich euer Glück verhindern, wie euch ebenso unglücklich machen ,wie ich
es bin, da ich die Natur, die ihr empfangen habt, nicht zerstören kann?
Und nun, meine Vasallen, wie sollen wir unsere Herrschaft wieder
herstellen? Wie werden wir wieder unsere Stärke erlangen? Wie können
wir die Menschen noch besiegen? Denn wenn sie gegen diesen
Gottmenschen, der sie mit solcher Liebe erlöst hat, nicht ganz
gefühllos und undankbar, ja selbst schlimmer sind als wir, werden ihm
alle um die Wette folgen, alle ihm ihr Herz weihen und sein liebliches
Gesetz annehmen. Niemand wird mehr auf unsere Lügen achten. Die
trügerischen Ehren, die wir anbieten, werden die Menschen verschmähen
und die Verachtung lieben, nach der Abtötung des Fleisches werden sie
ver-langen und das Gefährliche der Ergötzlichkeiten sehen, sie werden
die Schätze und Reichtümer verlassen und Armut lieben, die ihr
Lehrmeister so hoch geehrt hat.
Was wir den menschlichen Neigungen darbieten, um sie anzuregen, wird
man mit Abscheu abweisen, um dem wahren Erlöser nachzufolgen. Dadurch
fällt aber unser Reich der Zerstörung anheim. Niemand wird mehr zu uns
an den Ort der Qual kommen, vielmehr werden alle zu jener
Glückseligkeit gelangen, die wir verloren haben. Alle werden sich bis
in den Staub demütigen und in Geduld die Leiden ertragen; mein Zorn und
mein Stolz aber wird leer ausgehen.» (1426)
«Ach, ich Unglücklicher, welche Qual verursacht mir meine eigene
Täuschung! Wenn ich ihn in der Wüste versuchte, habe ich ihm dadurch
nur Gelegenheit geboten, den Menschen in der Welt ein Beispiel zu
hinterlassen, um die Welt selbst zu überwinden. Wenn ich ihn verfolgt
habe, bot ihm dies nur Gelegenheit, seine Demut und Geduld zu lehren.
Als ich Judas überredete, ihn zu verkaufen und die Juden, ihn mit
tödlichem Hasse zu quälen und ans Kreuz zu schlagen, habe ich nur an
meinem Verderben und an der Rettung der Menschen gearbeitet und
bewirkt, daß jene Lehre, die ich zu verdrängen suchte, der Welt
erhalten blieb. Wie konnte sich jener so sehr verdemütigen, der wahrer
Gott war? Wie konnte er soviel von den Menschen ertragen, die doch so
böse sind? Und trug ich selbst soviel bei, daß die Erlösung der
Menschen so überreich und so wunderbar war? 0 wie so ganz göttlich ist
die Stärke dieses Menschen, die mich so gewaltig peinigt und so
ohnmächtig macht! Und jene meine Feindin, seine Mutter, wie ist sie so
unüberwindlich und so mächtig gegen mich? Eine solche Macht bei einer
reinen Kreatur ist etwas Unerhörtes. Ohne Zweifel hat sie diese Macht
vom ewigen Worte, das sie mit Fleisch bekleidet hat. Der Allmächtige
hat durch diese Frau gegen mich allezeit einen heftigen Krieg geführt.
Sie war meinem hohen Geiste schon von jenem Augenblicke an so verhaßt,
als ich sie in ihrem Zeichen und Bilde gesehen habe. Solange aber mein
Stolz und mein Zorn nicht befriedigt sind, werde ich gegen diesen
Erlöser, gegen seine Mutter und gegen die Menschen einen
ununterbrochenen Krieg führen. Wohlan denn, ihr Teufel meines Gefolges,
jetzt ist es an der Zeit, unseren Zorn gegen Gott auszulassen. Beratet
mit mir die Mittel! Ich möchte eure Ansicht hierüber hören.» (1427)
Auf diesen entsetzlichen Vorschlag Luzifers hin gaben einige der
obersten Teufel verschiedene Ratschläge, um die Frucht der Erlösung bei
den Menschen zu verhindern. Alle waren sich einig, daß es unmöglich
sei, die Person Christi anzugreifen, den unermeßlichen Wert seiner
Verdienste zu schmälern, die Wirksamkeit der Sakramente aufzuheben oder
die von Christus verkündigte Lehre zu ver-fälschen oder abzuschaffen.
