56. Jahrgang Nr. 3 / Mai 2026
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Ausgabe Nr. 11 Monat Dezember 2004
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 1 Monat Januar 2005
SPENDENAUFRUF


Ausgabe Nr. 4 Monat April 2004
Offener Brief an H.H. Bischof M. Pivaruns


Ausgabe Nr. 4 Monat April 2004
Ad multos annos - Herrn Prof. Dr. D. Wendland zu seinem 80. Geburtstag


Ausgabe Nr. 5 Monat Juni 2004
Eberhard Heller: Besuch aus Mexiko


Ausgabe Nr. 8 Monat Oktober 2004
Open Letter to most Reverend Bishop M. Pivarunas


Ausgabe Nr. 8 Monat Oktober 2004
ROTHKRANZ Y LAS INVESTIGACIONES...


Ausgabe Nr. 10 Monat Dezember 2004
Sobre Monseñor Thuc y Monseñor Carmona


Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2005
NACHRICHTEN, NACHRICHTEN, NACHRICHTEN ...


Ausgabe Nr. 1 Monat Februar 2003
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 1 Monat Februar 2003
Offener Brief an H.H. Prof. Dr. August Groß


Ausgabe Nr. 2 Monat März 2003
Wer in der modernen Welt


Ausgabe Nr. 3 Monat April 2003
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 4 Monat April 2003
The Roman Catholic Diaspora Church


Ausgabe Nr. 5 Monat Juni 2003
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 6 Monat Juli 2003
Zitate: Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 6 Monat Juli 2003
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 7 Monat September 2003
Rothkranz in Untiefen


Ausgabe Nr. 8 Monat October 2003
L’Eglise Catholique-Romaine de la diaspora


Ausgabe Nr. 11 Monat December 2003
De Monseñor Pierre Martin Ngô-dinh-Thuc


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2002
Buchbesprechung


Ausgabe Nr. 2 Monat Mars 2002
ES MONSEÑOR LEFEBVRE UN OBISPO ORDENADO VALIDAMENTE


Ausgabe Nr. 3 Monat Mai 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 4 Monat Juli 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 5 Monat September 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 6 Monat November 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 6 Monat November 2002
Pfarrer Carl Sonnenschein


Ausgabe Nr. 6 Monat November 2002
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2002
Satanische Tendenzen in der Rock Musik


Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2002
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 8 Monat December 2002
Is Mgr. Lefebvre a validly consecrated bishop?


Ausgabe Nr. 7 Monat Diciembre 2001
LA IGLESIA CATOLICO-ROMANA EN LA DIASPORA


Ausgabe Nr. 1 Monat April 2001
Papsttum als eines Wesens-Elementes der Kirche


Ausgabe Nr. 6 Monat Dezember 2001
Über das Papsttum der römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 6 Monat Dezember 2001
DIE SCHÖPFUNG - EIN GÖTTLICHER PLAN - Buchbesprechung


Ausgabe Nr. 8 Monat Januar 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 1 Monat April 2000
Kurze Antwort auf eine Anfrage zum Sedisvakanzproblem


Ausgabe Nr. 4 Monat Nov.-Doppel-Nr.4/5 2000
DIE RÖMISCH-KATHOLISCHE DIASPORA-KIRCHE


Ausgabe Nr. 4 Monat Nov.-Doppel-Nr.4/5 2000
WAR MGR. LEFEBVRE EIN GÜLTIG GEWEIHTER BISCHOF?


Ausgabe Nr. 6 Monat Februar 2000
Zum Problem des innerkirchlichen Klerikalismus


Ausgabe Nr. 6 Monat Februar 1999
IN MEMORIAM FRAU ELSE KETTERER


Ausgabe Nr. 3 Monat Juli 1997
SIND DIE POST-KONZILIAREN WEIHERITEN GÜLTIG?


