56. Jahrgang Nr. 3 / Mai 2026
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1. WEIHNACHTEN!
2. MORD IM VATIKAN
3. DIE LÄSTERUNG DES GEISTES
4. DIE ENTFÜHRUNG VON S.E. MGR. NGO-DINH-THUC
5. 'BRÜDERLICHKEIT' IM BROTHER-JAHR
6. ZUR SOG. 'WIEDERZULASSUNG' DER (TRIDENTINISCHEN) MESSE
7. WELCH EINE SCHANDE!
8. DAS GLAUBENSBEKENNTNIS DES HL. ATHANASIUS
9. DER UNTERGANG DER TITANIC...
10. MITTEILUNGEN DER REDAKTION
WEIHNACHTEN!
 
WEIHNACHTEN!

von
S.E. Mgr. Moises Carmona
übers. von Heinrich Beckmann


Weihnachten! Dein Name trägt Entzücken, das uns fortreißt und die Welt erschauern macht vor Freude. Und wie sollte es nicht so sein, wenn Du im weißen Kleid die Erinnerung an ein Versprechen bringst, das dem Menschen gegeben und nun erfüllt wurde! Wie sollten wir uns aber in das tiefe Meer Deiner Süßigkeit versenken, ohne das andere Meer der Unglückseligkeit zu durchschreiten, in das die ganze Menschheit eingehüllt ist? Adam, unser Urvater, was war geschehen? Was machtest du aus den Gaben, mit denen Gott dich ausgestattet hatte, als er dich ins Paradies setzte? Wo ist die göttliche Gnade, mit der du am göttlichen Leben teilnahmst, die dich Ihm ähnlich machte und dich und deine Nachkommenschaft zu Erben des Himmelreiches erwählte? Du glaubtest der diabolischen Schlange, zweifeltest an deinem Gott und übertratest Sein Gebot. Du wolltest so groß sein wie Gott... und siehe: du bist all deiner Herrlichkeit entkleidet worden, zu der Gott dich ohne dein Verdienst erhoben hatte. All deine Kinder hast du so zugrunde gerichtet. Du solltest ihnen die Unsterblichkeit, die Leidlosigkeit, die eingegossene Gnade, die Lauterkeit und vor allem die heiligmachende Gnade vererben, durch die alle Kinder Gottes und Erben Seiner Glorie sein sollten. Aber du sündigtest und verlorst alles. Du ließest alle deine Kinder in ein fürchterliches Elend und die Versklavung dessen fallen, der dich in Größenwahn wiegte. Du hattest die Stirn, deinen Schöpfer herauszufordern, deine Sünde wiegt schwer. Gott, der den sündigen Engeln nicht verzieh und sie in den Abgrund stürzte, sollte an dir Barmherzigkeit üben? Er sollte sich deiner Nachkommenschaft erbarmen, der du nichts als das Stigma deiner Schuld vererben konntest? Gewiß, diese würde nicht persönlich dadurch sündigen, da sie noch nicht geboren war. Aber wir Menschen stammen alle von dir ab und sind den Folgen deines verhängnisvollen Falles unterworfen. Die Erbsünde wird nun das Stigma der Schande, mit der unsere Seelen gezeichnet sind.

Zittre Adam, erschrick Eva, denn Gott verlangt Wiedergutmachung! Kannst du Ihm die geschuldete Wiedergutmachung leisten? Auch wenn du ein Engel wärest und dich als Opfer darbötest, niemals würdest du Gott die Wiedergutmachung leisten können, die Er für deine Sünde verlangen müßte.

