56. Jahrgang Nr. 5 / September 2026
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1. Enzyklika Humani generis
2. Enzyklika Humani generis, Fortsetzung
3. SCHADE, JAMMERSCHADE...
4. NUR FUR SEIN REICH
5. SEELSORGE IN MEXIKO
6. CHRISTLICHE BEWÄHRUNG
7. FORMEN, WIE DAS KIRCHLICHE RECHT ANZUWENDEN IST.
8. OFFENER BRIEF
9. DAS TURINER LEICHENTUCH
10. AUS DEM JUNI-RUNDSCHREIBEN VON HERRN DR. GRÖSSLER
11. VON DEN NICHT-WÄHLERN DER 'CDU INS STAMMBUCH GESCHRIEBEN
12. MEINUNG DES LESERS: EIN INTERVIEW MIT HERRN JOSEF MÜLLER
13. DIE PASTORAL-REGELN DES HL. PAPSTES GREGOR D.GR.
14. NACHRICHTEN, NACHRICHTEN, NACHRICHTEN
15. MITTEILUNGEN DER REDAKTION
OFFENER BRIEF
 
OFFENER BRIEF

Ass. Prof. Dr. D. Wendland
Dresdnerstr. 4
73oo Esslingen (a.N.)
Tel.: (o71 1)312257

den 5.2.1985
An die
Priesterbruderschaft St. Pius X.
Distrikt für Deutschland, Priorat St. Athanasius
Stuttgarterstr. 24
7ooo Stuttgart 3o (Feuerbach)

Betr.: Römisches Dekret vom 3.lo.1984 des "Summus Pontifex".


Sehr geehrte Herren Patres!

Ihr "Bittgesuch an den Hl. Vater" sowie das "dreifache Anliegen" desselben ist eine grobe Irreführung glaubenstreuer Katholiken, insbesondere aber solcher, die die ganze Sache überhaupt nicht beurteilen können. Ich hatte Ihnen so etwas eigentlich nicht zugetraut (zumindest nicht Mgr. Lefebvre), sondern gehofft, daß Sie sich gerade jetzt klugerweise etwas zurückhalten und zunächst einmal Ihre eigenen Positionen überdenken würden, um zu einem sachlichen Ergebnis zu kommen. Das jedoch scheint nun endgültig vorbei zu sein.

Ich bin bereits im vorigen Jahre von verschiedenen Seiten um eine kurze Stellungnahme zu diesem Dekret gebeten worden, da man eine klare Antwort auf bestimmte Fragen wünschte. Traditionalistische Priester und Laien verwendeten dann (auch) meine Stellungnahme in eigener Regie, um eine nötige Aufklärungsarbeit zu leisten. Das gleiche geschah nach Bekanntwerden eines Schreibens des häretischen "Bischofs von Mainz" an die Laien seiner Diözese. Meine beiden Stellungnahmen lege ich Ihnen zur gfl. Kenntnisnahme bei. Es war erfreulich, dann auch Briefe von bekannten "konservativen Professoren" zu erhalten, die wenigstens damit anfingen, von falschen Problemstellungen abzurücken.

Ihre Unterschriften-Aktion ist schon deswegen rechtlich unmöglich und auch unerlaubt, weil Mgr. Lefebvre keine Jurisdiktion über Laien besitzt. Zuständig sind allein die Diözesan-Bischöfe, die deshalb auch die Ausführungsbestimmungen festzulegen und fristgemäß durchzuführen haben. Von Ihrem Standpunkt aus hätten Sie den Laien nur den dringenden Rat geben können - denn verpflichten können Sie diese zu gar nichts -, Anträge über ihre Gemeindepfarrer direkt zu stellen (nicht aber über den Pfarrgemeinderat oder über den noch schlimmeren "Pastoralrat", falls Sie überhaupt den neuen CIC kennen). Glauben Sie wirkliche, es ließen sich alle Laien, die sich "um die Niederlassungen der Priesterbruderschaft kristallisieren" ein X für ein U vormachen? In welcher irrealen Welt und "Kirche in der Welt von heute" leben Sie eigentlich?

Kein glaubenstreuer Katholik, der zu denken anfängt, kann seine "Dankbarkeit zum Ausdruck" bringen für ein Dekret, das bereits in sich und nicht erst durch seine Zielsetzung rechtlich und moralisch verwerflich ist und das außerdem noch eine Tat-Sünde "ex malitia" impliziert. Ich kann nicht moraltheologisch präsumieren, daß Ihnen die normative Grundbedingung in diesem Betrugs-Dekret und seine notwendige Folge nicht erkennbar sein könnte. Im übrigen hat dieses Dekret als eineklar umrissene "Maßnahme" gar nichts "praktisch unwirksam" gemacht, was nicht durch es selbst erreicht werden sollte. Auch Sie sind dafür ein Beweis. Darüber könnte Sie sogar der geschickte Modernist und Kardinal Ratzinger aufklären, der mit Recht darauf hinwies, daß es weder eine vorkonziliare noch eine nachkonziliare Kirche gäbe, wohl aber eine - doch dies verschwieg er geflissentlich - Konzilskirche, die im übrigen in ihren Wesensmerkmalen eindeutig bestimmt werden kann. Auch Ihre Priesterbruderschaft befindet sich in dieser Kirche, was jetzt sogar "sichtbar" geworden ist.