Ausgabe Nr. 3 Monat Juli 1997
SIND DIE POST-KONZILIAREN WEIHERITEN GÜLTIG?- Fortsetzung


Ausgabe Nr. 3 Monat Juli 1997
AUS EINEM BRIEF AN DIE REDAKTION


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1993
ZUM PROBLEM DER INTENTIONALITÄT BEI DER SPENDUNG DER SAKRAMENTE


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1993
LESERBRIEF


Ausgabe Nr. 5 Monat Februar 1994
ZUM PROBLEM DER ERFORDERLICHEN INTENTION BEI DER SAKRAMENTENSPENDUNG


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 1995
NUR NOCH AUSLAUFMODELL?


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1994
IST MGR. LEFEBVRE EIN GÜLTIG GEWEIHTER BISCHOF?


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1992
DIE RÖMISCH-KATHOLISCHE DIASPORA-KIRCHE - FIKTION ODER WIRKLICHKEIT? -


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1992
DER MODERNE HOMINISMUS UND SEINE ABARTIGE RELIGIOSITÄT


Ausgabe Nr. 2 Monat Mai 1992
DIE RÖMISCH-KATHOLISCHE DIASPORA-KIRCHE - FIKTION ODER WIRKLICHKEIT? -


Ausgabe Nr. 2 Monat Mai 1992
Mitteilungen der Redaktion


Ausgabe Nr. 11 Monat Juli-Sondernr. 1992
ZUM PROBLEM DER INTENTIONALITÄT BEI DER SPENDUNG DER SAKRAMENTE


Ausgabe Nr. 3 Monat August 1992
DER FALL ESCRIVA


Ausgabe Nr. 3 Monat August 1992
Mitteilungen der Redaktion


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1992
WAS IST DAS EIGENTLICH: DIE RELIGION?


Ausgabe Nr. 4 Monat Mai 2006
DIASPORA


Ausgabe Nr. 3 Monat September 1991
Wieviele Katholiken gibt es in der Bundes-Republik Deutschland


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 1991
Wieviele Katholiken gibt es in der Bundesrepublik Deutschland


Ausgabe Nr. 5 Monat Februar 1992
DER MODERNE HOMINISMUS UND SEINE ABARTIGE RELIGIOSITÄT


Ausgabe Nr. 5 Monat Februar 1992
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 1 Monat Mai 1990
DIE ZERSTÖRUNG DES SAKRAMENTALEN PRIESTERTUMS DURCH DIE RÖMISCHE KONZILSKIRCHE


Ausgabe Nr. 1 Monat Mai 1990
NACHRICHTEN, NACHRICHTEN, NACHRICHTEN


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli, Sondernr 2/3 1990
ÜBER DIE GRÜNDUNG DER Una et Sancta ECCLESIA, Vorwort


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1990
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 6 Monat März 1991
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 7 Monat April-Sondernr 1991
DIE ZERSTÖRUNG DES SAKRAMENTALEN PRIESTERTUMS DURCH DIE RÖMISCHE KONZILSKIRCHE


Ausgabe Nr. 1 Monat Mai 1989
MYSTERIUM FIDEI


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1989
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 7 Monat Januar 1989
WAS IST DAS EIGENTLICH: DIE RÖMISCH-KATHOLISCHE KIRCHE?


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1988
LESERBRIEF IN AUSZÜGEN


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1988
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 7 Monat April-Sondernr 1988
KIRCHE OHNE RELIGION UND RELIGIONSLOSE KIRCHEN


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1987
Über die christliche Taufe und das Tauf-Sakrament


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1987
STELLUNGNAHME ZU DEM ARTIKEL DIE KRISE DER APOSTOLISCHEN SUKZESSION...


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1987
Aus EINEM BRIEF VON S.E. MGR. MOÍSES CARMONA


Ausgabe Nr. 3 Monat Sept./Okt. 1987
THEOLOGISCH-PHILOSOPHISCHE REFLEXION ÜBER DEN TRINITARISCHEN GOTT


Ausgabe Nr. 6 Monat März 1988
KIRCHE OHNE RELIGION UND RELIGIONSLOSE KIRCHEN


Ausgabe Nr. 6 Monat März 1988
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1986
Was ist das eigentlich: Die Häresie?


