56. Jahrgang Nr. 3 / Mai 2026
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Ausgabe Nr. 3 Monat Juli 1997
SIND DIE POST-KONZILIAREN WEIHERITEN GÜLTIG?- Fortsetzung


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1987
Über die christliche Taufe und das Tauf-Sakrament


Ausgabe Nr. 13 Monat April 2008
BIBLIOGRAFIA: VALIDEZ CUESTIONADA DE LOS NUEVOS RITOS POSTCONCILIARES


Über die christliche Taufe und das Tauf-Sakrament
 
Über die christliche Taufe und das Tauf-Sakrament
(Zur Erinnerung an eine alte Lehre der Kirche)

von
Prof. Dr. D. Wendland



 Vielleicht wird man es gar nicht für möglich halten, aber leider ist es so, daß ein bestimmter Typ von Katholiken, die sich gerne als Traditio-nalisten bezeichnen und mächtig stolz darauf sind, den Wald vor lauter Bäumen oder einen Baum vor lauter Gesträuch nicht mehr sehen. Ein solcher Baum, den man auch als einen im biblischen Sinne begreifen kann, aber ist die heilige Taufe - nicht jedoch die "Hierarchie" oder die "alte Messe" oder der so oft mißverstandene "katholische Glaube"-. Wenn man die Perspektiven verschiebt oder sogar auf den Kopf stellt, dann braucht sich doch niemand darüber zu wundern, daß nirgendwo ein Wie-deraufbau der Kirche im Sicht ist, sondern das reine Gegenteil festgestellt werden kann, nämlich eine Auflösung der Fundamente und der Substanz der christliche Religion. Dazu aber gehört nicht zuletzt auch ein weit verbreitetes Unwissen über das Wesen der christlichen Taufe und des Tauf-Sakramentes, was nicht dasselbe ist. Darauf wird sich unser Augenmerk richten. Dabei jedoch ist nichts schlimmer, verwirrender und verworrener, als nun sofort und ohne sich darüber klar zu sein, wovon man überhaupt redet, die Frage aufzuwerfen nach der "gültigen" Spendungen oder dem (bei Erwachsenen) "gültigen" Empfang dieses Sakramentes. (Dies trifft übrigens auch auf alle Sakramente zu.) Denn es werden oft Worte gebraucht, deren Be-griff man nicht kennt, ganz abgesehen davon, daß der Begriff der "Gültigkeit" (validitas), wie ihn die Dogmatik verwendet, ein Relations-Begriff ist. Darum klammern wir hier diese Problematik zunächst einmal aus, um die tradi-tionalistischen Priester und Laien nicht gleich zu überfordern. Außerdem hat es keinen Sinn, die Rechtsfragen nach der Erlaubtheit der "Spendung" der Taufe ins Spiel zu bringen, da es Häretikern, Apostaten und Schismatikern sowieso nicht erlaubt ist, dies zu tun auch wenn sie "gültig geweihte" Priester sind oder sein sollten. Im übrigen beruht dies oft auch nur auf einer vagen Vermutung, wie man leicht in Er-fahrung bringen kann.

Ohne die sakramentale heilige Taufe sind alle anderen Sakramente null und nichtig. Außerdem verlieren sie ihre Bedeutung, wenn der Wahrheits-Sinn der christlichen Taufe verlorengeht; sie werden, da sie in einer bestimmten Ordnung stehen, zu einem kultischen Ritual-theater (hypocrisis) umfunktioniert. Das hat niemand besser gewußt als der hl. Paulus, zumal er die Erfahrung machen mußte, daß es verrückte Leute gab, die unbedingt von ihm oder anderen getauft werden wollten. Deshalb schrieb er im heiligen Zorn an die "lieben Gläubigen" in Korinth: Christus habe ihn "nicht gesendet zu taufen", obwohl er auch dies getan hat, "sondern das Evangelium zu predigen" und dieses wiederum nicht "mit Wortweisheit" (d.h. mit hochtönerdem, salbungsvollem und weltbezogenem Frohbotschafts-Gerede), sondern, "damit das Kreuz Christi nicht entkräftet werde" (1 Kor 1,17). So war das schon damals. Doch heute ist es noch viel schlimmer. Denn da gibt es Leute, die wegen der Taufe nach einem "frommen Priester" suchen und wobei ein "Pa-ter" eines Ordens oder einer Genossenschaft immer schon einem "Weltgeistlichen" vorzuzie-hen war. Also überlege man es sich sehr genau, was es mit der heiligen Taufe auf sich hat, zumal sich sogar der hl. Petrus in eine äußerst prekäre Lage hineinmanövriert hatte (siehe den Fall Antiochien), die insbesondere von Klerikern immer sehr gerne mißverstanden oder herunter-gespielt wird. Meistenteils sind das auch Leute, die aus der Papstautorität einen Mythos gemacht haben und machen.

Zudem sollte beachtet werden, daß es unbekannt ist, wann genau der göttliche Menschensohn das Sakrament der Taufe eingesetzt hat; wahrscheinlich schon sehr lange vor seiner Auferstehung, wofür es zwingende Gründe gibt und wobei man wiederum unterscheiden muß zwi-schen der Vorbereitung einer Einsetzung, der Einsetzung selbst und dem Taufbefehl (Mt.28, 19), der die Einsetzung voraussetzt. Keine Ein-setzung eines Sakramentes geschieht plötzlich im Rahmen einer realen Heilsgeschichte; viel-mehr bedarf sie einer klugen und überlegten Vorbereitung durch den, der ein Sakrament ein-setzt, damit auch begriffen wird, was das be-deutet. Und so geschah es auch in Sachen "Tau-fe" und zudem noch in einer dramatischen Si-tuation, bei der es sich lohnt, sie etwas näher zu betrachten.