Gott läßt nicht auf sich warten. Zuerst richtet Er sich an den Vater des ganzen menschlichen Geschlechtes: "Du wirst dein Brot im Schweiße deines Angesichtes essen." Dann wendet Er sich an das Weib: "Du wirst deine Kinder in Schmerzen gebären." Dann an die verfluchte Schlange: "Feindschaft will ich setzen zwischen dir und dem Weibe, zwischen deinem Sproß und ihrem Sproß. Der wird dir den Kopf zertreten." Gerettet ist die Nachkommenschaft Adams, denn in diesen Worten ist ein tröstendes Versprechen enthalten, die Verheißung eines Erlösers, der Gott die verlangte Wiedergutmachung leisten wird, die der Mensch selbst nicht bieten kann. Dieser verheißene Erlöser ist, den wir benötigen, Gott und Mensch zugleich: Mensch, um sich Gott zum Opfer für die Sünde anzubieten, und Gott, um diesem Opfer den geforderten unendlichen Wert zu verleihen, damit Gott die gebotene Wiedergutmachung für die Sünde des Menschen erhalte.

Wann soll dieser verheißene Erlöser kommen? Das hat Gott nicht gesagt. Aber Gott ist seinen Versprechungen treu.

Verstoßen aus dem Paradiese, begann der Vater des Menschengeschlechtes das Gewicht seiner Schuld zu spüren. Die Geschöpfe lehnten sich gegen ihn auf. Die Peitschenhiebe des Leides verwandelten sich in angsterfülltes Stöhnen. Im unschuldigen Abel sah er die unersetzlichen Verwüstungen des Todes. Was ihn aber am meisten quälte, war der Verlust der Freundschaft Gottes.

So vergingen viele Jahre. Unterdessen vermehrte sich die Nachkommenschaft Adams: Generation folgte auf Generation, Familien wurden zu Stämmen, Stämme zu Völkern, Völker zu staatlichen Gebilden. Aber die Menschen hatten den wahren Gott vergessen und machten sich ihre eigenen Götter, blutrünstige Gottheiten, denen sie Menschenopfer darbrachten oder in deren Feuerleibern unschuldige Kinder den Tod fanden. Die Menschen fielen von Abgrund zu Abgrund - und der Erlöser nahte immer noch nicht. Sollte Gott sein Versprechen vergessen haben?

Um sein Kommen einzuleiten, erwählte er den Ihm am wohlgefälligsten Menschen, dem er den Erlöser versprach, Abraham: "Weil du geglaubt hast unddeines einzigen Sohnes nicht geschont hast, will ich dich segnen mit reichem Segen und will deine Nachkommenschaft so zahlreich werden lassen wie die Sterne des Himmels und der Sand am Gestade des Meeres, und deine Nachommen sollen das Tor ihrer Feinde in Besitz nehmen. Alle Völker der Erde sollen durch deine Nachkommenschaft gesegnet werden." (Gen. 22,17 f.) Hier wird klar ersichtlich, daß der zukünftige Erlöser, Sohn Gottes und wahrer Gott, von Ewigkeit her bestimmt ist, Mensch zu werden, wenn die vom Vater bezeichnete Stunde schlägt.

Die Nachkommen Abrahams sind das von Gott erwählte Volk, das keinen anderen Gott anerkennt als den lebendigen Gott: das jüdische Volk. Es war der göttlichen Vorsehung vorbehalten, daß aus diesem Volk der erhoffte Erlöser stammen sollte. Darum umgab Gott dieses Volk mit liebender Fürsorge, beschützte es und verteidigte es gegen die Angriffe seiner Feinde, die zahlreich waren und es um jeden Preis zu vernichten trachteten. Und als dies nicht genügte, erweckte Gott ihm Männer, die in aller Klarheit die bevorstehenden Ereignisse weissagten: erleuchtete Propheten, damit das Volk das göttliche Vergessen nicht vergesse. Der Prophet Isaias verkündete, daß der Erlöser von einer Jungfrau geboren werde ohne Verletzung ihrer Jungfräulichkeit; Michaeas sagte voraus, daß er in Bethlehem zur Welt kommen solle; David kündigte an, orientalische Könige würden ihn aufsuchen, um ihn anzubeten und Geschenke darzubringen; Malachias prophezeite seinen triumphalen Einzug in Jerusalem und den Verrat durch Judas Ischariot; David kündigte seinen Kreuzestod an.