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1986
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 3 Monat September 1986
... DEN LEIB DES HERRN NICHT MEHR UNTERSCHEIDEN...


Ausgabe Nr. 5 Monat Januar 1987
ZUM 'MYSTERIUM FIDEI'


Ausgabe Nr. 6 Monat April 1987
... UND SPIEEN IHM INS ANGESICHT ...


Ausgabe Nr. 6 Monat April 1987
Die Todsünde der Gotteslästerung


Ausgabe Nr. 3 Monat Juli 1985
OFFENER BRIEF


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1985
Es WÄRE ZU BEDENKEN


Ausgabe Nr. 5 Monat Dezember 1985
EINIGES ÜBER DEN BEGRIFF UND DAS WESEN DES CHRISTLICHEN GLAUBENS


Ausgabe Nr. 5 Monat Dezember 1985
BRIEF VON HERRN PROF. DR. D. WENDLAND AN DIE REDAKTION


Ausgabe Nr. 6 Monat Februar/März 1986
DAS GLAUBENSBEKENNTNIS DER KIRCHE ?


Ausgabe Nr. 6 Monat Oktober 2006
Der Teufel im Kino


Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2006
Und ihr werdet sein wie Gott


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
Y seréis como Dios (Gn. 3, 5)


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
And thou wilt be like God (Gen. 3,5)


Ausgabe Nr. 13 Monat September 2007
Et vous serez comme Dieu


Ausgabe Nr. 11 Monat February 2008
ARE POST CONCILIAR RITES VALID?


Ausgabe Nr. 13 Monat April 2008
LA VALIDEZ CE LOS RITOS POSTCONCILIARES CUESTIONADA


Ausgabe Nr. 13 Monat April 2008
BIBLIOGRAFIA: VALIDEZ CUESTIONADA DE LOS NUEVOS RITOS POSTCONCILIARES


Ausgabe Nr. 13 Monat Diciembre 2009
L’EGLISE CATHOLIQUE-ROMAINE DE LA DIASPORA


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 2010
Mitteilungen der Redaktion - wichtige Hinweise


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2011
A. 8. a-b Ist das sakramentale Priestertum in der Konzilskirche erhalten


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2011
A. 8. e-f Die fehlende ‚Intention’ bei der Weihe nach dem Montini-Ritus


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2011
In memoriam Prof. Wendland


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2011
Mitteilungen


Ausgabe Nr. 13 Monat June 2011
E sarete come Dio (Gn. 3, 5)


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 2011
Zitate aus:Über (...) eine Kirche ohne Papst


Ausgabe Nr. 2 Monat Mai 2012
MACHT UND OHNMACHT DER KIRCHE


Ausgabe Nr. 3 Monat September 2012
MACHT UND OHNMACHT DER KIRCHE


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 2012
MACHT UND OHNMACHT DER KIRCHE


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2013
Null und nichtig – der Ritus der Bischofsweihe von 1968


Ausgabe Nr. 3 Monat August 2015
Tuet dies zu meinem Gedächtnis (Lk. 22,19)


Ausgabe Nr. 1 Monat Januar 2022
In Erinnerung an Dr. Ante Križić


KIRCHE OHNE RELIGION UND RELIGIONSLOSE KIRCHEN
 
KIRCHE OHNE RELIGION
UND RELIGIONSLOSE KIRCHEN



von
Prof.Dr. Diether Wendland


Ein Engel erschien und sprach:
Selig die Glaubenden, denn sie werden erleuchtet werden.
Selig die Erleuchteten, denn sie werden Gott begegnen.
Selig die Unwissenden, denn sie werden getröstet werden.
Selig die keine Religion haben, denn sie werden frei sein.


