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| MEINUNG DES LESERS: EIN INTERVIEW MIT HERRN JOSEF MÜLLER |
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MEINUNG DES LESERS:
EIN INTERVIEW MIT HERRN JOSEF MÜLLER
(aus: STADTREVUE / Villingen, März 1984, S.16 f.)
STADTREVUE: Herr Müller, Sie sind seit 1971 an die Öffentlichkeit
gegangen, um Entwicklungen entgegenzutreten, die in den damaligen
Jahren immer stärker zu Tage traten. Ich meine damit die Reformen der
sozial-liberalen Koalition, die seit dem Jahre 1969 an der Regierung in
Bonn war. Was war in diesen Jahren Ihre Hauptsorge, wohin die
Entwicklung führen werde?
JOSEF MÜLLER: "Von dem Augenblick an, wo der Mensch das Gleichgewicht
gegen die zehn Gebote Gottes verliert, beginnt er, moralisch zu
stürzen. Die Liberalisierung des Sittenstrafrechts war durch das
politische Klima im Ansatz bereits sehr deutlich zu erkennen. Die
Fristenlösung stand zur Diskussion. Es sollte das für mich, für mein
Rechtsempfinden Furchtbare geschehen, daß der Schutz des ungeborenen
Menschen aufgehoben würde. Diese Ansicht bedrückt mich um so mehr, als
man im Dritten Reich eben gerade durch dieselben Fehler die man heute
macht, dieses unselige Tun schon praktiziert hatte.
Die Juden waren unerwünscht, die Behinderten waren unerwünscht, die
geistig Behinderten waren unerwünscht und nicht als gleichberechtigte,
richtige Menschen anerkannt. Für mich ist der Mensch in jedem Zustand
gleichwertig, ob Mann, ob Frau, geboren oder unbegoren, gesund oder
krank. Jude oder Christ, alt oder jung, immer handelt es sich um den
Menschen, dem man, aus welchen Gründen auch immer, niemals das
Lebensrecht verweigern darf. Es gibt keine Gründe, ungeborene Menschen
durch Abtreibung zu töten".
STADTREVUE: Herr Müller, welche Reformen in dieser Zeit sind für Sie
besonders schwerwiegend und gravierend gewesen, und glauben Sie, daß
unter einer konservativen Regierung die Entwicklung vielleicht anders
verlaufen wäre?
JOSEF MÜLLER: "Die Freigabe des Tötens durch Abteibung, besonders durch
die Aufnahme der sogenannten sozialen Indikation, die
Scheidungserleichterungen, die Freigabe der Pornografie, dies waren die
Schwerwiegendsten. Wichtig ist auch die Liberalisierung des Strafrechts
in dem Sinne, daß gegen diese offensichtlichen Verbrechen nicht mehr
nach dem Buchstaben des Gesetzes vorgegangen wurde und wird. Hierin
sehe ich eine Tendenz fortschreitenden Kultur- und Sittenverfalls
gemessen an den zehn Geboten Gottes und dies bedeutet, daß hiermit der
Mensch vor Gott eine furchtbare Schuld auf sich lädt.
Von den christdemokratischen Kräften bin ich insofern enttäuscht, als
sie diese liberale Lebensauffassung zu einem großen Teil mitmachen und
deshalb eben auch zum selben Ereignis hinführen. Den Beweis hierfür
erleben wir alle mit der jetzigen Koalition, in der Kohl, Geißler und
andere öffentlich, wenn auch mit Umschreibungen erklären, den
Paragraphen 218 nicht ändern zu wollen; der Kinderholocaust geht also
weiter.
STADTREVUE: Herr Müller, glauben Sie, daß nach den Entwicklungen der
letzten Jahre und Jahrzehnte eine Änderung der Lebenseinstellung in dem
Sinne, wie Sie ihn wollen, überhaupt noch möglich ist?
