56. Jahrgang Nr. 3 / Mai 2026
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1. WEIHNACHTEN!
2. MORD IM VATIKAN
3. DIE LÄSTERUNG DES GEISTES
4. DIE ENTFÜHRUNG VON S.E. MGR. NGO-DINH-THUC
5. 'BRÜDERLICHKEIT' IM BROTHER-JAHR
6. ZUR SOG. 'WIEDERZULASSUNG' DER (TRIDENTINISCHEN) MESSE
7. WELCH EINE SCHANDE!
8. DAS GLAUBENSBEKENNTNIS DES HL. ATHANASIUS
9. DER UNTERGANG DER TITANIC...
10. MITTEILUNGEN DER REDAKTION
MORD IM VATIKAN
 
MORD IM VATIKAN


von
Abbe G. de Nantes
übers. von Eugen Golla
(aus: CONTRE-REFORME CATHOLIQUE au XXe siècle, Nr.2o2, Juli 1984 f.)


Fortsetzung:

EIN FREIMAURER-VERBRECHEN

Es kam also nun Albino Luciani, der Erwählte des Konklaves, der "Kandidat Gottes" (Anm. d.Red.: das ist de Nantes Version!). Man mußte ihn daran hindern in die Bankaffaire einzudringen. Als die Kardinale Albino Luciani an einem heißen Augusttag zum Papst erwählt hatten, brachten sie einen ehrenhaften, heiligen und vollständig unbestechlichen Papst (der nur den 'kleinen' Makel hatte, daß er die sog. 'neue Messe' las, Anm.d.Red.) auf den Weg der Vatikan GmbH. Der Zusammenstoß war unvermeidlich. Die unverwüstliche Integrität Albino Lucianis schickte sich an, der unwiderstehlichen Macht der Vatikan-Bank und der andern Elemente des Reichtums zu trotzen, deren Verantwortliche Kardinal Villot, Bischof Marcinkus, die Komplizen Sindona und Calvi, alle Mitglieder der Loge P2, ihre Verbündeten und ihr Protektor, Licio Gelli, der Großmeister, waren.

Es gab keinen brutalen Zusammenprall, und es durfte auch keinen geben, um keinen Preis. Man bedurfte eines sanften Schocks, so unbedeutend, daß weiterhin Vertrauen ohne die geringste Falte der Unruhe herrschen würde und die Geschäfte ohne die geringste Unterbrechung weitergehen würden. Das müßte einfach, sehr einfach sein, völlig diskret und still, wie ein perfektes Verbrechen.

WENN ER SICH DAMIT BESCHÄFTIGEN WIRD, MUSS ER STERBEN

Albino Luciani, der sich an die Beraubung der Priester und Armen durch die mailändische und vatikanische Mafia seit dem Aufkauf der Banco Cattolico del Veneto sowie an andere Vorgänge, die ihm mit bitterer Ironie sein Freund Kardinal Benelli erzählt hatte, erinnerte, widmete sich während der 33 Tage seiner Regierung der Reinigung des Augiasstalles - ich will sagen der Verwaltung des Patrimoniums des Apostolischen Stuhles, der zentralen Finanzierungsstelle von Papst Paul. Man kann der Meinung sein, daß er nicht die breiten Schultern des Herkules für solch ein Unternehmen besaß. Seine Gegner schätzten ihn aber anders ein und fürchteten ihn genügend, um ein Komplott zwecks seiner Ermordung zu schließen, falls er sie allzusehr bedrohen sollte. Es folgt nun, wie sie zu diesem Entschluß für den äußersten Notfall gelangten. Yallop erzählt: Am Sonntag, dem 27. August bat Luciani Villot, noch "eine kleine Weile, bis ich meinen Weg gefunden habe" (S.221), Staatssekretär zu bleiben. Diese provisorische Maßnahme war schon an und für sich eine stumme Drohung. So hält man seine Feinde an der Hand, läßt sie nicht aus den Augen, und zugleich denkt man über den überwältigenden Schlag nach, der sie sicher treffen wird. Kein vorweggenommener Rückzug für Villot, bevor nicht alles klar ist. Er befahl seinem Staatssekretär, der neu in seinem Amt bestätigt war, sofort eine Untersuchung einzuleiten. Es sei erforderlich, alles im Detail zu analysieren. "Kein Bezirk, keine Kongregation, keine Abteilung dürfte ausgenommen werden", sagte Luciani zu Villot... Diese Prüfung müsse schnell, diskret und vollständig erfolgen. Der neue Papst vertraute seinem Staatssekretär an, er habe sich entschieden, sofort nach dem Studium des Berichtes entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. (...) Der Papst hatte sich Mitte September entschieden, vorrangig sein eigenes Haus in Ordnung zu bringen (d.h. die finanz. Angelegenheiten, Anm.d.Red.). Die Vatikanbank wurde (mittlerweile) in der Presse und den Fachzeitschriften der Finanzagenten heftig kritisiert. Falls Luciani den - richtig gesagt - phantastischen Umfang der Schleichwege, der Fehler, der Unregelmäßigkeiten, der Verbrechen und von den unter dem Deckmantel der Vatikan GmbH schon ausgeführten Morde erfahren würde, würde nichts ihn beugen können oder ihn zum Umdenken veranlassen können.