Der göttliche Menschensohn, den viele nur als den Jesus von Nazareth kannten, befand sich am Osterfest der Juden in Jerusalem und hatte bei dieser Gelegenheit die Händler und Geld-wechsler mit einem Strick, den er selbst wie eine Geißel zusammengebunden hatte, aus dem Tempel gejagt, den dieses Pack zu einer "Räu-berhöhle" gemacht hatten. Das war ein starkes Stück in einem "heiligen Bezirk" und eine un-geheuerliche Sache in den Augen der Pharisäer und der ganzen Priesterschaft ("Klerisei", könnte man heute sagen). Von einem sanften "Frohbotschaftsverkünder" oder einem milde blickenden "lieben Jesus" war da nichts zu sehen und zu hören. Im Gegenteil! Es fuhr bei diesem Skandal seinen Jüngern der Schrecken in die Knochen, und bei so manchen mit Zorn erfüllten Pharisäern wuchs der Haß auf diesen ihnen schon lange "verdächtigen Mann"- ausge-nommen bei einem von ihnen mit Namen Niko-demus, einem Ratsherrn, d. h. einem Mitglied des Hohen Rates (Joh 3, 1-13). Doch auch die-ser war nicht gerade einer der Mutigsten, son-dern hielt sich, wie man zu sagen pflegt, "vor-nehm im Hintergrund". Darum wartete er ab, bis es dunkel war und kam erst "bei Nacht zu ihm", d.h. er schlich sich heimlich zu ihm hin, was man sich in diesem Hexenkessel am Osterfest in Jerusalem recht gut vorstellen kann. Dann aber sprach er zu Jesus, dem Tempelreiniger, die merkwürdigen Worte: "Meister (Rabbi), wir wissen, daß du von Gott gekommen bist als Lehrer; denn niemand vermag diese Zeichen (=Wunder) zu tun, die du tust, wenn nicht Gott mit ihm ist." Man war also im Hohen Rat in-formiert über diesen Rabbi aus Nazareth, der gefährliche Lehren verkündete und gleichzeitig eindeutige Wunder wirkte, so daß gerade für Juden, die bekanntlich zur Wundersucht neigten, die ganze Sache noch gefährlicher erscheinen mußte. Nikodemus hingegen interessierte etwas ganz anderes. Denn er hatte als Pharisäer und Ratsherr das schwere Studium eines Schriftgelehrten durchgemacht und verstand dennoch nicht so recht, was dieser offensichtlich von Gott belehrte Rabbi, obwohl er kein "legi-timer öffentlicher Lehrer" war, unter dem von ihm verkündeten "Himmelreich" eigentlich meinte, welches "nahe ist" oder sein soll. Dieses Problem bewegte Nikodemus; darüber hatte er ehrlich nachgedacht, im Gegensatz zu seinen Amtskollegen, die nur "politisch" beunruhigt waren in Ansehung ihrer Machtpositionen. Denn auch das Himmelreich ist schließlich ein Reich, nicht jedoch ein frommer Gebetsverein oder ein religiöser Klub "e.V.", und also ein Herrschafts-Gebilde, das, wenn es nahe ist, doch schon im Werden begriffen sein muß. Was meinte dieser Rabbi? Etwa das von vielen er-wartete Messiasreich mit einem politischen "König der Juden", noch größer und gewaltiger als das davidische Königtum - oder vielleicht etwas ganz anderes? Wer derartige Wunder tut und so machtvoll im Tempel auftritt, muß doch genauer Auskunft geben können. Dies alles läßt sich doch nicht einfach wegdisputieren oder durch Verleumdung aus der Welt schaffen. Die-ser Rabbi, so dachte Nikodemus, muß, wenn er ein Prophet ist, klar sagen, "was Sache ist", an-statt nur zu verkünden, das Himmelreich sei na-he. Nikodemus war nicht so naiv wie der unge-bildete und wundersüchtige Nathanael, welcher, ohne sich zu überlegen, was er da redet, zu Jesus sagte (Joh. 1, 49) "Rabbi.... du bist der König von Israel", bloß weil ihm Christus etwas kund tat, was nur dieser Israelit wissen konnte und was dennoch kein Wunder war. Für Nikodemus hatten zwar Wunder ihre Bedeutung, aber ausschlaggebend für ihn war einzig die Wahrheit einer Lehre; auch lag ihm der Gedanke nicht fern: wenn ein Rabbi im Auftrag Gottes lehrt, dann könnte er ein von Gott gesandter Prophet sein. Außerdem war damals die religiöse Atmosphäre von Messiaserwartungen geschwängert. In dieser Situation fand es Christus für nötig, von der heiligen Taufe zu sprechen und ihre Notwendigkeit zu offenbaren.

Indessen: es endete für Nikodemus, einem "Oberen der Juden", sein nächtlicher Besuch mit einer Katastrophe, zumal ihm mehr und mehr bewußt wurde, daß sein theologischer Bildungs-stand gar nicht so bedeutend war und er bereites die Frage nach dem Himmelreich falsch gestellt hatte, obwohl er sich tatsächlich um ein Reich handelte, aber der Eintritt in dasselbe ihm und dem "auserwählten Volk" verschlossen war. Von daher versteht man die ironische Bemerkung Christi: "Du bist (von Amts wegen) der Lehrer Israels und verstehst das nicht?". Damit aber stehen wir inmitten der heutigen Zeit, die noch viel übler ist als die damalige. Denn das, was Nikodemus zunächst nicht verstand, ist auch nichts anderes als das, was heute viele ebenfalls nicht mehr verstehen, nämlich die unbedingte " 'Wiedergeburt' von oben her" und den sich erst dadurch ermöglichenden Eintritt in das "Reich Gottes" (in die berühmte "basileia tou Theou"). Sogar zweimal mußte Christus dem Nikodemus mit Nachdruck ins Gewissen reden und ihn mit höchster Autorität belehren: "Wahrlich, wahrlich, ich sage dir..."! - Solche und ähnliche Formulierungen bezeichnet man als Dogmata Christi, an denen es nichts zu rütteln und zu deuteln gibt. Das sind Marksteine für die Glaubens-Erkenntnis, die ja nicht durch Geschichtchenerzählen, fromme Sprüche oder "gläubige Bekenntnisse" fundiert werden kann.

