56. Jahrgang Nr. 3 / Mai 2026
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Ausgabe Nr. 11 Monat Dezember 2004
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 1 Monat Januar 2005
SPENDENAUFRUF


Ausgabe Nr. 4 Monat April 2004
Offener Brief an H.H. Bischof M. Pivaruns


Ausgabe Nr. 4 Monat April 2004
Ad multos annos - Herrn Prof. Dr. D. Wendland zu seinem 80. Geburtstag


Ausgabe Nr. 5 Monat Juni 2004
Eberhard Heller: Besuch aus Mexiko


Ausgabe Nr. 8 Monat Oktober 2004
Open Letter to most Reverend Bishop M. Pivarunas


Ausgabe Nr. 8 Monat Oktober 2004
ROTHKRANZ Y LAS INVESTIGACIONES...


Ausgabe Nr. 10 Monat Dezember 2004
Sobre Monseñor Thuc y Monseñor Carmona


Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2005
NACHRICHTEN, NACHRICHTEN, NACHRICHTEN ...


Ausgabe Nr. 1 Monat Februar 2003
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 1 Monat Februar 2003
Offener Brief an H.H. Prof. Dr. August Groß


Ausgabe Nr. 2 Monat März 2003
Wer in der modernen Welt


Ausgabe Nr. 3 Monat April 2003
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 4 Monat April 2003
The Roman Catholic Diaspora Church


Ausgabe Nr. 5 Monat Juni 2003
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 6 Monat Juli 2003
Zitate: Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 6 Monat Juli 2003
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 7 Monat September 2003
Rothkranz in Untiefen


Ausgabe Nr. 8 Monat October 2003
L’Eglise Catholique-Romaine de la diaspora


Ausgabe Nr. 11 Monat December 2003
De Monseñor Pierre Martin Ngô-dinh-Thuc


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2002
Buchbesprechung


Ausgabe Nr. 2 Monat Mars 2002
ES MONSEÑOR LEFEBVRE UN OBISPO ORDENADO VALIDAMENTE


Ausgabe Nr. 3 Monat Mai 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 4 Monat Juli 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 5 Monat September 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 6 Monat November 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 6 Monat November 2002
Pfarrer Carl Sonnenschein


Ausgabe Nr. 6 Monat November 2002
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2002
Satanische Tendenzen in der Rock Musik


Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2002
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 8 Monat December 2002
Is Mgr. Lefebvre a validly consecrated bishop?


Ausgabe Nr. 7 Monat Diciembre 2001
LA IGLESIA CATOLICO-ROMANA EN LA DIASPORA


Ausgabe Nr. 1 Monat April 2001
Papsttum als eines Wesens-Elementes der Kirche


Ausgabe Nr. 6 Monat Dezember 2001
Über das Papsttum der römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 6 Monat Dezember 2001
DIE SCHÖPFUNG - EIN GÖTTLICHER PLAN - Buchbesprechung


Ausgabe Nr. 8 Monat Januar 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 1 Monat April 2000
Kurze Antwort auf eine Anfrage zum Sedisvakanzproblem


Ausgabe Nr. 4 Monat Nov.-Doppel-Nr.4/5 2000
DIE RÖMISCH-KATHOLISCHE DIASPORA-KIRCHE


Ausgabe Nr. 4 Monat Nov.-Doppel-Nr.4/5 2000
WAR MGR. LEFEBVRE EIN GÜLTIG GEWEIHTER BISCHOF?


Ausgabe Nr. 6 Monat Februar 2000
Zum Problem des innerkirchlichen Klerikalismus


Ausgabe Nr. 6 Monat Februar 1999
IN MEMORIAM FRAU ELSE KETTERER


Ausgabe Nr. 3 Monat Juli 1997
SIND DIE POST-KONZILIAREN WEIHERITEN GÜLTIG?


Ausgabe Nr. 3 Monat Juli 1997
SIND DIE POST-KONZILIAREN WEIHERITEN GÜLTIG?- Fortsetzung


Ausgabe Nr. 3 Monat Juli 1997
AUS EINEM BRIEF AN DIE REDAKTION


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1993
ZUM PROBLEM DER INTENTIONALITÄT BEI DER SPENDUNG DER SAKRAMENTE


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1993
LESERBRIEF


Ausgabe Nr. 5 Monat Februar 1994
ZUM PROBLEM DER ERFORDERLICHEN INTENTION BEI DER SAKRAMENTENSPENDUNG


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 1995
NUR NOCH AUSLAUFMODELL?


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1994
IST MGR. LEFEBVRE EIN GÜLTIG GEWEIHTER BISCHOF?


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1992
DIE RÖMISCH-KATHOLISCHE DIASPORA-KIRCHE - FIKTION ODER WIRKLICHKEIT? -


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1992
DER MODERNE HOMINISMUS UND SEINE ABARTIGE RELIGIOSITÄT


Ausgabe Nr. 2 Monat Mai 1992
DIE RÖMISCH-KATHOLISCHE DIASPORA-KIRCHE - FIKTION ODER WIRKLICHKEIT? -


Ausgabe Nr. 2 Monat Mai 1992
Mitteilungen der Redaktion


Ausgabe Nr. 11 Monat Juli-Sondernr. 1992
ZUM PROBLEM DER INTENTIONALITÄT BEI DER SPENDUNG DER SAKRAMENTE


Ausgabe Nr. 3 Monat August 1992
DER FALL ESCRIVA


Ausgabe Nr. 3 Monat August 1992
Mitteilungen der Redaktion


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1992
WAS IST DAS EIGENTLICH: DIE RELIGION?


