PREDIGT AUF DIE VIERZIGTÄGIGE FASTENZEIT
vom
hl. Papst Leo d. Gr.
440-461
Geliebteste!
1. Unsere Pflicht ist es, immer ein weises und heiliges Leben zu führen
und all unser Wollen und Handeln auf das zu richten, woran, wie wir
wissen, die Gerechtigkeit Gottes ihr Wohlgefallen hat. Beim Nahen jener
Tage aber, die uns die Geheimnisse unserer Erlösung anschaulicher vor
Augen führen, müssen wir mit noch mehr Gewissenhaftigkeit und
Ängstlichkeit auf die Reinigung unserer Herzen bedacht sein und mit
noch größerer Lust alle tugendhaften Werke üben. Wie unsere
geheimnisvolle Heilsgeschichte selbst in gewissen Teilen wunderbarer
(als in anderen) st, so soll auch (zu solchen Zeiten) unser
Pflichteifer etwas über sein gewohntes Maß hinausgehen! Ein je
herrlicheres Fest einer mitzumachen hat, in desto schönerem Schmucke
muß er daran teilnehmen. Offenbar ist es ganz in der Ordnung und
sozusagen der Pflicht gegen Gott entsprechend, wenn man sich an einem
Feiertage in hübscherer Kleidung zeigt und schon durch sein äußeres
Auftreten die Heiterkeit seiner Seele kundgibt, denn wir an solchen
Tagen auch das Haus selbst, in dem wir zum Herrn beten, mit mehr
Hingebung und Sorgfalt umd mit reicherem Prunke zieren, soweit dies in
unseren Kräften liegt. Ist es da nicht billig, daß sich die Seele des
Christen, die ein wahrer und lebendiger "Tempel Gottes" ist,
verständigerweise ein schöneres Aussehen gibt und als Vorbereitung für
das Fest ihrer wunderbaren Erlösung alle Vorkehrungen trifft, damit
nicht irgendein Makel der Ungerechtigkeit ihrem Glanze schade oder
irgendwelche Falte eines unaufrichtigen Herzens ihre Schönheit
entstelle? Denn wozu nützt es, sich durch äußeren Putz den Schein der
Ehrbarkeit zu geben, wenn der innere Mensch vom Schmutz gewisser Laster
starrt? Alles, was des Herzens Reinheit und der Seele Spiegel trübt,
muß man also unablässig entfernen und sozusagen durch Ausfeilung (der
rostigen Stellen) wieder blinkender machen.
Jeder durchforsche sein Gewissen und lade sich vor seinen eigenen
Richterstuhl! Er sehe darauf, ob er in den verborgensten Winkeln seines
Herzens jenen Frieden fin-det, wie ihn Christus gibt, und ob nicht
irgendwelche Begehrlichkeit des Fleisches mit den Bestrebungen des
Geistes im Widerstreite liegt! Er sehe darauf, ob er nicht niedrige
Verhältnisse verachtet und glänzende anstrebt; ob er nicht ungerechten
Gewinn liebt und sein Vergnügen darein setzt, seinen Besitz ins
Unermeßliche zu mehren; ob ihn nicht der Wohlstand des Nächsten mit
verzehrendem Neide erfüllt oder ihm das Unglück seines Feindes Anlaß
zur Freude gibt! Und sollte er etwa von solchen Leidenschaften nicht
das Geringste in sich entdecken, dann gehe er ernstlich mit sich
dar-über zu Rate, welchen Lieblingsgedan-ken er gewöhnlich nachhängt,
ob er nicht an Truggebilden der Eitelkeit sein Wohlgefallen findet,
oder endlich, wie rasch er sein Herz von dem abwendet, was ihm zu
seinem Schaden schmeichelt; denn von keinerlei Reizen beeinflußt, von
keinerlei Begierden aufgestachelt zu werden, ist nicht jenem Leben
beschieden, das eine fortwährende Versuchung ist! Und wer ihr nicht zu
unterliegen fürchtet, unterliegt ihr sicherlich. Verrät es doch
Dünkelhaftigkeit, wenn sich einer damit brüstet, wie leicht es ihm
fällt, die Sünde zu meiden, da ja eine solch anmaßende Äußerung an sich
schon sünd-haft ist, nach den Worten des seligen Apostels Johannes:
"Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so führen wir uns selbst in
Irrtum und die Wahrheit ist nicht in uns".
2. Niemand täusche sich also darüber, Geliebteste, und niemand
hintergehe sich selbst! Auch setze keiner ein solches Vertrauen auf die
Reinheit seines Herzens, daß er sich gegen alle Gefahren der Verführung
gefeit glaubt, da der stets auf der Lauer liegende Versucher seine
Anschläge mit größerer Erbitterung gegen jene richtet, die er sich
zumeist der Sünde enthalten sieht! Denn wen sollte der mit seiner Tücke
verschonen, der sich sogar unterfing, an den Herrn der Majestät selber
mit seinen listi-gen Ränken heranzutreten? Der Teufel hatte gesehen,
wie sein Stolz durch die von dem Herrn Jesus voll Demut empfangene
Taufe zuschanden gemacht wurde. Er wußte, daß durch das vierzigtägige
Fasten alle Begehrlichkeit des Fleisches ausgeschlossen war. Dennoch
verzweifelte der böse Geist nicht an den Mitteln und Wegen seiner
Arglist. So viel versprach er sich von der Unbeständigkeit unseres
Wesens, daß er im voraus mit der Möglichkeit des Falles desjenigen
rechnete, dessen wahre menschliche Natur er aus Erfahrung kannte.