Und auf dem Höhepunkt gelangten eine Menge Skandale in sein Büro, das vorhatte, die Liste der 121 Mitglieder der Römischen Kurie aufzudecken, welche eingeschriebene Freimaurer sind, u.a. die Kardinale Villot, Casaroli, Baggio, Poletti, Bischof Marcinkus und seine Kumpanen, sowie der ehemalige Sekretär Pauls VI., Pasquale Macchi. Als ihr Tarnmantel fungierte Kardinal Villot.

Johannes Paul I. schickte sich an, dieses Wespennest zu zerstören und auffliegen zu lassen. Roberto Calvi fühlte sich auf diese Nachricht hin nicht sehr wohl. Schon verfolgt und gehetzt, würde er nun durch den Sturz seines moralischen Garanten Marcinkus mitweggefegt werden. "Wenn durch irgendeine wundersame Fügung Albino Luciani tot umfallen würde, bevor er dazu kam, Marcinkus abzulösen, dann wäre zumindest einmal Zeit gewonnen" (S.25o). Er besprach sich mit Gelli, der ihn beruhigte; "das Problem konnte und würde aus der Welt geschaffen werden" (S.25o). Zwei andere Personen befanden sich auch in einer verzweifelten Lage, worüber Yallop alle nur erwünschbaren und übrigens vollständig kontrollierbaren Informationen gibt. Es waren dies Sindona, knapp vor der Ausweisung aus den USA und der Auslieferung an die italienische Justiz, falls er seinen internationalen Bürgen Marcinkus verlieren sollte, sowie Kardinal Cody, dem die Absetzung wegen seiner Unterschlagungen und Skandale drohte, die in der Presse seiner Erzdiözese verbreitet wurden, wo er von seinem Klerus und dem Volke angespien wurde. Die Tatsache, daß er mittels der Vatikanischen Bank Hunderte von Millionen Dollar Paul VI. (persönlich) sowie den polnischen Bischöfen zukommen ließ, war vor dem moralischen Gewissen Joh. Pauls I. kein mildernder Umstand.

Sie ersehnten heiß, daß jemand das 'Wunder' vollbringen möge. Jeder von ihnen wußte e i n e Sache und nicht mehr in diesem 'indischen Sommer' voll Licht und unvergleichlicher Milde, in dem sich paradoxerweise diese Tragödie abspielte. Wenn ein Papst stirbt, sterben mit ihm sämtliche Entscheidungen, die noch nicht veröffentlicht worden waren, sofern sich nicht sein Nachfolger entschließ, sie zu einem guten Ende zu bringen.

Sindona, Calvi, Marcinkus und Kard. Cody: allen diesen Männern drohte an diesem 28. September 1978 die Vernichtung, falls Albino Luciani eine bestimmte Entscheidung treffen sollte. Andere Personen liefen Gefahr, direkt hiervon berührt zu werden: Licio Gelli und Umberto Ortolani. Für diese zwei Chefs von der P2 bedeutete der Verlust von Calvi, daß die Freimaurerloge ihren Generalschatzmeister verlieren würde. Am 28. September ist noch ein anderer Name auf die Liste derer, denen bevorstand, durch Lucianis Entscheidung ernstlich bedroht zu werden, gekommen: es handelte sich um den Namen von Kard. Villot, Staatssekretär des Papstes.