Vorbemerkung:

Es wäre an der Zeit, sich in einem größeren Zusammenhang mit einer falschen Prophétie zu befassen, die viele Geister verwirrt und die spezifisch christliche Religion von innen heraus zersetzt, weltweit und mit Erfolg. Die Sache selbst, um die es geht, ist kein Problem des religiösen Glaubens, sondern ein Gegenstand der geistigen Erkenntnis, sowohl der natürlichen im allgemeinen als auch der philosophischen im besonderen. Deshalb kann sie auch von jedem Menschen, der noch ein wenig Vernunft und Verstand besitzt, erfaßt werden. Einfach ist das allerdings nicht und vor allem dann nicht, wenn jemand dazu neigt, etwas für selbstverständlich zu halten, was gar nicht selbstverständlich ist. Dazu aber gehört die Religion.

Das Christentum ist doch sicherlich eine Religion, auch wenn so manche aies bestreiten oder anzuzweifeln genötigt werden, wenn sie sich ihre Mitbürger, die Christen, etwas näher betrachten in ihrer Christlichkeit, die so wenig vom Christentum in Erscheinung treten lassen. Bei Katholiken, die doch auch Christen sind (oder etwa nicht?), aber wird es noch etwas heikler, wenn man sie über das Christentum oder über "Christentum und Kirche" reden hört und worüber man sich nur noch wundern kann. Es ist nämlich das Christentum weder eine "katholische Religion" noch eine Sache irgendeines "katholischen Glaubens" noch die eines religiösen"Bekenntnisses", zumal man sich ja zu vielem und auch vieles bekennen kann, ohne dabei jemals etwas wirklich erkannt zu haben.

Außerdem kann man leicht und überall die Erfahrung machen: Wer sich zu Gott bekennt, der weiß oft gar nichts von Ihm und kann Ihn gar nicht meinen, sondern ganz etwas anderes, das überhaupt nicht Gott ist. Dennoch aber sind solche Katholiken sogar davon überzeugt, im christlichen Sinne "religiös" zu sein. Wer zudem immer noch an das protestantische Märchen glaubt, daß es im Christentum immer mehrere Konfessionen gegeben habe und auch geben müsse, der irrt sich genau so gründlich wie diejenigen, die heute in ihrem dunklen Drange einen neuen Tempel suchen, einen "heiligen Bezirk", der irgendwo zwischen den ("inter-konfessionell") oder oberhalb der Konfessionen ("überkonfessionell") liegt. Manche hören sogar schon die Glocken, die von dort her tönen ein "neues Zeitalter" (New Age) einläuten mit einem neuen Christentum. Dem gegenüber erscheint der Ökumenismus-Zirkus noch harmlos. Das Christentum aber war nie eine Konfession, sondern eine Religion.

