56. Jahrgang Nr. 5 / September 2026
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1. Enzyklika Humani generis
2. Enzyklika Humani generis, Fortsetzung
3. SCHADE, JAMMERSCHADE...
4. NUR FUR SEIN REICH
5. SEELSORGE IN MEXIKO
6. CHRISTLICHE BEWÄHRUNG
7. FORMEN, WIE DAS KIRCHLICHE RECHT ANZUWENDEN IST.
8. OFFENER BRIEF
9. DAS TURINER LEICHENTUCH
10. AUS DEM JUNI-RUNDSCHREIBEN VON HERRN DR. GRÖSSLER
11. VON DEN NICHT-WÄHLERN DER 'CDU INS STAMMBUCH GESCHRIEBEN
12. MEINUNG DES LESERS: EIN INTERVIEW MIT HERRN JOSEF MÜLLER
13. DIE PASTORAL-REGELN DES HL. PAPSTES GREGOR D.GR.
14. NACHRICHTEN, NACHRICHTEN, NACHRICHTEN
15. MITTEILUNGEN DER REDAKTION
CHRISTLICHE BEWÄHRUNG
 
CHRISTLICHE BEWÄHRUNG

von
Tatjana Goritschewa

(aus: "Die Rettung der Verlorenen, Bekenntnisse" Wuppertal (R. Brockhaus Verlag) 1982.)


Die Starzen lehrten uns, die Neubekehrten, daß man im geistlichen Leben sich nicht beeilen kann, man müsse sich auf eine "lange Strecke" vorbereiten. Sie lehrten Nüchternheit: kein plötzlicher Aufschwung, keine mystischen Erleuchtungen, sondern tagtägliche prosaische schwere Arbeit.
Starez Paisij Welitschkowskij nannte den Mönch "den Märtyrer des Alltags". Und da es in der Orthodoxie keine prinzipiellen Unterschiede zwischen Mönchtum und Welt gibt, hieß das: Jeder Christ muß in der Prosa seines Alltags zur Vollkommenheit hin wachsen.

Wie geschieht dies? Wieder war es die Mutter Jesu, deren vollkommener Gehorsam den Weg wies. Das Bild vom Leib als Tempel des Heiligen Geistes macht deutlich, welch hohe Bedeutung Gott auch allem Körperlichen seiner Schöpfung beimißt. Dazu kam dann konsequenterweise die Idee der Keuschheit, einer reifen Keuschheit.

Früher sahen wir über die Moral hinweg, weil wir ihre Grundlagen nicht begriffen. Inzwischen haben wir erkannt, daß die Sünde, auch die Sünde der Körperentehrung, Unzucht und Ausschweifung, nicht irgendeine menschliche Erfindung ist. Die Sünde ist ein ontologisches Phänomen. Jede Sünde trennt von Gott, trennt den Menschen von sich selbst, bringt den Tod. Oh, wie haben wir nunmehr verstanden, was Reinheit bedeutet, wie wußten wir sie zu schätzen - wir, die früher nach einem dialektischen hegelianischen Gesetz lebten, das verkündete, alles Reine sei nichts anderes als das nicht aufgedeckte Schmutzige. Wir suchten nun die Seligkeit derer, "die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen".
 
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