ER BESCHÄFTIGTE SICH DAMIT, FOLGLICH STARB ER

"Nach einem leichten Frühstück mit Kaffee, einem Croissant und Brötchen saß Albino Luciani schon vor 8 Uhr an seinem Schreibtisch. Es gab viel zu tun." (S.283) Dies war also am 28. September. Betrachten wir nun die weniger wichtigen Ereignisse. "Nach den Audienzen des Vormittags hatte Luciani eine Unterredung mit Kardinal Baggio. Er hatte eine Reihe von Entschlüssen gefaßt, von denen er dem Kardinal nun zwei mitteilen wollte." (S.289) Der erste betraf Kard. Cody von Chikago. Luciani hatte sich entschieden, den Kardinal abzulösen. Darauf machte der Kardinal-Präfekt der Klerus-Kongregation keinen Einwand. "Baggio war hocherfreut; endlich wurde diese Affaire bereinigt."

Über die zweite Entscheidung, die Luciani gefaßt hatte, freute er sich weit weniger. Venedig hatte keinen Patriarchen. Er bot diesen Posten Baggio an... "Der Entschluß des Papstes, Baggio von Rom nach Venedig abzuschieben, hatte mehrere Gründe. Einer der gewichtigeren hatte mit jener Liste zu tun, die Lucinai erhalten hatte: Freimaurer Baggio, Logenname Seba, Logennummer 85/264o; aufgenommen am 14. August 1957." (S.291) (Anm.d.Red.: wenn es stimmt, daß dieser Grund mitentscheidend für das Vorhaben war, Baggio abzuschieben, dann läßt sich der Versuch de Nantes, Luciani zum Heiligen hoch zu stilisieren, an diesem Punkt leicht durchschauen: einen bekannten Freimaurer, der ipsp facto der Exkommunikation verfallen ist, befördert man nicht gerade zum Patriarchen.)

"Das Gespräch zwischen Baggio und Luciani war nach den Beschreibungen meiner Gewährsleute 'ein sehr heftiger Streit, wobei die Heftigkeit und Wut ganz allein auf Seiten Seiner Eminenz waren. Der Heilige Vater blieb ruhig"1. (S.291) Die andere wichtige Unterhaltung des Tages fand am Ende des Nachmittags statt, nach zwei Telephongesprächen mit Kardinal Felici, der sich in Padua befand, und mit Kardinal Benelli. Felici erzählte er seinen harten Zusammenstoß mit Baggio, dessen Weigerung, Venedig anzunehmen ihn in Erstaunen versetzt habe; mit Benelli unterhielt er sich über die nächste Ernennung, welche er schon denselben Abend seinem Staatssekretär, Jean Villot, mitteilen wollte.

Kurze Zeit später trank Jean Villot mit dem Papst den traditionellen Kamillentee. Dann nahm die Konversation einen ernsten Ton an. Der Papst sprach von der Vatikan-Bank. Er hatte den Bericht seines Staatssekretärs und anderer studiert. Er hatte Bischof Marcinkus getroffen und ihn aufs Korn genommen. Die Unterhaltung war in einem frostigen Ton und verhieß nichts Gutes. "Luciani erklärte Villot am Nachmittag jenes 28. September, Marcinkus solle sofort abgelöst werden: nicht in einem Monat oder einer Woche, sondern am nächsten Tag." Er beschied Villot, daß an Marcinkus Stelle Mgr. Giovanni Angelo Abbo treten werde, der Sekretär der Präfektur für Wirtschaftsangelegenheiten des Heiligen Stuhles." (S.293 f.) Die Klauen des Löwen zeigten sich und wurden mächtig vor Kard. Villot ausgestreckt. Außerdem rief er die 'uomini di fiducia', die Mafia des Marcinkus, zurück und beabsichtigte, daß in Kürze die Brücken zur Sindonaund Calvi-Gruppe in der Banco Ambrosiano abgebrochen werden sollten. "Kardinal Villot nahm Lucianis Anweisungen fast kommentarlos entgegen. Er hatte im Laufe der Jahre vieles registriert. Im Vatikan gab es viele, die Villot für wenig qualifiziert hielten, aber das war nur bedingt richtig: er hatte es eben für klüger gehalten, einfach wegzublicken. In der vatikanischen Dorfgemeinschaft war das eine probate Überlebenstechnik." (S.295)

