56. Jahrgang Nr. 5 / September 2026
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1. Enzyklika Humani generis
2. Enzyklika Humani generis, Fortsetzung
3. SCHADE, JAMMERSCHADE...
4. NUR FUR SEIN REICH
5. SEELSORGE IN MEXIKO
6. CHRISTLICHE BEWÄHRUNG
7. FORMEN, WIE DAS KIRCHLICHE RECHT ANZUWENDEN IST.
8. OFFENER BRIEF
9. DAS TURINER LEICHENTUCH
10. AUS DEM JUNI-RUNDSCHREIBEN VON HERRN DR. GRÖSSLER
11. VON DEN NICHT-WÄHLERN DER 'CDU INS STAMMBUCH GESCHRIEBEN
12. MEINUNG DES LESERS: EIN INTERVIEW MIT HERRN JOSEF MÜLLER
13. DIE PASTORAL-REGELN DES HL. PAPSTES GREGOR D.GR.
14. NACHRICHTEN, NACHRICHTEN, NACHRICHTEN
15. MITTEILUNGEN DER REDAKTION
DAS TURINER LEICHENTUCH
 
DAS TURINER LEICHENTUCH:
MERKWÜRDIGER VORFALL IM DOM VON TURIN




Seit fast 4oo Jahren wird im Dom von Turin, in Italien, das Grablinnen Jesu Christi aufbewahrt.

Millionen Katholiken aus aller Welt haben seitdem vor diesem Heiligtum gebetet. Dieses Leinentuch wurde Mittelpunkt einer mysteriösen Affäre. Es hat nämlich seine unheimliche überirdische Macht unter Beweis gestellt, die auch heute noch wirkt.

Nach biblischer Überlieferung ließ Jesus, als er von den Toten auferstand, im Höhlengrab auf dem Ölberg ein 1,1 o X 4,36 m großes, mit Blut und Schweiß bedecktes Laken zurück. Dieses befindet sich heute in einer Seitenkapelle des Domes von Turin. Dort wird es, durch schwere Eisengitter abgesichert, in einem Silberschrein hinter dem Altar aufbewahrt.

Doch nicht alle Menschen glauben daran, daß es sich bei diesem Laken wirklich um das Leichentuch Christi handelt. Viele Zweifler bezeichnen diese Reliquie als einen Schwindel: Die Existenz dieses Tuches läßt sich nämlich bloß bis zum Jahre 1354 zurückverfolgen. Dann verliert sich die Spur, wie das Tuch nach Italien gekommen sein soll. Daher erklären Geschichtsforscher immer wieder: "Dieses Tuch ist eine Fälschung."

Der vatikanische Prälat Giulio Ricci bemüht sich seit Jahren, diese Gegenstimmen zu widerlegen: Er will nachweisen, daß das Tuch echt ist: "Die Abdrücke auf dem Stoff stammen tatsächlich von Christus. Bevor man Ihn ans Kreuz nagelte, wurde Jesus noch unvorstellbar grausam gefoltert. Das sieht man genau aus dem Tuch. Seine Jünger sagen, daß Sein Körper über hundert Einschläge von Bleikugeln bekam, die an Lederpeitschen befestigt waren. Auf dem Tuch kann man über hundert Wunden zählen, die von solchen Schlägen herrühren."

Ein enger Mitarbeiter des Prälaten erklärte dazu: "Wer bis jetzt gezweifelt hat, wird nun vielleicht an die Echtheit des Leichentuches glauben. Bei einer Fälschung hätte es wohl kaum einen derart ungewöhnlichen und mysteriösen Vorfall in der Kathedrale gegeben wie diesen."

Was war geschehen? Der 29jährige Casare Lianni aus Verona hatte sich seit Monaten einen Plan zurechtgelegt. Er wollte das Leichentuch Christi aus dem Dom von Turin rauben. Er hatte sogar schon einen Abnehmer dafür, einen reichen Geschäftsmann aus Amerika, der ihm viel Geld für diese Kostbarkeit bot.

