56. Jahrgang Nr. 5 / September 2026
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1. Enzyklika Humani generis
2. Enzyklika Humani generis, Fortsetzung
3. SCHADE, JAMMERSCHADE...
4. NUR FUR SEIN REICH
5. SEELSORGE IN MEXIKO
6. CHRISTLICHE BEWÄHRUNG
7. FORMEN, WIE DAS KIRCHLICHE RECHT ANZUWENDEN IST.
8. OFFENER BRIEF
9. DAS TURINER LEICHENTUCH
10. AUS DEM JUNI-RUNDSCHREIBEN VON HERRN DR. GRÖSSLER
11. VON DEN NICHT-WÄHLERN DER 'CDU INS STAMMBUCH GESCHRIEBEN
12. MEINUNG DES LESERS: EIN INTERVIEW MIT HERRN JOSEF MÜLLER
13. DIE PASTORAL-REGELN DES HL. PAPSTES GREGOR D.GR.
14. NACHRICHTEN, NACHRICHTEN, NACHRICHTEN
15. MITTEILUNGEN DER REDAKTION
NUR FUR SEIN REICH
 
NUR FUR SEIN REICH

von
Léon Bloy

(aus: "Vier Jahre Gefangenschaft in Cochons-sur-Marne" Tagebücher 19oo-19o4, Ntnbg. 1951)


Aus einem Brief an einen Pater (Paul S.J.) vom 18.8.19oI : (S.128-13o)

Ich bin durchaus überzeugt, daß es sowohl innerhalb wie außerhalb der Ordensgemeinschaften manche vortreffliche, Gott wohlgefällige Seelen gibt, welche echtes Verlangen nach SEINER Herrlichkeit empfinden. Doch diese Seelen sind zu wenig zahlreich, um für die endgültige Rettung Sodoms ernsthaft ins Gewicht zu fallen. Denke ich doch fast - nach dem Vorgang der wundervollen Anna-Katharina Emmerich - daß es Christen im wahren Sinne des Wortes überhaupt nicht mehr gibt.

Dies zu beweisen ist nicht eben schwer. Sollte es zu einer Glaubensverfolgung, wohlgemerkt, einer echten Glaubensverfolgung kommen, wieviele unserer Katholiken, meinst Du wohl, würden um ihres Glaubens willen heute noch finstere Not, tiefe Erniedrigung und qualvolle Martern auf sich nehmen? Einer unter hunderttausend vielleicht. Die unausbleibliche Folge wäre sofortiger massenhafter Abfall, eine unvorstellbar furchtbare allgemeine Apostasie. Wer Besseres erhofft, muß blind oder ein ausgemachter Trottel sein.

Nun, ich weiß, Du wirst mir sofort mit der Gnade kommen, doch schon hier falle ich Dir in echter Empörung ins Wort: Gottes Gnade ist nicht für Hunde da, genau so wenig wie SEIN Wort und SEIN anbetungswürdiger Leib. Hunde nenne ich jene, die sich vermessen, SEINER Gnade teilhaftig werden zu können, ohne auf sie im mindesten vorbereitet zu sein. Jesus hat gesagt "Vae vobis divitibus" ("Wehe euch ihr Reichen") und die heutigen Christen sagen: "Glücklich die Besitzenden". Auch hat ER gesagt, um IHM nachzufolgen, müsse man alles hinter sich lassen, denn nur so könne man teilhaben an SEINEM Reich. Niemals jedoch war die Sucht nach dem Besitz so hemmungslos, so ausschließlich alles andere überschattend wie heutzutage, selbst in Ordenshäusern. Einige werden erwidern: "Nun ja, der Orden mag reich sein, doch jeder Ordensbruder einzeln genommen ist arm". Welch erbärmlicher Sophismus und im Grunde welch teuflischer Hohn!...

Schon mit der ersten Zeile Deines Briefes stellst Du mich an den Rand eines tiefen Abgrundes, indem Du mich aufforderst, hinüberzuspringen. Du sprichst mir von den Wahlen (!!!) von 19o2, von welchen man sich bei Euch manches erhoffe. Schon wieder muß ich mich gegen Dich wenden! Auch hier nämlich sprichst Du eine Blasphemie aus, freilich unbewußt, was darum nicht minder verdammenswert ist. Du behauptest unbesehen, auch ein schlecher Baum könne gute Frucht tragen, denn Du siehst, um Dir nicht selbst von vornherein das Zeugnis mangelnder Verstandeskraft ausstellen zu müssen, Dich genötigt zuzugeben, daß das allgemeine Stimmrecht ein unbedingtes Übel ist und nichts als eine fluchwürdige Bemäntelung der Anarchie der Hölle.

Gott, ich weiß es wohl, besitzt die Macht, Gutes aus Bösem hervorgehen zu lassen, aber nur ER hat diese Macht, denn nur ER allein kann Sein aus dem Nichts erschaffen, was ja an sich vollkommen unvorstellbar ist. Welch ungeheuerliche Anmaßung nun, IHM von sich aus das Material zu diesem unfaßbaren Wunder darreichen zu wollen, IHM einfach zu sagen: "Hier hast DU die Erfindung der menschlichen Auflehnung gegen DEINEN Willen, die Erfindung der menschlichen Verstocktheit, diese ruchlose Tochter der Schelsucht, des Hochmuts und der Verblödung des Jahrhunderts! Befiehl nun, nicht daß sie vernichtet oder unwirksam gemacht werde, sondern daß aus ihr der Triumpf DEINER Kirche hervorgehe und daß diese teufliche Erfindung, die ein ständiges Geifermal auf DEINEM göttlichen Antlitz ist, in unserer Mitte weiterwuchere, daß ihr von Tag zu Tag größere Ehre bezeigt werde selbst an DEINEN heiligen Stätten, selbst auf der Kanzel der Wahrheit, angesichts des Heiligen Sakraments auf DEINEN Altären!

Nolite confirmari huic saeculo (Paßt euch diesem Jahrhundert nicht an) hat das "GEFÄSS DER AUSERWÄHLUNG" gesagt. Sich zu seinem Jahrhundert bekennen hat schon seit undenkbaren Zeiten immer wieder der "Verderber" gesagt. Ist es nicht zum Aufheulen sich sagen zu müssen, daß es Leo XIII., welchem die neue sogenannte 'christliche' Politik zu danken ist, in eigener Person war, der den Heiligen Geist in solcher Form Lügen strafen will? Einmaliges, auf ewig beklagenswertes Beispiel!

In Zukunft wird es der Ehrgeiz der meisten Katholiken sein, ebenso demokratisch, wenn nicht demokratischer zu erscheinen als die blutigsten und verranntesten Jakobiner und das halten sie dann - oh Kläglichkeit der Kläglichkeiten - für den Gipfelpunkt der Geschicklichkeit! Wie soll man angesichts eines solchen Maßes von Verblendung Worte finden für die abgrundtiefe Not, den grauenhaften Zustand der christlichen Seele?
 
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