Um die Wahrheit zu sagen: man kannte seit Pius X. keinen solchen autoritären Akt mehr. 75 Jahre zuvor setzte Pius X. den furchtbaren Staatssekretär seines Vorgängers Leo XIII., den Freimaurer-Kardinal Rampolla ab. "Luciani kam auf das Problem Chicago und auf seine Diskussion mit Baggio über das Ultimatum zu sprechen, vor das Kard. John Cody gestellt werden sollte. Villot gab murmelnd seine Zustimmung... Luciani berichtete sodann, daß Baggio das Patriarchat von Venedig ausgeschlagen habe. Er sei aber nach wie vor entschlossen, den Kardinal dorthin zu entsenden... Luciani setzte Villot schließlich noch von anderen Umbesetzungen in Kenntnis, die er vorzunehmen gedachte". Und zuletzt: "Benelli solle Staatssekretär des Vatikan werden - als Nachfolger Villots" (S.295 f.)

Villot verstellte sich, als ob er tief über diesen Schlag des Königs nachdenke, diesen unvermuteten Degenstoß, der ihn vollständig aus der Fassung brachte. Dann, während der Papst ihm etwas Tee einschenkte: "Ich hatte gedacht, Sie würden als meinen Nachfolger Casaroli in Erwägung ziehen". (S.296) Mit Casaroli verließe man nicht die Mafia. "Das habe ich auch getan, eine ganze Weile lang. Ich glaube, er leistet teilweise glänzende Arbeit. Was allerdings die in den letzten Jahren gestarteten politischen Initiativen gegenüber Ost-Europa betrifft, so teile ich die Vorbehalte Benellis gegen einige davon". (S.296)

Villot blieb wie Eis. Aber wir werden ihn zwei Tage später - im Fernsehen - ungeniert haben lachen sehen. David Yallop schreibt: "Nie, seit Luciani und Villot sich kannten, hatte dieser seine steife Förmlichkeit abgelegt." (S.296) Aufgestachelt durch den Papst warf er schließlich ein, daß diese Ernennungen den Wünschen des verstorbenen Papstes entgegen seien und als eine Art Verleugnung seines Pontifikates werde angesehen werden. Man werde sagen, er habe Paul VI. verraten. Die Diskussion dauerte fast zwei Stunden. Als er wegging, war es Nacht. (...)

Luciani wünschte nach diesen wichtigen Entscheidungen sofort mit Kardinal Colombo von Mailand zu telephonieren. Aber Diego Lorenzi, sein Sekretär, erwiderte, man könne ihn nicht vor 8 Uhr 45 erreichen. Das Gespräch fand also statt und betraf die Veränderungen, welche durchzuführen Luciani sich entschlossen hatte. Nur David Yallop vertraute der kluge Kardinal an: "Er sprach zu mir längere Zeit in einem vollkommen normalen Ton, aus dem kein Anzeichen für eine körperliche Erkrankung herauszuhören war. Er war vollkommen gelassen und zuversichtlich. Sein Abschiedswort war: 'Beten Sie"." (S.299)

Um 21 Uhr 3o wünschte Albino Luciani seinen Sekretären: "Buona notte. A domani. Se Dio vuole." ("Gute Nacht. Bis morgen, so Gott will.") (...)

SIE TÖTETEN IHN UND BALSAMIERTEN IHN EIN

Zweifelsohne telephonierte auch Kard. Villot an diesem Abend. Gerne möchte man wissen, mit wem. Mit Marcinkus? Sicherlich. Sofern man Gefängnis, einen gewaltsamen Tod oder einen erzwungenen Selbstmord vermeiden wollte, war es für die Mafia entschieden, gegenüber Johannes Paul I. die 'italienische Lösung' unmittelbar anzuwenden. Aber man mußte so vorgehen, daß sich das Verbrechen lohnen würde.

