56. Jahrgang Nr. 3 / Mai 2026
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1. WEIHNACHTEN!
2. MORD IM VATIKAN
3. DIE LÄSTERUNG DES GEISTES
4. DIE ENTFÜHRUNG VON S.E. MGR. NGO-DINH-THUC
5. 'BRÜDERLICHKEIT' IM BROTHER-JAHR
6. ZUR SOG. 'WIEDERZULASSUNG' DER (TRIDENTINISCHEN) MESSE
7. WELCH EINE SCHANDE!
8. DAS GLAUBENSBEKENNTNIS DES HL. ATHANASIUS
9. DER UNTERGANG DER TITANIC...
10. MITTEILUNGEN DER REDAKTION
'BRÜDERLICHKEIT' IM BROTHER-JAHR
 
'BRÜDERLICHKEIT' IM BROTHER-JAHR

von
Wolfgang Theodor Herrwerth
(SCHNITT-PUNKTE Flugblatt vom 22.2.1984)


Luther zum Kirchenlehrer, gewissermaßen, zu erheben, wünscht sich der Vorsitzende der EKD, Lohse, in einem Brief an 'Seine Heiligkeit', den Kollegen in Rom. Difficile est satyram non scribere. Wie kann man nur auf den eigenen Namen - nomen est omen - so 'lohse' bedacht sein? Eine gewisse Euphorie im Rückblick zum"Lutherjahr" mag einiges erklären. Auch mußte bei gegebener Labilität der Seelenlage jene zu Gaudete in der Christuskirche in Rom so betörend aufgegangene "Morgenröte der Einheit" wie ein Aufputschmittel gewirkt haben. Dennoch, notiert er schmerzlich, die Bekrönung blieb aus. Worunter er volle Mahl-Gemeinschaft verstanden hätte. Dies ist der Fluch der bösen Tat ... mit einer aus der oekumenischen Trickkiste herausgeangelten kanonistischen Mahl-Möglichkeit das verärgerte 'hic Rhodus hic salta' bereits mit einprogrammiert zu haben.

Inzwischen gibt sich '1984' die Ehre, big brother's Jahr. Einer Ära, worin sich Wörter in ihr Gegenteil verlarvt begegnen. Wörter, nichts als Wörter, da das WORT gebrach. Heruntergekommen zur Bildschirmherrschaft: war is peace - freedom is slavery - ignorance is strength. "Der Lügengeist", nach der baaderschen Sentenz von 1828, "ist zum öffentlichen Doctrinair geworden". Luther als Kuckucksei zum Kirchenlehrer zu befördern, damit weitere "Mißverständnisse und Gegensätze" ausgeräumt würden, begibt sich höchst leichtfertig unter das Fallbeil der Frage: Bruder Lohse, bist du so gefeit?

Eher ging es in der Entmythologisierung der Entmythologisierer erst einmal darum recht un-'lohsig', den 'wahren Luther' unter dem oekumenischen Scherbenhaufen gehäuteter Kirchengeschichtler auszugraben. Wer sich daran macht, wie Remigius Bäumer zu Alberti Magni, 198o, muß auf infernalisches Geheul gefaßt sein. Die übervorjährige Confessiana brachte es zu nach mehr als einer liberal protestanto-katholischen Plattform eines waschechten Melanchtonismus, so ja aller Protestantismus viel mehr Melanchton zugeschrieben werden müßte. Ein betont ichfühliger, "reflexiver" (Hacker) Erlebnisglaube, der es je neu auf "Bewußtsein" abgesehen hat, worin die ganze durch- und herab-psychologisierende Moderne vorweggenommen erscheint. "Irregeleitete Spiritualität" aus versubjektivierter Rückgeworfenheit und existentieller Langeweile ('ennui':Pascal), die sich mit der Wildheit bigotter Kleinbürger in eine verkultete Gemeinschaft als letzte therapeutische Fluchtburg (s.E.Fromm) geworfen hat, bombifizierte versus-populum-Kirchen zurücklassend.

Auch könnten wir uns an die Seite des überragenden Dominikaners Heinrich Denifle begeben. Wahrheitsgräber, wie alles Ur-Katholische heute verfemt. Hat er doch in den letzten Jahrzehnten vorigen Jahrhunderts Luthers Römerbrief-Kommentar nach jahrhundertelangem Verschwundensein aus den Archiven des Vatikan (Codex Palatina) wieder ausgegraben und dem Protestantismus wie neu geschenkt. Überraschend stoßen wir auf ein Luther-Kristall, dessen Mitte vom "objektiven Mysterium hochzeitlichen Austausches" zusammengehalten wird, dem admirabile commercium weihnachlicher Liturgie, der katallage aus - 2 Cor V 18-2o - eines Austauschs dem Sein nach durch und durch, in der Begegnung-Entgegnung (agape) von - peccatum - Mensch Sünder und - misericordia - Gott Barmherzigkeit. "- diese größte christliche Tradition", schreibt E. Przywara SJ (Humanitas, 1952) "lebt nach Jahrhunderten des Schweigens in Luther, in letzter Gewalt, auf". Insofern wäre die melanchto-spätkatholische Bewußtseinslage erledigt. Wen wundert's noch, daß mitten drin das hochzeitliche Mariologumenon der "seligen Jungfrau" (nicht melancht.-protest. "der Maria") als Form der Kirche steht - wenn auch auf des Messers Schneide zu einem "ideell albigensischen Manichäismus" - nach dem Wort des Angelus Silesius: "Du selber mußt Maria sein".

Katholische Wahrheitsgräber, will ich meinen, fallen auf falsche Propheten eines Scheinfriedens, der Versöhnung gleichrangig dem Unversöhnlichen stellt, nicht herein. Eingedenk jenes Worts unsres Kyrios transsubstantialis:"Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert" -

NON VENI PACEM MITTERE SED GLADIUM - Mt X,34
 
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