JOSEF MÜLLER: "Ja und nein. Sie ist nicht mehr möglich, wenn die
Mehrheit unseres Volkes weltanschaulich am Sozialismus und Liberalismus
festhält und auf diesem politischen Wege weiter mitgeht, der vorgibt,
die Menschen zu höheren Kulturen zu führen. Wesensmerkmal dieser nach
meiner Meinung falschen Weltanschauungen sind hauptsächlich, daß sie
nur auf materielle Dinge ausgerichtet sind. Der Mensch selber als
Materialwert, denn nach dieser Auffassung soll ja nach dem Tode alles
aus sein. Der Mensch aber hat Ewigkeitswert und was hierüber zu sagen
ist, da glaube ich dem Wort der heiligen Schrift. Hat der Mensch aber
tatsächlich nur den reinen Materialwert, dann muß man ganz automatisch
zu der Auffassung kommen, daß nur Wert hat, was einem nützlich ist. Ist
ein ungeborenes Kind einem im Wege, unerwünscht, erwächst daraus die
Rechtfertigung, es aus der Welt zu schaffen. Materialwert. Das ist sehr
furchtbar. Die Weltverbesserung beginnt letztendlich durch die
Verbesserung des eigenen Herzens. "Nur mit dem Herzen sieht der Mensch
gut und richtig", heißt ein Dichterwort. Ändern muß sich die
Einstellung zwar zu den Normen der zehn Gebote hin unter Zuhilfenahme
von Religion und Gebet. Die Ansicht von Marx, Religion sei Opium für
das Volk, von Demokraten ausgesprochen und prophezeit, kann die Wende
zum Besseren nicht herbeiführen. Religion ist nicht für die Dummen,
Religion ist richtig besehen eine Notwendigkeit, ist unentbehrlich. Ein
Schulbeispiel dafür bietet doch die Sowjetunion. Ist es dort besser
geworden, nachdem man Gott für tot erklärt hat? Was ist dort de Mensch
wert? Wir haben es hier mit dem Geheimnis des Bösen zu tun. Ändere Dein
Verhalten, sagt ein Dichterwort, dann ändern sich die Verhältnisse".
STADTREVUE: Herr Müller, in der Dritten Welt entstehen durch einen
hohen Geburtenüberschuß ständig Hungersnöte: Arbeits- und
Ernährungsprobleme sind für hunderttausende von Menschen an der
Tagesordnung. Es gibt wohl kaum etwas Schlimmeres, als verhungernde
Kinder zu sehen. Wie glauben Sie kann man dieses Problem lösen, wenn
man Geburtenregelung in jeder Form ablehnt?
JOSEF MÜLLER: "Werte ich den Menschen nur als biologisches,
fleischliches Menschenwesen, mit der Maßgabe, daß nach dem Tod alles
aus ist, dann gibt es in der Tat nur die eine Lösung, der
Überbevölkerung durch Töten von Menschen und man spricht es doch durch
die hohle Hand, durch Tötung ungeborenen Lebens und durch die
Verhinderung von Geburten durch die Pille, Einhalt zu gebieten. Das
Recht des Stärkeren wäre damit zum Kriterium allen sozialen Handelns
geworden. Das Recht des Stärkeren aber ist das stärkste Unrecht. Die
scheinbare Überbevölkerung, die es gibt wird doch recht besehen dadurch
zum Problem, daß man in der westlichen Welt bis jetzt die
Zukunftsaufgaben der Menschheit überhaupt noch nicht zu lösen
angefangen hat. Technik, Wissenschaft und Erkenntnisse stellen wir in
den Dienst unserer matereillen, egoistischen Lebenauffassung. Wir sind
nicht bereit, unser Konsumdenken, unsere materialistische Einstellung
zu ändern. Wir sind damit gegenüber der Dritten Welt unsozial.