Eine Wiedergeburt "von unten", d.h. von seiten der menschlichen Natur, ist schon aus philosophischen Erkenntnissen heraus ein Ding der Unmöglichkeit, da die Zeugung des Men-schen immer nur eine vollständige, in sich abge-schlossene, singuläre und unwiederholbare In-dividualperson zum Ziel hat und weil die menschliche Seele, die eine geistige (immateri-elle) ist, weder gezeugt noch erzeugt werden kann.  Der sog. Glauben an die Wiedergeburt, der sich in manchen primitiven Religionen fin-det, beruht auf einem jeder Moral zerstörenden Wunsch-denken und ist nichts anderes als ein Aberglaube mythologischen Ursprungs. Das hat Nikodemus, trotz seines etwas dummen Gere-des, sicherlich gewußt, so daß Christus auf sol-che Irrtümer erst gar nicht einging und ihm damit zu verstehen gab, daß es Pharisäern und Schriftgelehrten überhaupt nichts einbringt, wenn sie beabsichtigen, ihm, der sie alle durch-schaute, irgendwelche Fangfragen zu stellen. Darum das plötzliche und entschiedene "Wahr-lich, wahrlich!" und der Hinweis auf eine Wie-dergeburt ganz anderer Art, von der der Mensch bislang nichts gewußt hat und auch nichts wis-sen konnte und die durch den Menschen erst recht nicht möglich sein und werden kann. Denn diese ist nicht natürlichen, sondern absolut übernatürlichen Ursprungs und bewirkt ein übernatürliches Wiedergebore-werden, eine reale Neuschöpfung des Menschen in seiner geistigen Seele; dadurch wiederum empfängt und erhält er eine qualitative Disposition, die es ihm ermöglicht, einmal "das Reich Gottes zu schauen", ja überhaupt erst in dieses Reich "eintreten" zu können, was sonst schlechthin unmöglich ist. So etwas hören zu müssen, dürfte den Ratsherrn ziemlich betroffen gemacht haben. Wer ist heute noch betroffen in Ansehung ungetaufter Kinder und Jugendlicher oder von Taufen, deren Gültigkeit gar nicht mehr gewährleistet ist? Ohne dieses neue Geborenwerden "von oben her" bleibt der Mensch einge-bunden und verstrickt in seiner Wesens-Natur und ausgeliefert dem ererbten Verlust eines übernatürlichen Lebens, einem geistigen Seelen-Tode aufgrund der Ur- und Erbsünde seiner Stammeltern. Denn der natürliche Mensch zeugt immer nur den natürlichen Menschen und kann ihm immer nur geben, was er hat, nicht aber, was er nicht hat. Er tradiert eine des übernatürlichen Lebens verlustig gegangen "gefallene Natur" (natura lapsa) mit allen ihre Folgen, angefangen mit der Verdunkelung des Verstandes, so daß er Irrtümer nicht vermeiden kann, und der Erschlaffung des Willens, wodurch er ständig zum Bösen geneigt ist und in die Sünde fällt. Eine solche Kreatur aber ist weder geeignet noch fähig, des Reiches Gottes teilhaftig zu werden - eines Reiches, das zwar nicht von dieser Welt ist, wohl aber auf sie bezogen und in ihr ist und dessen König niemand anderer ist als der von den Toten auferstanden göttliche Men-schensohn. Nikodemus verstand den "Rabbi" hinsichtlich seiner Verheißung des Himmelrei-ches nicht, weil er nicht erkannte, wen er vor sich hatte und wer zu ihm sprach. Darum fühlt man sich heute geradezu in die damalige Situation zurückversetzt, als Christus sprach: "Wenn ich vom Irdischen (=den natürlichen Dingen in ihrer Verfallenheit) zu euch redete und ihr glaubt (dieses) nicht, wie werdet ihr glauben (= dies als wahr erfassen) wenn ich (erst) von Himmlischen zu euch spreche?"! (Joh. 3, 12)