Ausgabe Nr. 4 Monat Mai 2006
DIASPORA


Ausgabe Nr. 3 Monat September 1991
Wieviele Katholiken gibt es in der Bundes-Republik Deutschland


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 1991
Wieviele Katholiken gibt es in der Bundesrepublik Deutschland


Ausgabe Nr. 5 Monat Februar 1992
DER MODERNE HOMINISMUS UND SEINE ABARTIGE RELIGIOSITÄT


Ausgabe Nr. 5 Monat Februar 1992
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 1 Monat Mai 1990
DIE ZERSTÖRUNG DES SAKRAMENTALEN PRIESTERTUMS DURCH DIE RÖMISCHE KONZILSKIRCHE


Ausgabe Nr. 1 Monat Mai 1990
NACHRICHTEN, NACHRICHTEN, NACHRICHTEN


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli, Sondernr 2/3 1990
ÜBER DIE GRÜNDUNG DER Una et Sancta ECCLESIA, Vorwort


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1990
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 6 Monat März 1991
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 7 Monat April-Sondernr 1991
DIE ZERSTÖRUNG DES SAKRAMENTALEN PRIESTERTUMS DURCH DIE RÖMISCHE KONZILSKIRCHE


Ausgabe Nr. 1 Monat Mai 1989
MYSTERIUM FIDEI


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1989
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 7 Monat Januar 1989
WAS IST DAS EIGENTLICH: DIE RÖMISCH-KATHOLISCHE KIRCHE?


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1988
LESERBRIEF IN AUSZÜGEN


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1988
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 7 Monat April-Sondernr 1988
KIRCHE OHNE RELIGION UND RELIGIONSLOSE KIRCHEN


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1987
Über die christliche Taufe und das Tauf-Sakrament


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1987
STELLUNGNAHME ZU DEM ARTIKEL DIE KRISE DER APOSTOLISCHEN SUKZESSION...


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1987
Aus EINEM BRIEF VON S.E. MGR. MOÍSES CARMONA


Ausgabe Nr. 3 Monat Sept./Okt. 1987
THEOLOGISCH-PHILOSOPHISCHE REFLEXION ÜBER DEN TRINITARISCHEN GOTT


Ausgabe Nr. 6 Monat März 1988
KIRCHE OHNE RELIGION UND RELIGIONSLOSE KIRCHEN


Ausgabe Nr. 6 Monat März 1988
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1986
Was ist das eigentlich: Die Häresie?


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1986
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 3 Monat September 1986
... DEN LEIB DES HERRN NICHT MEHR UNTERSCHEIDEN...


Ausgabe Nr. 5 Monat Januar 1987
ZUM 'MYSTERIUM FIDEI'


Ausgabe Nr. 6 Monat April 1987
... UND SPIEEN IHM INS ANGESICHT ...


Ausgabe Nr. 6 Monat April 1987
Die Todsünde der Gotteslästerung


Ausgabe Nr. 3 Monat Juli 1985
OFFENER BRIEF


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1985
Es WÄRE ZU BEDENKEN


Ausgabe Nr. 5 Monat Dezember 1985
EINIGES ÜBER DEN BEGRIFF UND DAS WESEN DES CHRISTLICHEN GLAUBENS


Ausgabe Nr. 5 Monat Dezember 1985
BRIEF VON HERRN PROF. DR. D. WENDLAND AN DIE REDAKTION


Ausgabe Nr. 6 Monat Februar/März 1986
DAS GLAUBENSBEKENNTNIS DER KIRCHE ?


Ausgabe Nr. 6 Monat Oktober 2006
Der Teufel im Kino


Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2006
Und ihr werdet sein wie Gott


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
Y seréis como Dios (Gn. 3, 5)


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
And thou wilt be like God (Gen. 3,5)


Ausgabe Nr. 13 Monat September 2007
Et vous serez comme Dieu


Ausgabe Nr. 11 Monat February 2008
ARE POST CONCILIAR RITES VALID?


Ausgabe Nr. 13 Monat April 2008
LA VALIDEZ CE LOS RITOS POSTCONCILIARES CUESTIONADA


Ausgabe Nr. 13 Monat April 2008
BIBLIOGRAFIA: VALIDEZ CUESTIONADA DE LOS NUEVOS RITOS POSTCONCILIARES


Ausgabe Nr. 13 Monat Diciembre 2009
L’EGLISE CATHOLIQUE-ROMAINE DE LA DIASPORA


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 2010
Mitteilungen der Redaktion - wichtige Hinweise


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2011
A. 8. a-b Ist das sakramentale Priestertum in der Konzilskirche erhalten


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2011
A. 8. e-f Die fehlende ‚Intention’ bei der Weihe nach dem Montini-Ritus


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2011
In memoriam Prof. Wendland


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2011
Mitteilungen


Ausgabe Nr. 13 Monat June 2011
E sarete come Dio (Gn. 3, 5)


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 2011
Zitate aus:Über (...) eine Kirche ohne Papst


