N I E D E R G A N G
- AUS DER SICHT EINES ORTHODOXEN PRIESTERS -
von
H.H. P. Photius, Jericho (Israel), St.-Gerasimus-Kloster
Die orthodoxe Kirche verfolgt mit größter Sorge den Niedergang und die
Zerstörung der katholischen Kirche durch den Geist dieser Welt, vor dem
der Herr so gewarnt hat und dem die Kirche weit ihre Tore geöffnet hat.
Weiter hat Rom dem Protestantismus für seine Häresie ebenfalls Raum
gegeben. Die Dogmen werden bezweifelt, die Wunder Jesu, die er
verrichtete, geleugnet oder als Märchen erklärt, ebenso ist der Teufel
abgeschafft, die altehrwürdige römische Liturgie, die bis zum 1.
Jahrhundert zurückgeht, wurde verboten und eine 'Messe' dafür am
Schreibtisch von ungläubigen katholischen Theologen fabriziert, der der
Opfercharakter gänzlich fehlt. Dieser 'neue Meßritus' ist nichts als
eine protestantische Abendmahlsfeier, an der die lutherischen Häretiker
ihre Freude haben. Weiter ist es eine große Blaspemie, die Messe nicht
mehr nach Osten zu zelebrieren, sondern auf einem sogenannten
ungeweihten 'Volksaltar' gegen das Volk. Der Osten ist das Symbol der
aufsteigenden Sonne, das ist Christus, die neue Sonne der
Gerechtigkeit. Der Westen ist das Symbol des Sonnenunterganges, also
der anbrechenden Nacht und der Finsternis. Auch die Entfernung der hl.
Eucharistie (des hl. Sakramentes des Altares) vom Altar ist verboten,
denn Altar und Altarsakrament gehören zusammen und nicht getrennt. Bei
uns, in der orthodoxen Kirche, die wir die ungeteilte Überlieferung bis
heute ganz genau bewahrt haben, wird das allheilige Sakrament entweder
in einem kleinen silbernen Artophorion, das am Altar steht
(Tabernakel), in einer goldenen Pyxis aufbewahrt oder in einer
silbernen Pyxis, die, an einem Kettchen befestigt, über dem Altar
schwebt und am Baldachin befestigt ist. Die meisten Altäre der Kirchen
haben über dem Altar ein Ziborium, das auf vier kleinen Säulen
aufsitzt, und gleichsam das Himmelsgewölbe versinnbildet.
Auch die Handkommunion gibt es bei uns nicht einmal im Traume! Wie
können ungeweihte Hände den allheiligen und kostbaren Leib des Herrn
berühren? Durch die Handkommunion ist die Ehrfurcht vor der wirklichen
Gegenwart des Herrn im konsekrierten Brot ganz verschwunden. Die Leute
treten gedankenlos zum Empfang der hl. Eucharistie, wie in einer
Großküche die Leute zur Essenausgabe. Verzeihen Sie, wenn ich diesen
Vergleich verwende.
Unsere Sprache des ganzen Gottesdienstes (Messe und Chorgebet) ist die
altgriechische und zwar jene, in der das Neue Testament geschrieben
wurde und in der auch die großen Lehrer und Väter der Kirche ihre
gotterfüllten Schriften verfaßten. Bei uns gibt es nur eine Form der
Beichte und zwar die geheime, private Ohrenbeichte, wie sie der Herr
eingesetzt hat. Ohne Beichte gibt es keinen Empfang der hl. Kommunion.
Die Generalbußandachten, wie sie jetzt in der katholischen Kirche
eingeführt werden sollen, sind protestantisch und daher häretisch. Man
muß dem Priester die Sünden beichten, das liegt doch schon im
Einsetzungsbefehl des Herrn: "Denen ihr die Sünden nachlassen werdet,
denen sind sie nachgelassen; und denen ihr sie vorbehalten werdet,
denen sind sie vorbehalten!" Eine ganz klare Anordnung. Wie soll ich
als Priester Sünden vergeben, die ich nicht weiß, weil sie mir nicht
gesagt worden sind?
(aus: DEUTSCHER TAGESPOST vom 13.8.85)
|