Ohne ein Wissen um die notwendige Wieder- bzw. Neugeburt von oben und die Reich-Gottes-Wirklichkeit wird die christliche Taufe sinnleer und bedeutungslos, auch wenn bei ihrer Spen-dung ein rituelles Tauftheater aufgeführt und bestimmt Worte gebraucht werden. Manche glauben sogar, sie hätten getauft, ja sogar "ka-tholisch getauft", weil sie da etwas nach Vor-schrift "richtig gemacht" und sprachlich richtig "aufgesagt" haben. Diese Leute beachten nicht im geringsten das, was Christus dem Nikodemus mit harten Worten an den Kopf warf: "Wenn einer (gleichgültig ob Jude oder Heide) nicht geboren wird aus Wasser und Geist, (dann) kann er in das Reich Gottes nicht eintreten"; das ist schlechthin unmöglich. Es könnte in diesem Zusammenhang gut möglich sein, daß Nikodemus Bezug genommen hatte auf den Propheten Johannes, der bereits mit Wasser taufte und damit eine "heilige Handlung" voll-zog. War das etwa nichts oder nicht genug? Nun, das war zwar schon etwas, aber im Wesentlichen nichts. Denn er tat nur, was er tun konnte, ganz abgesehen davon, daß Christus von ihm sagte: "Unter den vom Weibe geborenen ist keiner größer als Johannes: aber der Kleinste im Gottesreich ist größer als er." (Lk 7, 28) Im übrigen muß Nikodemus in seiner amtlichen Stellung gewußt haben, daß die Taufe des bei den Pharisäern verhaßten Propheten Johannes mit dem Wasser des Jordans nur eine Bekehrungs-Taufe war zum Zwecke der Sünden-vergebung für die am Fleische Beschnittenen (den männlichen Mitgliedern des jüdischen Volkes). Doch genügte dies bereits, um die Pharisäer gegen ihn aufzubringen. Denn eine Be-kehrung - Gott bewahre uns vor diesem asketischen Propheten und seinen Jüngern! - hatten diese arroganten "Lehrer Israels" ja selbst nicht nötig, zumal doch immer nur "die anderen" sün-digen, nicht aber die "echten" Söhne Abrahams, obwohl es ihnen gar nichts ausgemacht hatte, das mosaische Gesetz zu verfälschen. Wie le-bensnahe und modern das doch klingt, wenn man solche Dinge auf die heutige Zeit im analogen Sinne richtig überträgt! Es dürfte sich im Zuge der Heils- bzw. Unheilsgeschichte nichts Wesentliches verändert haben. Indessen blieb die "Wassertaufe" des hl. Johannes zur Vergebung persönlicher Sünden wirkungslos ohne echte Bekehrung und strenge Buße und hatte auch, was von noch größerer Bedeutung ist, keinerlei positive Wirkung auf die Schuld und Strafe der Erbsünde (peccatum originale), d.h. sie hatte nicht die Kraft, diese Sünde zu tilgen, zu vernichten und auszulöschen. Das Reich Gottes blieb nach wie vor dem Menschen verschlossen. -NB: man kann es sich auch recht gut vorstellen, in welchen Konflikt der hl. Johannes der Täufer gekommen sein muß, als er von Jesus Christus, damit das Gesetz erfüllt werde, veranlaßt wurde. "Jesus zu taufen", obwohl und gerade weil er wußte, daß das "Lamm Gottes" absolut ohne jedwede Sünde war. Es ist gewiß kein Nachteil, die Hl. Schrift realistisch und vernunftbezogen zu lesen, anstatt in einer "gläubigen Gesinnung", die den Verstand verdunkelt und ohne Denken auszukommen glaubt. Im übrigen hat der Hl. Geist in seinem Wirken noch nie das vernunftgemäße Denken ersetzt, weder bei Laien noch bei Priestern noch bei Bischöfen. Nur naive Gläubige und Sektierer behaupten das Gegenteil.

Wenn man bedenkt, in welche Situation ein Pharisäer des Hohen Rates bei seinem "Meister, wir wissen..." (was nicht als Schmeichelei zu verstehen ist) geraten war, da könnte einen die-ser Nikodemus schon fast leid tun. Denn er kannte doch die Hl. Schrift und darum auch die Prophetie des großen Propheten Ezechiel: "Dann sprenge ich über euch reines Wasser, damit ihr gereinigt seid; von all euren Unreinheiten und von all euren Götzenscheusalen will ich euch säubern. Ich gebe euch dann ein neues Herz und lege neuen Geist in eure Brust, ich entferne das Herz aus Stein aus eurem Leib und lege ein Herz aus Fleisch hinein. Meinen Geist lege ich in eure Brust und will es bewirken, daß ihr nach meinen Satzungen wandelt, meine Rechtsame beobachtet und sie vollbringt" (36, 25-27). Das war klar und deutlich genug für je-den, der Verstand besaß, um zu erkennen, welches tödliche Übel in der menschlichen Seele begraben lag, das nur durch eine "Geisttaufe" aufgehoben und restlos beseitigt werden kann. Dazu aber ist ein Mensch gar nicht in der Lage und selbst dann dazu nicht fähig, wenn er ohne Sünde oder, wie Johannes der Täufer, ein Heili-ger und von Gott gesandter Prophet sein würde, der er ja gewesen war und bestätigt durch den göttlichen Menschensohn. Man kann nicht ausschließen, daß der immer kleinlauter gewordene Nikodemus langsam begriff, wovon Christus sprach und worüber er ihn belehrte, zumal er sich später bekehrt hatte. Er begann, kurz ge-sagt, folgendes zu verstehen, was für ihn, den Pharisäer, nicht so einfach gewesen ist: ein jeder muß, um überhaupt des Reiches Gottes teilhaf-tig und gerechtfertigt werden zu können, zuerst einmal aus reinem fließenden Wasser (ex aqua) und aus dem (gleichzeitigen) Wirken des heiligen Geistes Gottes (ex Spiritu sancto) wieder-geboren werden (renasci); doch neugeboren wird ein jeder, ob Jude oder Heide, nur durch Jesus Christus, den göttlichen Menschensohn. Letzteres scheint Christus dem Nikodemus noch nicht geoffenbart zu haben, zumal es diesem schon schwer genug gefallen sein dürfte, die Einsicht zu gewinnen, daß er und das "auser-wählte Volk" vom "regnum Dei" ausgeschlossen seien, und zwar nicht wegen der Sünden und Schandtaten, die man beging, sondern wegen einer ganz anderen Sache, vor der man in seinem Hochmut die Augen und Ohren verschlossen hatte. Von daher versteht man, warum der Apostel in die Belehrung Christi vom Himmlischen, dem Reiche Gottes, die Worte einschob: "Was wir wissen (nämlich von Christus selbst und was auch Nikodemus hätte wissen können), reden wir; und was wir gesehen haben, bezeugen wir; aber ihr (Juden) nehmt unser Zeugnis nicht an. (Joh 3, 11) Daran hat sich bis heute nichts geändert, abgesehen davon, daß dieses Wort seit geraumer Zeit auch auf Leute zutrifft, die sich als Christen und Katholiken bezeichnen, ja sogar als "Volk Gottes". Die Verwirrung ist komplett und wird noch vertieft durch die Häretiker und Apostaten der "röm. Konzilskirche". Denn diese wissen noch viel weniger als der Nikodemus, daß nämlich der von Christus geoffenbarte heilige Geist Gottes (Spiritus sanctus) kein anderer ist als der aus dem Vater und dem Logos-Sohne hervorgehende "Heilige Geist", der Spiritus Sanctus, den Johannes der Täufer in Gestalt einer Taube gesehen hat und der in der christlichen Taufe ein mit der Erbsünde belastetes Geschöpf Gottes wieder heilt und heilig macht und somit auch befähigt, in das Reich Gottes eintreten zu können. Wer nicht...., der kann nicht....; darüber ließ Christus den Nikodemus nicht im unklaren. Heilig aber macht der gerechte und barmherzige Gott sein in der Erbsünde verstricktes und sündiges Geschöpf nur durch eine unverdiente und unverdienbare (rechtliche) Begnadung in Verbindung mit einer Gnaden-Gabe, durch die er die menschliche Seele zu einem neuen, übernatürlichen Leben erweckt. Rechtfertigende Begnadigung und heilig-machende Mitteilung einer Gnade sind nicht trennbar und ein Eines, wenn der trinitarische Gott eine Teilnahme an seinem Leben gewährt. Die christliche Taufe ist ein notwendiges Mittel hierfür, und darum heißt sie auch heilige Taufe, nicht aber deswegen, weil dabei eine "heilige Handlung" vollzogen oder eine Zeremonie zele-briert wird. Sie ermöglicht sich aus dem trinita-rischen Gott und nur von ihm her, und sie wird wirklich nur durch das "Lamm Gottes, das hin-wegnimmt die Sünde der Welt" (Joh 1, 29). Da-durch aber wird auch der Weg beschritten zu ei-nem Eintritt in das Reich Gottes. Einen anderen Weg gibt es nicht. Darum ist die christliche Taufe zum Heil des Menschen schlechthin not-wendig (necesse est), nicht etwa bloß "nötig" (necessarie) oder nur "nützlich" und schon gar nicht in das Belieben irgendwelcher Leute ge-stellt, die in Wahrheit gar nicht wissen, was sie tun und dadurch nur ein sinnleere Handlung an einem Menschen vollziehen, d.h. eine Tauf-Mimikry aufführen. Darüber sollte sich niemand "fromme Glaubens" täuschen oder täuschen las-sen. Denn so einfach, wie sich das manche vor-stellen, liegen nun leider die Dinge nicht, nicht einmal bei der Taufe. Dafür sollte schon der Ni-kodemusbericht allen eine Warnung sein.

