56. Jahrgang Nr. 3 / Mai 2026
Datenschutzerklärung | Zum Archiv | Suche




Ausgabe Nr. 11 Monat Dezember 2004
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 1 Monat Januar 2005
SPENDENAUFRUF


Ausgabe Nr. 4 Monat April 2004
Offener Brief an H.H. Bischof M. Pivaruns


Ausgabe Nr. 4 Monat April 2004
Ad multos annos - Herrn Prof. Dr. D. Wendland zu seinem 80. Geburtstag


Ausgabe Nr. 5 Monat Juni 2004
Eberhard Heller: Besuch aus Mexiko


Ausgabe Nr. 8 Monat Oktober 2004
Open Letter to most Reverend Bishop M. Pivarunas


Ausgabe Nr. 8 Monat Oktober 2004
ROTHKRANZ Y LAS INVESTIGACIONES...


Ausgabe Nr. 10 Monat Dezember 2004
Sobre Monseñor Thuc y Monseñor Carmona


Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2005
NACHRICHTEN, NACHRICHTEN, NACHRICHTEN ...


Ausgabe Nr. 1 Monat Februar 2003
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 1 Monat Februar 2003
Offener Brief an H.H. Prof. Dr. August Groß


Ausgabe Nr. 2 Monat März 2003
Wer in der modernen Welt


Ausgabe Nr. 3 Monat April 2003
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 4 Monat April 2003
The Roman Catholic Diaspora Church


Ausgabe Nr. 5 Monat Juni 2003
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 6 Monat Juli 2003
Zitate: Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 6 Monat Juli 2003
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 7 Monat September 2003
Rothkranz in Untiefen


Ausgabe Nr. 8 Monat October 2003
L’Eglise Catholique-Romaine de la diaspora


Ausgabe Nr. 11 Monat December 2003
De Monseñor Pierre Martin Ngô-dinh-Thuc


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2002
Buchbesprechung


Ausgabe Nr. 2 Monat Mars 2002
ES MONSEÑOR LEFEBVRE UN OBISPO ORDENADO VALIDAMENTE


Ausgabe Nr. 3 Monat Mai 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 4 Monat Juli 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 5 Monat September 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 6 Monat November 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 6 Monat November 2002
Pfarrer Carl Sonnenschein


Ausgabe Nr. 6 Monat November 2002
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2002
Satanische Tendenzen in der Rock Musik


Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2002
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 8 Monat December 2002
Is Mgr. Lefebvre a validly consecrated bishop?


Ausgabe Nr. 7 Monat Diciembre 2001
LA IGLESIA CATOLICO-ROMANA EN LA DIASPORA


Ausgabe Nr. 1 Monat April 2001
Papsttum als eines Wesens-Elementes der Kirche


Ausgabe Nr. 6 Monat Dezember 2001
Über das Papsttum der römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 6 Monat Dezember 2001
DIE SCHÖPFUNG - EIN GÖTTLICHER PLAN - Buchbesprechung


Ausgabe Nr. 8 Monat Januar 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 1 Monat April 2000
Kurze Antwort auf eine Anfrage zum Sedisvakanzproblem


Ausgabe Nr. 4 Monat Nov.-Doppel-Nr.4/5 2000
DIE RÖMISCH-KATHOLISCHE DIASPORA-KIRCHE


Ausgabe Nr. 4 Monat Nov.-Doppel-Nr.4/5 2000
WAR MGR. LEFEBVRE EIN GÜLTIG GEWEIHTER BISCHOF?


Ausgabe Nr. 6 Monat Februar 2000
Zum Problem des innerkirchlichen Klerikalismus


Ausgabe Nr. 6 Monat Februar 1999
IN MEMORIAM FRAU ELSE KETTERER


Ausgabe Nr. 3 Monat Juli 1997
SIND DIE POST-KONZILIAREN WEIHERITEN GÜLTIG?


Ausgabe Nr. 3 Monat Juli 1997
SIND DIE POST-KONZILIAREN WEIHERITEN GÜLTIG?- Fortsetzung


Ausgabe Nr. 3 Monat Juli 1997
AUS EINEM BRIEF AN DIE REDAKTION


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1993
ZUM PROBLEM DER INTENTIONALITÄT BEI DER SPENDUNG DER SAKRAMENTE


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1993
LESERBRIEF


Ausgabe Nr. 5 Monat Februar 1994
ZUM PROBLEM DER ERFORDERLICHEN INTENTION BEI DER SAKRAMENTENSPENDUNG


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 1995
NUR NOCH AUSLAUFMODELL?


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1994
IST MGR. LEFEBVRE EIN GÜLTIG GEWEIHTER BISCHOF?


