Die sieben Stufen des Aufstieges
vom
hl. Bernhard von Clairvaux
"Bleibt auf den Wegen des Herrn und forschet nach seinen Pfaden!" (Jer.
6,16) Auf dem Weg des Herrn bleibt, wer die körperlichen Übungen seines
guten Vorsatzes beobachtet. Weil jedoch die Bußübung des Körpers nach
den Worten des hl. Paulus nur wenig fruchtet (1 Tim. 4, 3), fügt der
Prophet hinzu: "Und forschet nach seinen ewigen Pfaden!" Das heißt:
verlangt nach dem Leben der heiligen Väter, und ihr werdet den Weg
finden! Wandelt ihn! Den Weg hat gefunden, wer in sein Herz Einkehr
hält. Diesen Weg wandelt, wer Aufstiege in seinem Herzen plant. (Ps.
83, 6.) Der erste Aufstieg auf diesem Wege ist die Reue, der zweite das
Bekenntnis, der dritte die Liebe, der vierte die Hingabe des Eigentums,
der fünfte die Verleugnung des Eigenwillens, der sechste die
Verdemütigung, der siebte die Beharrlichkeit.
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Das Mysterium des Menschensohnes
vom
hl. Bernhard von Clairvaux
Das Mysterium des Menschensohnes faßt drei beachtenswerte Dinge in
sich: den Ausdruck der Erniedrigung, den Nachweis der Liebe und das
Geheimnis der Erlösung. Das Wimmern des Kindes; der Ort der Herberge;
die Krippe, in der das Kind liegt; die Windeln, in die es eingehüllt
ist: all das spricht von der Erniedrigung in der äußeren Erscheinung.
Der Nachweis der Liebe liegt im Tod aus Liebe. Denn "niemand hat eine
größere Liebe, als wer sein Leben hingibt für seine Freunde." (Joh. 15,
14.) Das Geheimnis der Erlösung zeigt die dreifache Macht der Gottheit
an: aus nichts hat er uns geschaffen, das Alte hat er erneuert, das
Zeitliche in Ewigkeit verwandelt.
(aus: Bernhard von Clairvaux: Miszellen, Ansprachen über verschiedene Gegenstände, Wittlich 1936, S. 317.)
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