DAS URTEIL ÜBER DAS II. VATIKANUM
von
Rev. Fr. Oswald Baker
übers. von Eugen Golla
Wir beobachten wiederholt, daß die Zeitschrift CHRISTIAN ORDER nicht
unbedingt empfohlen werden kann. Ein Beispiel, welchen Schaden diese
Zeitschrift anrichtet, kann man an einem ihrer Artikel gesehen werden,
der den absurden Versuch unternimmt, das II. Vatikanische Konzil zu
verteidigen, als wäre es ein echtes katholisches Konzil gewesen, dessen
Verkündigungen (nur nachher) umstrukturiert oder ignoriert worden sind.
Der Verfasser gibt zu, daß das Konzil manche Zweideutigkeiten, aber
keine "ausgesprochenen Irrtümer" verkündet habe. Diese Folgerung wird
durch die ausgesuchte Vorlage von Konzilstexten plausibel gemacht, z.B.
daß das Konzil verkündete, das Latein müsse beibehalten werden, die
Messe sei ein Opfer, die katholische Kirche sei die einzige und höchste
und man müsse dem Gewissen gehorchen. Der Autor übergeht aber, daß das
Konzil solchen Wahrheiten aber auch prompt widersprach oder sie
verdrehte. Es schärfte in der Tat "vollständige Irrtümer" ein und ist
so verantwortlich für die nachfolgende Verwüstung. Satan weiß es sehr
gut, daß Irrtümer ohne Beimischung von Wahrheit nicht erfolgreich
eingeschleust werden können. Der Generalsekretär des Konzils, Kard.
Felici, behauptete später: "Ich bin überzeugt, daß damals, als ich die
Worte des Rituals 'Exeunt omnes!' ('Alle haben hinauszugehen!')
aussprach, derjenige, welcher nicht gehorchte, der Teufel war."
(Radiointerview anläßlich des lo. Jahrestages des Konzils) Ebenso
beklagte sich Paul VI., daß sämtliche guten Früchte des Konzils "durch
Satan erstickt worden seien". (Anm.d.Red.: Das war Heuchelei. Paul VI.
war der Motor und der Kopf des sog. Konzils und seiner
Folgeerscheinungen.)
Also: das Latein sollte erhalten bleiben. Aber die Progressisten
fühlten keinen Schmerz, als sie dies hörten, denn diese Bestimmung war
geradezu durch die Versicherung einer dem Gutdünken überlassenen
Ausbreitung des Gebrauchs der Muttersprache, auch in der Messe
aufgehoben worden. Das Hauptziel bei der Zerstörung der Messe galt
nicht der größeren Ehre Gottes, sondern der "vollen und aktiven
Teilnahme des Volkes", worauf sich - mehr als auf Gott - die
Aufmerksamkeit konzentrierte. Die Bezugnahme des Vatikanums II. auf das
Opfer wurde aufgehoben durch das ominöse Versprechen, die Messe zu
revidieren, "um den Umständen und Nöten der modernen Zeit
entgegenzukommen". Sie sollte den verschiedenen Gruppen, Gegenden und
Ländern angepaßt werden unter Anempfehlung von "Experimenten". Die
Väter stellten sich gegen eine Minorität, welche davor warnte, daß dies
das Ende der Beständigkeit der Liturgie bedeuten würde. Und tatsächlich
änderte sich nun die Messe (?) ständig. Das Opfer der Messe wurde
eliminiert, an seine Stelle traten heitere Mahlzeiten, Volks'messen'
und Jesus-Teeparties. Das Konzil verbat die Einführung von
Veränderungen aufgrund von Eigeninitiativen der Priester. Das Konzil
selbst aber machte dieses Verbot zunichte durch den schlimmsten und
weitreichendsten seiner Irrtümer. Die Wahrheit, daß man seinem Gewissen
folgen müsse, wurde durch mächtige Überbetonung verdorben, was später