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1992
DIE RÖMISCH-KATHOLISCHE DIASPORA-KIRCHE - FIKTION ODER WIRKLICHKEIT? -


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1992
DER MODERNE HOMINISMUS UND SEINE ABARTIGE RELIGIOSITÄT


Ausgabe Nr. 2 Monat Mai 1992
DIE RÖMISCH-KATHOLISCHE DIASPORA-KIRCHE - FIKTION ODER WIRKLICHKEIT? -


Ausgabe Nr. 2 Monat Mai 1992
Mitteilungen der Redaktion


Ausgabe Nr. 11 Monat Juli-Sondernr. 1992
ZUM PROBLEM DER INTENTIONALITÄT BEI DER SPENDUNG DER SAKRAMENTE


Ausgabe Nr. 3 Monat August 1992
DER FALL ESCRIVA


Ausgabe Nr. 3 Monat August 1992
Mitteilungen der Redaktion


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1992
WAS IST DAS EIGENTLICH: DIE RELIGION?


Ausgabe Nr. 4 Monat Mai 2006
DIASPORA


Ausgabe Nr. 3 Monat September 1991
Wieviele Katholiken gibt es in der Bundes-Republik Deutschland


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 1991
Wieviele Katholiken gibt es in der Bundesrepublik Deutschland


Ausgabe Nr. 5 Monat Februar 1992
DER MODERNE HOMINISMUS UND SEINE ABARTIGE RELIGIOSITÄT


Ausgabe Nr. 5 Monat Februar 1992
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 1 Monat Mai 1990
DIE ZERSTÖRUNG DES SAKRAMENTALEN PRIESTERTUMS DURCH DIE RÖMISCHE KONZILSKIRCHE


Ausgabe Nr. 1 Monat Mai 1990
NACHRICHTEN, NACHRICHTEN, NACHRICHTEN


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli, Sondernr 2/3 1990
ÜBER DIE GRÜNDUNG DER Una et Sancta ECCLESIA, Vorwort


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1990
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 6 Monat März 1991
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 7 Monat April-Sondernr 1991
DIE ZERSTÖRUNG DES SAKRAMENTALEN PRIESTERTUMS DURCH DIE RÖMISCHE KONZILSKIRCHE


Ausgabe Nr. 1 Monat Mai 1989
MYSTERIUM FIDEI


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1989
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 7 Monat Januar 1989
WAS IST DAS EIGENTLICH: DIE RÖMISCH-KATHOLISCHE KIRCHE?


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1988
LESERBRIEF IN AUSZÜGEN


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1988
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 7 Monat April-Sondernr 1988
KIRCHE OHNE RELIGION UND RELIGIONSLOSE KIRCHEN


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1987
Über die christliche Taufe und das Tauf-Sakrament


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1987
STELLUNGNAHME ZU DEM ARTIKEL DIE KRISE DER APOSTOLISCHEN SUKZESSION...


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1987
Aus EINEM BRIEF VON S.E. MGR. MOÍSES CARMONA


Ausgabe Nr. 3 Monat Sept./Okt. 1987
THEOLOGISCH-PHILOSOPHISCHE REFLEXION ÜBER DEN TRINITARISCHEN GOTT


Ausgabe Nr. 6 Monat März 1988
KIRCHE OHNE RELIGION UND RELIGIONSLOSE KIRCHEN


Ausgabe Nr. 6 Monat März 1988
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1986
Was ist das eigentlich: Die Häresie?


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1986
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 3 Monat September 1986
... DEN LEIB DES HERRN NICHT MEHR UNTERSCHEIDEN...


Ausgabe Nr. 5 Monat Januar 1987
ZUM 'MYSTERIUM FIDEI'


Ausgabe Nr. 6 Monat April 1987
... UND SPIEEN IHM INS ANGESICHT ...


Ausgabe Nr. 6 Monat April 1987
Die Todsünde der Gotteslästerung


Ausgabe Nr. 3 Monat Juli 1985
OFFENER BRIEF


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1985
Es WÄRE ZU BEDENKEN


Ausgabe Nr. 5 Monat Dezember 1985
EINIGES ÜBER DEN BEGRIFF UND DAS WESEN DES CHRISTLICHEN GLAUBENS


Ausgabe Nr. 5 Monat Dezember 1985
BRIEF VON HERRN PROF. DR. D. WENDLAND AN DIE REDAKTION


Ausgabe Nr. 6 Monat Februar/März 1986
DAS GLAUBENSBEKENNTNIS DER KIRCHE ?


Ausgabe Nr. 6 Monat Oktober 2006
Der Teufel im Kino


Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2006
Und ihr werdet sein wie Gott


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
Y seréis como Dios (Gn. 3, 5)


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
And thou wilt be like God (Gen. 3,5)


Ausgabe Nr. 13 Monat September 2007
Et vous serez comme Dieu


Ausgabe Nr. 11 Monat February 2008
ARE POST CONCILIAR RITES VALID?