Schon Nietzsche machte sich über die "Christenthümler" seiner Zeit lustig und meinte dann ironisch, aber nicht ohne Grund: "Um Menschen zu ärgern preist ihr 'Gott und seine Heiligen1, und wiederum, wenn ihr Menschen preisen wollt, so treibt ihr es so weit, daß Gott und seine Heiligen sich ärgern müssen. Ich wollte, ihr lerntet wenigstens die christlichen Manieren, da es euch so an der Manierlichkeit des christlichen Herzens gebricht." Dieser Pastorensohn kannte seine protestantischen Pappenheimer in der konfessionellen "Christenheit". Es klang sogar prophetisch, als er schrieb "So wie wir die Moral (gemeint: den verlogenen Moralismus) nicht mehr nötig haben, so auch nicht mehr die Religion (gemeint: das religiöse Gefühl dekadenter Liebe). Das 'ich liebe Gott'... ist in die Liebe meines Ideals umgesetzt, ist schöpferisch (= kreativ) geworden: lauter Gott-Menschen!" Und die christliche Demut? Was war aus ihr schon damals geworden bzw. gemacht worden? Nun, diese hatte auch nichts mehr zu tun mit hochherzigem Mut (magnanimitas), wohl aber eine ganze Menge mit Feigheit und frömmelnder Sklavenmoral. Besonders die Superreligiösen glaubten, Demut (= Dien-Mut) zu besitzen und demütig zu sein, indem sie sich angeblich selbst, aber mehr noch die anderen zu "verdemütigen" trachteten. Die Zeit war bereits reif, um für das Christentum ein großes Staatsbegräbnis vorzubereiten - am besten auf demokratischer Grundlage, versteht sich, und was sich auch sehr bald zeigen sollte. Denn man hatte (zuerst verdeckt, dann aber offen) "die Demokratie" verabsolutiert und mit göttlichen Attributen ausgestattet, so daß sie heute zu einem religiösen Tabu geworden ist und eine geradezu göttliche Verehrung genießt - im Gegensatz zu den 'Kirchen', die so gar nichts 'Göttliches' und Verehrungswürdiges mehr an sich haben. Echte moralische Autorität hat keine mehr, sondern nur noch eine mehr oder weniger politische auf Grund der Anzahl ihrer Mitglieder und nach Maßgabe ihrer Vorsteher oder Obrigkeiten, die unter verschiedenen Namen in der Öffentlichkeit auftreten. Ansonsten steckt, wenn man vom Gott des Geldes und einigen Besitztümern, die als Kulturgut fungieren, absieht, nichts dahinter. Ein kritischer Blick hinter die Kulissen genügt, um dies festzustellen.

Es ist den wahren und unwahren Prophetien gemeinsam, daß sie sich auf glaubensbereite und glaubenswillige (nicht auf gläubige oder ungläubige) Menschen beziehen und eine Heilsverheißung zu ihrem Inhalt haben, verbunden mit einem Heilsversprechen. Darum sollte man sich die Propheten und das, was sie verkünden, sehr genau anschauen und vor allem diesen Leuten nichts glauben, auch wenn sie in der Öffentlichkeit ein großes Ansehen genießen. Es gab sogar katholische Theologen, die das Vatikanum 2, das von einem nachweislich falschen Propheten einberufen wurde und auf dem es dann gleich mehrere große und kleine Propheten gab, als ein prophetisches Konzil ausgaben. Verständlicherweise sprach dann auch der gesamte Klerus von dem Konzil und bezeichnetes es als das Konzil schlechthin, als habe es eine so einzigartige und tolle Sache noch nie gegeben. Doch nur die Glaubensbereiten und Glaubenswilligen glaubten das, Christgläubige mit kritischem Verstand aber glaubten das nicht, weil sie erkannten, daß und warum dies unmöglich und purer Nonsens war; sie wunderten sich nur darüber, daß es so viele geistig minderbemittelte Bischöfe gab, die doch wohl auch die "heilige Theologie" studiert hatten oder zumindest tiefere Erkenntnisse in das Wesen der christlichen Religion besitzen mußten als die naiven und alles glaubenden "Priester und Gläubigen". Es wäre gewiß kein Nachteil, sich an dieses in alle Welt ausgestrahlte römische Welttheater zu erinnern. Denn was wir heute sehen, das sind doch nur die zwangsläufigen Folgen. Die realen Ursachen aber liegen ganz woanders. Woher kommt es denn, daß ein Papst kein Papst, Bischöfe keine Bischöfe, Priester keine Priester und katholische Laien nicht katholisch sind? Glaubt man denn immer noch, dies alles habe nichts mit der Religion zu tun?