Trotzdem müsse man neue Mittel und Wege finden, um die Menschen vom
Gebrauch der Gnadenmittel abzuhalten und sie durch stärkere
Versuchungen und Trugkünste zu verführen. Einige besonders verschmitzte
und boshafte Teufel sagten: «Es ist wahr, die Menschen haben nun eine
neue Lehre, ein sehr kräftiges Gesetz; auch neue und wirksame
Sakramente, ein neues Vorbild und einen neuen Lehrmeister der Tugenden.
Sie haben eine mächtige Fürspreche-rin und Mittlerin an diesem
außerordentlichen Weibe. Doch ihre natürlichen Neigungen und
Leiden-schaften bleiben allezeit dieselben, und auch die ergötzlichen
und sinnlichen Dinge haben keine Änderung erfahren. Wenn wir uns dieser
Mittel mit größerer Schlauheit bedienen, so werden wir das wieder
zerstören, was dieser Gottmensch für sie gewirkt hat. Wir wollen darum
die Menschen heftig bekämpfen, sie durch Einflüsterungen anlocken und
ihre Leidenschaften aufstacheln, daß sie ganz und gar von ihnen
eingenommen und bei ihrer Beschränktheit auf nichts anderes mehr
achten.»(1428)
Luzifer teilte nun verschiedene Ämter unter die Teufel aus, damit alle
mit erhöhter Schlauheit und in geordneten Scharen vorgehen. Diese
Scharen sollten den verschiedenen Lastern entsprechen, zu denen sie die
Menschen versuchen wollen. Der Götzendienst sollte in der Welt erhalten
bleiben. Sollte er aber verschwinden, so wollen sie neue Sekten und
Ketzereien in der Welt aufbringen. Es sollten Menschen ausgesucht
werden, die ganz und gar schlecht und von verkehrten Neigungen
beherrscht sind. Diese würden die Ketzereien annehmen und die
Lehrmeister und Anführer der Irrtümer werden. In der Hölle also, in der
Brust dieser giftigen Schlangen, wurden die Lehre des Mohammed, die
Ketzereien des Arius, des Pelagius, des Nestorius und alle anderen
Irrlehren von den ersten Zeiten der Kirche an bis ans Ende der Welt
ausgebrütet. Dieses teuflische Gutachten hat Luzifer gutgeheißen, weil
es der göttlichen Wahrheit entgegentritt und das Fundament des
menschlichen Heiles, den Glauben, zerstörte. Jenen Teufeln, die es
übernommen hatten, zur Stiftung von Irrlehren gottlose Menschen
aufzusuchen, spendete Luzifer sein Lob, erzeigte ihnen seine Huld und
setzte sie an seine Stelle. (1429)
Einige Teufel machten es sich zur Aufgabe, den Neigungen der Kinder
eine verkehrte Richtung zu geben und die Eltern anzutreiben, die
Erziehung und den Unterricht der Kinder zu vernachlässigen. Die Kinder
aber wollten sie zum Haß gegen die Eltern aufreizen. Wieder andere
erboten sich, Unfrieden zwischen Eheleuten zu stiften und ihnen Anlaß
zum Ehebruch und zur Verletzung der schuldigen Ehrerbietung und Treue
vorzugeben. Alle insgesamt aber vereinigten sich dahin, daß sie
Streitigkeiten, Haß, Zwietracht und Rachsucht unter die Menschen
ausstreuen und sie durch lügenhafte Eingebungen, durch stolze und
sinnliche Neigungen, Habsucht und Ehrgeiz antreiben und ihnen
Scheingründe gegen alle von Christus gelehrten Tugenden einflößen
wollten. Vor allem aber wollten sie die Menschen vom Andenken an das
Leiden und Sterben Christi und an die Wohltat der Erlösung abbringen
und bewirken, daß sie die Höllenpeinen und ihre ewige Dauer vergessen.