Ausgabe Nr. 2 Monat Mai 2012
MACHT UND OHNMACHT DER KIRCHE


Ausgabe Nr. 3 Monat September 2012
MACHT UND OHNMACHT DER KIRCHE


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 2012
MACHT UND OHNMACHT DER KIRCHE


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2013
Null und nichtig – der Ritus der Bischofsweihe von 1968


Ausgabe Nr. 3 Monat August 2015
Tuet dies zu meinem Gedächtnis (Lk. 22,19)


Ausgabe Nr. 1 Monat Januar 2022
In Erinnerung an Dr. Ante Križić


Wieviele Katholiken gibt es in der Bundes-Republik Deutschland
 
Wieviele Katholiken gibt es
in der Bundes-Republik Deutschland



von
Prof. Dr. Diether Wendland


Vorbemerkung der Redaktion:

Im folgenden werden zwar hauptsächlich die Möglichkeiten einer Einflußnahme seitens der Katholiken in Deutschland geprüft, doch werden dabei auch grundsätzlich das Verhältnis von Kirche und Staat und das Dilemma angesprochen, welchem Christen gegenüberstehen bzw. in welches diese geraten, wenn sie in der Öffentlichkeit als Christen wirken wollen. Deshalb erscheint der Abdruck der nachfolgenden Abhandlung gerechtfertigt, die der Autor mit dem bezeichnenden Untertitel "Zur leeren Hoffnung traditionalistischer Gruppen auf eine 'Katholische Volkspartei' (KVP) in einem demokratischen Staatswesen" versehen hat.

Eberhard Heller

***

Wer heutzutage diese Frage ernsthaft stellt (uns wurde sie schon früher oft gestellt), und zwar nicht in religiöser oder auch kirchlicher Beziehung, sondern in einer religions- und kulturpolitischen Absicht, der wird erhebliche Schwierigkeiten haben, eine sichere Antwort zu finden und schließlich zu der Überzeugung gelangen, daß sie im Grunde gar nicht mehr zu beantworten ist.

Aber warum nicht? Wo liegt das eigentliche Problem, das hier aus dem Dunkel emporsteigt und eine sichere Beurteilung der Sachlage so erschwert, ja fast unmöglich macht? Gewiß läßt sich die genaue Anzahl der Katholiken nicht feststellen, auch nicht annähernd, und selbst dann nicht, wenn man nur die Volljährigen und Erwachsenen zahlenmäßig erfassen würde, auf die allein es doch wohl ankäme. Dennoch aber läßt sich diesbezüglich eine Hochrechnung machen, die viele Millionen aufweist, indes wohl kaum mehr als 18 Millionen in West- und Mitteldeutschland. Das ist freilich nicht viel bei einer Gesamtbevölkerung von über 7o oder 75 Millionen. Es ist deshalb auch nicht angebracht, das moralische und politische Gewicht der kath. Mitbürger maßlos zu überschätzen, wie dies gerade bei uns oft geschieht, weil man in religiösen Bereichen die Dinge nicht nüchtern-realistisch betrachtet und erst recht nicht kritisch genug wägt, obwohl man doch weiß, daß die deutsche Wählermasse auf eine besondere Weise unpolitisch und sentimental ist.

Auch Katholiken regen sich bei Gelegenheit über dieses oder jenes fürchterlich auf, aber sie tun nichts dagegen, sondern lassen dann "die anderen machen", von denen sie glauben, sie täten etwas in ihrem Sinne, obwohl diese in Wahrheit das Gegenteil tun oder getan haben, wie sich hernach so oft herausstellt. Dann aber läßt sich kaum noch etwas ändern und ungeschehen machen. So ist es nun einmal im politischen Leben, welches von den verschiedensten Seiten her eine Gesellschaft prägt, zwangsläufig! Das sehen viele nicht oder machen sich falsche Vorstellungen vom (relativen) Eigenleben der Gesellschaft in Volk und Staat. Dabei gilt auch und gerade im Politischen nach wie vor die alte Wahrheit: die Macht der Bösen, eine Minderheit, weiß um die Ohnmacht der mehrheitlich Guten und rechnet zugleich mit der "Masse der Dummen", deren Nützlichkeit darin besteht, gefügig zu sein und leicht verführt werden zu können.

Verdirbt Politik den Charakter, wie viele Leute meinen? Nein! sondern sie offenbart ihn! Das kommt immer ans Tageslicht. Dies kann man bereits bei den sog. 'Berufs-' und 'Spitzenpolitikern' sehen, die in der wahnhaften Einbildung leben, für jedes Regierungsamt bestens geeignet zu sein. Es gibt auch nur selten einen Parteipolitiker, der die Qualitäten eines Staatsmannes besitzt. Im übrigen ist die Demokratie schon von Natur aus (nicht erst als Massendemokratie) eine sehr gefährdete Staatsform und keineswegs ein Allheilmittel, wie heutzutage offen oder verdeckt propagiert wird. Die Wirklichkeit sieht anders aus.

Nach diesen Vorbemerkungen, die voller Zweifel stecken und auch ein ungutes Gefühl hervorrufen (das man jedoch nicht unterdrücken sollte), stellt sich die konkrete Frage, warum eigentlich hat seit etwa 30 Jahren der doch an sich legitime katholische Einfluß im öffentlichen Leben und auf dasselbe so schnell und dermaßen abgenommen, daß davon heute im Ernst nicht mehr gesprochen werden kann? Wer dies öffentlich täte, würde nicht bloß ein Kopfschütteln bei Sachkundigen und kritisch eingestellten Mitbürgern hervorrufen, sondern sich selbst der Lächerlichkeit preisgeben.