Wo eigentlich findet man noch in Staat und Gesellschaft die christliche Religion verwirklicht und wirksam? Oder haben sich inzwischen die friedliebenden Christen schon von Gott befreit und beten fremde Götter an, Götter, die viele noch gar nicht kennen und die ihnen, den Menschen ihrer Huld, das Heil verheißen? Nicht wenige dieser katholisierenden Christen haben sogar eine Art Göttin, die vielerorts erscheint, Botschaften in Ohren flüstert und lange Predigten hält, die zwar theologische Irrtümer beinhalten, aber das macht ja nichts, denn Prophetien sind eben "dunkel und geheimnisvoll" und verständlich nur den 'Eingeweihten'. Offenbar weiß man nicht mehr, daß falsche Propheten im biblischen Sinne de facto wirkliche und dem Anschein nach echte Propheten sind, die jedoch Unwahres verkünden und verheißen, wie dies in jeder dämonischen Mantik der Fall ist. Der vielleicht größte falsche Prophet war der Stifter des Islam, Mohammed, dessen primitiver Monotheismus wohl ziemlich einmalig ist.

Wenn man in Ruhe bedenkt und sich dessen wirklich bewußt wird, daß die christliche Religion überhaupt keine Selbstverständlichkeit ist und dies auch nie sein kann, ja sogar eine viel schwierigere Sache ist, als man gewöhnlich annimmt, und daß es bei ihr um das Heil geht, d.h. um das übernatürlich-ewige Leben in Gott eines jeden einzelnen, dann wird man bald damit aufhören, sich selbst und andere zu betrügen oder der Lüge Vorschub zu leisten, es ginge auch ohne sie und sogar noch viel besser. Diejenigen, die diese Propaganda betreiben oder sie mittragen, wissen noch im Gegensatz zu vielen Christen und Katholiken, daß die Religion ein soziales Macht-Phänomen in der Welt ist. Dabei ist es gleichgültig, ob eine Religion nun wahr oder unwahr ist. Denn die Wirkung auf ein soziales Ganzes ist die gleiche. Daraus aber folgt nicht, daß sie auch gleich gut oder gleichermaßen berechtigt ist. Ein demokratischer Staat, der verschiedene Religionen in aer Gesellschaft zuläßt und sie als gleichwertig behandelt bzw. ihnen den gleichen sittlichen Wert zumißt, ist kein Rechtsstaat, sondern ein Staat, der seine Macht und das Recht mißbraucht. Denn jeder Staat ist dem Sittengesetz unterworfen und kann von sich aus nicht bestimmen, was sittlich gut oder schlecht ist, ja nicht einmal, was dem Gemeinwohl dient und was nicht. Das Gebot Christi, "gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist", impliziert auch die Pflicht: gebt dem Kaiser nicht, was ihm nicht zusteht, und entzieht ihm alles, was er sich unrechtmäßig angeeignet hat.

Es steht auch nirgendwo geschrieben, daß man der staatlichen Autortität bedingungslosen Gehorsam schuldet. Im übrigen gilt das gleiche auch gegenüber der kirchlichen Autorität oder sonstigen "geistlichen Autoritäten", die in Religionsgemeinschaften auftreten.

Schließlich aber sei noch auf etwas hingewiesen, das nicht nur eine große Verwirrung hervorgerufen hatte, sondern auch prinzipiell gegen die christliche Religion und gegen die römisch-katholische Kirche gerichtet war. Wir meinen das Spiel mit den begriffsleeren Worten "Religionsfreiheit", "religiöse Freiheit" und "Menschenwürde". Es ist nämlich nicht bloß unwahr, sondern eine Häresie zu behaupten: Was das Vatikanum 2 "über das Recht des Menschen auf religiöse Freiheit erklärt, hat seine Grundlage in der Würde der Person, deren Forderungen der menschlichen Vernunft durch die Erfahrungen der Jahrhunderte vollständiger bekannt geworden sind (innotuerant)". (Vgl. Declaratio de libértate religiosa, Nr.9) Denn die religiöse Freiheit hat ihr Fundament nur in der personalen Existenz der sittlichen Persönlichkeit, die ein Höchstwert und ein unantastbares Gut des Menschen ist. Außerdem gibt es keine Würde der Person, wohl aber eine Personwürde, die einen bestimmten geistigen Existenzialwert bedeutet, der dem Menschen auf Grund seiner Wesens-Natur notwendig zukommt. Im übrigen sollte man damit aufhören, ständig von der religiösen Freiheit zu reden und sie in den Himmel zu heben. Es wäre nützlicher, sich mit der religiösen Willkür zu befassen, die seit dem Vatikanum 2 auch im Neukatholizismus ihre Triumphe feiert. Zudem hat es immer schon einen religiösen Despotismus gegeben, der sich heute wieder ausbreitet und in dem sich große und kleine Tyrannen tummeln, die von der Macht der Religion fasziniert sind und sie für ihre Zwecke mißbrauchen.