Bevölkerungspolitische Probleme können und dürfen nicht durch Töten von
Menschen gelöst werden. Wagen wir uns zu erinnern an unsere unselige
Vergangenheit, in der man gleichfalls bevölkerungspolitische
Zielsetzungen durch Töten von Menschen praktiziert hat. Wir müssen den
Menschen, seinen Lebenssinn und -ziel auf dem Hintergrund der Ewigkeit
werten. Ein Menschenleben ist dem Zeitmaß nach ein Hauch. Vor Gott
spielt es keine Rolle, ob ich zehn oder neunzig Jahre alt werde/ Die
Leiden, die die Menschen durch Krankheit oder Not erdulden müssen, sind
nach christlicher Überzeugung keine Sinnlosigkeit. Diese Sinnlosigkeit
und Ungerechtigkeit bestünde aber darin, daß am Ende eines Lebens der
Verhungerte gleichviel hat wie der Reiche oder der satte Demokrat. In
diesem Zusammenhang wäre auch einmal ein Wort darüber zu verlieren,
woher denn überhaupt Krankheit und Tod kommen. Der Belesene weiß, daß
die Ursache letztendlich in der Erbsünde besteht. Eine materialistische
Weltauffassung wird die Not der Dritten Welt nicht leichter machen
können.
Es gibt aber nicht nur die materielle Not, sondern auch die geistige.
In diesem Punkt stellt sich der Westen und vornehmlich Europa als
'Dritte Welt' der Dritten Welt dar. Wir glänzen in diesem Jahrhundert
mit zwei Weltkriegen und mit der Ungeheuerlichkeit der
Sozialproblemlösungen durch Töten durch Abtreibungen. Es gilt also
zuerst den eigenen Mist im eigenen Stall zu beseitigen.
STADTREVUE: Herr Müller, eine abschließende Frage, Sie werden
sicherlich wegen Ihrer christlichen Lebenseinstellung, die Sie auch
offen bekennen und zeigen, oftmals angefeindet, vielleicht sogar
lächerlich gemacht. Wie schafft man es, dies zu verkraften und seine
Meinung und seinen Lebensinhalt weiterhin offen zu vertreten?
JOSEF MÜLLER: "Das ist eine ganz einfach zu beantwortende Frage. Ich
habe keine Feinde. Ich mach mir von keinem Menschen ein Feindbild.
Jeden Menschen, der mir gegegnet, werte ich als Geschöpf Gottes mit
Ewigkeitswert, so unendlich viel wert, daß ein Gott für ihn am Kreuz
starb. Wenn der Mensch aber soviel wert ist, habe ich mit keinem
Gedanken eine Veranlassung, einen Menschen irgendwie zu entwerten. In
jeder Begegnung mit einem Menschen erhalte ich eine Bereicherung, auch
von jenen, die mir nicht wohlgesonnen sind. Wünschte ich doch jedem
Menschen, daß er nicht wie ein Tier verendet und damit sein Leben
abschließt, sondern daß er, wie der Christus selber sagt, mit ihm nach
Durchschreiten des Todes die höchste Würde in der Gemeinschaft mit Gott
finden möge. Es fällt mir also nicht so schwer, das Ausgelachtwerden in
Kauf zu nehmen, wenn einer meiner 'Freunde' die einzige Freude gewänne,
mich lächerlich zu machen; dann gönne ich ihm diese Freude von Herzen.
Dies ist meine Einstellung zu meinem Gegenüber, gleich, welcher
Weltanschauung er auch sein mag.
Wenn man eine Auffassung als richtig erkannt hat, darf man sie auch
offen vertreten. Der Schwache hat ein Recht darauf, daß der
Gefestigtere stark bleibt. Es gibt genug "Rundpunktleser", die in
verschiedenen Notlagen neuen Sinn für den weiteren Lebensweg erhalten.
Das wäre zum Beispiel ein Fall, bei dem nicht materielle Hilfe, sondern
echte Lebenshilfe praktiziert wird. - Mein Motto und das meiner Familie
lautet: Sei was Du bist und was Du bist, habe den Mut ganz zu sein". |
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