Das Dekret beinhaltet und intendiert in keinerlei Hinsicht eine "Rückkehr zur überlieferten römischen Messe". Ein solches Wunschdenken, das schon an Aberglauben grenzt, wird bereits ausgeschlossen durch bestimmte, unbedingt verbindliche Lehren des Vatikanums 2, hinter die nicht zurückgegangen werden darf, wie auch JP2 mehrmals ausdrücklich erklärte. Im übrigen ist der NOM keine "nachkonziliare" Erfindung von Montini, was Ihnen doch ebenfalls bekannt sein dürfte. Kein gläubiger Laie kann deshalb, ohne das Prinzip "Omnia instaurare in Christo" aufzugeben, die momentane römische "Heiligkeit ehrfürchtig und kindlich" um etwas bitten, das sie ihm gar nicht gewähren kann. Papst Wojtyla wäre auch politisch dumm oder schlecht beraten, wenn er das täte. Für eine "ansatzweise Öffnung Roms" für irgendwelche "Anliegen der Tradition" fehlt jede Grundlage.

Eine "Rückkehr zur authentischen Tradition in Glauben und Liturgie" (gemeint ist wohl: in Glaube, nicht: im Glauben) ist auf dem Fundament der Konzilskirche und ihren authentischen Lehren prinzipiell unmöglich. Andernfalls würde sie sich selbst aufgeben, was weder erhofft noch erwartet werden kann. Der hochqualifizierte Häretiker Karl Rahner S.J. hatte völlig recht, als er, indem er auch in dieser Beziehung die Katze aus dem Sack ließ, schrieb, daß das Pastoralkonzil, das sich als ökumenisches Konzil konstituiert hatte, "der Anfang eines Anfangs" gewesen war, und zwar präzise im Sinne Hegels. Es blieb Ihnen und leider auch Mgr. Lefebvre vorbehalten, das hier klar Gesehene bis heute nicht begriffen zu haben. Allerdings habe ich jetzt den Eindruck, daß Sie dies auch gar nicht mehr wollen, sondern lieber eine üble Täuschung gutwilliger Katholiken (bestenfalls) in Kauf nehmen, um Ihr eigenes Dilemma zu kaschieren.

Im übrigen ist es hochmütig, unverschämt und unwahr zugleich, den gutgläubigen Meßbesuchern von einer angestrebten Personalprälatur zu berichten, "die dem Generaloberen eine reguläre Autorität über alle Gläubigen verleiht..., die unseren Prioraten und Kapellen verbunden sind". Ja, wissen Sie eigentlich noch, wovon Sie überhaupt reden? Gott möge alle unwissenden Gläubigen vor so etwas beschützen und sie bald erleuchten, damit sie nicht Rattenfängern in die Hände fallen wie denen vom Opus Dei. Eine Personalprälatur ist gemäß ihrer Rechtsfigur nur ein klerikaler Zweck-Verband von Weltgeistlichen, dem auch Laien (d.h. Nicht-Kleriker) angehören oder in dem auch Laien Mit-glieder sein können mit vertraglich festgelegten Rechten und Pflichten. Und wenn eine Personalprälatur in einer Diözese seelsorgerisch oder missionarisch tätig werden will, dann benötigt sie die Zustimmung des betreffenden Diözesanbischofs. Und für alles das sollen heute die gläubigen Laien sogar "intensive Gebete" zum Himmel schicken? Das ist genau so unsinnig, wie wenn sich die von Ihnen aufgerufenen siebenjährigen Kinder in die Antragslisten, die keine sind, einschreiben würden.

Es ist mir unerfindlich, wie Sie eigentlich darauf kommen, daß der häretische und an einem apostatischen Akt partizipierende Bischof Wojtyla der momentane "Stellvertreter Christi" sei? Es wäre angebrachter, Priester würden für ihn beten, auf daß er sich bekehre, bevor ihn der Tod ereilt. Noch besser freilich wäre es, man würde den Herrn der Kirche des Credo, die die Seinige ist, um einen Papst bitten. Ich könnte es mir gut denken, daß dann auch der hl. Papst Pius X. mithilft, ohne über die Priesterbruderschaft seines Namens zu weinen.

Mit besten Empfehlungen i.A. von Laien, die weder Schismatiker noch Häretiker noch Apostaten, aber auch keine Illuminaten sind...

(gez.:) Wendland




"Es GIBT WAHRHEITEN, DIE SICH NICHT GUT SAGEN LASSEN" LEON BLOY.


Und noch mehr, die sich nicht gut anhören lassen. Man muß also eine Auswahl treffen, wozu die Einsicht von Engeln nötig wäre, und welcher Engel!

Eine Wahrheit, die ihren Künder oder Zeugen in Gefahr bringt, ist sicher keine, die sich gut sagen läßt. Zuerst Sicherheit, jedem das Seine, der Bürger ist kein Blutzeuge. Er ist auch kein Bekenner, kein zerknirschter, sich demütigender Büßer; die ihm unbequemen Wahrheiten nimmt er einfach nicht zur Kenntnis.

Ausgezeichnet. Aber nun kommt eine Schwierigkeit. Unterdrückt man die Wahrheiten, die zu sagen gefährlich, und die, die zu hören unbequem ist, was bleibt dann noch übrig? Ich mag suchen, wie ich will, ich sehe keine dritte Gruppe. Machen wir uns doch nichts vor und erklären wir ohne Wimpernzucken: Es gibt keine Wahrheit, die zu sagen gut ist, das ist der wahre Sinn. Vielleicht gibt es überhaupt keine Wahrheit. Pilatus, der ihr von Angesicht zu Angesicht gegenüberstand, war ihrer nicht sicher.

(aus: "Exegese des lieux communs"; dt. v. H. Greifeneder)
 
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