56. Jahrgang Nr. 3 / Mai 2026
Datenschutzerklärung | Zum Archiv | Suche




1. PREDIGT ZUM WEIHNACHTSFEST
2. IN ERINNERUNG AN S.E. MGR. NGO-DINH-THUC
3. VOM LEID DER ANDEREN
4. DER DREIKÖNIGSKUCHEN
5. EINIGES ÜBER DEN BEGRIFF UND DAS WESEN DES CHRISTLICHEN GLAUBENS
6. PRIMIZ WÄHREND DER FRANZÖSISCHEN REVOLUTION
7. BRIEF VON HERRN PROF. DR. D. WENDLAND AN DIE REDAKTION
8. 'EINTRÄGLICHER' TAUSCHHANDEL
9. DIE PASTORAL-REGELN DES HL. PAPSTES GREGOR D. GR.
10. NACHRICHTEN, NACHRICHTEN, NACHRICHTEN...
11. MITTEILUNGEN DER REDAKTION
PREDIGT ZUM WEIHNACHTSFEST
 
PREDIGT ZUM WEIHNACHTSFEST

vom
hl. Papst Leo d.Gr.


Sermo XXII (Bibliothek der Kirchenväter, Bd.54, München 1927, S.78 ff):


Geliebteste!

1. Laßt uns frohlocken im Herrn, laßt uns im Geiste vor Freude jauchzen; denn erschienen ist der Tag, der uns neue Erlösung bringt, auf den die alten Zeiten hinwiesen, und der uns ewiges Glück beschert! Kehrt doch alljährlich das Geheimnis unseres Heiles wieder, jenes Geheimnis, das von Anfang an verheißen wurde, am Ende der festgesetzten Zeit in Erfüllung ging und endlos dauern soll. Recht und billig ist es, daß wir an diesem Tag unser Herz zum Himmel erheben und dieses göttliche Mysterium verehren, damit das, was Gott in seiner großen Gnade wirkt, in der Kirche unter großem Jubel gefeiert werde. Hat doch der allmächtige und mildreiche Gott, dessen Wesen Güte, dessen Wille Macht, dessen Werk Erbarmung ist, sobald uns die Bosheit des Teufels durch das Gift seines Neides den Tod gebracht hatte, schon in den ersten Zeiten der Welt im voraus die Heilmittel bezeichnet, die seine Liebe für die Erlösung der Menschen in Bereitschaft hielt. Wies er doch die Schlange auf den künftigen Samen des Weibes hin, der durch die ihm innewohnende Kraft ihr stolzes schädliches Haupt zermalmen sollte (vgl. Gen 3,15; Offenb. 12,1). Damit meinte er Christus, den im Fleisch kommenden Gottmenschen, der, von einer Jungfrau geboren, den Verderber des Menschengeschlechts durch eine makellose Geburt vernichten sollte. Der Teufel brüstete sich, daß der Mensch infolge seiner Umgarnung der göttlichen Gnadengaben verlustig gegangen sei und - des Geschenkes der Unsterblichkeit beraubt - das harte Todesurteil habe hören müssen. Er brüstete sich damit, daß er selbst in seiner Pein einigen Trost in jenen gefunden habe, die mit ihm seine Pflichtvergessenheit geteilt. Er brüstete sich, daß auch Gott infolge der Forderung des Prinzipes strenger Gerechtigkeit seinen früheren Beschluß dem Menschen gegenüber, den er in so hoher Würde erschaffen hatte, geändert habe. Darum bedurfte es, Geliebteste, der Aufstellung eines geheimen Planes. Diesem zufolge wollte der unwandelbare Gott, dessen Wille seiner Güte nicht verlustig gehen kann, die erste Bestimmung seiner väterlichen Liebe in einem verborgeneren Geheimnisse verwirklichen. Sollte doch der durch die List teuflischer Bosheit in Schuld geratene Mensch nicht gegen die Absicht Gottes zugrunde gehen.