Also:
1. Der Mord mußte geheim vollzogen werden. Um diesen Zustand der Korruption, der vor der Wahl Lucianis bestand, fortzusetzen, war es erforderlich, den Mörder geheimzuhalten.
2. Als wirksamste Mordwaffe zeigt sich Gift. Ein Gift, das nach seiner Anwendung nach außen keine Spur hinterläßt. Es gibt mehr als 2oo Essenzen dieser Art, eine davon ist Digitalis.
3. Wer auch immer diejenigen sind, welche den Papst auf diese Weise töten wollen: sie müssen genaue Kenntnisse über die Vorgänge und die Gewohnheiten im Vatikan verfügen.
4. Sie müssen wissen, daß es keine Autopsie geben wird, wie auch immer die Spuren beschaffen sein sollten, welche vielleicht nach ihrer Tat zurückbleiben würden.

Hier gestatte ich mir eine Abschweifung. Man weiß, daß es kein perfektes Verbrechen gibt. Aber es gibt das bolschewistische Verbrechen, zynisch und ohne Vorsichtsmaßregeln; dessen Hintergrund ist der Terror. Es gibt aber auch - obwohl man davon nicht spricht - das freimaurerische Verbrechen. Es ist dies ein durch Selbstmord, Zufall oder natürlichen Tod vertuschter Mord. Zugleich ist ein Alibi, ein Schema für die Erklärung im voraus bereitet, falls der Zufall oder die Ungeschicklichkeit eine verbrecherische Hand zum Vorschein kommen lassen sollte. Ein unwahrscheinliches Schema, ohne Beweise und Zeugen, das in der Notlage der Täter den Zweifel erregen und die Spuren verwischen soll. Die Macht der Logen legt diese Suggestion den Journalisten, der Polizei und den Behörden vor, die Wahrheit ist für einen Augenblick verdunkelt und erstickt, für gerade die Zeit, die nötig ist, damit das Leben weitergeht und die öffentliche Meinung sich einem aktuellen Gegenstand zuwendet. Später vermag ein Yallop Punkt für Punkt des Verbrechens zu rekonstruieren und die Urheber zu nennen... es ist und bleibt eine alte Geschichte, und im Zweifelsfall bleibt jeder bei seiner Meinung.

Die Ermordung Johannes Pauls I. weist sämtliche Zeichen eines Freimaurermordes auf. Das ist so klar, daß wir es schon am selben Tage empfunden haben und sofort schrieben: "Was ihn tötete, war die Öffnung der Geheimakten Pauls VI." Schließlich sagten wir auf auf unserem lo. Kongreß 1979 - auf diese Angelegenheit zurückkommend - es stimmt (in einem Ton weiser Vorsicht), was wir wußten, und was folglich auch die römischen Autoritäten wissen sollten, daß Johannes Paul I. an einer tötlichen Dosis Digitalis, die er fälschlich als Arznei genommen hatte, starb. In Rom wußte es jeder, der es wissen wollte. Wer seine Ruhe vorzog, hatte die vorbereitete Version zur Hand, also das Freimaureralibi, welches Kard. Villot sofort vorlas und das man uns in den Journalen von gestern, beglaubigt von P. Giovanni Gennari, um die Kurie gegen die Enthüllungen des David Yallop zu verteidigen, wieder auftischte. Gennari: "Der Vorgänger von Johannes Paul II. nahm irrtümlich eine übermäßige Dosis Beruhigungsmittel... Es war dies nach seinem Gespräch mit Kard. Villot, als der Papst sich bezüglich der Dosis seiner Medikamente geirrt hatte..." (OEST-FRANCE, nicht datierte Kürzung, Juli 1984)