Als die Fülle der Zeit gekommen war, erschien der Sohn Gottes, wahrer Gott, in allem dem Vater gleich. Er erschien als das, was er (vorher) nicht war: als Emanuel, d.i. Gott-mit-uns, Mensch wie wir - als Gottmensch.

Dieser Gottessohn, Mensch geworden, wurde ohne menschliche Mitwirkung, lediglich als Werk des Heiligen Geistes empfangen. So haben es die Kirche und die Hl. Schrift gelehrt. Diese Empfängnis, wenn auch übernatürlich war aber dennoch in all ihren Auswirkungen natürlich, d.h. wirklich und wahrhaft, da der Leib unseres Herrn ein wirklicher menschlicher Leib war, gebildet aus dem Blute der reinsten glückseligen Jungfrau Maria. Die Seele, von Gott erschaffen, um diesen Leib zu beseelen, war auch eine wahre menschliche Seele, viel vollkommener als die unsrige, aber von gleicher Natur. Wir glauben, daß dieser Körper und diese Seele im Augenblick der Erschaffung dem ewigen Wort Gottes einverleibt worden war, darart, daß, wenn auch verschieden, die göttliche und menschliche Natur nicht zwei Personen bildeten, sondern eine einzige, die Person des Gottessohn.

Gott hat sein Versprechen eingelöst, das Versprechen, das er unseren Voreltern machte. Die Prophezeiungen sind erfüllt: Der Erlöser ist da. Seine Mutter war eine Jungfrau, die Jungfrau Maria; sie blieb es ohne Makel ihrer Jungfräulichkeit, wie es vom Propheten Isaias vorhergesagt war.

Der Sohn Gottes war Mensch geworden, in eine Krippe gebettet, geboren in einer rauhen Nacht. Wo war das auserwählte Volk, das sich nicht die Mühe machte, Ihn zu empfangen? Wo ist das Volk, das seufzend und voll Sehnsucht Sein Kommen erwartet hatte? Wo sind die Kinder Judas? Die Angehörigen Deines Volkes werden Dich nicht empfangen, denn Du kommst nicht so, wie sie Dich erwarteten. Wer wird in Dir das ewige Wort Gottes sehen, so wie Du gebettet bist auf Stroh in einer armseligen Krippe? Die Kinder Judas werden es niemals ertragen, daß Du ihr Erlöser sein sollst, so arm und niedrig wie Du gekommen bist.

Andere sind es, Herr, die ihre Arme öffnen, Dich aufzunehmen. Es sind zwar nicht die Nachkommen Judas, aber die Nachkommen des Menschen, dm Du mit Deinen göttlichen Händen formtest, des Menschen, der das Gesetz brach, das Du ihm gabst. Wir, die Enterbten, sind es, die Dich heiß begehren, und wir tragen in unserer Seele das Gewicht seiner Schuld. Komm, o Herr!

"Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden den Menschen, die guten Willens sind!" Was in jener Nacht die Engel anstimmten, es werde überall gehört. Daß alle Menschen es hören würden, daß auch die es hörten, die sich für groß und mächtig halten: die Lenker der Völker. Daß es die Reichen und die Armen hörten, daß es bis zu den Tauben vordringe, damit Rache und Haß verschwinden, daß die Kriege beendet würden und das Unrecht, welches sie entfesselt. Wir wollen Deinen Frieden, o Herr, den Du uns brachtest und den die Engel verkündeten. Wir wollen nicht den Frieden der Versklavten, wollen keinen Frieden, der den Menschen seiner Würde und Freiheit beraubt, keinen Frieden, der entwürdigt und erniedrigt. Wir wollen Deinen Frieden, weil er uns adelt und erhöht. Gib ihn uns, o Herr!

(leicht gekürzt)
 
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