Ausgabe Nr. 13 Monat April 2008
LA VALIDEZ CE LOS RITOS POSTCONCILIARES CUESTIONADA


Ausgabe Nr. 13 Monat April 2008
BIBLIOGRAFIA: VALIDEZ CUESTIONADA DE LOS NUEVOS RITOS POSTCONCILIARES


Ausgabe Nr. 13 Monat Diciembre 2009
L’EGLISE CATHOLIQUE-ROMAINE DE LA DIASPORA


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 2010
Mitteilungen der Redaktion - wichtige Hinweise


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2011
A. 8. a-b Ist das sakramentale Priestertum in der Konzilskirche erhalten


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2011
A. 8. e-f Die fehlende ‚Intention’ bei der Weihe nach dem Montini-Ritus


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2011
In memoriam Prof. Wendland


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2011
Mitteilungen


Ausgabe Nr. 13 Monat June 2011
E sarete come Dio (Gn. 3, 5)


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 2011
Zitate aus:Über (...) eine Kirche ohne Papst


Ausgabe Nr. 2 Monat Mai 2012
MACHT UND OHNMACHT DER KIRCHE


Ausgabe Nr. 3 Monat September 2012
MACHT UND OHNMACHT DER KIRCHE


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 2012
MACHT UND OHNMACHT DER KIRCHE


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2013
Null und nichtig – der Ritus der Bischofsweihe von 1968


Ausgabe Nr. 3 Monat August 2015
Tuet dies zu meinem Gedächtnis (Lk. 22,19)


Ausgabe Nr. 1 Monat Januar 2022
In Erinnerung an Dr. Ante Križić


ÜBER DIE GRÜNDUNG DER Una et Sancta ECCLESIA, Vorwort
 
ÜBER DIE GRÜNDUNG DER "Una et Sancta ECCLESIA"
DURCH DEN GÖTTLICHEN MENSCHENSOHN

- Hinweise auf eine vergessene Problematik und ihre realen Hintergründe -

von
ass. Prof. Dr. D. Wendland

Vorwort: Allgemeine Ratlosigkeit – eine seltsame Frage katholischer Christen

Schon seit längerer Zeit werden wir von besorgten Katholiken, denen, wie sie betonen, vieles "an der heiligen-katholischen Kirche" nicht mehr so ganz geheuer vorkommt und auch gänzlich unverständlich ist, mit der eigenartigen Frage konfrontiert: "wo ist eigentlich die 'wahre Kirche' und wo kann man sie heute finden?"; zudem wird nicht selten mit Nachdruck, sowohl ärgerlich als auch ironisch, hinzugefügt: "ja, wo existiert sie denn noch – die 'wahre Kirche'? Können Sie mir das sagen?!". Katholiken, die sich heute zu einer solchen Frage geradezu gedrängt fühlen, sind keineswegs ungläubige oder gar glaubenslose Christen, auch wenn sie bereits zu der Überzeugung gekommen sind (oder gekommen sein sollten), daß es möglicherweise die 'wahre Kirche' heutzutage nicht mehr gibt. Vielleicht sind diese Skeptiker sogar in einer viel besseren Lage als diejenigen "Gläubigen", die ohne Probleme und bedenkenlos in eindeutig häretischen "Kirchen"—Gebilden leben, deren Mitglieder und Träger sie sind, und die immer noch frommen Glaubens "an die", ja sogar "an die eine, heilige" Kirche glauben, und wobei der Akzent auf "heilig" liegt. Merkwürdig dabei ist nur, daß von einem solchen Gegenstand des Glaubens aber auch rein gar nichts zu sehen ist oder wahrgenommen werden kann, wohl aber das erschreckende Gegenteil, wenn man die Augen aufmacht und die 'kirchliche Sach- und Lebens-lage' ohne Wunschdenken in das Licht einer kritischen Betrachtung stellt.

Zudem ist es auffällig, daß die obige Frage insbesondere von Katholiken gestellt wird (sie findet sich aber auch bei Nichtkatholiken), die der Ökumenismus-Häresie nicht auf den Leim gingen; dies jedoch nicht oder kaum aus theologischen Gründen und Einsichten in etwas Unwahres und in sich Widersprüchliches, sondern in der Regel aus einem "religiösen Instinkt" heraus, der sich gegen eine Häresie und ihre Auswirkungen sperrte. Ähnlich verhält es sich bei der obigen Frage, die ebenfalls in einem solchen Instinkt ihre Wurzel hat, d.h. man "wittert" eine noch nicht klar erkannte Häresie und möchte sie abwehren, und zwar eine Häresie, die sich direkt auf das wahre (vere) Sein (esse) und Wesen (essentia) der Kirche bezieht. Gleichzeitig aber erschwert man sich die Erfassung und das Begreifen der nämlichen Sache durch eine falsch gestellte Frage, ohne sich dessen überhaupt bewußt zu sein. Außerdem machen falsche Fragestellungen echte Antworten unmöglich und führen immer zu Schein-Problemen, aus denen man hernach nicht mehr herausfindet. Man kann sich heute im kirchlichen Bereich der vielen Schein-Probleme kaum noch erwehren, mit denen die "Gläubigen" daherkommen, so daß man fast resignieren könnte, wenn nicht hie und da ein echtes Anliegen dahinter stehen würde. Denn manchmal schreibt Gott in seiner Vorsehung 'auch auf krummen Zeilen gerade' ( Georges Bernanos), so daß bisweilen sogar eine falsche gestellte Frage dazu verhelfen kann, ein echtes Problem zu entdecken bzw. wiederzuentdecken. Darum geben wir auf die Frage "wo ist die 'wahre Kirche'?" zunächst keine andere Antwort als die: überall und nirgendwo, um zugleich auch darauf aufmerksam zu machen, daß man mit Hilfe einer solchen Frage und in dieser Perspektive die 'wahre Kirche' nie finden und vergeblich suchen wird. Denn das echte Problem hinsichtlich dessen, wonach hier die besorgten und verärgerten Katholiken fragen, steckt hinter der nämlichen Frage und kommt in ihr überhaupt nicht zum Vorschein. M.a.W.: man muß die Frage nach der 'wahren Kirche' grundsätzlich anders stellen, und zwar angefangen mit der kritischen Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit einer realen oder der Kirche überhaupt, da diese doch einzig und allein ein auf eine bestimmte Weise gewirktes Werk (opus operatum) Jesu Christi, des göttlichen Menschensohnes, war und ist, und zwar ein sowohl menschliches als auch göttliches Werk zum allgemeinen (universalen) Wohl und Heil des Menschengeschlechtes.