Villot: "Was sich ereignet habe, sei ein tragischer Unfall gewesen. Der Papst habe versehentlich eine Überdosis seiner Arznei genommen. Wenn eine Autopsie durchgeführt würde, würde diese zweifelsohne die verhängnisvolle Überdosis belegen. Niemarid aber würde glauben, daß Seine Heiligkeit einem eigenen Versehen zum Opfer gefallen sei. Manche würden Selbstmord vermuten, andere Mord. So kam man überein, keine Autopsie macheu zu lassen." (S.J12) Diese Erklärung ist sinnlos. Wie vermag man zu wissen, was der arme Tote tat, allein und ohne sich selbst Rechenschaft zu geben? Sie ist unwahrscheinlich: die Arznei Lucianis, das Effortil, bewirkt selbst bei doppelter und dreifacher Dosierung keinen plötzlichen Tod. Sie ist ehrenrührig: man läßt die Meinung, der arme niedergedrückte Papst habe Selbstmord verübt, langsam durchsickern... Sie ist unhaltbar: Glaubt man an sie, hätte man im Gegenteil alle Vorsichtsmaßnahmen ergreifen müssen, damit sich die These von der Ermordung nicht verbreiten und man sich ernsthaft vor den Tribunalen nicht zu entlasten haben würde. Nach der Art, wie Kard. Villot sein Alibi formulierte und vorlegte, kann man erkennen, daß er ein Meister, ja ein Großmeister des Freimaurergeheimnisses war. Er spielte übrigens seine Rolle ohne Verwirrung, mit einer vollendeten Selbstbeherrschung, gegenüber der Kirche und dem Ablauf der Ereignisse.

ER STARB LAUTLOS

Schwester Vincenza betrat das Zimmer um 4 Uhr 45 und sah - entsprechend ihrem Bericht an Yallop - den Papst in seinem Bett "mit einem Ausdruck des Leidens". Sie fühlte ihm den Puls. Dies genügte, um festzustellen, daß er soeben gestorben sei, wenn nicht gar vor ihren Augen. Gemäß ihrer, vor einer Gruppe französischer Priester keuchend ausgestoßenen Worten am selben Abend, hatte sie ihn in seinem Ankleidezimmer tot aufgefunden (gemäß meinen eigenen Erkundigungen am 6. November 1978). Es erschien sicher, daß der Tod am Morgen erfolgt ist, aber niemand wollte oder konnte dem Papst die Letzte Ölung bedingungsweise spenden. Um 5 Uhr stellte Kard. Villot den Tod fest und begann als der Herr auf illegale, ausschließlich methodische Weise zu handeln. Das setzt kaltes Blut voraus, einen im voraus gefaßten Plan und den festen Willen, die Angelegenheit zwischen tausend Klippen dorthin zu manövrieren, wohin es nötig war. Er steckte das Fläschchen Effortil, das auf dem Nachttischchen stand, in die Tasche, entnahm den verkrampften Händen des Papstes die Notizen über die am Abend vorher beschlossenen Ernennungen und Umbesetzungen, nahm auch die Brille und die Hausschuhe des Papstes, die wahrscheinlich mit Spuren von Erbrochenem besudelt waren. Er wird auch das Testament des Papstes verschwinden haben lassen. Keiner dieser Gegenstände ist in der Folgezeit wieder gesehen worden.

Er (oder ein Handlanger) telephonierte zur selben Stunde mit den Einbalsamierern, und ein Wagen des Vatikan fuhr ab, um sie zu holen. Ein unglaublicher Fall, genau um 5 Uhr stand dieser vor ihrer Tür.

Der angebliche Camerlengo - ich sage angebliche, denn Villots Amtsmacht war mit dem Tod des Papstes erloschen - handelte seitdem gleichsam freibeuterisch. Der Kardinal verpflichtete also die Schwester Vincenza über die Vorgänge zu schweigen und verbot den Sekretären, jemand zu benachrichtigen, bevor er sie hierzu bevollmächtigt habe.

Was ereignete sich nun in den folgenden Stunden? Es bleibt ein Geheimnis. Versuchten die Einbalsamierer das noch warme Antlitz des Toten herzurichten und es zu schminken? Erst um 6 Uhr kam Dr. Buzzonati - und nicht Dr. Fontana, der Oberarzt- und stellte den Tod fest, ohne ein Zertifikat über die Todesursache auszustellen, den er auf einen Myokardinfarkt, der ihn um 23 Uhr des Vortages befallen habe, zurückführte. Eine erfundene Erklärung ohne jeden medizinischen Wert.

