DIE NEUE 'MESSE' IMPLIZIERT EINE NEUE 'KIRCHE'
von
Rev. Fr. Oswald Baker
übers. von Eugen Golla
Als der Führer der Konzils-'Kirche', Montini, bekannt als Paul VI.,
1978 starb, war einer der Kandidaten, die seine Nachfolge antreten
sollten, Benelli, 'Erzbischof1 von Florenz. Man gab ihm Platz vier
unter den besonderen Favoriten und wettete 4:1 für ihn. Erst fünfzig,
war er mit Paul VI. sehr eng verbunden und beteiligt an jeder wichtigen
Entscheidung, die seit dem Vatikanum 2 gefallen war. Man hielt ihn für
flexibel, kräftig und für einen klaren Kopf. 1977 traf 'Kard.' Benelli
mit dem Präsidenten der internationalen Föderation Una Voce (einer
traditionalistischen Gruppierung, die mit der Una Voce - Gruppe Maria
nichts zu tun hat? Anm.d.Red.), die sich vorgeblich für die
Wiederherstellung der wahren Messe einsetzt, zusammen. Als de
Saventhem, der es eigentlich hätte besser wissen müssen, vorschlug,
sowohl die neue 'Messe' als auch die alte hl. Messe sollten genehmigt
werden - Parität der Riten (bzw. 'Riten')-, erwiderte Benelli, daß dies
unmöglich, ja sogar undenkbar sei, weil - wie er es bezeichnete - dies
zwei Kirchen bedeuten würde. Der Präsident war (angeblich!) überrascht,
was er nicht hätte sein sollen. 'Kard.' Benelli hatte recht.
Katholiken, welche die alte Messe beibehalten wollen, und solche, die
die neue 'Messe' akzeptieren, haben verschiedene Auffassungen von der
Kirche. Sämtliche theologisch informierten Katholiken, die sowohl den
Ritus der hl. Messe als auch den des sog. 'N.O.M.' kennen, werden
Benellis Auffassung zustimmen. Die neue 'Messe' steht für eine von der
katholischen Kirche verschiedene 'Kirche'. Die wahre Messe gehört zum
Wesen der authentischen unwandelbaren kath. Kirche.
Die Änderungen, welche die neue 'Messe' hervorbrachte, waren - wir sind
uns dessen wohl bewußt - im wesentlichen dieselben, wie die zur Zeit
der Reformation von den Abtrünnigen eingeführten, welche den
Katholizismus verließen und an die Stelle des Meßopfers das setzten,
was sie Herrenmahl nannten, welches in der Volkssprache gefeiert wurde,
wobei der Religionsdiener zum Volke gewandt war und an Stelle des
Altars einen Tisch benutzte, die Handkommunion reichte usw. Die
damalige Zerstörung der Messe bedeutete zugleich die Zerstörung der
wahren Religion, der Ehrfurcht und der Moral. Man betrachte nur die
schrecklichen Folgen. Messe und Priestertum sind unzertrennlich
miteinander verbunden. Die Feier des Opfers ist der eigentliche Zweck
des Priestertums. Indem Luther die Lehre von der Messe verwarf,
erklärte er in eins, daß es keinen wesentlichen Unterschied zwischen
Priester und Laien gäbe, keinen Grund, weshalb z.B. Priester nicht
heiraten sollten. Also heiratete er, er ein Mönch, der das Gelübde der
Ehelosigkeit abgelegt hatte. Und unter seinem Einfluß heirateten
tausende von Priestern und Nonnen. (Erasmus von Rotterdam bemerkte
einmal sarkastisch, daß scheinbar das Hauptziel der Reformation die
Verwandlung von Nonnen und Priestern in Bräute und Ehemänner sei.) Man
beachte, was sich in unseren Tagen abspielt, nachdem die hl. Messe
untersagt worden war: die Priester legen ihre Soutane ab und zu
tausenden wollen sie heiraten (gegenwärtig, d.i. im Herbst 1985, liegen
in Rom über 58oo Gesuche von Priestern vor, die auf ihr Amt resignieren
und auf eine Dispens zur Heirat warten); die Laien üben priesterliche
Funktionen aus, die Ehrfurcht wird verspottet. All dies soll beweisen,
daß es in der Tat auf die hl. Messe ankommt.