Nun aber ist das Sakrament der christlichen "Geisttaufe" (wie übrigen auch jedes andere Sakrament) ein instrumentales (werkzeughaftes) Gnaden-Mittel, das Vermittlung der Gabe der heiligmachenden übernatürlichen Gnade an eine natürliche Gegebenheit bindet und mit ihr fest verknüpft, die für jedermann "sichtbar", wahrnehmbar, sinnenhaft erfaßbar ist und sein muß. So hatte es Christus festgelegt und be-stimmt, als er vom reinen Wasser sprach. (NB: daß diesem Wasser gewöhnlich benediziertes Chrisma beigemischt wird, ist unwesentlich und nur ein frommer Brauch; viel wichtiger in einem Taufritus sind jedoch die Exorzismen, auf die wir aber bei unserer Thematik nicht einzugehen brauchen, obwohl sie für den Täufling und auch für die Eltern und Paten von großer Bedeutung sind.) Dieses Wasser wiederum muß fließendes bzw. zum Fließen gebrachtes Wasser sein, zur Erinnerung an die "Taufe Jesu" im Jordanfluß und damit eine symbolische Abwaschung zum Ausdruck kommt, und es muß unbedingt an den Kopf des Täuflings gebracht werden, denn das Haupt des Menschen ist der "Sitz" seines geisti-gen Erkennens und Wollens und vernunftbezogenen religiösen Glaubens. Darüber hatten sich schon die Kirchenväter Gedanken gemacht, doch waren sie sich im Hinblick auf das Wesen des Tauf-Sakramentes und seine konstitutiven Elemente nie ganz klar geworden, was freilich verständlich ist. Auch die tradierte Auffassung des hl. Augustinus, auf die man sich oft beruft, erscheint nur eindeutig und klar, ohne es wirk-lich zu sein. Denn es genügt nicht, kurzschlüssig zu sagen und dabei ein Problem zu übersehen: "Es tritt das Wort zum Element und es wird das Sakrament" (Accedit verbum ad elementum et fit sacramentum - cf. In Joan. Tract. 80, 3), weil in der Konstituierung eines instrumentalen Gnaden-Mittels nichts "hinzutritt".-Das zu gebrau-chende Wasser (materia) und das zu sprechende Wort (forma) sind keine getrennten Stücke, die wie selbständige Dinge zusammengebunden werden; sie sind nicht das, was ein Gnaden-mittel zu dem macht, was sie ist, sondern das, wodurch es zu einem solchen werden kann und wird, wenn es von seiner ihm vorgegebenen Ur-Sache her und auf sie hin - sachadäquat, sach-richtig und sachgerecht - konstitutiv "conficiert" wird. Dazu aber ist zuzüglich der materia und forma noch eine Intentio erforderlich, die objektiv eine "recta" ist und sein muß. Wir werden in einem anderen Zusammenhang auf diese Begriffe, bei denen es sich um genuin philosophische handelt, noch zurückkommen und näher eingehen, damit man nicht aus dem Spender (collator) eines Sakramentes, der ge-wöhnlich ein Priester ist, einen Hexenmeister und aus einem Sakrament ein "magisches Mittel" macht und das Ganze dann "opus operatum" nennt. Auch die dogmatische Forderung, bei der Spendung eines Sakramentes "zu tun, was die Kirche tut", wird ohne nähere Bestimmungen sinnleer und verliert ohne innere Logizität ihren Bedeutungswert. Das beweisen schon die realen Folgen, die sich aus einer unbegriffenen Sache ergeben haben und offenkundig sind. Schon das Verhältnis von Materie und Form im Wesen ei-ner sakramentalen Sache ist bei keinem Sakra-ment das gleiche. -Ein Sakrament wird nicht konsekriert, sondern konstitutiv konfiziert, wo-durch es zu einem Gnaden-Mittel erhoben und ein solches wird. Konsekriert (geheiligt) wird nur ein vermittelndes instrumentales "materielles Zeichen", damit aus einer von Christus (nicht etwa von der Kirche) eingesetzten und festgelegten "res sacra" die Gnaden-Gabe einer "res sancta" wird. Christus selbst hat nie das Sa-krament der Taufe "gespendet", wohl aber die "Geisttaufe" vollzogen, und zwar auf eine Wei-se, die nur Ihm möglich war, weil nur Er dazu die Macht besaß, nämlich durch Sein heiliges und heiligendes Wort allein, wie es z.B. gesche-hen ist, als Er, selbst am Kreuze aufgehängt, zu dem reuigen Verbrecher sprach: "Wahrlich, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Para-diese sein" (Lk 23, 43). Nicht die Kirche tauft, sondern Christus ist derjenige, welcher tauft. Darum heißt es im Taufritus auf die Frage, was begehrst du von der Ecclesia Dei, nicht: die Taufe, sondern: den Glauben (fidem). Ein Ritus, der von alledem nichts mehr weiß, ist das reinste Affentheater, das unter der Regie desjenigen Geistes steht, den die alte Kirche als den "Affen Gottes" bezeichnet hat und der natürlich auch seine Affenherde weidet und zu vermehren trachtet. Außerdem sollte man beachten, daß es Riten gibt, die ein christliches Vokabular benut-zen, das aber nichts mehr mit den Begriffen christlich-katholischer Theologie zu tun hat, an-gefangen mit dem Begriff des Glaubens.