Villot begann ab 6 Uhr 3o die Kardinäle zu benachrichtigen. Die Einbalsamierer gingen den Sakramenten, den Kardinalen und dem Oberarzt vor. Sie waren die Herren des Tages...

Außerhalb des Programmes telephonierte der getreue Sekretär des Papstes, Don Lorenzi, mit seinem persönlichen Arzt, der seine Unruhe teilte und sich entschloß, sich sofort nach Rom zu begeben und die Leiche zu untersuchen. Luciani erfreute sich einer guten Gesundheit. Es ging ihm zu dieser Zeit gut und die Hypothese eines plötzlichen Todes erschien dem Dr. Da Ros unhaltbar.

Außerhalb des Programmes: Der Feldwebel Roggan, der Diensthabende in dieser Nacht, stieß um 6 Uhr 45 im Innenhof mit Marcinkus zusammen - zu einer Stunde und an einem Ort, wo es keinen Grund für seine Anwesenheit gab. Der Gorilla starrte den Schweizer Gardisten an, der ihm den Tod des Papstes gemeldet hatte, im Glauben, ihn mit einer wichtigen Angelegenheit bekannt zu machen.

Der Leichnam wurde - wie es Brauch ist - in den Clementina-Saal gebracht, wohin eine ungeheure Menschenmenge zusammenströmte. Die Besucher am Morgen behielten in ihrem Gedächtnis die verkrampften Züge, das gequälte und schmerzverzerrte Antlitz des Papstes. Nach den mir vorliegenden Quellen kamen um 11 Uhr die Herren des Tages. Man schloß die Türen und sie versuchten - nunmehr schon kalt - den Gesichtsausdruck zu ändern, und zweifelsohne trugen sie Schminke auf. Nun konnte Villot sich mit ihnen - trotz großen Widerstandes ihrerseits - wegen einer überstürzten, illegalen und wirklich ganz speziellen Einbalsamierung, schon an diesem Abend, einigen.

...UND SIE BALSAMIERTEN IHN EIN

Während sich die Gläubigen unter Tränen in der Kapelle zusammendrängten und Töne laut wurden von Männern und Frauen, die an dem Leichnam vorbeigingen, wie diese: "Wer hat das getan? Wer hat ihn ermordet?", wurde man im dritten Geschoß des päpstlichen Palastes mit Fiebereifer unter dem Kommando des sog. Interims-Chef aktiv. Die Schwestern wuschen und putzten. Wozu dieser Eifer, diese Hast? Um die Spuren, die Fingerabdrücke zu verwischen? Um das Erbrochene aufzuwischen? Die Sekretäre packten die Kleidungsstücke des armen Papstes zusammen und trugen sie hinaus mit samt den Briefen, seinen Notizen, seinen Büchern und der Handvoll seiner persönlichen Erinnerungsstücke. Was für ein Dämon legte sich so eifrig auf die Reste des ersten Märtyrerpapstes der Neuzeit? (Anm.d. Red.: Luciani starb - auch nach der Voraussetzung von de Nantes -, weil er einen Finanzskandal aufdecken wollte, und nicht, weil er den Glauben verteidigte.) Um 18 Uhr waren sämtliche päpstlichen Gemächer (19) vollständig leer, ohne jegliche Einrichtung oder im entferntesten mit etwas, was mit dem Pontifikat Laucianis in Verbindung gebracht werden konnte.

Zugleich traf der Interims-Chef der Kirche und des Vatikan-Staates wieder mit den Herren des Tages zusammen, den Brüdern Signoracci, um ihre Arbeit zu leiten und zu überwachen. Sie forderten ohne Zweifel den Mindestaufschub von 12 Stunden, um nicht allzusehr gegen das italienische Gesetz zu verstoßen. Aber was für eine einzigartige, ekelhafte Einbalsamierung ließ er sie machen! Niemals in ihrem Leben und niemals in der langen Tradition der Papsteinbalsamierungen hat man jemals so etwas Schreckliches befohlen oder durchgeführt.

