ZWIELICHTIGES
von
Eberhard Heller
NACHRICHT:
Bonn (dpa) - Der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Theo
Waigel, hat nochmals klargestellt, daß, seine Partei keine Änderung des
Abtreibungsparagraphen 218 anstrebt. Er unterstrich zugleich, daß die
von der CSU und vom Land Bayern in Aussicht gestellte
Normenkontrollklage vor dem Bundesverfassungsgericht gegen eine
Finanzierung von Antreibungen über die Krankenkassen mit der
Koalitionsvereinbarung vom März 1983 in Einklang steht. (Vgl. MÜNCHNER
MERKUR vom 14.2.1985)
Eine Partei, die die Abtreibung für legitim hält, ist für einen Christen nicht mehr wählbar.
Man höre und staune, welche Empfehlung Pfarrer Milch, der 'Lenker' der
SPES UNICA gibt: "Zur Zentrumspartei lassen Sie mich das folgende
bemerken: Das ZENTRUM ist in der Tat die Partei, die als einzige das
Recht hat, sich 'christlich' zu nennen, insofern sie eine Politik
anstrebt, die in nichts den Grundsätzen des Christentums widerspricht.
Und dies leider im Gegensatz zur CDU, die in der Frage der Abtreibung
mit sich reden läßt. (Anm.d.Red.: Dies ist ungenau: Die CDU nimmt in
dieser Frage keine andere Haltung ein wie die CSU, d.h. sie bejaht die
Neuregelung des ß 218.) - Ich bin dafür - und will das Meine dazu
beitragen -, daß die Zentrumspartei zu einem bestimmenden Faktor
unseres politischen Lebens wird. - Alles muß getan werden, sie zu
fördern und für das Europaparlament sowie für den Bereich der Länder
und Kommunen zu wählen. - Für den Bundestag freilich kann sie erst
gewählt werden, wenn solide Aussichauf die Überspringung der 5%-Hürde
besteht. In der Bundesrepublik darf nichts getan werden, was die SPD
fördert, da sie außenpolitisch unzuverlässig ist und geneigt,
sowjetische Westpolitik zu betreiben. Solange also das Zentrum keine
Aussicht hat, über 5% hinauszukommen, ist die Wahl des Zentrums für den
Bundestag faktisch die Wahl der SPD. - Das ist eine Sache der
Zentrumsführung, ihre Mitglieder und Anhänger entsprechend anzuweisen.
Für die Wahl zum Bundestag heißt die dringende Notwendigkeit - unter
den jetzigen Bedingungen - nach wie vor: Wahl der CDU." (Rundbrief vom
7.2.1985)
Daß man in bestimmten Bereichen Güter abwägen kann und soll, ist völlig
legitim, solange man nicht im Prinzip unrechtmäßige Positionen bezieht.
Das Mittel kann den Zweck in solchen Fällen nicht heiligen!
Was macht aber Pfarrer Milch? Er unterstützt zugleich die
Abtreibungsgegner als auch die Abtreibungsbefürworter. Die
gleicherweise unseriöse Politik der CDU/ CSU/FDP erkauft er mit der
Zulassung einea Massenmordes an fast einer Millionen Kinder. Und dieser
Priester erkühnt sich noch, sich als christlichen Denker zu
apostrophieren!
Wie schaut aber nun die Theologie dieses, gelinde gesagt taktierischen
Politikers aus? Im gleichen Rundschreiben gibt uns Pfr. Milch Antwort:
"Alle Neuerungen seit dem 'II. Vatikanischen Konzil' leiten sich von
einer einzigen antichristlichen Doktrin ab, die da lautet: 'Die
'gottmenschliche Wahrheit', in sich unerkennbar, nur im gemeinsamen
Suchen mit allen humanen Weltanschauungen ertastbar, kann nur begriffen
werden im Sinne einer solidarischen, allgemein-menschlichen
Verpflichtung, als katholische Kirche den durch das Vorbild des Jesus
von Nazareth geprägten Beitrag für den Fortschritt der Menschheit zu
immer besserer Menschlichkeit zu leisten.'" Der N.O.M. ist für ihn ein
himmelschreiender Skandal. Die Realisation der Beschlüsse des II.
Vatikanums ist satanisch. "Dies Werk des Antichristen bestimmt bis zur
Stunde das ganze offizielle Gebaren im Raum der katholischen Kirche."
Dennoch sind diejenigen, die dieses Werk des "Antichristen" betreiben,
"gültig Papst, gültige Bischöfe und gültige Priester". (Hier nicht
gemeint die Gültigkeit der Weihe beziehungsweise der Wahl, sondern der
Amtsvollmachten und deren Legitimität.) Man stelle sich vor, derjenige,
der im Dienst des Antichristen die Kirche zerstört, ist zugleich
legitimer Papstj d.h. Stellvertreter Christi. - Bei solchem Wahnsinn
endet dieses 'christliche Denken'! - Wie anders jener Denker', der von
uns verlangte: "Deine Rede sei Ja, Ja, und Nein, Nein!" |