DER UMKREIS DER WUNDERBAREN MEDAILLE
von
S.E. Bischof Benigno Bravo
(übers. von Heinrich Beckmann)
Die Geschichte berichtet, daß die spanischen Missionare eine
beträchtliche Zeit benötigten, um die Eingeborenen für den katholischen
Glauben zu gewinnen. Und man bedenke, mit welchem Eifer sie ans Werk
gingen! Trotz vieler Gebete, Buße und reichlicher Tränen erreichten sie
wenig.
Aber als die heiligste Jungfrau von Guadalupe in Aktion trat und dem
Juan Diego erschien, änderte sich sogleich die Haltung der
Eingeborenen, und die Bekehrung nahm einen bewundernswerten Verlauf.
Hätte es anders sein können?! Die allmächtige Helferin war mit den
Missionaren, ihren Söhnen, auf die zu erobernde Erde niedergekommen:
die Jungfrau von Guadalupe!
In Europa waren seit geraumer Zeit zwei tapfere und kriegerische Völker
im Begriff, zu den Waffen zu greifen: Deutschland und Frankreich. In
Paris hörte ein französischer Flugkapitän, daß in Deutschland ein
bestimmter Plan bestand, Paris in die Luft zu sprengen. Der
französische Kapitän sammelte in aller Eile eine größtmögliche Anzahl
von Wunderbaren Medaillen, bestieg ein Flugzeug und streute sie über
Paris aus. Von diesem Tag an hat man nichts mehr von einer Bombadierung
der französischen Hauptstadt gehört. Hier haben wir das Wunder des
Unbefleckten Herzens Mariae: Schutz für ihre Kinder, die ihr Vertrauen
schenken.
Bei Juan Maria Gorricho, dem spanischen Missionar vom Unbefleckten
Herzen Mariae heißt es: "Die Heiligen und Theologen haben schon darauf
hingewiesen, daß Maria eines der Werke ist, das die Machtfülle, die
Weisheit und die Liebe Gottes bis zur Neige ausschöpft. Dies, weil Gott
nichts Größeres schaffen, noch wissen, noch wollen konnte als die
Jungfrau Maria." Und ich sage: Wenn Gott in Maria seine Allmacht, seine
Weisheit und seine Liebe hinterlegte, so deshalb, damit sie ihren
bedürftigen Kindern in ihren Nöten beistehe, denn sie ist ja unsere
Mutter! Wissen wir doch, wie Mütter ihre Kinder umsorgen und ihnen in
Notlagen helfen.
Wir müssen sie um Hilfe angehen, da Gott ihren Beistand verbürgt.
Christus wiederum erfährt gleichfalls die Hilfe Mariens. Wir können
nicht absehen von dieser Unterstützung der heiligsten Jungfrau, wenn
weder der Göttliche Vater noch Christus auf eine solch mächtige Hilfe
verzichten.
Man hat es in den Dörfern gleich gespürt, wenn dort der heilige
Rosenkranz nach den Wünschen der heiligsten Jungfrau gebetet wird: und
so mögen die Besuche*) der heiligsten Jungfrau in den Häusern und
Familien nicht eingestellt werden, damit alle und jeder den Rosenkranz
zu beten lernt. All diese Stätten werden von der Wunderbaren beschenkt.
*) Anm. des Übersetzers: Der
letzte Abschnitt bezieht sich auf einen Brauch der
spanisch-mexikanischen Volksfrömmigkeit: Bei den "Besuchen" handelt es
sich um eine Wander-Statuette, die von Haus zu Haus ausgeliehen wird,
und während ihres jeweiligen kurzen Aufenthalts in einem Haus eine
besondere Verehrung erfährt. M.W. erfolgen solche Hausbesuche auch
dort, wo man nicht in die Kirche geht, d.h. wo im kirchlichen Sinne
nicht praktiziert wird. Meine frühere Haushälterin z.B., die von der
Kirche nichts wissen wollte, erzählte mir gelegentlich von den
"Besuchen" der hl. Jungfrau oder des hl. Antonius. |