Durch diese Mittel hofften alle Teufel, die Menschen dahin zu bringen,
ihr Trachten den Vergnügungen zuzuwenden und so das Heil ihrer Seele zu
vernachlässigen. (1430)
Luzifer hörte diese Vorschläge an und erwiderte: «Eure Gutachten haben
mich sehr befriedigt. Alles wird leicht zu erreichen sein bei denen,
die das Gesetz des Erlösers nicht beobachten. Bei den Befolgern dieses
Gesetzes wird es sehr schwierig sein. Ich bin aber entschlossen, gegen
die Anhänger Cliristi meine ganze Wut und Raserei aufzubieten und alle
mit höchster Erbitterung zu verfolgen. Wir müssen gegen sie Krieg
führen bis zum Ende der Welt und in dieser neuen Kirche Unkraut säen
(Matth 13,25), nämlich Ehrgeiz, Habsucht, Sinnlichkeit, den tödlichen
Haß und alle anderen Laster, deren Haupt ich bin. Wenn einmal die
Sünden unter den Gläubigen sich mehren und anwachsen, so wird die große
Undankbarkeit, deren sie sich vor Gott schuldig machen, bewirken, daß
er ihnen die Gnadenhilfen versagt. Versperren sie sich so durch ihre
Sünden diesen Weg zu ihrer Rettung, dann werden wir den Sieg über sie
davontragen. Ferner müssen wir die Menschen dahin bringen, dass sie die
Frömmigkeit und den Geschmack an den geistlichen und göttlichen Dingen
verlieren, die Kraft der Sakramente nicht achten und die Gnadenmittel
im Stande der Sünde oder wenigstens ohne Eifer und Andacht empfangen.
Diese Gnadenmittel sind geistiger Natur und müssen darum mit der Kraft
des Willens empfangen werden, wenn sie dem Empfänger nützen sollen.
Kommen aber die Menschen einmal so weit, daß sie die Arznei verachten,
werden sie nur langsam ihr Heil fördern, unse-ren Versuchungen
geringeren Widerstand leisten, unsere Täuschungen nicht bemerken, die
Wohltaten Gottes vergessen und auf das Andenken an ihren eigenen
Erlöser und die Fürsprache seiner Mutter kein Gewicht mehr legen. Diese
Undankbarkeit aber wird sie der Gnade unwürdig machen. Ihr Gott und
Erlöser wird sie ihnen dann entziehen. Darin unterstützt mich nach
Kräften und versäumt nicht, meine Befehle zu vollziehen. (1431)
Es ist unmöglich zu beschreiben, was der Drache mit seinen Gesellen an
Plänen gegen die heilige Kirche und ihre Kinder geschmiedet hat, um die
«Gewässer des Jordan in seinem Rachen zu verschlucken» (Job 40,28). Es
genüge die Bemerkung, daß sie ungefähr ein volles Jahr Jahr nach dem
Tode Christi mit diesen Beratungen über den Zustand der Welt
zubrachten. Sie erwogen, in welcher Lage sie sich ehemals befand und
wie ihr Zustand nach dem Erlösungstod Christi erschien, nachdem die
Wahrheit seines Glaubens durch das Licht so vieler Wunder und
Gnadenerweise geoffenbart. Wenn dies alles nicht hinreicht, um die
Menschen auf den Weg des Heiles zurückzuführen, so sieht man klar und
deutlich, welche Macht Luzifer gegen sie aufgebracht hat. Sein Zorn ist
groß, so groß, daß wir mit dem heiligen Johannes sagen können: «Wehe
der Erde; denn der Satan ist voll Zorn und Wut zu euch hinabgestiegen,
mit großer Wut, weil er weiß, wie kurz seine Frist ist.» Leider sind
solch höchst wichtige Wahrheiten in unseren Tagen gar sehr dem
Gedächtnis der Menschen entschwunden zu ihrem unersetzlichen Schaden.