2. Als demnach, Geliebteste, die Zeit erschien, die im voraus für die Erlösung der Menschen bestimmt war, kehrt der Sohn Gottes, Jesus Christus, auf unserer niedrigen Erde ein, indem er von seinem himmlischen Throne herabsteigt und, ohne die Herrlichkeit seines Vaters zu verlieren, unter neuen Verhältnissen, auf neue Art Mensch wird. Unter neuen Verhältnissen, weil er, unsichtbar in seinem Wesen, sichtbar in unserem wurde, weil er, der Unfaßbare, erfaßt sein wollte, weil er, der vor aller Zeit schon war, in der Zeit seinen Anfang nahm, weil er, der Herr des Weltalls, zur Knechtsgestalt griff, indem er die Würde seiner Majestät verhüllte, weil der des Leidens unfähige Gott es nicht verschmähte, ein leidensfähiger Mensch zu sein und, wenngleich unsterblich, sich vor den Gesetzen des Todes zu beugen. Auf neue Art aber kam er zur Welt, da er von einer Jungfrau empfangen, von einer Jungfrau geboren wurde, ohne fleischliche Lust von Seiten des Vaters, ohne Verlust der Reinheit von Seiten der Mutter. Ziemte doch dem künftigen Erlöser der Menschen eine solche Geburt, die das Wesen menschlicher Natur an sich hätte und von der Befleckung menschlichen Fleisches nichts wußte. Ist ja G O T T der Erzeuger des im Fleische zur Welt kommenden G O T T E S nach der Versicherung des Erzengels, die dieser der seligen Jungfrau Maria gab: "Der Heilige Geist wird auf dich herabkommen, und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das aus dir geboren wird, Sohn Gottes genannt werden." (Luk. 1,35) Die Erzeugung ist verschieden, die Natur jedoch ganz ähnlich. Seine Geburt hat nichts zu tun mit dem gewöhnlichen Verkehr der Menschen. Nein, auf göttlicher Macht beruht es, daß eine Jungfrau empfing, eine Jungfrau gebar und dennoch immer Jungfrau blieb. Hierbei muß man nicht die menschliche Natur der Gebärenden im Auge haben, sondern den Willen dessen, der geboren wird, der in der Weise Mensch wurde, wie er es wollte und konnte. Suchst du seine wahre Natur, so erkenne die menschliche Materie, forschest du nach der Art und Weise seiner Menschwerdung, so bekenne dich zu göttlicher Kraft! Denn erschienen ist der Herr Jesus Christus, um von uns alle Befleckung zu nehmen, nicht um sich beflecken zu lassen, nicht um unseren Gebrechen zu unterliegen, sondern um sie zu heilen. Erschienen ist er, um jegliches Siechtum der Verderbni's und alle Eiterbeulen schmutzstarrender Seelen zu kurieren. Darum mußte auch der unter neuen Umständen geboren werden, der dem Leib des Menschen das neue Gnadengeschenk unbefleckter Reinheit brachte. Mußte doch die Makellosigkeit dessen, der geboren wird, die ursprüngliche Jungfräulichkeit seiner Mutter wahren, und die auf sie ausgeströmte Kraft des göttlichen Geistes das ihm wohlgefällige Bollwerk der Keuschheit und den Wohnsitz der Züchtigkeit rein erhalten, uatte ja dieser Geist beschlossen, das Gestürzte wieder aufzurichten und das Zerbrochene wieder ganz zu machen und der Keuschheit zum Siege über die Lockungen des Fleisches gesteigerte Kraft zu verleihen, auf daß die Jungfräulichkeit, die bei anderen durch die Geburt nicht unversehrt bleiben konnte, auch bei (diesen) anderen durch ihre Wiedergeburt ein Ziel der Nachahmung würde.

3. Scheint aber nicht gerade der Umstand, Geliebteste, daß die Wahl Christi für seine Geburt auf eine Jungfrau fiel, die Folge gründlichster Überlegung gewesen zu sein? Dadurch erfuhr ja der Teufel nichts davon, daß dem Menschengeschlechte das Heil geboren wurde. Und da ihm die Empfängnis durch den Heiligen Geist verborgen blieb, so glaubte er, daß derjenige, der in seinen Augen nichts anderes als die anderen war, auch nicht auf andere Weise als die übrigen zur Welt gekommen sei. Meinte er doch, daß jener mit allen den gleichen Ursprung habe, dessen Natur, wie er sah, mit allen Ähnlichkeit besaß. Auch erkannte er nicht, daß der von den Banden der Übertretung des göttlichen Gebotes frei sei, den er von den Schwächen der sterblichen Natur nicht ausgeschlossen. Denn obwohl Gott, der wahrhaft mit uns Mitleid fühlte, unsäglich viele Mittel für die Erlösung des Menschengeschlechtes zu Gebote gestanden wären, wählte er doch vor allem diesen Weg zur Rettung. Zur Vereitlung des teuflischen Werkes wollte er nicht von der Kraft seiner Allmacht, sondern von dem Prinzip der Gerechtigkeit Gebrauch machen. Nicht ganz ohne Grund beanspruchte ja der stolze Erbfeind über alle Menschen das Recht eines Gebieters. Nicht mit Unrecht übte er über jene eine drückende Herrschaft aus, die er mit ihrer eigenen Zustimmung dem Gebote Gottes entfremdet und durch List seinem Willen dienstbar gemacht hatte. Zu Unrecht also würde er der seit den ersten Zeiten bestehenden Dienstbarkeit des Menschengeschlechtes verlustig gehen, wenn er nicht gerade in dem besiegt würde, was er sich unterworfen hatte. Damit dies geschehen könne, wurde Christus ohne den Samen eines Mannes von einer Jungfrau empfangen, die nicht menschliche Begattung, sondern der Heilige Geist befruchtete. Und während bei allen Müttern die Empfängnis nicht ohne sündige Befleckung vor sich geht, ist für sie das eine Quelle der Reinheit geworden, woraus sie empfangen hat: Wo kein väterlicher Same sich ergoß, da drang auch kein Keim der Sünde ein. Ihre ungeschwächte Jungfräulichkeit wußte nichts von sinnlicher Lust, gab aber den Leib. Der Herr nahm von seiner Mutter nur die menschliche Natur, nicht auch die Schuld. Zur Welt kam eine Knechtsgestalt, doch ohne sich im Zustand der Knechtschaft zu befinden, da der neue Mensch sich so mit dem alten verband, daß er auf der einen Seite unsere wahre Art annahm, auf der andern die alte Stammessünde von sich ausschloß.