Nun hat aber die Frage und Suche nach der 'wahren Kirche' von heute noch einen anderen Hintergrund, der von Katholiken, die weder bornierte Traditionalisten noch wilde Progressisten sein wollen, entweder gar nicht gekannt oder viel zu wenig beachtet wird, so daß es dann auch von dort her zu falschen Problemstellungen kommt, die wiederum negative Auswirkungen haben und echte Antworten erschweren. Man darf so etwas nicht unterschätzen oder unterbewerten und sollte sich auch nicht dem Irrtum hingeben, als gäbe es auf schwierige Probleme religiöser Natur leichte und handliche Antworten. Denn das genaue Gegenteil ist hier der Fall. Nichts aber ist schlimmer als das "Rezeptedenken" der frommen Pragmatiker oder die "Problemflucht" von noch frömmeren "Gläubigen", die jedem religiösen Problem ausweichen mit der dummen Bemerkung, dieses oder jenes sei eben "Glaubenssache", obwohl es sich überhaupt nicht um eine Sache des religiösen Glaubens handelt, sondern des Wissens und der religiösen Erkenntnis – ganz abgesehen davon, daß der christliche Glaube ein bestimmter und besonderer Modus geistiger (intellektiv-rationaler) Erkenntnis ist; deshalb sollte man auch nicht die biblische "fides" mit der Tugend des Glaubens (virtus fidei) verwechseln, wie es überall und nicht erst seit heute der Fall ist. Auch dies hat schon eine ziemliche lange "Tradition". Doch selbst davon wissen die Traditionalisten und Konservativen im allgemeinen nichts und was man sehr leicht im Erfahrung bringen kann, wenn man nur die richtigen Fragen stellt.

Schon eine sehr lange Zeit vor der Einberufung eines sog. "Pastoralkonzils" (das den Namen "Zweites Vatikanum" völlig zu Unrecht trägt und nichts mit "Seelsorge" zu tun hatte) durch einen klar erkennbaren Häretiker, dem alle Bischöfe mit großer Freude und Hoffnung ("gaudium et spes") Folge leisteten, war in der römisch-katholischen Kirche eine tiefgreifende und weitgehende Verwirrung und Verdunkelung eingetreten zwischen dem "credere in Deum" und dem "credere Ecclesiam", was absolut nicht dasselbe "credere" bedeutet. Zudem wurde nicht mehr klar und schließlich überhaupt nicht mehr unterschieden zwischen dem subjektiven Akt des Glaubens und dem objektiven, subjektunabhängigen, Akt-Inhalt des Glaubens, so daß man zwangsläufig in einem geistlosen "Gefühlsglauben" landete, der dann den "kirchlich gesinnten" Katholiken in Predigten und erbaulichen Schriften als "Herzensglaube" angepriesen und eingeredet wurde; ein anderes Wort dafür hieß "kindlicher Glaube", der als der 'wahre Glaube' ausgegeben wurde. Überall war auch die Parole zu hören: "glauben heißt: nicht wissen". Damit aber wurde jeder Glaubens-Begründung das Grab gegraben.

