56. Jahrgang Nr. 3 / Mai 2026
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1. WEIHNACHTEN!
2. MORD IM VATIKAN
3. DIE LÄSTERUNG DES GEISTES
4. DIE ENTFÜHRUNG VON S.E. MGR. NGO-DINH-THUC
5. 'BRÜDERLICHKEIT' IM BROTHER-JAHR
6. ZUR SOG. 'WIEDERZULASSUNG' DER (TRIDENTINISCHEN) MESSE
7. WELCH EINE SCHANDE!
8. DAS GLAUBENSBEKENNTNIS DES HL. ATHANASIUS
9. DER UNTERGANG DER TITANIC...
10. MITTEILUNGEN DER REDAKTION
DIE ENTFÜHRUNG VON S.E. MGR. NGO-DINH-THUC
 
DIE ENTFÜHRUNG VON S.E. MGR. NGO-DINH-THUC

aus: THE SERAPH vom Sept. 1984; übers. von Eugen Golla

19. Januar 1984

Am 19. Januar 1984 reiste Erzbischof Ngo-dinh-Thuc, der bei den Franziskanern in Rochester / New York zu Gast weilte, in Begleitung einiger Personen nach New York-Stadt, wo er von ehemaligen Mitgliedern der Regierung seines Bruders, Familienmitgliedern und guten Freunden geehrt werden sollte. Vorher hatte der Erzbischof telephonische Anrufe von Vietnamesen erhalten. Es war uns nicht möglich zu erfahren, um welche Leute es sich handelte, da wir die vietnamesische Sprache nicht verstehen. Wir können nur vermuten, daß S.E. Erzbischof Ngo diese Leute kannte, weil er nicht den Eindruck erweckte, irgendwie beunruhigt zu sein.

Schon lange vor der Abfahrt nach New York hatte Bischof Vezelis bei Bischof Musey angerufen und ihm vorgeschlagen, ob er es nicht ermöglichen könne, daß Erzbischof Thuc etliche Wochen im Süden zubringe, denn die Kälte von Rochester halte den Erzbischof ab, das Haus zu verlassen. Man merkte, daß ihm eine kleine Abwechslung nach dem langen Winter, der nicht zu Ende gehen wollte, gut tun würde, ihm, dem 86 Jahre alten Prälaten.

Bischof Musey versprach, er werde sehen, was sich machen lassen würde; aber von ihm hörten wir in dieser Angelegenheit weiter nichts mehr. Inzwischen riefen die Vietnamesen den Erzbischof an. Bischof Vezelis sprach mit einem von ihnen, der sehr schlecht Englisch und auch kein Französisch sprach. Sein Name war Herr Truong. Dieser Mann gab sich als Freund der Familie der Ngos aus und erkundigte sich, ob der Erzbischof nicht nach New York auf einen Besuch der gesamten Familie kommen könne. Man wies ihn darauf hin, daß der Gesundheitszustand des Erzbischofs nicht besonders gut sei und solch ein Besuch äußerst schwierig sei. Darauf machte Herr Truong den Vorschlag, auf einen Besuch nach Rochester zu kommen. Dies war akzeptabel. Am 19. Januar kam Herr Truong in einer Limousine, begleitet vom Fahrer, einer Sicherheitswache seines Hotels und seinem Sohn. Erzbischof Ngo machte mit diesem Mann Besuche, und als er auf französisch gefragt wurde, ob ihm Herr Truong bekannt sei oder nicht, antwortete er bejahend und versicherte uns, es sei kein Grund vorhanden, sich Sorgen zu machen.

Herr Truong erkundigte sich, ob der Erzbischof aus Anlaß des Mond-Neujahrsfestes nach New York fahren könne. Wie sich zeigte, hatte der Erzbischof Interesse an dieser Fahrt. Es war nichts Auffälliges zu bemerken außer einer ungemeinen Nervosität von Herrn Truong. Der Erzbischof drückte seinen Wunsch aus, mitzufahren. Man kam zu dem Resultat, daß ihm eine kleine Reise nach dem langen und kalten Winter gut tun würde. Und da keine Aussichten bestanden, daß er nach dem Süden reisen könne, um einige Zeit bei Mgr. Musey oder bei den von ihm geweihten mexikanischen Bischöfen zu verbringen, respektierten wir den Wunsch Seiner Exzellenz. Herr Truong wurde jedoch informiert, daß einer der Brüder den Erzbischof begleiten werde, um für seine persönlichen Bedürfnisse und seine Sicherheit zu sorgen. Br. Francis Miller O.F.M. reiste mit dem Erzbischof nach New York und er mußte erleben, was für ihn ein wahrhafter Alptraum werden sollte.

Nach einer Reihe von Besuchen bei vietnamesischen Laien und Priestern kam die für die Rückkehr nach Rochester vereinbarte Zeit. Herr Truong versuchte, den Erzbischof unter einem fadenscheinigen Vorwand länger zurückzuhalten, aber Bischof Vezelis bestand darauf, daß der Erzbischof aus gesundheitlichen Gründen mit Br. Francis nach Rochester zurückkehren müsse. Außerdem wies er darauf hin, daß sich auch der Bruder nur wenige Tage in New York aufhalten könne. Es zeigte sich nun, daß es sich um eine richtige Entführung handelte. Ohne Zweifel war diese Verschwörung schon lange vorbereitet und geprobt worden. Nur wir, das Opfer und die Betroffenen, hatten nichts davon gemerkt. Sie wurde mit Hilfe vieler kirchlicher Würdenträger durchgeführt, unter denen sich letztlich auch der 'apostolische' Delegai, Mgr. Laghi, sowie der verhängnisvolle und illegitime Nachfolger von Mgr. Ngo-dinh-Thuc in seiner Erzdiözese befanden. Die Einzelheiten dieser Ereignisse müssen erst noch gesammelt werden. In Zukunft ist eine ausführliche Darstellung zu erwarten. Wichtig ist zu erwähnen, daß ein Alternativplan für den Fall bestand, daß der Erzbischof nicht mit nach New York gehen würde. Für uns steht fest, daß er dann direkt von Rochester aus entführt worden wäre, nachdem man ihn durch Telephongespräche und Wochenendbesuche vietnamesischer Priester in einen hierzu geeigneten Zustand versetzt hätte. Wir besitzen keine neuen Nachrichten über den Aufenthaltsort des Erzbischofs. Wir leiteten auf geeigneten und legalen Wegen alles ein, was seine Rückkehr nach Rochester ermöglichen hätte können. Indessen sind wir nicht allzu optimistisch, günstige Resultate zu erzielen, weil der Erzbischof Ngo-dinh-Thuc der Bruder des ehemaligen Präsidenten von Süd-Vietnam, Ngô-dinh-Diem ist. (...)
 
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