DAS GEISTLICHE TESTAMENT
übersetzt von
Eugen Golla
Vorwort:
Der Abt der Mönchsgemeinschaft von Syon / Oregon - U.S.A., Dom Francis
Edward hat nachfolgendes "Geistliche Testament" veröffentlicht, welches
wir in der Übersetzung von Hr. Eugen Golla wiedergeben. In der
Einleitung schreibt Dom Francis: "Für die englischen Katholiken des 16.
Jahrhunderts, die Katholiken der Katakomben Elisabeths (1533-16o3;
Königin von England seit 1558), diese von Kerker, Feuer und Schwert so
bedrängten Katholiken, war die Unterzeichnung dieses GEISTLICHEN
TESTAMENTS und dessen Aufbewahrung an einem sicheren Orte ein
gebräuchlicher Glaubensakt. Der vorliegende Text dieses GEISTLICHEN
TESTAMENTS ist, abgesehen von der modernisierten Rechtschreibung
identisch mit dem von John Shakespeare, des Dichters Vater, der viel
für den Glauben litt, unterzeichneten. Seine Kopie wurde 1757 im Hause
des Thomas Hart, eines seiner Nachkommen in direkter Linie, versteckt
zwischen den Dachbalken, gefunden."
***
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes! Indem ich
mir bewußt bin, sterblich zu sein und geboren zu sein, um zu sterben,
faßte ich mittels göttlicher Hilfe den Entschluß, mich für die
furchtbare Stunde vorzubereiten, in der meine Seele von mir gefordert
werden wird. Weil mir Gott noch Zeit gewährt, erkläre ich, hingestreckt
vor unserem gekreuzigten Herrn Jesus Christus mit ganzem Herzen vor der
Welt diesen meinen letzten geistlichen Willen und mein Testament.
Ich erkläre und bekenne in Gegenwart des Allmächtigen Gottes, des
Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, der allerseligsten
unbefleckten Jungfrau Maria, der Mutter Gottes, und des gesamten
himmlischen Hofes, daß ich im Gehorsam zur römisch-katholischen Kirche
leben und sterben will und daß ich fest alles glaube, was sie, geführt
vom Heiligen Geiste, gelehrt, definiert und verkündet hat.
Ich beteuere und erkläre, daß ich am Ende meines Lebens die hl.
Wegzehrung empfangen möchte, um so vollkommen und im Frieden mit meinem
Herrn Jesus Christus vereinigt zu sein. Sollte es mir aber infolge
einer Fügung des Schicksals unmöglich sein, Ihn zu empfangen, möge Er
zu mir geistigerweise kommen.
Ich beteuere auch, daß ich aus dem Leben scheiden will, bewaffnet mit
dem Sakrament der Letzten Ölung. Falls ich es aber infolge eines
Hinderungsgrundes nicht empfangen könnte, flehe ich die Majestät Gottes
an, meine Sinne mit dem hl. Öl Seiner unendlichen Barmherzigkeit zu
salben und mir alle meine Sünden zu vergeben.
Ich beteuere ferner, niemals infolge einer Versuchung - wegen der Menge
und Größe meiner Sünden - an der Güte Gottes zu zweifeln. Obwohl ich
meiner Sünden wegen die Hölle verdiente, will ich dennoch standhaft auf
Gottes unermeßliche Gnade hoffen, indem ich weiß, daß er kam, nicht die
Gerechten, sondern die Sünder zu sich zu rufen.
Ich beteuere ebenso, mir nicht bewußt zu sein, irgend ein
verdienstvolles gutes Werk verrichtet zu haben - für den Fall, daß ich
ein solches doch verrichtet haben sollte, ich es mit Nachlässigkeit und
Unvollständigkeit ausgeführt habe und nicht fähig war, es ohne die
Hilfe der göttlichen Gnade zu vollbringen. Aber dem Teufel soll eine
Abfuhr erteilt werden, denn so elend ich auch bin, es war für mich, daß
das kostbare Blut meines Erlösers am Kreuze vergossen wurde.
Ich beteuere ferner, geduldig jede Art von Schwäche und Krankheit sowie
die Qual des Todes ertragen zu wollen. Falls ich aber im Todeskampf
infolge heftiger Schmerzen oder der Spitzfindigkeiten Satans d.
Ungeduld oder der Versuchung erliegen sollte, wider Gott zu murren,
oder den katholischen Glauben fallen und ein schlechtes Beispiel geben
sollte, so flehe ich um Gottes Verzeihung und bitte Ihn, Er möge mich
nicht in dieser schlimmen Stunde verlassen.
Ich verzeihe alles Unrecht und jede Beleidigung, die mir irgendwer
zugefügt hat, und ich flehe Jesus an, diesem ebenfalls zu verzeihen.
Auch bitte ich, daß mir alle, die ich gekränkt habe oder denen von mir
Unrecht zugefügt wurde, vergeben.
Hier nun sage ich der göttlichen Majestät Dank für alle empfangenen
Wohltaten. Ich danke, daß Sie mich erschaffte , loskaufte und mich zum
wahren Glauben berief. Ich danke für die mir erwiesene Geduld, denn ich
hätte gerechterweise aus dem Leben genommen werden können, als ich von
Sünden beschmutzt war und sie nicht bereut hatte. Möge Gott für immer
für Seine unendliche Barmherzigkeit gelobt und gebenedeit sein!
Ich bitte dringend und ersehne ernstlich, es möge die glorreiche und
immerwährende Jungfrau Maria, die Mutter Gottes, die Zuflucht und der
Anwalt der Sünder, die ich vor allen anderen Heiligen ehre, die
Vollstreckerin dieses meines Letzten Willens sein. Und ich bitte sie
sowie meine sämtlichen heiligen Schutzpatrone, in der Stunde meines
Todes gegenwärtig zu sein, mich zu trösten sowie meinen süßen Jesus zu
bitten, Er möge meine Seele zu sich aufnehmen.
In aller Demut rufe ich meinen guten Engel an, mein Anwalt in der
furchtbaren Stunde des Gerichts zu sein, indem er bittet, daß - so wie
es ihm zu meinen Lebzeiten aufgegeben war, meine Seele in seinen Schutz
und seine Obhut zu nehmen - es ihm auch gewährt werden mag, mich zu
verteidigen und mich in die ewige Seligkeit zu führen.
Ich flehe bei der Liebe Christi alle meine teuren Freunde und
Verwandten an, mir durch ihre Gebete und guten Werke zu helfen,
besonders durch das hl. Opfer der Messe, die das wirksamste Mittel zur
Erlösung der Seelen aus den Peinen des Fegefeuers ist; denn wer vermag
zu sagen, wie lange er an diesem Orte wird verweilen müssen? Und wenn
ich erlöst sein werde, verspreche ich, nicht undankbar für eine so
große Wohltat zu sein.
Ich hinterlasse meine Seele, sobald sie aus dem Kerker des Leibes
befreit sein wird, zur Beerdigung im süßen und liebevollen Grabe der
von der Lanze geöffneten Seite Jesu Christi, damit sie dort für immer
verweilen und ruhen darf. Abschließend bekräftige ich, willig jede Art
von Tod, die Gott mir schicken wird, ergeben in Seinen Willen und als
Genugtuung für meine Sünden anzunehmen. Er sei gepriesen tausendmal. In
Seine allerheiligsten Hände empfehle ich meine Seele und meinen Leib,
mein Leben und meinen Tod. Jesus, Soh Davids, erbarme Dich meiner.
(Unterschrift:)
(Datum:)
|