DER HEILIGE LAURENTIUS
von
Eugen Golla
Das Leben dieses Heiligen, der im "Communicantes" der hl. Messe genannt
wird, ist in tiefes Dunkel gehüllt. Ein reicher Kranz von Legenden
bewirkte aber, daß er zu einem der am meisten verehrten Heiligen wurde,
besonders in Rom, wo sein Fest in der alten Liturgie nach dem der
Apostelfürsten Petrus und Paulus die größte Feier war.
Zwar wird Laurentius in einem alten Martyrologium wie folgt redend
angeführt: "Was mein Geschlecht betrifft, so bin ich ein Spanier, aber
erzogen und unterrichtet in Rom." Auch rühmen sich mehrere spanische
Städte, sein Geburtsort zu sein, doch ermangelt alles dies
einwandfreier historischer Unterlagen.
Im Jahre 257 erließ Kaiser Valerian ein Edikt, das zwar nicht alle
Christen, aber doch sämtliche Bischöfe, Priester und Diakone unter der
Strafe der Verbannung verpflichtete, die römische Staatsreligion
anzuerkennen. Da es nicht ausreichend wirksam war, verhängte bald
darauf ein zweites Edikt über den gesamten Klerus im Falle der
Anerkennungsverweigerung die sofortige Todesstrafe. An der Spitze der
römischen Martyrer dieser Verfolgung befindet sich der Papst Sixtus II.
Als dieser zur Stätte seiner Hinrichtung geführt wurde, soll ihm nach
den uns vorliegenden Berichten Laurentius klagend zugerufen haben:
"Wohin gehst du, Vater, ohne deinen Sohn? Nie brachtest du Opfer dar
ohne deinen Diener. Was mißfällt dir an mir? Prüfe dich, ob du einen
Unwürdigen ausgesucht hast zur Austeilung des Blutes des Herrn.
Fürchtest du nicht, daß man, während man deinen Mut bewundert, dich
tadeln wird, deinen Diakon verlassen zu haben?" Sixtus erwiderte: "Ich
verlasse dich nicht, mein Sohn; aber auf dich warten noch größere
Kämpfe als auf mich, einen Greis, denn dir steht ein ruhmreicher
Triumph über den Tyrannen bevor. Nach drei Tagen wird der Diakon dem
Papste folgen. Nimm in Besitz den Reichtum der Kirche und verteile ihn
nach deinem Gutdünken."
Laurentius verteilte sofort das ihm anvertraute Kirchengut unter dem
Klerus und den Armen. Der Stadtpräfekt Roms, der wußte, daß die Kirche
Reichtümer besaß, befahl dem Heiligen unter Androhung der Todesstrafe
diese herauszugeben. Da erbat sich Laurentius drei Tage Zeit hierfür.
Maßlos war die Wut des Christenverfolgers, als er statt der erwarteten
Schätze arme und kranke Leute vor sich sah, die Laurentius mit den
Worten: "das sind die ewigen Schätze, die sich nie vermindern, aber
immer vermehren.", vorstellte.
Da der heilige Daikon sich nach einem nochmaligen Verhör standhaft
weigerte, wurde er auf einen glühenden Rost gelegt. Er schien aber
gegen die Glut des Feuers unempfindlich zu sein, denn er rief seinen
Henkern zu, man möge ihn umwenden, denn die eine Seite sei bereits
genügend geröstet.
Kurz vor seinem Hinscheiden verrichtete er ein seines Martyriums
würdiges Gebet: er beschwor Gott um die Bekehrung Roms, wo die Heiligen
Petrus und Paulus mit dem Predigen des Kreuzes angefangen haben und er
flehte auch um die Verbreitung des Evangeliums in der gesamten Welt.
Leider fehlen echte Martyrerakten über ihn. Der erste Bericht über
seine Passion wurde vom hl. Ambrosius verfaßt, der allerdings erst etwa
80 Jahre nach des Heiligen Tod geboren worden ist. So beschreibt er
umfassend das letzte Zusammentreffen von Sixtus und Laurentius; man
kommt aber nicht umhin, anzunehmen, daß manches frei umschrieben ist.
So ist auch von manchen Hagiographen der Dialog zwischen Papst und
Diakon angezweifelt worden, da ja das Edikt die sofortige Hinrichtung
von Bischöfen, Priestern und Diakonen befohlen hätte; mit dieser stünde
natürlich auch das Martyrium auf dem Rost in Widerspruch.
Des Ambroisus Zeitgenosse, der bedeutende christlich-lateinische
Dichter Prudentius, verfaßte einen Bericht über die Passion des
Laurentius in Versen. Das lange Gebet, das ihm auf dem glühenden Roste
in den Mund gelegt wird, beweist die Verehrung, die er damals in der
Ewigen Stadt genoß.