Die erste Wirkung der Wieder- und Neuge-burt "von oben" (ex hydatos kai pneumatos, wie es im Griechischen heißt) aber ist das Gegen-wärtigwerden des trinitarischen Gottes durch ei-ne rechtfertigende und heilig-machende Gnade bei gleichzeitiger Tilgung der Schuld und Strafe der Erbsünde und aller bis dahin begangener persönlicher Sünden bei denen, die des Vernunftgebrauches fähig geworden sind, wodurch die menschliche Seele zu einem übernatürlichen Leben bereitet wird und erwacht. Dies alles aber hat uns der göttliche Menschensohn durch sein frei gewolltes blutiges Leiden bis zum Tode am Kreuze aus Gerechtigkeit und Liebe verdient und erkauft. Darum wird, wie der hl. Paulus sagt, durch die christliche Taufe der zu Taufende "in die Ähnlichkeit" des Todes Jesu Christi versenkt. Und nur derjenige, welcher auf diese Weise gestorben und mitgestorben ist, "der ist losgesprochen von der Bindung an die (Ur- und Erb-) Sünde" und wirklich "gerechtfertigt" (Röm 6, 3-7). Auch dies bewirkt "das Bad des Wassers im Worte des Lebens" (Eph 5, 26), denn nur der göttliche Menschensohn "ist das Leben", wie Er selbst geoffenbart hat. Deshalb gereicht denen, "die in Christus Jesus sind" und die heilig-machende Gnade bewahren, "nichts mehr zur Verdammnis", "denn es hat das Gesetz des Geistes in Christus Jesus (und durch Ihn) dich vom Gesetz der Sünde und des Todes befreit" (Röm 8, 1-2). Durch das Gnaden-Mittel der heiligen Taufe wird die menschliche Seele von allem gereinigt, was verdammenswert und dem Schöpfer-Gott ein Greuel ist. In den so Wieder- und Neugeborenen bleibt, wie das Konzil von Trient lehrt, nichts übrig, was Gott hassen könnte und haßt (nihil odit Deus), so daß auch nichts mehr da ist, was sie prinzipiell daran hindern könnte, des Reiches Gottes teilhaftig zu werden (nihil prorsus eos ab ingressu coeli remoretur). Doch darf man bei alledem niemals vergessen, WER die heilige Taufe als ein Gnaden-Mittel eingesetzt hat und daß es sich hierbei um einen objektiven, komplexen und kausalen Sachverhalt handelt, an den ein solches Gnaden-Werkzeug sakramental gebunden ist. Es ist leicht, sich als "Verwalter der Sakramente" auf-zuspielen und zu sagen: Ego te baptizo..., wenn man nicht mehr weiß oder nicht wissen will, was man tut. Darum macht man ja auch Kreuz-zeichen, ohne zu bedenken, was das Zeichen des Kreuzes ist.

Die Hl. Schrift und die apostolische Überlie-ferung setzen bei der heiligen Taufe auf beson-dere Weise den Glauben voraus - aber nicht den sog. "katholischen Glauben", von dem man heute ständig redet, sondern die "vera fides", die in der "fides divina" wurzelt. Darum hatte schon der hl. Augustinus die "Geisttaufe" mit Recht als das "sacramentum fidei" bezeichnet, eingedenk der Tatsache, daß niemand, auch kein Papst, "einen anderen Grund legen kann als den, der gelegt ist: das ist Jesus Christus" (1 Kor 3,11), der göttliche Menschensohn. Er allein nämlich ist es, der tauft, indem er die Wieder- und Neugeburt der menschlichen Seele vollzieht, nicht jedoch irgendein "Diener der Kirche", auch wenn die Sakramente Gnadenmittel der Kirche sind. Es hat immer schon genügend Leute gegeben, die tun, was Er nicht will und wozu Er sich auch gar nicht hergibt. Niemand kann Gott zu etwas zwingen, auch nicht zur Gewährung der Taufgnade, die heilig macht. Eine rituelle Handlung ist nicht schon deswegen eine "heilige" oder ein "sakramentales Tun", weil sie eine rituelle ist, oder wenn dabei in Wahrheit gar nichts con-fiziert wird. Man kann sich nur noch wundern über solche Selbsttäuschungen, die allerdings in ihren Ursachen leicht erkennbar sind. Die heilige Taufe ist das Sakrament des Glaubens, weil nur durch den trinitarischen Offenbarungsglauben die Heilsnotwendigkeit dieses Gnaden-Mittels erkannt und eingesehen werden kann. Darum heißt es: "Wer glaubt und sich taufen läßt, wird gerettet werden; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden" (Mk 16, 16). Also: "Was zögerst du? Steh auf, laß dich taufen und deine Sünden abwaschen, nachdem du seinen Namen angerufen hast" (Apg 22,16)! Das gilt heute auch für diejenigen, die in dem Irrglauben leben, von den Religionsdienern der "röm. Konzilskirche" die christliche Taufe empfangen zu haben.