Wenn also der Satan nicht einmal unseren Herrn und Erlöser mit seinen
trügerischen Nachstellungen unbehelligt ließ, mit welch größerer
Zuversicht wird er da den Kampf gegen unsere Hinfälligkeit führen! Denn
seitdem wir ihm in der Taufe entsagt haben und durch unsere
Wiedergeburt in Gott aus einem Wesen, das seiner Herrschaft verfallen
war, zu einem "neuen" Geschöpfe geworden sind, seit dieser Zeit
verfolgt er uns mit glühenderem Hasse und mit grimmigerer Eifersucht.
Solange wir an unsere sterbliche Hülle gebunden sind, hört der alte
Erbfeind nicht auf, uns allenthalben Fallstricke zu legen und besonders
dann gegen die "Glieder Christi" zu wüten, wenn von diesen heiligere
Geheimnisse gefeiert werden sollen. Mit Recht leitet darum die
Unterweisung des Heiligen Geistes das christliche Volk dazu an, sich
auf das Osterfest durch ein vierzigtägiges Fasten vorzubereiten. Der
dieser Reinigung zugrunde liegende Zweck lädt uns - an und für sich
schon zur Wahrnehmung dieser gnadenreichen Zeit - ein und macht uns
eine eifrige Teilnahme an der uns auferlegten Kasteiung zur Pflicht. In
je größerer Heiligkeit nämlich einer erwiesenermaßen diese Tage
hinbrachte, in desto gottgefälligerer Weise hat er dadurch - so wird
das Urteil lauten - dem Pascha des Herrn seine Verehrung erwiesen.
3. Laßt uns also in diesen Tagen der heiligen Fastenzeit die Werke der
Nächstenliebe, die uns immer am Herzen liegen sollen, in noch
ausgiebigerem Maße üben! "Seien wir barmherzig gegen alle, besonders
aber gegen die Glaubensgenossen," um uns auch in der Spendung der
Almosen die Güte unseres himmlischen Vaters zum Vorbild zu nehmen, "der
seine Sonne aufgehen läßt über Gute und Böse und regnen läßt über
Gerechte und Ungerechte!" (Matth. 5,45) Obgleich man also namentlich
den Gläubigen in ihrer Armut zu Hilfe kommen soll, so ist es doch auch
Pflicht, der Bedrängnis derer seine Teilnahme zuzuwenden, die noch
nicht das Evangelium angenommen haben; denn bei allen Menschen muß uns
die gemeinschaftliche Natur mit Liebe erfüllen. Diese Gemeinschaft soll
uns auch gegen jene gütig stimmen, die in irgendeinem
Dienstverhältnisse zu uns stehen, vor allem dann, wenn sie bereits
durch dieselbe Gnade wiedergeboren und um den gleichen Preis des Blutes
Christi erlöst sind! Haben wir ja mit ihnen auch noch das gemein, daß
wir alle nach Gottes Ebenbild geschaffen sind. Sie unterscheiden sich
von uns weder durch ihre leibliche Abstammung noch durch ihre geistige
Wiedergeburt. Der Geist, durch den wir geheiligt werden, ist ein und
derselbe. Wir leben in dem gleichen Glauben und eilen zu denselben
Sakramenten.
Laßt uns diese Einheit nicht geringschätzen und eine so weitgehende
Gemeinschaft nicht für wertlos halten! Nein, geräte der Gedanke, daß
die unsere Knechte sind, mit denen wir uns in den Dienst ein und
desselben Gebieters teilen, übe auf unser ganzes Verhalten (ihnen
gegenüber) einen mildernden Einfluß aus! Wenn also der eine oder der
andere von ihnen seinen Herrn schwerer beleidigt hat, so möge ihm in
diesen Tagen der Versöhnung Verzeihung zuteil werden. Erbarmung trete
an die Stelle der Strenge, und Nachsicht ersticke alle Rachsucht!
Keiner bleibe mehr in Gewahrsam, keiner befinde sich mehr hinter Schloß
und Riegel! Denn nur wer anderen ihre Sünden verzieh, sollte auf eine
Nachlassung seiner eigenen rechnen dürfen. An diese Bedingung knüpfte
unser Gott seine Barmherzigkeit. Laßt uns darum, Geliebteste,
beseitigen, was die Zwietracht schürt und zu Feindschaft aufstachelt!
Aufhören soll aller Haß und schwinden jede Eifersucht! Alle "Glieder
Christi" umschlin-ge das eine Band der Liebe; denn "selig sind die
Friedfertigen, weil sie Kinder Gottes genannt werden," (Matth. 5,9)
nicht allein "Kinder", sondern auch "Erben", "Miterben Christi'", der
lebt und waltet in Ewigkeit. Amen.
(aus den Sermonen - Nr.XLI -, in: "Bilbliothek der Kirchenväter", Bd.55, München 1927, S. 13ff.)
* * * * *
WARNUNG VOR MESSZENTRUM HEILBRONN
Der Besuch des seit einigen Jahren von Frau Wanner betriebenen
Meßzentrums in Heilbronn (in der Löwensteinerstraße) war schon bisher
mehr als problematisch, weil die Leiterin wegen des akuten
Priestermangels unkritisch Personen dort wirken ließ, wenn sie nur in
Soutane bei ihr auftauchten. Inzwischen wird dieses Zentrum aber
ausnahmslos von Klerikern des Sektierers Laborie betreut, der in diesem
Zentrum selbst auch schon firmte (ein entsprechendes Programm lag mir
vor). Deshalb sehe ich mich veranlaßt, öffentlich vor dem Besuch der
dort stattfindenden Gottesdienste zu warnen. (Zu dem Problemkomplex
Laborie vgl. man EINSICHT Nr. 2 vom Juli 1994, S.48 f.) |