DIE WAHRE RELIGION
- ANMERKUNGEN ZU LESERBRIEFEN IN DER "DT" -
von
H.H. Pfr. Werner Graus
Verfolgt man die Diskussion in Leserbriefen über die Religionen, etwa
von Jakobus Lüttmer ("Missionsbefehl", DT vom 12. Februar), so stellt
sich die Frage nach dem Verhältnis von Religion an sich zur
christlichen Religion.
Der heilige Thomas lehrt, daß die Tugend der "religio" zu den
sittlichen Tugenden gehört und eine Teiltugend der Gerechtigkeit ist,
nämlich Gott gegenüber. Jede Religion ist wahr, wenn sie in einer
Erkenntnisbeziehung zum persönlichen und freien Schöpfergott steht, dem
Erschaffer, Erhalter und Lenker all dessen, was ist und sein kann. Dazu
genügt, daß diese Erkenntnisbeziehung zu Gott irgendwie gewußt wird, so
daß sie hinreicht, auch das Tun normativ zu bestimmen. Das ist das
Fundament einer natürlichen Religion, die der Natur des Menschen folgt,
wenn sie eine wahre ist und sein will. Somit sind Pantheismus und
Polytheismus schon im natürlichen Sinn falsche Religionen.
Die christliche Religion setzt als Religion die natürliche im obigen
Sinn voraus. Nun aber stand die natürliche und wahre Religion nach dem
Sündenfall und wegen desselben in der ständigen Gefahr, sich in falsche
Religionen aufzulösen. Die christliche Religion hat aber von Anfang an
nicht bloß den Anspruch erhoben, eine wahre Religion zu sein - damit
hätte man niemanden aufgeregt -, sondern die absolute Religion und
damit die einzig wahre zu sein. Eine absolute ist die christliche
Religion, weil sie auf dem Fundament der natürlichen und wahren
Religion jede Beziehung zu einer falschen Religion im Namen der
menschlichen Natur verneint. Und die einzig wahre ist sie aus zwei
Gründen: Sie bezieht sich nicht bloß auf den einen Schöpfergott, weil
die Erkenntnis hier noch eine unvollkommene ist, sondern auf den
trinitarischen Gott. Und sie bindet sich an den, der der einzige Weg
und Mittler zum Vater ist, der die Wahrheit ist und damit auch der
Erlöser - denn nur die Wahrheit macht frei und erlöst von der Sünde.
Die christliche Religion hat somit zwei Wurzeln: die geistig bestimmte
menschliche Natur, deren Wesen sich nicht verändert, und die
übernatürliche, positive göttliche Offenbarung, die mit den Aposteln
abgeschlossen ist. Wer diese Einheit verwirrt, verdunkelt oder
zerstört, verfällt dem Fürsten dieser Welt und zerstört die Rückbindung
an den einen und dreipersönlichen Gott.
In seiner Enzyklika "Libertas praestantissimum" sagt Papst Leo XIII.,
daß die sogenannte Kultfreiheit (jeder ist frei, irgendeine beliebige
Religion oder überhaupt keine zu bekennen) gar sehr der Tugend der
"religio" widerspricht. Dann fährt er fort: "Fragt man aber, welcher
von den verschiedenen und einander widersprechenden Religionen wir zu
folgen haben, so weist uns ohne Zweifel schon unser natürlicher
Verstand zu jener einen hin, welche Gott angeordnet und welche seine
Vorsehung durch sichere äußere Merkmale ausgezeichnet hat, woran alle
Menschen sie leicht erkennen können; denn ein Irrtum in einer Frage von
solcher Bedeutung brächte die verhängnisvollsten Folgen mit sich."
Aus all dem folgt auch, daß etwa die jüdische und mohammedanische
Religion nicht wahre Religionen sein können, weil sie den
dreipersönlichen Gott ablehnen, wie er sich durch Jesus Christus
geoffenbar hat. Mohammed sagt ausdrücklich: "Gott hat keinen Sohn." Und
für die Juden gilt das Wort Gottes: "Wer den Sohn leugnet, hat auch den
Vater nicht", 1 Joh. 2,23. (aus: "DT", Nr.28 vom 7.3.1987)
** * **
ROSENKRASNZGEBET: JEWEILS DONNERSTAGS UM 19 UHR
|