Nur durch das von Christus eingesetzte Sa-krament der heiligen Taufe ist es möglich, ein Glied am Corpus Jesu Christi mysticum zu wer-den. Daraus aber folgt nicht, daß man dadurch bereits endgültig gerechtfertigt wäre und ein le-bendiges Glied bleiben müsse. Vielmehr wird man vor allem durch die Todsünden der Häresie und des Abfalls vom wahren Glauben ein totes Glied der Kirche des göttlichen Menschensoh-nes. Daran ändert der durch das Sakrament der Taufe der menschlichen Seele eingeprägte metaphysische "character indelebilis" nichts. Im Gegenteil! Er wird zu einem unauslöschlichen Zeichen des Verrates und der "aversio a Deo", schlimmer noch als es das Kainszeichen jemals gewesen ist. Nicht einmal in der Hölle ver-schwindet ein solcher Charakter, eben weil er unzerstörbar ist. Und in dieser Unzerstörbarkeit eines durch die göttliche Gnade Jesu Christi er-wirkten Charakters (Prägemekmals) liegt auch der Grund, daß und warum die heilige Taufe unwiederholbar ist. Der einmal Getaufte bleibt ontologisch das, was er ist -und dies dann in be-sonderer Weise entweder zu seinem persönli-chen Heil oder Unheil. Darum ist es auch ein sehr großer Unterschied, ob ein Heide oder Jude stirbt oder ein Christ mit einem Taufsiegel, das sein Heilig-sein zu besiegeln bestimmt war. Es entspricht auch nicht der Wahrheit, wenn be-hauptet wird, es müsse doch derjenige, welcher irgendeinen christlichen Glauben "bekennt" oder irgendein Credo "anerkennt", dadurch schon ein "wahrer Christ" sein. Wer sich in solchen Phantasmagorien bewegt, der hat noch nie in seinem Leben die Besorgnis des hl. Paulus verstanden, als er schon damals mit Nachdruck gefordert hatte: „ein (einziger) Herr, ein (wahrer) Glaube, eine (heilig-machende) Taufe" (Eph 4, 5). Damit ist das Fundament der christlichen Religion programmatisch bezeichnet, so daß sich, wenn es fehlt, alles andere in blauen Dunst auflöst. Dieser Auflösungsprozeß war schon lange vor dem Vatikanum 2 in vollen Gange, und nur ungebildete Leute oder Scharlatane mit "römischer Collarium" (Halskragen) haben das Märchen von einer unversehrten und intakten "röm.-kath. Kirche" verbreitet. Heute jedoch ist es den alten und altbekannten "Priestern und Gläubigen" (schon diese Formulierung beinhaltet eine Häresie) in einem erschreckenden Ausmaß völlig gleichgültig geworden: 1. was man glaubt, wenn man nur glaubt und ohne überhaupt daran zu denken, was das ist: der zum Heil notwendige wahre Glaube; 2. ob ein Mensch, der eine von Gott erschaffene unsterbliche geistige Seele besitzt, wirklich getauft ist oder nicht - wenn da nur ein dekorierter Kultdiener auftritt und ein rituelles Initations-Theater aufführt zur Freude der "Gemeinde" wegen ihres neuen Mitgliedes (auch wenn es noch keine Kirchensteuer bezahlt); und 3. ob das einzige HAUPT und der alleinige HERR Seiner Kirche der göttliche Menschensohn ist oder nicht, dem alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden. Man hat in der Tat den "Eckstein" verworfen und aus dem "Haus Gottes" eine Räuberhöhle gemacht und die "Arche des Neuen Bundes" verlassen. Nicht bloß in dem Religions-Gebilde der "röm. Konzilskirche", sondern auch außerhalb desselben weiß man generell nicht mehr von dem Verhältnis, das zwischen der christlichen Offenbarungsreligion und der "una et apostolica Ecclesia" besteht. Das alles ist in einer großen Verwirrung und tiefgehenden Verdunkelung der Geister aus dem religiösen Gedächnis verschwunden und wobei ein Systematik offenkundig wird, die von einem Geist gelenkt ist, der nicht der heilige Geist Gottes, und schon gar nicht der lebensspendende Spiritus Sanctus, der gesendete "Geist der Wahrheit", ist und sein kann. Denn dieser lehrt, vertieft und bringt Licht nur in das, was der göttliche Menschensohn gelehrt hat -das "wahre Licht" das "in die Welt kam" und "jeden Menschen er-leuchtet" (Joh 1,9) und was uns Seine von Ihm belehrten Apostel als das "depositum fidei" für Seine Kirche hinterlassen haben.