Warum stellt man sich hier nicht die Frage: was waren das für Leute, die in der Kirche solche Spielchen trieben und ohne daß sie daran gehindert wurden? Dies alles jedoch führte dann auch zu dem vernunftswidrigen und a-logischen 'Meinungs-Glauben', man könne "an Gott" auf die gleiche Weise und genau so glauben wie "an die" Kirche oder auch umgekehrt. Es waren nicht sehr viele, denen es deutlich zu Bewußtsein kam, daß an dieser Sache eine ganze Menge faul war, einschließlich des ständigen und sachentfremdeten Geredes von einer "heiligen-katholischen" Kirche (ohne Komma dazwischen), an die dann die merkwürdige Gesellschaft der "Priester und Gläubigen" ebenfalls mit Inbrunst glaubte. Heute freilich sind diese "herrlichen Zeiten" vorbei und in einem großen Tohuwabohu untergegangen, so daß es wiederum verständlich ist, wenn Katholiken nach der 'wahre Kirche' fragen und sie suchen, ohne sie jedoch zu finden. Das häretische und apostatische Vatikanum 2 hat auch in diesen Zusammenhängen nur offenkundig gemacht und weltweit sichtbar werden lassen, was im "Schoße der Kirche" bereits seit Jahrzehnten, teils offen teils verdeckt, vorhanden gewesen war und sein Unwesen getrieben hatte. Ein solcher Zerstörungsprozeß ist keine "Krise", die plötzlich, überraschend oder unvermutbar auftritt und dann wieder abklingt, sondern eben ein Prozeß, der im Geiste beginnt und von dem niemand sagen kann, wo er noch endet. Darum darf man auch nicht der Frage ausweichen: haben die früheren Päpste bis zu Pius XII. (dem bislang letzten rechtmäßigen Nachfolger Petri auf dem Apostolischen Stuhl) diesen Zerstörungsprozeß erkannt und was haben sie dagegen getan? Denn es ist ja eine altbekannte Tatsache und schon von Anfang an so gewesen, daß der sich im Menschengeschlecht abspielenden Heils—geschichte, in die auch die Kirche eingebunden ist, immer eine Unheils—geschichte parallel läuft und von ihr sogar durchkreuzt wird. Warum hat die Mehrzahl der "religionsmündigen" Mitglieder und Träger der 'heiligen Kirche' sich in dem dumpfen Glauben gewiegt oder so getan, als ob dies nicht der Fall wäre oder sie gar nicht berühre? War man sich als "gläubiger Katholik" seines Heiles schon gewiß, wie auch andere christlichen Sektierer? Es blieb nämlich im geschichtlichen Heils- und Unheilsprozeß die allgemeine Warnung Christi durch die Zeit hindurch unveränderlich gültig: "...Doch wird der Menschensohn bei seinem Kommen (zum Letzten Gericht) den Glauben finden auf Erden?" (Lk 18,8) und worunter der heils-notwendige wahre Glaube (vera fides) gemeint ist, den die "Kirche in der Welt" zu lehren hat. Indessen lehren die Träger und Mitglieder der "römischen Konzilskirche" bereits seit 1965 mit viel Geschick und großem Engagement das reine Gegenteil, was sogar Nichtkatholiken auffällt. Von einer 'wahre Kirche' ist bei diesem monströsen Gebilde mit seinen "Klerikern" und "Laien" allerdings nichts mehr zu erblicken. Im übrigen ist die Verwechselung der alten römisch-katholischen Kirche, die nie eine "Papstkirche" gewesen war, mit der neuen "röm. Konzilskirche", weil diese auch einen 'heiligen Papa' als Oberhaupt besitzt, heutzutage gang und gäbe, aber immer ein Indiz dafür, daß man weder von der einen noch von der anderen zureichende Kenntnisse hat. Dies läßt sich sehr leicht überprüfen und feststellen. Nur der pluralistischen Gesellschaft wie auch dem demokratischen Staate ist es gleichgültig, worum es sich bei "Kirchen" oder kirchenähnlichen Gebilden handelt oder welche Namen ihre Oberhäupter tragen. Ein orthodoxer Katholik sollte sich hier nicht irremachen lassen und vor allem nicht glauben, es bestünde irgendwo ein sog. 'öffentliches Interesse' an der Ecclesia des göttlichen Menschensohnes. Auch diese Zeiten sind lange vorbei. Es gibt auch kein christliches Europa mehr, denn ganz Europa liegt im Trend des gottlosen Sozialismus und Liberalismus sowie eines sich überall ausbreitenden Neuheidentums, das wie eine Seuche die Völker befallen hat. Wie aber soll man dann unter solchen Gegebenheiten, die einer geistigen Umweltverschmutzung größten Ausmaßes gleichkommt, die 'wahre Kirche' noch zu Gesicht bekommen? Es ist jedoch die Kirche auch eine sichtbare und infolgedessen sogar eine für viele wahrnehmbare, auch wenn viele sie weder sehen noch hören – dies aber nicht deswegen, weil sie etwa physisch blind oder taub sind, sondern aus ganz anderen Gründen.