"Auf ausdrückliche Anordnung des Vatikan wurden dem Leichnam weder Blut noch die Eingeweide entnommen. Formalin und andere Konservierungsstoffe wurden durch die Gefäßsysteme (Arterien und Venen) in den toten Körper injiziert. Der Hauptgrund dafür, daß der Vorgang drei Stunden in Anspruch nahm, war die kategorische Forderung der Vatikanvertreter, daß dem Toten kein Blut abgezapft werden dürfe. Üblicherweise wird das Blut abgelassen oder mittels einer durch den Körper gepumpten Kochsalzlösung herausgespült." (S.316) Der Grund, warum man im Körper Blut und Eingeweide zurückbehalten hatte, ist ganz offenkundig. Die Brüder Signoracci sind - leider - Leute, die gegen jeden Skrupel und jede Erregung gepanzert sind. Für uns und noch mehr für andere: hier liegt der formelle und hinreichende Beweis vor für die bewußte, freie und aktive Teilhabe des Kardinal-Staatssekretärs Villot an der Ermordung des Papstes Johannes Pauls I. "Ein einziger Tropfen Blut des Toten hätte freilich einem Pathologen genügt, um das Vorhandensein von Giftstoffen festzustellen." (S.316)

DAS WAR BEREITS DIE NACHT

"Et erat nox". Es war Nacht, als dies beendet war - um 21 Uhr. Er war die Nacht... Kard. Villot zog sich schließlich kurze Zeit vor Mitternacht zurück, um schlafen zu gehen. Er hatte gut gearbeitet. 16 Stunden nach seinem sonderbaren Tod war Johannes Paul I. nicht mehr als nur eine Erinnerung... dort, wo er am Vorabend noch regiert hatte (...). Der Leichnam ist einbalsamiert, eine Autopsie ausgeschlossen. Seine Zimmer gewaschen, gereinigt, versiegelt, keine Untersuchung, keine Kommission kann zu etwas führen. Seine Habe, seine Papiere verschwunden, man wird weder Beweise noch Indizien bekommen. So wütet die Freimaurerei.

Am folgenden Tag begann die letzte Phase dieses Mordes. Nachdem man den Körper vergiftet hatte, um ihn ohne Aufsehen zu töten, begann man die Erinnerung an ihn zu beschmutzen, (...) um so die Erinnerung auszulöschen. "Die Römische Kurie wollte und will die Welt glauben machen, Albino Luciani sei ein Mann von schlichtem, ja einfältigem Verstand gewesen, ein schwer kranker Mann zudem, dessen Wahl ein bedauerlicher 'Betriebsunfall' gewesen sei und über dessen Tod die Kirche im Grunde froh sein könne. Hinter diesem blauen Dunst hoffen sie, die Wahrheit verborgen halten zu können." (S.342) Übrigens näherte sich das nächste Konklave sehr schnell. "Dafür hatte eine kleine Gruppe von Kardinalen gesorgt... Das Denken der Kardinale begann sich auf die Frage zu richten, wer Nachfolger von Johannes Paul I. werden sollte, und auf die damit zusammenhängenden Intrigen und Absprachen." (S.335) Der Kardinal Benelli vertraute David Yallop an, daß die Kurie sofort das nächste Konklave vorbereite und man einen kurialen Papst wolle.

Dies könnte eine andere Geschichte sein. In Wirklichkeit war es aber der gleiche Kampf der 'Kurie', d.h. der uns bekannten Mafia, gegen das Schicksal, und das war der gleiche Kampf 'wider Gott und Seinen Gesalbten' (Ps. 2 ) , der weiterging. Was hätte es ihnen genützt, Johannes Paul I. zu töten, wenn nun ein Benelli gewählt werden würde? Die Mafia, die Vatikan GmbH., die Banco Ambrosiano, die Loge P2 mußten sich im Einvernehmen mit der Via Archimede - wie anläßlich der Organisation der Wahl von Gianbattista Montini 1963 - damit beschäftigen, möglichst schnell einen annehmbaren Kandidaten zu ernennen. Es müßte um jeden Preis darum gehen, einen 'guten' Papst zu kreiren.

(Fortsetzung folgt)
 
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