Katholiken, die das nicht glauben wollen, mögen doch einmal ihre gegenteilige Meinung in der Öffentlichkeit vertreten, am besten in einem öffentlichen Vortrag vor vielen Zuhörern mit anschließender Diskussion. Das wäre doch wenigstens ein allgemeines Gelächter wert und eine hübsche 'Story' für Journalisten. Warum hat denn der katholische Einfluß, dem ein besonderes Profil zu eigen ist, unverwechselbar!, auch im deutschen Volke seine Prägekraft verloren und ist im innenpolitischen Bereich nirgendwo präsent?

Man darf eine solche Situation nicht mit einer kirchlichen verwechseln und erst recht nicht mit einer innerkirchlichen, sonst erkennt man gar nicht die wahre Sachlage, wie sie nun einmal tatsächlich vorliegt. Vielmehr muß man hier die Dinge sehr genau unterscheiden, um eine allgemeine Situation richtig zu sehen, in der sich "religionsmündige Katholiken" heute befinden, gleichgültig, ob ihnen das bewußt ist oder nicht. Doch leider leben viele in den Tag hinein und kümmern sich nur um ihre persönlichen Belange (das Geld und der Bauch sind ihre Hauptgötter), währenddessen um sie herum "die Welt zum Teufel geht", auch im Politischen, angeheizt durch immer dieselben Politikmacher, auch wenn diese bereits senil sind und am Rande des Grabes stehen.

Es ist verständlich, wenn manche mit dem Gedanken einer "Katholischen Volkspartei" (KVP) spielen, um auf diesem Wege auch der geistigen Umweltverschmutzung den Kampf anzusagen und ihr entgegenzutreten. Indes machen sie ihre Rechnung ohne den Wirt, der ihnen eine ganz andere Rechnung mit Mehrwertsteuer (mit dem, was heute angeblich mehr wert ist) präsentieren würde. Darüber besteht überhaupt kein Zweifel. Diese Katholiken setzen vieles voraus, was in der angeblich noch katholischen Bevölkerung überhaupt nicht (mehr) voraussetzbar ist und auch schon lange nicht mehr existiert. Das gilt generell, einschließlich der höheren Bildungsschicht, von der man doch an sich etwas anderes erwarten können sollte, und zwar nicht bloß quantitativ, sondern vor allem qualitativ. Aber dem ist nicht so, leider.

Von den etablierten "C"-Parteien, die sich bedenkenlos und dreist als 'christliche' bezeichnen (dieses Faktum sollte niemand übersehen), kann doch sicherlich kein orthodoxer Katholik erwarten wollen, daß sie als Organe politischer und kultureller "Willensbildung im Volk" spezifisch katholisches Gedankengut oder katholische Lebenswerte in ihrem Programm haben, um solchen Gütern und Werten ein Daseinsrecht zu verschaffen. Wer so etwas glaubt, der hat noch nie deren Programme genau gelesen. Nichtsdestotrotz aber wurde und wird immer noch behauptet, das 'katholische Volk' sei doch in diesen Parteien 'gut aufgehoben', auf jeden Fall besser als in den anderen, die sich als 'staatstragend' durch allgemeine Wahl qualifiziert haben bzw. qualifizieren. Der Durchschnitts-'Katholik' glaubt das alles, ohne sich darüber beunruhigende Gedanken zu machen; nur manchmal stößt er in seinem Freundeskreis oder am Stammtisch die furchterregende Drohung aus, bei der nächsten Wahl "denen da oben in der christlichen Partei einen Denkzettel zu verpassen". Das haut natürlich keinen 'Spitzenpolitiker' vom Sockel, da er die christlichen Pappenheimer in seinem Wahlkreis kennt. Inzwischen aber macht er weiter seine (vermeintlich) 'christliche Parteipolitik' - bei guter Bezahlung, versteht sich! Gesellschaft. Dies ist doch alles gar nicht wahr, sondern der reinste Bluff. Eine Staatskrise, die man heute nicht mehr ausschließen kann, würde das sofort ans Tageslicht bringen.

Und warum halten eigentlich sogar gebildete Katholiken an dem Irrglauben fest, sich als 'christlich' bezeichnende Parteien seien auch schon ein Garant für gute Politik, wenn man dort die wirklich christlichen Prinzipien und Grundwerte zum Fenster hinauswirft und sich sogar mit anti-christlichen Gruppen verbrüdert oder sich ihrem Druck willig beugt.

In Deutschland war immer schon der kultur-politische (nicht der sozial-politische) Bereich im gesamten Erziehungs- und Bildungswesen ein besonderer Prüfstein für den Wert des Staates, in dem ein Volk lebt. An dem, was sich dort abspielt, läßt sich leicht erkennen, wohin die Reise geht. Der Durchschnittsbürger aber begreift das nicht, das ist ihm "zu hoch", wie man leicht in Erfahrung bringen kann, und deshalb weiß er auch nicht, welcher Zündstoff in der Propaganda von der "multikulturellen Gesellschaft" steckt. Hinzu aber kommt dann noch die Tatsache, daß heute die Perspektive Christentum und Kultur völlig verdunkelt worden ist und an ihre Stelle eine grandiose Chaotik getreten ist, von der auch die Katholiken betroffen sind.