Vatikanum 2 führte durch seine Anweisung, die Messe 'zeitgemäß' zu
gestalten, zugleich einen neuen Begriff von der Kirche ein. Die
Darstellung in der Originalfassung der Dogmatischen Konstitution über
die Kirche, daß nämlich die Kirche Christi die "katholische Kirche"
ist, wurde durch das Konzil geändert in "verwirklicht in der
katholischen Kirche", was die Interpretation erlaubt, die Kirche
Christi umfasse auch andere Gemeinschaften außer der katholischen
Kirche. Das Vatikanum 2 hob alles hervor, was Katholiken und
Nicht-Katholiken sowie Christen und Nicht-Christen eint, bis zu dem
Punkt, der alle Unterschiede verdunkelt. Es betonte, daß alle Völker
der Erde, alle Religionen, irgendwelche, eine Gemeinschaft bilden
würden. Der Ausschluß durch Exkommunikation sei nicht mehr zeitgemäß.
Dem entsprechend wurden in der Kirche bzw. 'Kirche' keine disziplinären
Maßnahmen gegenüber jenen Geistlichen ergriffen, welche Häresien
lehrten oder die Immoralität vertraten. Gegenüber der großen Schar von
Bischöfen, die öffentlich hinsichtlich dei Erklärung des göttlichen
Gesetzes widersprachen, gab es durch Paul VI. keine Verweise - eine
Unterlassung, die die Auffassung rechtfertigt, die Erklärung sei nur
ein Propagandatrick gewesen. Das Bedürfnis, in sog. brüderlicher
Verbundenheit zusammen zu stehen, verdrängte die Notwendigkeit, die
Moral und die wahre Lehre zu vertreten. Mit einem Wort: dieses
tolerante und entgegenkommende Verhalten der neuen 'Konzilskirche'
wurde allgemein. Alle und jeder wurden in Rom empfangen und herzlich
willkommen geheißen, einschließlich Gromyko, der mit einer Medaille
dekoriert wurde, sowie Kadar vom kommunistischen Ungarn, Idi Amin, der
Schlächter, also alles Feinde Gottes und Seiner Kirche: Kommunisten,
Moslems, Pfingstler, Atheisten, kurz jedermann, mit einer einzigen
Ausnahme, wurden im konziliaren Rom bewillkommnet. Diese Ausnahme galt
für jene Katholiken, welche am überlieferten katholischen Glauben ohne
Abstriche festhielten.
Gemeinschaft soll ohne Zweifel ermutigt werden, aber nicht auf Kosten
von Gottes Wahrheit, Gottes Gesetzen, Gottes Kirche. Die Absicht war,
Katholiken und Nicht-Katholiken zu vereinheiten. Infolgedessen kam es
bei den Nicht-Katholiken zu keinen Konversionen mehr und unzählige
Katholiken wurden verführt, weil die Kirche für die Erreichung der
Einheit eine Methode anwandte, die von Paul VI. als
"Selbstzerstörung"bejammert wurde (am 8.12.1968). Eine weltweite,
willkürlich harmonisierte Gemeinschaft ist eine gefährliche
Angelegenheit. Chesterton schrieb einmal: "Wenn die Christenheit eine
Übereinkunft mit der Welt schließt, wird dies das Ende der Christenheit
bedeuten." Unser Herr gebrauchte den Ausdruck"diese Welt", um die
sündhafte Menschheit zu bezeichnen. Der hl. Paulus warnte: "Wundert
euch nicht, wenn euch die Welt haßt, geht nicht mit ihr einig, sondern
wandelt euch um."
Sicher ist es die Aufgabe der Kirche, die bemitleidenswerte Menschheit
aufzurichten, d.h. sie dem Himmel zuzuführen - und nicht bei der
Erhöhung des Lebensstandartes zu helfen ("Befreiungstheologie"). Es ist
eine wertvolle Hilfe, diese Welt - auch vom Materiellen her gesehen -
"zu einem besseren Ort zum Leben" zu machen, aber dies ist nicht die
Aufgabe der Kirche, sondern der Politik, ein Gebietes, in welches die
sog. 'Konzilskirche' katastrophal und skandalös eindrang. Die neue
'Kirche' erweckt den Eindruck, die Existenz der Hölle zu leugnen und
den Himmel zu vergessen. Die Suche nach dem Himmel wurde ersetzt durche
die ausschließliche Beschäftigung mit dem irdischen Wohlbefinden. Die
'Konzilskirche' verzichtete auf die Aufgabe, die Menschheit dem Himmel
zuzuführen, indem sie stattdessen die Gleichsetzung mit den anderen
Religionen anstrebte, um gemäß den Worten Pauls VI. "mit der
Gesellschaft für das Allgemeinwohl zusammenzuarbeiten". Unser Herr
stiftete Seine Kirche nicht für weltliche Zwecke. Der Kern der
Botschaft der wahren Kirche für diese Welt ist der, daß wir für den
Himmel geschaffen sind und daß wir hier auf Erden "keine bleibende
Stätte haben". Dieses Evangelium von göttlicher Autorität wird
Wiederaufleben, wenn die von Gott eingesetzte hl. Messe
wiederhergestellt sein wird.
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