Casares Freundin Maria, die von dem Vorhaben wußte, bettelte immer wieder: "Laß die Finger davon! Versündige dich nicht an unserem Heiland. Die Sache wird dir kein Glück bringen. Das läßt sich Jesus nicht gefallen! Du wirst sehen...". Doch Cäsare lächelte. Eines Nachmittags ist es dann soweit. Cäsare hat all sein Einbrecherwerkzeug unauffällig unter seinem Mantel verborgen. Er begibt sich mit einigen Touristen in die Kathedrale. In einem unbeobachteten Augenblick versteckt er sich unter einer Gebetsbank. Abends läßt er sich im Dom einschließen. Er wartet bis Mitternacht. Dann knipst er seine Taschenlampe an und schleicht über die Galerie des Kuppeldaches durch eine Dichtungsluke in die Sakristei. Von dort führt sein Weg durch die schwere verschlossene Tapetentür in jenen mit Eisengittern gesicherten Raum, in dem sich die Silberschatulle mit dem Leichentuch befindet. Immer wieder leuchtet der Einbrecher auf das Linnen. Bis hierher ist er gekommen.

Alles, was jetzt noch zu tun ist, erscheint ihm wie ein Kinderspiel. Er beugt sich herab, er hebt von der Schatulle die Glasbedeckung ab, er greift nach dem Leichentuch. In dem Augenblick aber, da er das Tuch berührt, durchzuckt es ihn wie ein Blitz. Plötzlich scheint es ihm, als würden sich die auf dem Tuch abgedrückten Gesichtszüge Jesu Christi bewegen. Auf einmal sehen ihn zwei große Augen an. Und dann hört er über sich laut hallend die Worte: "Du Sünder, du wagst zuviel! Vergreife dich nicht an diesem Heiligtum, sonst wird deine Strafe fürchterlich sein!" Trotzdem greift Cäsare Lianni nach dem Tuch. Doch im gleichen Moment verdunkeln sich seine Sinne: Schreiend beginnt er im Raum zu tanzen, dann wirft er sich zu Boden, anschließend flüchtet er hinüber in die Sakristei und danach zum Altar.

Hier vor dem Altar wirft er sich abermals nieder und betet. Dann rutscht er auf den Knien immer dichter an den Altar heran. Dabei wirft er eine von den Kerzen um, die dort ständig brennen. Als kurz darauf alles lichterloh brennt, flüchtet der Einbrecher. Er läuft zum Tor des Domes, er hämmert dagegen, und schreit immer wieder wie von Sinnen:

"Gott im Himmel verzeih mir! Gott im Himmel verzeih mir!" Nach einiger Zeit wird eine Polizeistreife endlich auf den Lärm in der Kathedrale aufmerksam. Man holt den Mesner. Dieser öffnet den Dom. Mit bleichem Gesicht, am ganzen Körper zitternd wankt ihnen der junge Mann entgegen. Dicke Schweißtropfen stehen auf seiner Stirn. Seine Hände zittern, sein Blick ist irre. Er klammert sich fest an einen Polizisten und schreit immer wieder: "Helft mir! Helft mir! Ich will nicht in die Hölle!"

Da aus dem tobenden Mann nichts herauszubringen ist, liefert man ihn erst einmal in eine Nervenklinik ein. Später wird in diesem Zusammenhang festgestellt, daß dieser Mann versucht hat, das Leichentuch Christi zu stehlen.

Den Polizisten und Geistlichen, die noch in der gleichen Nacht am Tatort erscheinen, fällt sofort auf, daß der Luster, der über dem Schrein gehangen hat, jetzt am Boden liegt und völlig zerbrochen ist. Niemand kann sich dies erklären. Als man Cäsare Lianni in der Klinik nach dem Lüster befragt, bekommt er wiederum Schreikrämpfe.

Dann erst berichtet er: "Es war entsetzlich! Als ich ein zweites Mal nach dem Leichentuch greifen wollte, knirschte es über mir. Gleich danach kam krachend der Lüster herunter. Um ein Haar wäre ich getroffen worden. Dann sah ich wieder Jesus vor mir. Er mahnte mich, den Dom sofort zu verlassen, sonst, so sagte er, würde es mir schrecklich ergehen. Und er sagte weiter: es sei eine schwere Sünde, sich an dem Leichentuch zu vergehen. Als die Gestalt vor mir verschwand, verspürte ich auf meinem Körper entsetzliche Peitschenhiebe. Ich rannte schreiend aus dem Raum und suchte Schutz vor dem Altar. Doch auch dort hatte sich alles gegen mich verschworen. Plötzlich brannte die Altardecke lichterloh. Und in den Flammen sah ich wieder das Gesicht Jesu. Er blickte mich traurig an. Von da an weiß ich nicht, was ich tat."

Nach dieser Aussage bricht Cäsare Lianni in minutenlanges lautes Weinen aus.

(aus: DER GEFÄHRTE Nr.4, 1982)
 
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