Wer aber hat sie denn in diese Situation hineingezogen? Das waren doch keine anonymen Mächte und Gewalten, sondern agile Volksgenossen, die im Rahmen der "Kulturhoheit der Länder" sich als 'Kulturpolitiker' aufspielten. Diesen Funktionären innerhalb und außerhalb der politischen Parteien schaute der ideologische Liberalismus und Sozialismus aus allen Knopflöchern, vor allem und unübersehbar vor Landtagswahlen. Dem demokratischen Durchschnittskatholiken fiel das gar nicht auf, da er in seinem verengten Horizont immer noch glaubte, in einer angeblich christlichen Gesellschaft zu leben (zumindest überwiegend)! Selbst heute noch gibt es nicht wenige Katholiken, die die Bundesrepublik Deutschland als solche (oder auch Österreich) für einen christlichen Staat halten. Hier fragt es sich, wie lange sie das wohl noch durchhalten werden. Es hat jedoch keinen Sinn, darauf zu hoffen, daß ihnen demnächst ein kleines Licht aufgeht.

Nun aber stelle man sich einmal vor, es gäbe katholische Staatsbürger, die tatsächlich bestrebt wären eine KVP gründen zu wollen, und dies nicht zuletzt deswegen, weil die Bevölkerungsstatistik von ca. 27 Millionen Katholiken in der Bundesrepublik Deutschland spricht. Diese Menge scheint gewisse Leute in den konservativen Gruppen zu faszinieren, so daß sie dann ganz falsche Schlüsse daraus ziehen. Doch schon eine diesbezügliche Flugblätteraktion könnte sehr ernüchternd wirken. Denn wer würde diese Leute nicht für verrückt erklären, bar jeden politischen Verstandes? Aber warum wäre das generell so? Etwa, weil diese Katholiken tatsächlich ein wenig verrückt wären oder nur deswegen, weil es für eine solche Partei keine breite Basis in der katholischen Bevölkerung gäbe, die sie auch tragen könnte? Oder schließt eine rechtsstaatliche Demokratie eine militante KVP (militant deswegen, weil sie kein frommer Gesangsverein wäre) etwa aus, die das katholische Volk wirksam vertreten möchte? So etwas wird niemand ernsthaft behaupten wollen. Warum aber sind dann Millionen sog. Katholiken nicht in der Lage, in einer freiheitlichen Demokratie eine KVP ins Leben zu rufen, damit diese auch ihre Rechte und berechtigten Interessen vertreten und wahrnehmen könnte? Wer oder was hindert sie denn daran? Das ist hier die Frage, die sich einem geradezu aufdrängt. Oder gibt es in Wirklichkeit doch keine so große Anzahl deutscher Katholiken, sondern nur Millionen Verirrte, die sich nur katholisch nennen, weil sie beim Standesamt oder einer anderen Verwaltungsbehörde als röm.-katholisch registriert sind? Dann freilich könnte niemand eine KVP gründen, sondern allenfalls einen kath. staatsbürgerliche Kulturverein auf Landesebene. Doch selbst ein solcher Verein könnte heute nicht mehr existieren. Er würde bereits tot sein, bevor er überhaupt geboren wäre. Außerdem hätte er nicht die mindeste politische Bedeutung.

Das Denken in politischen Kategorien ist insbesondere deutschen Katholiken weitgehend fremd, was mit deren Mentalität zusammenhängt. Die wenigen Ausnahmen bestätigen hier nur die Regel. Und das wissen natürlich auch die 'anderen'. Katholiken suchen in ihrem eigenen Lebensinteresse nicht politische Führer, sondern begnügen sich mit Hirten, die sie "weiden", was gänzlich außerhalb des sog. öffentlichen Interesses liegt. Hier zeigt sich ihre staatsbürgerliche Schwäche und Kritiklosigkeit, die bis in die von den Parteimanagern gelenkte Personalpolitik hineinreicht. Man frage sich doch einmal konkret: welche Richter, Staatsanwälte oder andere hohe Beamte in Staat und Verwaltung sind noch orthodox katholisch? (N.b.: in der ehemaligen 'DDR' hat es solche Volksgenossen nie gegeben.) Und wie verhält es sich eigentlich bei denen, die im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Fernsehen das Sagen haben? Man werfe doch nicht mit Steinen auf das, was uns aus Mitteldeutschland nach der dortigen 40-jährigen Umerziehung 'kulturpolitisch' zuwächst, wenn man selbst im Glashaus sitzt.

