EIN ECÔNE-HIRTENBRIEF
von
Hagen Ladwein
Der Generalobere der Priesterbruderschaft St. Pius X., Pater
Schmidberger, hat in allen deutschsprachigen Messzentren einen Brief
verlesen lassen, der anschließend auch im Mitteilungsblatt der
Priesterbruderschaft (Februar 1986) veröffentlicht wurde. In diesem
Briefe hört man zum ersten Male härtere Worte des Generaloberen
gegenüber Johannes Paul II. und dem modernistischen Rom. Trotz 15
schwerwiegender Vorkommnisse, die Pater Schmidberger aufzählt, und der
Feststellung, daß gerade diese Ereignisse "der Einrichtung einer
universalen Menschheitsreligion unter dem Vorsitz des Papstes mit dem
einzigen Dogma der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit" dienen,
sind er und die Priesterbruderschaft nach wie vor nicht zu einem Bruch
mit der modernistischen römisch-ökumenischen Kirche bereit.
(Anm.d.Red.: Im Gegenteil! Nach Aussage des sog. 'Kurienkardinals' Oddi
soll sogar noch im Oktober dieses Jahre "eine Lösung" für den Fall
Lefebvre gefunden werden.)
Pater Schmidberger führt in seinem Brief weiter aus, es liege ihm
"ferne, über den Papst urteilen zu wollen. Wir überlassen diese heikle
Aufgabe gerne einem späteren kirchlichen Gericht. Wir gehören nicht zu
jenen, die den päpstlichen Stuhl vorschnell für vakant erklären,
sondern lassen uns von der Kirchengeschichte leiten. Papst Honorius
wurde wegen seiner falschen Lehren vom 6. Allgemeinen Konzil
verurteilt; niemals aber wurde behauptet, Honorius sei nicht Papst
gewesen".
Hier muß festgestellt werden, daß die Aufzählungen der
ärgerniserregenden Taten Johannes Pauls II. und anderer Vertreter Roms
durch Pater Schmidberger nichts anderes sind als Urteile. Denn für gut
oder schlecht halten, erfordert einen Standpunkt und einen Wertmaßstab,
somit ein Urteil. Pater Schmidberger urteilt also sehr wohl über den,
den er für den Papst hält, aber er sagt nicht die volle Wahrheit,
nämlich, daß Johannes Paul II. ein Häretiker ist.
Wie begründet er seinen Standpunkt? Setzt er sich mit der
traditionellen Lehre über einen häretischen Papst auseinander, wonach
der Verlust des Papstamtes mit der öffentlichen Äußerung einer Häresie
eintritt? Weist er darauf hin, daß die bisherigen Untersuchungen, die
die Häresie des Führers des neuen Rom feststellen, vielleicht
unzureichend sind? Nichts von alledem, er läßt sich "von der
Kirchengeschichte leiten". Und was beweist die Kirchengeschichte
angeblich? Sie beweist nach Pater Schmidberger, daß ein Papst von der
Kirche als Häretiker verurteilt werden kann und er trotzdem Papst
bleibt. Für diese Vorstellung geben aber weder die Theologie einen
Anhaltspunkt noch die geschichtlichen Tatsachen. Ein Häretiker schließt
sich selbst stets als Hochverräter des Glaubens aus der Kirche aus. Und
Honorius, der zur Zeit seiner Verurteilung durch das 6. Allgemeine
Konzil von Konstantinopel, dem Papst Leo II. zustimmte, schon tot war,
konnte das Papstamt schon deshalb nicht mehr verlieren, weil er es ja
mindestens durch seinen Tod schon verloren hatte.
Deshalb ist der Hinweis auf Honorius kein Argument, sondern eher ein
Ablenkungsmanöver. Dadurch soll im Dunklen bleiben, daß die
Priesterbruderschaft auf zwei Hochzeiten tanzen will. Sie will in das
vom Glauben abgefallene Rom eingegliedert werden, wie Pater
Schmidberger in einem Radiointerview im April erneut versicherte.
(DEUTSCHE TAGESPOST vom 23. April 1986) Und sie will zugleich die
Tradition verteidigen. Beides zusammen geht aber nicht! Man muß sich
hier entscheiden!
Einen Mann, der eine universale Menschheitsreligion anstrebt, der
Häresien verkündet, der die katholische Kirche zerstört, der alle
erdenklichen Tatsachen geschaffen hat, die seine Absicht bekunden, und
der nichts anderes ist als der Wolf im Schafspelz, will Pater
Schmidberger nicht verurteilen? Wie wird das Urteil eines Tages über
den Generaloberen der Priesterbruderschaft sein?
Es ist keine Sache der Höflichkeit oder des Anstandes, wenn man
Johannes Paul II. seine Häresien nicht vorwirft, sondern fehlende
Einsicht, fehlende Wahrheitsliebe, mangelnder Mut und fehlende
Hirtensorge für die Gläubigen. Ebenso ist es keine Sache der
Beliebigkeit, ob man als Hirte einen Irrlehrer anklagt oder nicht,
sondern Pflicht. Zumal gilt das bei einem Irrlehrer von einer so
gewaltigen Verführungskraft wie Johannes Paul II. Wo der katholische
Standpunkt ist, dort weiß man auch um die Verpflichtung, der Wahrheit
dienen zu müssen. Gott, die einzige, unteilbare Wahrheit, dem sich der
Katholik aus freiem Herzen hingibt und den er über alles liebt, wünscht
von einem jeden seiner Kinder, daß sie entweder heiß oder kalt sind.
Diese Liebe zur Wahrheit verpflichtet dazu, die falschen Propheten und
falschen Lehren zu entlarven und anzuprangern, damit möglichst wenig
vom Gift der falschen Lehren unter den Gläubigen verbreitet werden
kann. Salus animarum suprema lex! Das Heil der Seelen ist das höchste
Gebot!
(aus SAKA-Information Juni 86, mit freundlicher Genehmigung des Autors) |