Dies kann auf die verschiedenste Weise geschehen, da der Mensch nicht bloß faktisch, sondern notwendig ein religiöses und soziales Wesen ist. Wer behauptet, zwischen Religion und Gesellschaft oder Religion und Staat bestehe kein innerer Wesenszusammenhang, der ist nich bloß ein großer Schwätzer und maßlos dumm, sondern bereits ein ausgemachter Feind des Menschen, auch wenn er sich noch so menschenfreundlich aufspielt. Auch sollte man lieber nicht von der Menschenwürde reden, wenn man von der Würde des Menschen nichts weiß oder sich von derselben nur falsche Vorstellungen macht. Es wird und kann auch nie gelingen, das menschliche Dasein in die säkularisierte Zwangsjacke von "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" zu pressen, denn der Mensch neigt von Natur aus, wie die Erfahrung lehrt, zum Bösen sowie zum ständigen Mißbrauch der Macht und des Rechts.

Diese Folgen der Erbsünde sind allen gemeinsam, auch wenn viele dies nicht wahr haben wollen, einschließlich derjenigen, die in ihrer sentimentalen Religiosität und naiven "Gläubigkeit" realitätsblind geworden sind, so daß sie auch eine wahre Religion von einer falschen oder unwahren nicht mehr unterscheiden können. Dies jedoch ist immer die hohe Stunde (Kairos) des Auftretens falscher Propheten und falscher Prophetien, bei denen oft nicht einmal festgestellt werden kann, von woher sie ihren Ausgang nahmen. Sie waren gleichsam plötzlich da und in aller Munde. Auch dies gehört zu der Eigenart solcher und ähnlicher geistiger Realitäten, die auf viele einwirken und in ihren Bann ziehen. So geschah es auch beim sog. "Pastoralkonzil", das sich völlig zu Unrecht als "Sacrosanctum concilium oecumenicum Vaticanum (!) II" bezeichnete, da es alle früheren Konzilien unterlief und neutralisierte. So etwas aber ist nur möglich durch die Häresie einer "Religion der Macht" (Gustav E. Kafka"), die ja nicht dasselbe ist wie die Macht der Religion.

Das möge als Vorbemerkung genügen für unsere Thamatik, die in einem solchen Rahmen ihren ontologischen Topos (Ort) hat. Und wenn man sich zudem noch darüber klar wird, daß Christus kein Religionsstifters, sondern der Gründer (conditor) einer Kirche, die Sein Werk ist, dann folgt daraus, daß Christentum und Kirche nich identisch sind, sondern zwei verschiedene Sachverhalte, die allerdings nicht voneinander getrennt werden können. Nur die Unwissenden und die alles Glaubenden haben keine Probleme und verhalten sich auch dementsprechend, gleichgültig, ob sie nun (vermeintlich) "religiös" sind oder nicht.


HINWEISE DER REDAKTION:

Bei vorstehendem Artikel handelt es sich um die Einleitung einer ausführlicheren  Stellung aus der Feder von Herrn Prof. Wendland - sie umfaßt insgesamt 22 Seiten -, die in diesem Heft als Vorabdruck erscheint, um die Leser mit dem Thema der als Sonderdruck geplanten Abhandlung bekannt zu machen. Dieses Sonderheft erscheint zwar erst in einigen Wochen, kann aber bereits jetzt schon bei der Redaktion bestellt werden. (Um eine entsprechende Spende wird gebeten.)
 
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