Ein weiteres unheils-geschichtliches Übel im kirchlichen Bereich, das verheerende Auswirkungen zeitigte und mit den eben genannten Übeln zusammenhing, war die Fixierung der (wie sie genannt werden) "Kirchengläubigen" auf die Kirche als einer bloßen "res fidei et mysterica", so als ob ihr Sein und Wesen überhaupt keine "res realis" sei, also nichts objektiv Wirkliches in der menschlichen Gesellschaft, so daß sie dann natürlich auch keine entitative Eigenwesen in ihr haben konnte, das sich von anderen Gesellschafts—Gebilden, sei es natürlichen oder künstlichen, grundlegend unterschied, und zwar trotz mancher Ähnlichkeiten realiter, nicht bloß idealitert. Das Ende vom Lied aber zeigte sich in der Auflösung des gesellschaftlichen Phänomens der Kirche in eine pseudomystische und mystagogischen Phantasmagorie, in der fortan die "frommen Seelchen" einer "Glaubens—Gemeinschaft" (communitas credentium) lebten, anstatt als christgläubige Menschen in der Sozietät der Kirche – nüchtern, wachsam, kritischen Geistes und ohne Servilität. Darum hatte nicht zuletzt sogar Pius XII. in einer Enzyklika, in der man so etwas kaum vermuten würde, den katholischen Klerikern und Laien die Warnung ins Stammbuch geschrieben: "...es zeigen sich (in bezug auf die Kirche) unleugbar auch bei den Christgläubigen weniger richtige oder ganz verfehlte Ansichten, die vom rechten Wege der Wahrheit ablenken können. Während nämlich auf der einen Seite noch immer ein flacher Rationalismus alles, was menschliche Geisteskraft übersteigt und hinter sich läßt, für sinnlos betrachtet, während ein diesem verwandter Irrtum, ein flacher Naturalismus, in der Kirche nichts anderes sieht noch sehen will als ein rein rechtliches und gesellschaftliches Band, schleicht sich auf der anderen Seite ein falscher Mystizismus ein, der die unverrückbaren Grenzen zwischen Geschöpf und Schöpfer zu beseitigen sucht und die Heilige Schrift mißdeutet." ("Mystici Corporis", 1943) Das war deutlich genug. Wer aber nahm das zur Kenntnis von denen, die sich einbildeten, das "Salz der Erde" zu sein? Es ist uns nach dieser letzten Warnung kein Priester oder Bischof bekannt geworden, der dann damit aufgehört hätte, den "lieben Gläubigen" wundersame Märchen über die "heilige-katholische" Kirche zu erzählen und über die dort stattfindende "heilige Liebesgemeinschaft im Glauben", besonders wenn sie "Eucharistie feiere" mit dem "mystischen Christus", den man auch als einen "kerygmatischen" bezeichnete. Die kirchliche Situation im Katholizismus nahm mehr und mehr Züge des Gespenstischen an, so daß auch von einer "Ecclesia militans" weit und breit nichts mehr zu erblicken war. Pius XII. stand bereits auf verlorenem Posten, aber auch seine Vorgänger erreichten nicht mehr die Basis der Kirche, nämlich die Laienschaft in der Kirche, die größtenteils wie eine verwirrte Herde richtungslos und unaufgeklärt durcheinanderwogte oder sich in einem dumpfen "Milieukatholizismus" erschöpfte, der zudem noch von einer falschen und ebenfalls mystizistischen (pseudomystischen) Mariologie "in Jesus und Maria" geprägt war. Heute beten nur noch katholisierende Sektierergruppen in abwegigen Kult—Gemeinschaften: "Maria mit dem Kinde lieb uns allen deinen Segen gib."

Es kam jedoch – und worauf wir leider hinweisen müssen – die Warnung vor dem die Ekklesiologie verderbenden falschen Kirchenmystizismus viel zu spät. Denn dieser hatte bereits seit Jahrzehnten sein Unwesen in der katholischen Kirche getrieben, eingeleitet und verbreitet von sentimentalen und auffallend geistlosen Priestern gewisser "Orden" (vor allem neuerer), und war noch viel gefährlicher als der von Pius XII. beklagte flache Rationalismus und Naturalismus, da er aus dem Verlust des sich auf den menschlichen Intellekt beziehenden christlichen Glaubens, des typisch katholischen "vernünftigen Glaubens", hervorging, dem wider besseres Wissen überall das Grab geschaufelt wurde. Diese sich immer so fromm gebenden, alles und jedes beurteilenden, aber durchaus strohköpfigen "Priesterlinge" (Leon Bloy) hielten in den "res religiosae" (den religiösen Dingen und Sachverhalten) jedes kritische Denken und Fragen schon für Rationalismus und warnten dann in ihrem "geistlichen Wirken" die naiven "Gläubigen" vor den "Akademikern" oder "Studierten", die sie sogar als nicht mehr "katholisch" und "kirchlich gesinnt" verleumdeten und diskriminierten.