Warum sind heute Millionen angeblich katholischer Staatsbürger, die sich zweifelsohne für Demokraten halten und sehr entrüstet täten, wenn man dies bezweifeln würde, partei-unfähig geworden? Liegt das an ihrem mangelnden Interesse oder an politischer Unmündigkeit? Nun, es wird sicherlich beides der Fall sein, so daß man auch deswegen die Hoffnung auf eine KVP begraben sollte. Wer aber hat den Interesselosen eingeredet, auch katholische Christen müßten zuerst einmal in einer bereits bestehenden "staatstragenden Partei" Mitglied werden, um, wie es so schön heißt, "christliche Werte" einzubringen und wirksam vertreten zu können. Im übrigen begrüße man jederzeit eine solche Mitarbeit? Wie aber sieht außerhalb eines solchen Geredes die innere Situation einer politischen Partei wirklich aus, ganz abgesehen von der 'Klüngelwirtschaft'? Da geht es gar nicht mehr um unaufgebbare christliche Werte und ebensolche Zielsetzungen in bezug auf das Gemeinwohl, dem eine politische Partei doch dienen soll, sondern um ganz andere Dinge, die diesen Partei-Demokraten viel näher liegen und deren Demokratieverständnis oft auch ein recht seltsames ist. Es gibt nicht wenige kritische Katholiken der höheren Bildungsschicht mit politischem Sachverstand, die in vielen Jahren die üble Erfahrung machen mußten, daß die Einbringung spezifisch christlicher Werte, die dem Gemeinwohl nützen, nicht möglich und auch ihre Mitarbeit gar nicht wirklich erwünscht war, so daß sie sich wieder ins Privatleben zurückzogen - teils aus Resignation, teils aus Selbstachtung. Die Zahl dieser "Aussteiger" ist beträchtlich und größer, als gewöhnlich angenommen wird.

Hier handelt es sich nicht um katholische Mitbürger, denen die sog. Parteipolitik ein Greuel ist oder die aus Verärgerung sagen: "Ach, wir können doch sowieso nichts ändern, wir sind halt zu wenige, und Mitläufer möchten wir nicht sein...". Denn auch in den politischen Parteien wird die Politik immer nur von einzelnen gemacht, die ihre 'Parteifreunde' (oder Parteigenossen) im Hintergrund haben und auf die sie sich stützen. Andernfalls werden sie bald 'ins Abseits gestellt' und sitzen dann nur noch herum wie die "Hinterbänkler" in einem Parlament.

Die Frage, wieviele Katholiken gibt es in der Bundesrepublik Deutschland, die eine eminent politische ist, da sie sich speziell auf katholische Staatsbürger und Volksgenossen bezieht, wäre gewiß leichter zu beantworten, wenn es eine existenzfähige KVP gäbe, die von selbstbewußten Katholiken getragen würde. Eine solche Partei aber kann es weder heute noch in Zukunft geben, nicht einmal als Splitterpartei unter 'ferner liefen'. Im übrigen sind Splitterparteien undemokratisch, eo ipso politisch wertlos und nichts anderes als pseudo-demokratische Sekten in Staat und Gesellschaft. Es besteht der begründete Verdacht, daß diejenigen, die mit dem Gedanken einer KVP spielen, keine orthodoxen Katholiken, sondern pseudo-katholische bzw. 'katholisierende Sektierer' sind, die man heute überall finden kann, nicht bloß im kirchlichen Bereich, sondern auch in den 'christlichen Parteien', paradoxerweise, obwohl sie auch dort nichts zu vermelden haben.

Aus alldem aber folgt, daß es sich bei der Sache mit den Millionen von angeblichen Katholiken, d.h. von katholischen Mitbürgern, um eine imaginäre Zahl und um eine politische Fiktion handelt. Es gibt diese Millionen in Wirklichkeit nicht, es sei denn, nur auf dem Papier. Papier jedoch ist nicht bloß geduldig, wie man zu sagen pflegt, sondern als nicht mehr verwendbares Altpapier auch wertlos. Dennoch ist die Frage nach der Möglichkeit oder auch Unmöglichkeit einer echten KVP nicht sinnlos, sondern im Gegenteil sogar sehr nützlich und aufschlußreich; denn sie läßt eine konkrete Problematik in Erscheinung treten, die zwar oft dunkel geahnt, aber nur selten deutlich genug ins Bewußtsein tritt. Nur die oben erwähnten "Aussteiger" sind sich darüber mehr oder weniger im klaren, zumal diese auch wissen (nicht bloß vermuten), daß eine KVP, wenn es sie gäbe, unverzüglich gleich mehrere politische Gegner auf den Plan rufen würde, die sich sogar gemeinsam gegen sie wenden und eine durchaus feindliche Phalanx aufbauen würden. Das wäre so sicher wie das Amen in der Kirche, vor allem dann, wenn eine KVP auch auf Dauer existenzfähig wäre und einen politischen Faktor darstellen würde.

