56. Jahrgang Nr. 5 / September 2026
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14. NACHRICHTEN, NACHRICHTEN, NACHRICHTEN
15. MITTEILUNGEN DER REDAKTION
SEELSORGE IN MEXIKO
 
SEELSORGE IN MEXIKO

BRIEF VON S.E. MGR. CARMONA
AN DEN MODERNISTEN-'BISCHOF' RAFAEL BELLO VON ACAPULCO


übers. von Heinrich Beckmann


Vorbemerkung:

Ende September letzten Jahres wurde Bischof Carmona auf einer Pastoralreise in Mexiko überfallen und ausgeraubt, nachdem auf das Auto, in dem er fuhr, geschossen worden war. Als die Räuber ihr Handwerk an ihm und seinen Begleitern vollendet hatten, wurde ihm noch mitgeteilt, man werde ihn umbringen, wenn er es weiterhin wagen würde, in bestimmten Orten Seelsorge zu betreiben. Mgr. Carmona ließ (und läßt) sich durch diese Drohung in seiner pastoralen Fürsorgepflicht nicht einschüchtern und besuchte auch in der darauffolgenden Zeit besagte Ortschaften. Seitdem lebt er in ständiger Todesgefahr.

Nachfolgender Brief aus der Feder von Mgr. Carmona richtet sich an den sog. 'Erzbischof' von Acapulco, Rafael Bello, in dem er zumindest den Mitwisser des Anschlags, der diesen zusätzlich gebilligt haben dürfte, wenn nicht gar den Initiator desselben vermutet.

Ich rufe alle Gläubigen auf, für Mgr. Carmona zu beten.

E. Heller

***
Ich wende mich an Ew. Exzellenz als höchsten Vertreter der (sog.) Neu-Kirche am Ort, einer 'Kirche', die mit Lautstärke ihre Liebe zur Gerechtigkeit verkündet und von sich behauptet, jedwede Ungerechtigkeit zu bekämpfen. Ew. Exzellenz möchte ich nachfolgenden Tatbestand und einige Dinge zu bedenken geben, die eine deutliche Sprache über das neue 'Evangelium' sprechen, welches in der Neu-Kirche gepredigt wird.

Am 24. September (verflossenen Jahres) begab ich mich auf Einladung der dortigen Gläubigen zur seelsorglichen Betreuung nach Guadalupe Victoria. Nach etwa 8-10 Kilometer hinter Ometepec, gegen 4 1/2 Uhr morgens, vernahmen wir, als wir gerade an einem Teich anhielten, einen Schuß. Der Schuß hatte uns gegolten und einen der hinteren Radreifen unseres Geländewagens getroffen. Im Augenblick sahen wir uns von fünf Individuen mit Pistolen in der Hand umzingelt, die uns zwangen, den Wagen zu verlassen. Sie forderten uns auf, unsere Sachen zu packen und trieben uns durch ein unwegiges Gelände an einen Ort, den sie offenbar für ihr Vorhaben vorher bestimmt hatten. Dort durchsuchten sie uns und beraubten uns unserer gesamten Habe.

Ich möchte annehmen, daß Ew. Exzellenz genau wissen, wer der eigentliche Anstifter dieses Angriffs ist. Denn solche brillianten Angriffe machen sich bezahlt und fallen immerhin bei bevorstehenden Beförderungen ins Gewicht. Ich glaube, daß alles das in einer vereinbarten Planung seine Wurzeln hat, denn aus dem Munde einer Frau aus Cumbre de Figuera lautet es im Gespräch mit einer anderen: "Hier in Acapulco ist allein P. Carmona der Rebell, der dem Papst nicht gehorchen will und Zwietracht säht. Darum hat man daran gedacht, ihn kurzerhand beiseite zu schaffen, damit diese Frage zum Abschluß kommt."