Der bereits (soweit wir sehen) am Anfang des 19. Jahrhunderts entstandene und vom niederen Klerus ausgegangene falsche Kirchenmystizismus war ein recht seltsames Phänomen; denn er war sowohl anti-rational bis zum Exzeß als auch unglaublich primitiv-naturalistisch; sein konträres Gegenstück aber war der ihm schon vorausgegangene kirchliche Klerikalismus, der die Laienschaft unterdrückte, ja sogar terrorisierte, wo er dazu in der Lage war. Der Weg der apostolischen Ecclesia Romana wurde, heils-geschichtlich betrachtet, "urbi et orbi" immer enger und schwieriger, zumal sich ja auch die Gesellschaft rapide veränderte und umstrukturierte, ganz abgesehen von den verschiedensten Ideologien, die die sog. öffentliche Meinung prägten und beherrschten. So manche orthodox katholische Diözesanen und Parochianen, die ihren Verstand noch nicht in der Sakristei abgegeben hatten, stellten sich im Anblick der realen kirchlichen Situation, die überall gleich war, die bange Frage: schläft das kirchliche Lehramt oder wird es nur falsch darüber informiert, was tatsächlich in der Kirche vorgeht und zum Vorschein kommt? Wie oft hörte man die ärgerlichen Fragen: warum eigentlich wird von Rom die theologisch gebildete Laienschaft nie und schon gar nicht unmittelbar konsultiert? Gehört die Laienschaft etwa nicht zur Kirche? Oder ist etwa das "Wehen" (Wirken) des Hl. Geistes nur auf den Klerus beschränkt? Bei Hirtenbriefen hatte man oft den Eindruck, als seien sie an geistige Analphabeten und geistlich Schwachsinnige geschrieben, um sie bei gewissen Anlässen bei der Stange zu halten. Und manche Hirtenbriefe wurden auch nur auszugsweise vorgelesen, "um das Kirchenvolk nicht zu ermüden." Doch nicht einmal der "liebe Heiland" hatte jemals verheißen: selig, die Armen an Geist! Es blieb den klerikalen und laikalen Traditionalisten und Konservativen vorbehalten, über die "heilige—katholische" Kirche und die ganze Situation vor dem Vatikanum 2 die reinsten Märchen zu erzählen. Darum sollte man sich auch darüber klar werden, daß ein Wieder—Aufbau der katholischen Kirche nicht durch eine Restauration möglich ist oder erreicht werden kann, sondern viel tiefer ansetzen müßte, vor allem aber, wenn man so sagen will, unmittelbar, um keinen unnützen Ballast mitzuschleppen. Dazu aber gehört viel Mut und Bescheidenheit, sowie eine große Portion kirchlicher Realismus, der sich von jeder Phantastik in religiösen Dingen fernhält. Man kann ein zerbombtes Haus nur dann wieder aufbauen, wenn man zuvor den Schutt wegräumt und die Grundmauern freilegt. Das ist zwar eine Binsenweisheit, aber dennoch eine sehr heilsame.

Es ist somit nicht bloß verständlich, sondern auch als ein positives Zeichen zu bewerten, wenn sich Katholiken heutzutage (na endlich, könnte man jetzt sagen!) auf eine eigentümliche Weise sogar gedrängt fühlen, nach der 'wahre Kirche' zu fragen, sei es nach ihrer möglichen Existenz oder auch nach dem Ort ihres Dasein in der Welt, obwohl es sich, wie schon gesagt, um eine falsche Fragestellung handelt. Dennoch aber sollte diese Frage ernst genommen werden, da sie sich auf ein echtes Problem bezieht, das immer schon vorhanden war oder bestand, indes durch falsche Perspektiven verdeckt wurde. Nur die alten und neuen Rationalisten, Naturalisten und Mystizisten, die im übrigen Pius XII. haßten wie die Pest, sind nach wie vor unfähig, aber auch gar nicht willens, die hier aufbrechende Problematik zu erfassen und sich ihr zu stellen. Zudem sollten sich Katholiken davon hüten (denn dies ist ein Fallstrick), immer nur oder allein "im Glauben" zu bejahen und zu bekennen, "daß die Kirche existiert" und somit "auch eine ontische Wurzel hat." Denn dies ist sowohl vernunftwidrig als auch nichtssagend und erkenntnisleer. Das Große CREDO der Kirche setzte auch in Sachen "Kirche" eine Erkenntnis "per fidem et rationem" (durch den Glauben und die Vernunft) voraus. Diese Erkenntnis jedoch ging im Laufe der Zeit mehr und mehr verloren, bis sie schließlich gänzlich aus dem religiösen Bewußtsein vieler Glieder der katholischen Kirche verschwand. Deshalb war es ja auch so leicht, aus einer Kirche der Religionsmündigen und Erwachsenen ein geselliges Kirchentum für Kinder oder für fromme Leute mit "kindlichem Glauben" zu machen, damit sie nur nicht das "Vollalter Christi" erreichen, obwohl dies schon der hl. Paulus ausdrücklich für den existentiellen Bestand eines Kirchenwesens gefordert hatte. Die Warnung Pius' XII. kam mindestens hundert Jahre zu spät; denn der Zug war bereits abgefahren, wie man zu sagen pflegt. Außerdem gab es eben auch noch andere schwerwiegende Unheilsfaktoren, die die Ecclesia Romana von innen heraus bedrohten. Bereits der hl. Petrus sah sich veranlaßt, allen mündigen Gliedern der Kirche einzuschärfen: "Seid nüchtern und wachet! Denn euer Widersacher, der Teufel, geht (unter euch) umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen könne." (1Petr 5,8) Nirgendwo stand geschrieben, daß der Teufel und seine Gefolgschaft in der menschlichen Gesellschaft immer nur außerhalb der Kirche ihr heilloses Unwesen treiben würden. Es war schon lange nichts mehr mit "ein Haus voll Glorie schauet"; vielmehr stank es an allen Ecken und Enden, und man sah auch Dinge, die in einem totalen Widerspruch standen zur Kirche Jesu Christi, angefangen mit 'Geistlichen', die sich Hochwürdige, ja sogar Hochwürdigste Herren nannten, oder die den alles glaubenden Gläubigen weismachen konnten, jeder katholische Priester sei ein "zweiter Christus" und habe "heilige Hände". In einem solchen Dunstkreis stellte niemand mehr die Frage nach der 'wahren Kirche'. Es hat viel Wahrheit für sich, wenn manche meinen, daß ein Vatikanum 2 kommen mußte – um ein großes Übel auf eine besondere Weise "pastoralkonziliar" perfekt und allgemein 'sichtbar' zu machen! Auch in der Hölle muß ein Freudengeheul ausgebrochen sein, das den Jubel in der Welt begleitete. Man erinnere sich und streue Asche auf sein Haupt!