Wer aber wäre(n) dann wohl ihr(e) Hauptgegner? Es lohnt sich, darüber einmal nachzudenken, um die politische Situation im öffentlichen Leben (die der kirchlichen sehr ähnlich ist) deutlich zu erfassen und richtig zu bewerten, in der sich Millionen Katholiken befinden und in die sie von 'schlauen Füchsen' hineinmanövriert wurden, so daß auch eine mögliche KVP ihren Existenzgrund verlor. Denn eine echte KVP wäre von ihrem Wesen her nicht irgendwie katholisch und schon gar nicht irgendwie christlich, sondern eindeutig römisch-katholisch und repräsentativ für orthodoxe Katholiken, die es als selbstbewußte Staatsbürger entschieden ablehnen würden, für Bürger zweiter Klasse gehalten zu werden oder als Parias zu gelten. Woher kommt es denn, daß die meisten (gewiß aber nicht alle!) Katholiken so unvermögend sind oder so große Schwierigkeiten haben, die reale politische Situation zu durchschauen, in der sie sich selbst befinden. Das liegt nicht immer nur an einem Desinteresse am Politischen, sondern vor allem an einem Mangel an Aufklärung und einer zweckdienlichen Information. Denn die ganze politische Atmosphäre ist geschwängert nicht bloß durch falsche Informationen, sondern durch Desinformationen, d.h. durch eine beabsichtigte und gelenkte Verbreitung von Halb- und Unwahrheiten, um möglichst viele Mitbürger auf einen politischen Irrweg zu bringen und sie zu einem falschen Verhalten im öffentlichen Leben zu bewegen. 'Gut' ist, was diesen Demagogen und ihren Freunden nützt! Bei Volkstribunen wissen die Leute bald, woran man ist. Bei Demagogen hingegen wird die Sache schon erheblich schwieriger; bei den sog. Berufspolitikern aber sollte niemand blind voraussetzen, daß sie auch etwas von Politik verstehen. Parteipolitiker wiederum, gleichgültig welcher Couleur, die für alle Probleme immer nur "politische Lösungen" suchen - wie sie bei jeder Gelegenheit behaupten -, sind jedoch auf politischem Gebiet die gefährlichsten, da sie in Wahrheit nur ihre persönlichen Interessen vertreten und an der Macht bleiben wollen. Man erkennt sie bereits daran, daß sie einfache, aber präzise Fragen entweder überhaupt nicht oder immer nur ausweichend beantworten. Naive Leute halten das für Diplomatie oder für politische Klugheit.

Deutsche - aber auch österreichische - Katholiken, die noch nicht gänzlich historisch entwurzelt sind, sollten sich heute daran erinnern, daß nicht erst das Dritte Reich des "nationalen Sozialismus" mit seiner besonderen 'Weltanschauung' von Anfang an bestrebt war, den sog. politischen Katholizismus in Volk, Staat und Gesellschaft zu vernichten, was auch in einer unglaublich kurzen Zeit mit durchgreifendem Erfolg gekrönt war. Was waren denn die Ursachen für diese Katastrophe, die sogar heute noch nachwirkt? Dies zeigt sich auch daran, daß selbst Katholiken, die sich für christliche Politiker halten, bei jeder sich bietenden Gelegenheit das Schreckgespenst des Antisemitismus an die Wand malen (um sich als 'christlich' zu profilieren, weil man sonst nichts Bedeutendes zu sagen hat), aber vom politischen Anti-Katholizismus gar nichts mehr wissen oder ihn wider besseres Wissen einfach verschweigen. Diese Leute wären auch unter den ersten, die vor einer KVP, sobald sie sich als ein politischer Machtfaktor erwiese, ihre warnenden Stimmen erheben und gegen sie mobil machen würden. Auch die sog. 'freie' Presse würde gegen sie mit böswilligen Unterstellungen und Verleumdungen operieren, wie sie es schon früher getan hatte, als sich der politische Katholizismus formierte. Warum lernt man nichts aus der Geschichte eines Volkes, das es nie zu einer echten Nation gebracht hat (Symbol dafür ist der "Deutsche Michel" mit der Schlafmütze) und das heute in seiner Mehrheit einem teils liberalistischen teils sozialistischen "Demokratismus" verfällt, der aber auch gar nichts mit einer rechtsstaatlichen Demokratie zu tun hat.

Nicht alle Gewalt, sondern nur alle Staatsgewalt geht vom Volke aus, vorausgesetzt natürlich, daß dies nicht verhindert oder unterlaufen wird, was auch durch politische Parteien und ihre Mitläufer geschehen kann. (N.b.: das haben die deutschen Volksgenossen in der ehemaligen 'DDR', die von einer 'friedlichen Revolution' phantasiereich redeten und "wir sind das Volk" riefen, bis heute nicht begriffen. Darum führte ihr vermeintlich politisches Bewußtsein nicht zu einer selbstkritischen und nüchternen Bestandsaufnahme, sondern schlug in eine Hilflosigkeit der angeblich Enttäuschten um, anstatt daß diese einsehen, unbegründeten und falschen Erwartungen nachgelaufen zu sein.)

Es läßt sich in einer Demokratie auch keine scharfe Grenze ziehen zwischen dem politischen und dem vor-politischen Bereich, der wiederum nicht mit dem außer-politischen verwechselt werden sollte, sonst erkennt man gar nicht, wo politische Parteien in einem Staatsganzen angesiedelt sind und von woher sie ihre Kraft beziehen. In den U.S.A. sind Parteiwesen und Staat derart vermischt, vermengt und vermanscht, daß man dort von Demokratie überhaupt nicht reden kann. Das tun nur naive Europäer. Eine KVP in den U.S.A. wäre nicht bloß absolut undenkbar, sondern der reinste Witz. Auch derartige Vergleiche können ein Problem beleuchten.