4. Da also der erbarmungsreiche und allmächtige Erlöser in der Weise den Beginn seiner Menschwerdung gestaltete, daß er die Macht der von seiner menschlichen Natur unzertrennlichen Gottheit unter dem Schleier unserer Schwachheit verbarg, wurde der verschlagene und siegesgewisse Feind getäuscht, nach dessen Meinung der zum Heile des Menschengeschlechtes zur Welt gekommene Knabe durch seine Geburt ihm ebenso unterworfen war wie all die übrigen Kinder. Sah er ihn doch wimmern und weinen, in Windeln gehüllt (vgl. Luk. 2,12), der Beschneidung unterworfen und die Opfergabe darbringen, die das Gesetz erheischte. Er nahm an ihm die gewöhnliche Entwicklung des Knabenalters in seinen einzelnen Stufen wahr und zweifelte nicht, daß er wie jeder andere zum Manne heranwachsen würde. Inzwischen fügte er ihm Kränkungen zu, häufte die Ungerechtigkeiten und griff zu Schmähungen, Vorwürfen, Verleumdungen und Spott. Und zuletzt überschüttete er ihn mit der ganzen Flut seiner Wutausbrüche, und wandte alle Arten der Versuchung an. Und da er wußte, womit er des Menschen Natur vergiftet hatte, glaubte er es nie und nimmer, daß jener keinen Anteil an der ersten Sünde habe, den er auf Grund so vieler Anzeichen als sterblichen Menschen kennenlernte. Es beharrte also der schurkische Räuber und unersättliche Gläubiger darauf, gegen den vorzugehen, der nichts mit ihm gemein hatte. Und während er das über unser verderbtes Geschlecht einmal gesprochene allgemeine Urteil vollstrecken will, überschreitet er den Vertrag, auf den er sich stützte, da er bei jenem Bestrafung für Vergehen verlangt, bei dem er keinerlei Schuld entdeckt. Annuliert wird also die tückische Verschreibung des todbringenden Paktes (vgl.Kol. 2,14; Ep. 124,7 ), und infolge der Ungerechtigkeit einer Überforderung geht die ganze Schuldsumme verloren. Gebunden wird der Starke mit seinen eigenen Banden, und der ganze Anschlag des boshaften Feindes fällt auf sein eigenes Haupt zurück. Und nachdem der Fürst der Welt in Fesseln geschlagen, werden ihm die "Gefäße der Gefangenschaft" entrissen (vgl. Matth. 12,29; Mark. 3,7). Die von der alten Befleckung gereinigte menschliche Natur gewinnt ihre frühere Würde wieder, der Tod wird durch den Tod bezwungen, die Geburt durch die Geburt erneut; denn gleichzeitig wird durch die Erlösung die Knechtschaft aufgehoben, durch die Wiedergeburt die Geburt geändert und durch den Glauben der Sünder gerechtfertigt.