Schließlich aber sei noch auf etwas Grundsätzliches aufmerksam gemacht, das sehr oft übersehen wird, wenn man eine Sache nicht kritisch genug angeht: man kann nämlich nach der 'wahren Kirche' in der Welt nur dann sinnvoll fragen, wenn sie in ihrem Sein und Wesen auch wirklich (in actu esse) existiert, also nicht etwa wie eine platonische Idee über den Dingen in transzendenten "himmlischen Sphären" schwebt oder bloß ein "ens rationis" sei (ein bloßes Gedankending), das immer nur im Denken existiert und außerhalb desselben überhaupt kein reales Sein hat (es war sinnlos und nur ein großer Bluff, von einer Kirche "in uns" zu reden); denn die Kirche in der Welt ist philosophisch und theologisch vor allem anderen, was sie auch noch sein kann, ein "ens reale et categoriale", das heißt: ein wirkliches und ein auf eine bestimmte Weise Seiendes, und zwar ein lebendiges Seiendes (ens vivens), das jedoch, was ebenfalls nicht übersehen werden sollte, nicht er—schaffen, sondern, nur ge—schaffen worden ist. Wer die Begriffe "creatio", "procreatio" und "productio" miteinander verwechselte oder in einen Topf warf, machte aus der Kirche ein irreales und wesenloses Etwas und aus ihrem Gründer ein Gespenst. Die Feinde der Kirche lachten sich eines ins Fäustchen und rieben sich die Hände im Anblick derer, die die Kirche von innen heraus durch Wahnvorstellungen zersetzten, zumal sie wußten, daß auch die Kirche nur etwas Geschaffenes ist und somit im Raum und Zeit einmal ein Ende haben mußte. Darum kämpften einige dieser Feinde auch nicht mehr direkt und offen gegen die Kirche, sondern verlegten sich schlauerweise darauf, die in Erscheinung tretenden Zersetzungsprozesse innerhalb der katholischen Kirche auf eine geschickte Weise zu unterstützen, um sie zu beschleunigen. Dem auf seine Wiese gläubigen Kirchenvolk blieb dies alles verschlossen, aber auch gänzlich unerkennbar, denn es war in seinem sog. "katholischen Glauben" auf drei Dinge fixiert (worden): die "geweihten" Priester, die "geweihten" Bischöfe, die als "vom Heiligen Geiste erleuchtet" gehalten wurden, und den "Heiligen Vater" im Rom, auf den man sich doch "unbedingt und fraglos" verlassen könne. Nur manchmal war unter den mehr oder weniger Gebildeten ein zaghaftes Grollen zu hören gegen die sog. "Amtskirche" 'vor Ort'. Eine mögliche Frage nach der 'wahre Kirche' kam gar nicht auf oder wurde im Keime erstickt. Dennoch aber wäre es grundfalsch, hierfür allein den Teufel verantwortlich und haftbar zu machen, denn die ersten Verursacher unheilsgeschichtlicher Prozesse sind immer Menschen, und zwar nicht selten sogar hochangesehene und überaus fromm erscheinende, und dumm sind diese nie! Orthodoxe Katholiken, die in der Kirche schon vor dem Vatikanum 2 auf eine, wie sie es nannten, "kritische Distanz" gingen, hatten ständig das Bild des göttlichen Menschensohnes vor Augen auf Seinem Wege nach Golgotha.
 
(c) 2004-2018 brainsquad.de