Seine sterblichen Überreste wurden in einer kleinen auf der
tiburtinischen Straße gelegenen Katakombe bestattet. Kaiser Konstantin
der Große ließ dort eine Basilika errichten. Dieses im Laufe der
Jahrhunderte vielfach umgebaute und vergrößerte Gotteshaus ist unter
dem Namen San Lorenzo fuori le mura eine der sieben Hauptkirchen Roms.
In der Krypta befindet sich der Sarkophag mit den Gebeinen des heiligen
Diakons.
Papst Damasus (366-384), der Verfasser metrischer in Marmor gemeißelter
Inschriften in den Katakombengräbern widmete folgende Strophen dem
Heiligen:
"Des Henkers Schläge, Flammen, Torturen, Katten,
Vermochte allein der Glaube des Laurentius zu überwinden;
Diese Altäre überhäuft Damasus flehend mit Gaben
In Bewunderung des Verdienstes des auserlesenen Martyrers."
Obwohl sich bald die Verehrung des Laurentius über das gesamte Römische
Reich ausbreitete, so daß ihm geweihte Kirchen und Kapellen nicht nur
in Konstantinopel und Italien, sondern auch in Spanien und Gallien
errichtet wurden, blieb doch die Ewige Stadt der Mittelpunkt seines
Kultes. Im Laufe der Zeit errichtete man an sämtlichen Stätten, die mit
Erinnerungen an ihn verknüpft sind, Kirchen, von denen einige zu den
bedeutenden Gotteshäusern Roms gehören.
Ebenso ist eine Ehrung für den Heiligen der von Philipp II. erbaute
Escorial, weil dessen Grundriß die Form eines Rostes hat. Er wurde
errichtet nach dem am 10. August 1557 - also dem Laurentiusfest -
errungenen Sieg über die Franzosen bei Saint-Quentin. Die Kirche feiert
sein Fest am 10. August.
Häufig wurde Laurentius auch in der religiösen Malerei dargestellt. Zu
den bekanntesten Werken dieser Art gehören Fiesoles Laurentius-Fresken
im Vatikan. Der erste Renaissance-Papst, Nikolaus V., schmückte mit
ihnen sein in unmittelbarer Nähe von Raffaels Stanzen gelegenes
Arbeitszimmer aus.
Auch in der apokalyptischen Vision von Michelangelos Jüngstem Gericht
ist nahe beim richtenden Christus Laurentius mit dem Roste zu erkennen.
Quellenangabe:
Gamber, Klaus: "Zeugen des Herrn", Einsiedeln.
Melchers, Erna und Hans: "Die Heiligen", Augsburg 1980.
Schuster, Kardinal Ildefons: " Liber Sacramentorum VIII", Bd. X, Regensburg.
Stadler, Joh.Ev.: "Vollständiges Heiligenlexikon in alphabetischer Ordnung", 3.Bd., Augsburg 1869.
"Vies des Saints" Bd. 8, Paris 1949.
***
DAS FINSTERE MITTELALTER
von Leon Bloy
Ehedem, es ist kaum fünkig Jahre her, gehörte die Finsternis des
Mittelalters zum eisernen Bestand der Lehrbücher und war
Prüfungsgegenstand. Kein jugendlicher Bürger hätte es wagen dürfen, an
der Tiefe dieser Finsternis zu zweifeln. Heute schwärmt die bürgerliche
Gesellschaft für das Mittelalterliche, ein Erfolg der Propaganda des
industriellen Kunstgewerbes. Es gibt nun Butzen-scheiben, Chorgestühl,
Kommoden, Wandteppiche, Truhen, Fayencen und Schmiedeeisen. Alles ohne
Schutt und schmerzlos. Jeder Branchenkundige muß, wenn er kein Tölpel
ist, eine stilechte Garnitur innerhalb vierundzwanzig Stunden
improvisieren können. Von nun an wetteifern die Lampen- und
Kleidermacher mit den Künstlern.
Es ist wahr, daß trotz der Gaslaternen die berühmte Finsternis nicht
gewichen ist. Man schätzt die Kunst, wohl verstanden, diese Art Kunst,
weil sie das Geschäft und den Handel belebt. Sonst aber läßt sich die
Finsternis doch wohl nicht wegdenken aus einem Zeitalter, in dem
jedermann an Gott glaubte.
(aus: Leon Bloy: "Dem Teufel aufs Maul geschaut - entlarvte Gemeinplätze" Freiburg - Basel - Wien 1962, S. 70)
***
HINWEIS DER REDAKTION
Namensänderung: Der Freundeskreis hat auf sein letzten Sitzung eine
Namensänderung des Vereins beschlossen. Der Vereinsname lautet nun:
Freundeskreis der Una Voce e.V., mit Sitz in München. - Die alten
Zahlscheine bleiben aber vorerst weiterhin in Geltung und können ohne
Bedenken für Spenden verwendet werden. |