dem Hochmut und dem Ökumenismus Vorschub leistete. Die Erklärung über
die Religionsfreiheit bekräftigte, daß die menschliche Würde verlange,
daß alle Menschen, ungeachtet ihrer R.eligion, das Recht haben,
öffentlich ihren Glauben zu bekennen, was durch staatliche Gesetze zu
schützen sei. Dies vermag vernünftig erscheinen, ist aber vom ethischen
Standpunkt aus gesehen falsch und wurde schon immer von der Kirche
streng verurteilt, besonders von Gregor XVI. und Leo XIII. Das Gewissen
ist niemals die Basis des Rechts. Wer dies behauptet, widerspricht der
Lehre der Kirche und dem gesunden Menschenverstand. Ohne Rücksicht auf
eine staatliche Anordnung haben wir das Naturrecht, nur die Wahrheit zu
verbreiten. Die irrtümlichen Zugeständnisse des Konzils an das irrende
Gewissen waren furchtbar. Ein bürgerliches Recht kann tatsächlich - des
Gewissens wegen - die Ausübung einer falschen Religion dulden. Aber zu
verlangen, daß ein Diktat des Gewissens damit ein Recht irgendwelcher
Art mit sich bringt, ist widersinnig.
Ein Papst ist der unfehlbare Stellvertreter Christi, und die
katholische Kirche die einzig wahre Kirche. Dies wurde nicht nur
lediglich abgemildert, sondern dem wurde rundweg widersprochen, sobald
ihm zugestimmt worden war: Wir Katholiken sind mit dem Rest der
Menschheit verbunden auf der Suche nach der Wahrheit ("die Kirche in
der modernen Welt"), häretische Sekten sind göttlich-sanktionierte
Mittel der Erlösung, Hilfsstellen der katholischen Kirche
(Ökumenismusdekret, 3), und es sind gemeinsame Gottesdienste zu
empfehlen. Wir haben daher mit Nicht-Katholiken theologisch "auf
gleichem Fuß" zu verkehren (von Pius XI. streng in "Mortaliura ·nimos"
von 1928 verurteilt). Eingedenk seiner nicht-katholischen Beobachter
war d-s II. Vatikanum ängstlich nachsichtig und tolerant gegenüber
nicht-katholischen Religionen. Einer ihrer Vertreter, der Archidiakon
Pawley, verkündete, daß bezüglich der Wiedervereinigung die Haltung des
Konzils seine "stärksten Hoffnungen übertroffen" habe. Andere riefen
aus, daß die Kirche von Rom endlich "das-Licht sah". Ökumenismus wurde
wichtiger als Konversionen. Der Ökumenismus wurde zur Ökumanie, einem
pathologischen Zustand des Geistes, den sämtliche wahren Katholiken
verabscheuen. Irgendwelche Vorsichtsmaßregeln oder Verbote, die das
Vatikanum II veröffentlicht haben mag, wurden durch noch nie
dagewesene, wirre und gefährliche Zugeständnisse an das Einzelgewissen
hinfällig. Sein ebenso zerstörerisches Abschwächen des göttlichen
Gesetzes hinsichtlich der vorrangigen Zwecke der Ehe (can. 1031),durch
"Kirche und Welt", 5o, und seine offenkundige Weigerung, den gottlosen
Kommunismus zu verurteilen, machte es zur skandalösesten,
verabscheuungswürdigsten und unkatholischsten Versammlung
vermeintlicher katholischer Bischöfe, welche die Welt jemals gesehen
hat. Sein weltliches Kriechen vor dem Stolz und der Schwachheit des
Menschen machte aus ihm eine berüchtigte und unverschämte Agentur
Satans. Ein wesentliches Merkmal eines echten Katholiken besteht in der
Übereinstimmung mit seinem Taufgelöbnis: "Widersagst Du dem Satan?" -
"Ich widersage!" - d.h. die totale Ablehnung von Vatikanum II. |