Heute gibt es schon seit geraumer Zeit Bischöfe, die keine Bischöfe sind, und Priester, die sich als "katholische Bischöfe" ausgeben, die herumreisen und Kinder bzw. irrgläubigen Jugendlichen die "heilige Firmung spenden", obwohl diese armen Menschen in Wirklichkeit gar nicht getauft sind. Woran liegt es denn, daß man nicht erkennt, daß und wie um uns herum in der herrlichen BRD und den angrenzenden Staaten (nicht etwa bloß in Honolulu oder in den Dschungeln Südamerikas etc.) eine "katholische" Generation waschechter Heiden heranwächst? Die Auswirkungen davon sind bereits offenkundig und überall mit Händen greifbar. Denn es fehlt ja für das reale Christ-sein die durch das Sakrament der heiligen Taufe "von oben her" bewirkte qualitative Disposition der menschlichen Seele. Warum wird nicht mehr in der Glaubens-Erkenntnis vernunftgemäß erfaßt, was Christus dem Nikodemus mit harten Wor-ten und in aller Entschiedenheit geoffenbart hat? Ohne die "Geisttaufe" kein Eintritt und keine Aufnahme in das Reich Gottes, des Vaters und der Sohnes und des Heiligen Geistes! Vor dem engen Zugang zu diesem Reich, in dem sich (auch) die "Ecclesia militans et in via" bewegt, aber stehen Engel mit flammenden Schwertern, und zwar dieselben Kerubim, die einstmals das Paradies verschlossen hielten... bis Er kam, der göttliche Menschensohn, um zu retten, was verloren war, und schließlich seinen Aposteln befahl: gehet hin und lehret und taufet und machet.... Dann aber entschwand Er, indem er sie segnete, langsam ihren Blicken. Diese Auser-wählten jedoch fielen, wie dies auch erforderlich war, "anbetend vor ihm nieder und kehrten mit großer Freude nach Jerusalem zurück" (Lk 24,52), in eine Stadt der Finsternis, wo sie nichts Gutes erwartete. Warum also diese Freude? Nun, weil ihr Herr und König ihnen einiges Versprochen hatte und zuerst, daß er dennoch bei Ihnen und ihnen ganz nahe sein werde "alle Tage bis ans Ende der Welt(zeiten)" (Mt 28, 18-20), d.h. aber auch bei allen, die an Ihn glauben und glauben werden und anbetend vor Ihm nie-derfallen. Wer tut das heute, privat und öffentlich?

Es gibt Traditionalisten, sehr fromme sogar, die, wenn sie einmal nicht von der "christlichen Liebe" oder der "alten Messe" sprechen oder von neuen "Botschaften Mariens" abgelenkt werden, wie ihnen dies auch der Gottesmutter "geweihte" "marianische Priester" suggerieren, von einen Wiederaufbau der Kirche reden und nach einem Bischof suchen, der die ganze Sache ankurbeln möge oder solle oder müsse. Meine Freunde und ich sind sich noch nicht sicher, ob man darüber lachen oder weinen soll. Denn ein solcher Wiederaufbau ist unmöglich ohne das paulinische Fundament der christlichen Religion in einer in ein Neuheidentum zurücksinkenden Welt und Umwelt und ohne die Basis der heils-notwendigen christlichen Taufe und der Sicher-stellung ihres Sakramentes, das ein instrumen-tales Gnaden-Mittel ist. Dieses aber ist weder in seinem Wesen noch in seinem Vollzug vom sakramentalen Priestertum abhängig, weder in-nerlich noch äußerlich. (NB: protestantische "Geistliche" sind nicht einmal Laien im strengen Sinne, denn der Protestantismus ist und hat kei-ne Kirche, da ihm jegliche Apostolizität und Einheit fehlt; er ist nur eine Großsekte und hat nur "Denominationen".)

Bevor Christus mit dem Ratsherrn Nikode-mus über eine Taufe sprach, die wirklich heilig macht, säuberte er den Tempel, real und meta-phorisch. Und dabei sprach er das tiefsinnige Wort: "macht das Haus meines Vaters nicht zu einem Kaufhaus!" (Joh 2, 16) für große und kleine Geschäfte oder sonstige Betrügerein. Also fange man an, die heutigen Tempel und Gebetshäuser von ihrem Unrat zu säubern. Aber es werden sich wohl kaum Traditionalistengruppen "e.V." finden, welche sich zu Räumkommandos formieren, um z.B. die NOM-Tische umzustoßen oder die ausgelegten Schriften in die Mülltonne zu werfen, abgesehen davon, daß man diese Chance schon lange verpaßt hat. Andererseits jedoch wird niemand daran gehindert, auf eine andere Weise mit einem großen Hausputz anzufangen. Ein solcher aber beginnt in der Glaubens-Erkenntnis und im Denken. "Wißt ihr nicht" so fragte der hl. Paulus die berüchtigten Korinther, die ihm das Leben schwer machten, "daß ihr ein Tempel Gottes seid (durch Jesus Christus) und der Geist Gottes in euch wohnt?" (1 Kor 3,16)! Seid ihr in eurem frommen Getue schon so stupide geworden, daß ihr bereits vergessen habt, einmal die heilig machende Taufe und das Siegel Christi empfangen zu haben? Es gibt gewiß noch Katholiken, die - vielleicht - "ex aqua et Spiritu Sancto" getauft worden sind. Wir sagen wohlüberlegt "vielleicht". Denn viele haben dies als selbstverständlich einfach vor-ausgesetzt, indessen in ihrem späteren Leben niemals auch nur einen einzigen Gedanken an dieses Problem "verschwendet". Wir wissen, was schon früher, vor dem Vatikanum 2, so manche Pfarrer gemacht und "praktiziert" haben. Man muß schon sehr naiv und realitätsblind sein, um annehmen zu können, daß es nach diesem häretischen und apostatischen "Sacrosanctum Concilium", auf dem der Geist Satans wehte, besser geworden sei. Der Satz "ubi Episcopi ibi Ecclesia" hatte sich sogar "sichtbar" als unwahr bewiesen. Wer hat heute noch die Stirn, dies zu leugnen?

 
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