Der Feind ist schlau, grausam und wachsam; wir aber sind schläfrig,
sorglos und träge. Was Wunder also, daß Luzifer einen so großen Teil
von der Welt in Besitz hat; gibt es ja doch so viele, welche auf ihn
hören, ihm glauben und seinen Betrügereien nachgehen, dagegen so
wenige, welche ihm widerstehen. Der Grund ist, weil die Menschen nicht
an den ewigen Tod denken, in den der Satan sie zu stürzen sucht. (1432)
Lehre der Himmelskönigin
Meine Tochter, du hast eine tiefe Erkenntnis von dem glorreichen Sieg
meines Sohnes über die Teufel erhalten. Wisse aber wohl, daß dir von
diesen unaussprechlichen Geheimnissen noch weit mehr verborgen ist, als
dir bekannt wurde. lm sterblichen Fleische fehlt dir die Befähigung, um
so in sie einzudringen, wie sie in sich selbst sind. Die göttliche
Vorsehung spart die vollständige Erkenntnis darüber auf, um in der
beseligenden Anschauung des Himmels die Heiligen damit zu belohnen, die
Verworfenen aber zu beschämen. Ich sage dir aber, daß der Drache in
erhöhtem Maße gegen dich erbittert ist. Sein Stolz ist gereizt, weil du
aufgedeckt hast, wie sehr er beim Tode meines heiligsten Sohnes
gedemütigt, niedergeschmettert und geschädigt wurde, welche Pläne er
mit seinen höllischen Geistern schmiedete, um an den Kindern der
heiligen Kirche seinen Sturz zu rächen. All dies hat ihn aufs neue in
Aufregung versetzt, weil er sieht, daß seine Pläne denen kund werden,
welche bisher nichts davon wußten. Diese Wut wirst du aus den
Versuchungen und Verfolgungen erkennen, die der Satan dir in den Weg
legen wird. (1433)
Als die bösen Geister das Geheimnis der Menschwerdung und Erlösung
innewurden, verloren sie alle Kraft, die Gläubigen in der Weise zu
versuchen, wie sie die Nichtgläubigen zu versuchen pflegten. Dieser
Schrecken der Teufel vor den Getauften dauerte in den ersten Zeiten der
Kirche viele Jahre hindurch fort, denn damals erglänzte an den
Gläubigen die Kraft Gottes infolge des Eifers, mit dem sie das Beispiel
meines Sohnes nachahmten, ihren heiligen Glauben bekannten, die Lehre
des heiligen Evangeliums befolgten und die Tugenden übten. Sie
verrichteten überaus feurige Akte der Liebe, der Demut, der Geduld und
der Verachtung der Eitelkeit und der trügerischen Scheingüter der Weit.
Viele haben für Jesus Christus ihr Blut vergossen und für die
Verherrlichung seines heiligen Namens erhabene und wunderbare Taten
vollbracht. Sie standen dem Leiden und Tode ihres Erlösers noch
unmittelbar nahe und hatten noch das wunderbare Beispiel seiner Geduld
und Demut lebendiger vor Augen. Von den Teufeln wurden sie nicht so
stark versucht, denn diese konnten sich von der schweren Niederlage
nicht so schnell erheben. (1434)
Diese Gleichförmigkeit mit Jesus Christus und die vollkommene
Nachahmung seines Beispiels, wie es die Teufel an den ersten Kindern
der Kirche wahrnahmen, flößten den bösen Geistern eine solche Furcht
ein, daß sie ihnen gar nicht zu nahen wagten. Sie flohen in Eile davon,
wenn ein Christ in die Nähe kam. Diese brachten durch ihr vollkommenes
Handeln dem Allerhöchsten die Erstlinge der Gnade und Erlösung als
Opfer dar. Das würde bis heute noch der Fall sein, - die Heiligen
bezeugen es - wenn alle Katholiken mit der Gnade mitwirken und auf dem
Kreuzwege wandeln würden, wie Luzifer es befürchtet hat. Allein im
Verlauf der Zeit begann in vielen Gläubigen die Liebe, der Eifer und
die Andacht zu erkalten. Sie vergaßen mehr und mehr die Wohltat der
Erlösung, gaben ihren Neigungen nach, liebten die Eitelkeit und
Habsucht und ließen sich durch die Einflüsterungen Luzifers betören.
Damit haben sie aber die Ehre des Herrn geschmälert und sich den Händen
ihrer Todfeinde überliefert. Nun haben die Teufel Gott gegenüber wieder
ihren Stolz geltend gemacht und streben erneut infolge der
Gleichgültigkeit und Sorglosigkeit der Katholiken die Herrschaft über
alle Adamskinder an. Ja, die Vermessenheit der bösen Geister geht so
weit, daß sie die ganze Kirche vernichten wollen. Das größte Unheil
ist, daß viele Katholiken dieses Verderben nicht erkennen und darum
auch keine Mittel dagegen suchen. Und doch könnten sie an die drohenden
Worte meines heiligsten Sohnes denken, als er den Töchtern Jerusalems
erklärte, daß die Unfruchtbaren glücklich seien (Luk 23,29). Du, meine
Tochter, lebst in diesem so unglücklichen Zeitalter. Vergiß nie die
Geheimnisse der Menschwerdung, des Leidens und Sterbens meines
heiligsten Sohnes. Danke vielmehr dafür im Namen so vieler, die diese
Geheimnisse gering schätzen. Das fromme und aufmerksame Andenken an die
Geheimnisse der Erlösung allein schon verursacht der Hölle großen
Schrecken und große Qual. Die bösen Geister fliehen vor all denen, die
mit dankbarer Gesinnung über das Leben und die Geheimnisse meines
allerheiligsten Sohnes nachdenken. (1435)
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