5. Wer immer also du sein magst, der du dich frommgläubig des christlichen Namens rühmst, würdige wohl die Gnade dieser Wiederversöhnung in einem gerechten Urteile! Wurde doch dir, dem einst Verworfenen, dem aus des Paradieses Wohnsitzen Vertriebenen, dem infolge der langen Verbannung dem Tode Nahen, dem zu Staub und Asche Gewordenen, der keine Lebenshoffnung mehr hatte, durch die Menschwerdung des Wortes die Möglichkeit gegeben, aus der Ferne zu deinem Schöpfer zurückzukehren, deinen Vater zu erkennen, aus einem Sklaven zu einem Freien zu werden und aus der Stelle eines Fremdlings in die eines Sohnes vorzurücken. So wirst du, der aus vergänglichem Fleische Geborene, aus dem Geiste Gottes wiedergeborenen und erhälst durch die Gnade, was du durch deine Natur nicht hattest: So darfst du Gott deinen Vater nennen, wenn du dich selbst als Kind Gottes im Geiste der Adoption anerkennst. Von der Schuld eines bösen Gewissens befreit, richte dein Sehnen auf das Himmelreich! Unterstützt durch die Hilfe von oben, handle nach dem Willen Gottes! Nimm dir, solange du auf Erden weilst, die Engel zum Vorbild! Labe dich an der Kraft unsterblichen Wesens und kämpfe voll Zuversicht gegen die feindlichen Versuchungen zum Schütze eines gottgefälligen Lebens! Und hast du als Streiter im himmlischen Heere deinen Fahneneid gehalten, so brauchst du nicht daran zu zweifeln, daß dir für deinen Sieg im Triumphlager des ewigen Königs die Krone zufallen muß. Wird dich doch die Auferstehung, die den Frommen winkt, zur Teilnahme am Himmelreiche emporführen.

6. Da ihr also, Geliebteste, so reichen Lohn voll Zuversicht erwartet, so bleibet standhaft in dem Glauben, "in dem ihr festgegründet seid" (vgl. Kol.1,23), damit euch nicht eben jener Versucher, dessen Herrschaft Christus bereits von euch abgewandt hat, aufs neue durch irgendwelche Ränke verführe, damit er nicht gerade die Freude des heutigen Tages durch seine trügerische Verschlagenheit zum Schlimmen wende! Berückt er doch einfältigere Seelen durch die verderbliche Einflüsterung gewisser Leute, denen dieser Tag unserer Festfeier nicht so sehr wegen der Geburt Christi verehrungswürdig erscheinen will, als vielmehr - wie sie sagen - wegen des "Aufgangs der neuerstandenen Sonne". Die Herzen dieser sind von dichter Finsternis umhüllt und von aller Aufnahme wahren Lichtes weit entfernt. Stehen sie doch immer noch unter dem Einfluß der albernsten Irrtümerdes Heidentums. Und da sie ihren Scharfsinn nicht über das zu erheben vermögen, was sie mit leiblichem Auge erblicken, erweisen sie göttliche Verehrung den Gestirnen, die der Welt als Leuchten dienen. Fern bleibe der Seele des Christen gottloser Aberglaube und wahnwitziger Trug! Unermeßlich groß ist der Unterschied zwischen Ewigem und Zeitlichem, zwischen Körperlosem und Körperlichem, zwischen dem Gebieter und dem, was ihm Untertan ist. Mag auch alles dies staunenerregende Schönheit besitzen, so fehlt ihn doch göttliches Wesen, dem man allein Anbetung schuldet. Verehrung gebührt als jener Macht, jener Weisheit, jener Majestät, die das ganze Weltall aus dem Nichts hervorbrachte, die in ihrer Allmacht die Erde und den Himmel schuf und diesen, ganz wie sie es wollte, Form und Ausdehnung gab. Sonne, Mond und Sterne mögen für die Menschen, die sich ihrer bedienen, von Nutzen sein, sie mögen auch jenen, die zu ihnen aufblicken, außerordentlich schön erscheinen, aber jedenfalls mit der Einschränkung, daß man ihrem Urheber dafür dankt und an G O T T sich im Gebete wendet, der sie erschaffen hat, nicht an ein Geschöpf, das den ihm zugewiesenen Dienst verrichtet. Lobpreiset also, Geliebteste, den Herren in all seinen Werken und Entscheiden! Es wohne in euch der keinem Zweifel unterworfene Glaube, daß eine Jungfrau gebar und makellos blieb! Weihet fromme und aufrichtige Verehrung dem heiligen und göttlichen Geheimnisse der menschlichen Erlösung! Liebet voll Inbrunst Christus, der in unserem Fleische zur Welt kommt, auf daß ihr würdig werdet, ihn auch als Gott der Glorie in der Majestät seiner Herrschaft zu schauen, ihn, der mit dem Vater und dem Heiligen Geiste als einiger Gott lebt in Ewigkeit! Amen!


ROSENKRANZGEBET AM 5,12. 1985 UM 18 UHR:
BETEN WIR FÜR ALL DIEJENIGEN, DIE AN KEIHNACHTEN VERLASSEN UND EINSAM UND DIESES FEST OHNE SAKRAMENTENEMPFANG VERBRINGEN MÜSSEN; BETEN WIR AUCH FÜR DAS SCHICKSAL UNSERER KLNDER.
 
(c) 2004-2018 brainsquad.de