Mgr. Lefebvre:
AUSZUG AUS DEM
"BRIEF AN UNSERE FREUNDE UND WOHLTÄTER", NR. 20
"Auf der anderen Seite stellen wir mit Freude fest und sagen Gott dafür
Dank, daß die traditionellen Werke, sowohl die Priesterbruderschaft St.
Pius X. als die anderen Vereinigungen, sich in einem menschlich
unerklärlichen Wachstum befinden. Ein weiterer Trost und eine weitere
Ermutigung ist, daß die Bande zwischen all diesen mutigen Initiativen
und der Bruderschaft immer enger werden." (Anm.d.Red.: Zu den niederen
Weihen in Zaitskofen an Ostern fuhr aus München ein Bus, der nur 15
Insassen zählte. Man kann sich leicht vorstellen, wie "menschlich
unerklärlich" dieses 'Wachstun' ist.)
"Wie Sie wissen, haben wir uns nie als die Anführer dieser Erneuerung
der Kirche und dieses Widerstandes gegen die Revolution in der Kirche
betrachten wollen. Doch wie unsere Priesterseminare an Zahl zunehmen
und ebenso unsere Priorate, unsere Schulen, unsere Exerzitienhäuser, da
Gott sei Dank unsere Priester sich vermehren und besonders von 1983 an
sich vermehren werden, ist es ganz normal, daß die große Hoffnung, die
diese Priesterjugend bedeutet, das Vertrauen aller überlieferungstreuen
Initiativen auf sich zieht: Ordensmänner und Ordensfrauen - aktive und
kontemplative - wie auch Weltpriester fühlen das Bedürfnis, sich
anzuschließen an diesen kräftigen Rebstock voll Glaube, Wahrheit und
Gnade, fest eingewurzelt in der Überlieferung von zwanzig Jahrhunderten
Kirche." (Anm.d.Red.: Wer dieses Anschließen - das ist sehr vornehm
vormuliert, man sollte einfach sagen: okkupieren - am eigenen Leib
erfahren hat, für den bekommen die Worte "Glaube, Wahrheit und Gnade"
einen etwas seltsamen Klang im Munde des Chefs des AnkupplungsVereins,
welches Unternehmen bereits seit 1970 systematisch von Baron v. Sch.-N.
betrieben wurde. Die Methode - übrigens in wirtschaftlichen Bereichen
mit sehr großem Erfolg angewendet - ist sehr alt und überaus einfach:
an einen scheinbar in der Sache festen Führer versucht man alle in etwa
Gleichgesinnten anzuschließen, um dann diese zentrale Führerpersönlich
zu kontrollieren. Eines stimmt: M. Lefebvre hat nie die verantwortliche
und kirchenrechtlich verbindliche Führung der wahren Gläubigen
übernehmen wollen. Dafür war seine raffinierte Machtpolitik, die nicht
davor zurückschreckte, mit sakramentalen Mitteln zu erpressen, um so
zielstrebiger.)
"Dieser enger gewordenen Bande im Glauben und im Apostolat scheinen mir
sehr wichtig für die Zukunft der Kirche. Denn wir wollen unsere Arbeit
tun im absoluten Vertrauen auf die Vorsehung, die erlauben wird, daß
eines Tages, eines von ihr bestimmten und nur von ihr bekannten Tages,
der Oberste Hirte die unvergleichliche Wohltat, die all diese Werke
bedeuten, erkennen und Gott dafür danken wird. Es gibt kein gültiges
Argument, das uns verpflichtete die Verbindung mit dem Papst zu
durchbrechen. Im Gegenteil, zahlreiche unabweisbare Motive verpflichten
uns, mit ihm als Nachfolger Petri vereint zu bleiben, was übrigens
unsere Proteste und Weigerungen wirksamer und gerechter macht. Dies
vermindert in keiner Weise unser Anhangen an der Überlieferung. Es
geschieht aus Achtung vor dem Nachfolger Petri, daß wir einen
Widerspruch im Lehramt Petri für unmöglich halten." (Anm.d.Red.: Es
hätte sein Bewenden beim bloßen Unterstreichen der wichtigen Passagen
haben können, wenn nicht der letzte Satz - ab: Es geschieht-, einer
Paraphrasierung bedürfte. Was M. Lefebvre hier meint, heißt im Klartext
folgendes: Den berühmten Fall des "Papa häreticus" gibt es für Lefebvre
nicht einmal als Denkmöglichkeit. Doch dieses Problem wurde theoretisch
vom hl. Bellarmin und hl. Cajetan gelöst, in der Praxis wurden etliche
Päpste als illegitim abgesetzt. Und diese Tatsachen gehören zur
Tradition "von zwanzig Jahrhunderten Kirche", die Lefebvre für sich in
Anspruch nehmen, pardon nur okkupieren möchte.)
HINWEIS:
Durch gewisse Verlautbarungen in letzter Zeit (man vgl. KYRIE ELEISON
Nr.3/4 von 1981, S. 47 ff.) ist bekannt geworden, daß sich Bischof
Vitus Chang / Bad Godesberg von seiner mündlich und schriftlich
gegebenen Zusage, für das von der SAKA geplante Priesterseminar
einzustehen, distanziert hat.
In diesem Zusammenhang ist es sicherlich nicht uninteressant zu
erfahren, daß sich Bischof Vitus Chang zu dieser Absage an das
SAKA-Seminar entschloß, nachdem er von Herrn Baron von Schrenck-Notzing
und Frau Dr. Gerstner besucht worden war, die ihn gebeten hatte, sich
für von ihr geplante Vorhaben bereit zu halten. Unser Informator in
dieser Angelegenheit: Bischof Vitus Chang. |