Wieviele angebliche 'christliche Politiker', die sich für Katholiken halten und nicht selten sogar in der 'röm. Konzilskirche' noch aktiv sind, empfinden es nicht einmal als eine Diskriminierung, wenn sie von Journalisten als "Christdemokraten" apostrophiert werden, was nicht bloß ironisch, sondern zynisch gemeint ist, obwohl es bekanntlich eine sog. "christliche Demokratie" weder gibt noch geben kann. Denn es gibt weder ein "allgemeines Christentum" (sondern nur eine universale Kirche) noch volkspolitisch ein "allgemeinen Katholizismus" in einem demokratischen Staatswesen. Dies alles sind Träume a-politischer Zeitgenossen, denen das Politische in Volk und Staat ein "Buch mit sieben Siegeln" ist. Wie aber will man dann als 'mündiger Bürger', der man zu sein glaubt, politisch richtig denken und handeln und sich gegen windige Politstrategen und üble Politikmacher zur Wehr setzen? Das sind doch wohl nichts anderes als große Illusionen, die leider auch gefährlich sind. Viele junge Mitbürger wissen gar nicht - denn darüber hat sie niemand aufgeklärt, als sie noch zur Schule gingen -, wie verfänglich die These von der "freiheitlich demokratischen Grundordnung" ist und wie leicht sie mißbraucht werden kann. Diese Problematik wird viel zu wenig beachtet, ja sogar unterdrückt; insbesondere von denen, die im "Trüben fischen" wollen. Man schaue sich doch jene Politiker etwas genauer an, deren besondere Qualifikation darin besteht, in der Öffentlichkeit immer mit den gleichen nichtssagenden Worten zu jonglieren und in die Kamera zu lächeln.

Die Gesellschaftsmasse in einer den Staat tragenden Bevölkerung ist, wie auch die Demoskopie beweist, nicht bloß wankelmütig, sondern unverkennbar politisch naiv und dumm und erreicht nie ein höheres Niveau. Sie ist auch das Ferment für Demagogen und für Parteipolitiker, die sich sichtlich wohlfühlen, wenn sie bei Gelegenheit ein "Bad in der Menge nehmen" können und sich dabei sogar selbst beklatschen. Eine "Massendemokratie" aber gibt es nicht, wohl aber eine Pöbelherrschaft (Ochlokratie), die sich in der wie eine Seuche sich ausbreitenden sog. Subkultur zeigt, deren Hauptmerkmal die Demoralisierung der Gesellschaft ist. Ihr Steigbügelhalter ist eine abartige Kulturpolitik, die sich auch im Fernsehen und in vielen Illustrierten demagogisch sichtbar niederschlägt. Wer wagt hier noch, von einem Kulturvolk zu sprechen.

Die moderne Demokratie ist keine Gesellschaftsform und -Ordnung - dieser Irrtum ist weit verbreitet -, sondern ein mit vielen Mängeln behafteter pluralistischer Parteienstaat, in dem jede politische Partei, die sich für staatstragend hält, auf verschiedene Weise bestrebt ist, die Macht über das Staatsganze zu erringen - ob aber auch zum Wohle des Ganzen, das freilich steht auf einem ganz anderen Blatt und sollte von niemandem blind vorausgesetzt werden. Eine KVP würde in einem solchen System nur eine nationale Minderheit repräsentieren und stünde von vornherein im politischen Abseits, ja, sie würde sogar als nicht koalitionsfähig diskriminiert werden. Darüber sollte sich heutzutage doch kein orthodoxer Katholik täuschen. Diejenigen (konservativen) Katholiken, die - aus welchen Gründen auch immer - nach einer KVP fragen und auf sie hoffen, übersehen bereits, daß der politische Katholizismus schon lange nicht mehr existiert und auch nicht mehr zum Leben erweckt werden kann. Denn für einen solchen fehlt in der katholischen Bevölkerung sowohl eine tragfähige Basis als auch das politische Interesse. Eine KVP ist zwar rein theoretisch möglich - wegen der vielen Menschen, die sich als katholisch haben registrieren lassen -, aber aus vielfältigen Gründen praktisch schlechthin unmöglich. Sie ist nichts anderes als eine religiöse Utopie. Ähnliche Utopien gibt es auch im kirchlichen Bereich nach dem totalen Zusammenbruch des "religiösen Katholizismus" von heute, der noch viel schlimmer ist als derjenige im Dritten Reich unter den nationalen Sozialisten - worüber es eine aufschlußreiche Literatur gibt. Am Ende der Weimarer Republik gab es 32 Parteien und viele politische Randgruppen, ein regelrechtes 'demokratisches Tohuwabohu', das sich selbst zum Tode verurteilte und dann den Strick um den Hals legte. Doch damals gab es noch kein allgemeines 'Demokratismussyndrom', das auch die Grenzen zwischen den Parteien verwischt, so daß diese austauschbar werden. Der sog. 'Machtwechsel' findet dann immer nur zwischen den etablierten Parteien statt, nicht jedoch im Staate.

Die Staatsform der Demokratie wird zum Feigenblatt für politische Hasardeure mit "Pokerface". Was weiß der Durchschnittsbürger davon? Dieser glaubt, weil man ihm das eingeredet hat, eine Bundestags- oder Landtagswahl sei eine 'Persönlichkeitswahl', obwohl es sich hierbei in der Regel nur um Parteifunktionäre handelt, von denen einige wiederum nur eine Partei benutzen, um in ihr oder über sie Karriere zu machen. Das 'Demokratismussyndrom' wirkt ansteckend und verdeckt den wahren Sachverhalt.

(Fortsetzung folgt)
 
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