Woher wußte diese Frau davon? Hat ihr etwa ein Priester das heikle Geheimnis verraten? Ich weiß es nicht. Jedenfalls fand einen Monat später der Überfall statt. Zudem gibt es einige aufschlußreiche Einzelheiten: Drei bis fünf Minuten vor dem Überfall begegneten wir einem Geländewagen. Darin saßen zwei Personen, die ich wegen des abgeblendeten Lichtes erkannte. Da dieser Wagen den Teich nicht überquerte und auch sonst kein Anzeichen für eine Weiterfahrt bestand, darf ich annehmen, daß diese zwei Personen die Angreifer herbeiführten, damit sie ihr Werk an mir ausführten. Der gleiche Geländewagen wurde im Pfarramt von Gmetepec gesehen, und es stellte sich heraus, daß dessen Besitzer kein anderer war als der berühmte Pater Nazario. Natürlich ist dieser selbst nicht der Hauptschuldige. Der Schuldige ist ein anderer, den Ew. Exzellenz ja kennt. Zehn Tage später versperrte man mir den Weg mit Steinen und Baumstämmen. Das war das Werk des bekannten Franziskaners und 'Katecheten' Juan Calgaro, der - beraten vom Urheber der vorgenannten Attacke - zur Gewaltanwendung gegen mich aufruft und über alle, die mich zu sich rufen, den 'Kirchenbann' verhängt. Daß diese Dinge seitens der Neu-'Kirche' einen derartigen Verlauf nehmen, ist nicht weiter verwunderlich. Denn wenn es eine neue 'Kirche' gibt, muß es auch eine neue Form des Verständnisses der 'Gerechtigkeit' geben.

Und was die windige Religionsfreiheit anlangt, wo ist da diese Freiheit, wenn man diejenigen, die im Glauben an ihre Freiheit in der Kirche, der immerwährenden, verbleiben wollen, malträtiert und sie mit der 'Exkommunikation' belegt? Wie steht es um diese Freiheit, wenn man bezahlte Angreifer anwirbt, um denen aufzulauern und sie mit dem Tode zu bedrohen, die die gleiche Lehre predigen, die auch Christus predigte und den Aposteln überlieferte?! Sind etwa für die Neu-'Kirche' diejenigen keine menschlichen Wesen, die ihre horrenden Häresien und ihre in den Kirchen verübten Lächerlichkeiten nicht akzeptieren und schließlich zur wahren Katholischen Kirche zurückkehren? Sie haben erklärt, daß in Sachen der Religion niemand gehindert sein darf, nach seinem Gewissen zu handeln. Gilt das nun nur für die Häretiker im alten Sinne? Für uns, die wir uns "die Freiheit nehmen", in der EINEN KATHOLISCHEN UND APOSTOLISCHEN KIRCHE zu verbleiben und diejenigen, die zu ihr zurückkehren wollen, gilt diese Freiheit wohl nicht? Für uns gibt es wohl nichts als Lüge, Verleumdung und Gewalt.

Nach alledem hätte ich schreien und es in alle vier Winde verkünden können, damit alle Welt erführe, was hier geschah. Aber ich schwieg. Nachdem nun eine gewisse Zeit verstrichen ist und ich Zeit zum Nachdenken hatte, halte ich es für angezeigt, mich an Ew. Exzellenz zu wenden: man hat mir meinen Bischofsring gestohlen, ein Geschenk der deutschen katholischen Traditionalisten aus Anlaß meiner Bischofsweihe und mir besonders teuer. Man stahl mir meine Uhr, mein schlichtes Bischofskreuz und einen hochwertigen Photoapparat wie auch einen größeren Geldbetrag, vorgesehen für einen Notfall auf der Reise. All diese Dinge und auch das, was man meinen Begleitern stahl oder entriß, dürfte sich in den Händen des Urhebers des Attentates befinden. Ew. Exzellenz, als dessen Vorgesetzter, kann ihn veranlassen, mir die Dinge zurückzuerstatten, denn alles das ist in den gegenwärtigen Zeiten von hohem Wert. Wenn man unter Gerechtigkeit versteht, was immer darunter verstanden wurde, wäre dies ein Akt der Gerechtigkeit. Wenn der Urheber der Aktion diese Dinge nicht in Händen haben sollte, könnten Ew. Exzellenz sie bei den von ihm inspirierten und bezahlten Attentätern selbst zurückverlangen. Ich wäre zutiefst dankbar, wenn Ew. Exzellenz in dieser peinlichen Angelegenheit in meinem Sinne intervenieren wollte.

(Acapulco, den 29.11.1984)

(sig.:) + Moisés Carmona
 
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