KATECHISMUS DER KATHOLISCHEN RELIGION
von
Rudolf Muschalek
Fortsetzung:
9. Glaubensartikel
1. Der neunte Glaubensartikel heißt, nach dem Apostolischen
Glaubensbekenntnis: (Ich glaube an) "die heilige katholische Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen"; nach dem nizäno-konstantinopolitanischen
Glaubensbekenntnis (i.J. 381): Et unam sanctam catholicam et
apostolicam ecclesiam; "Ich glaube an die eine, heilige, katholische
und apostolische Kirche." - Prägen wir den Text unserem Gedächtnis fest
ein!
2. Eine Vorbemerkung erscheint notwendig. Wir sprechen hier - im
allgemeinen - von dem, was der Katechismus über die Kirche
grundsätzlich lehrt. Über die derzeitige Lage der Kirche wird in einem
zweifelsohne sehr
wichtigen Nachwort zu sprechen sein.
3. Zunächst müssen wir wohl wissen, was ist denn eigentlich die
"Kirche"? Worterklärung: Kirche ist ein Lehnwort aus dem Griechischen.
Hier hieß es einst: kyriaké ekklesla, deutsch "Herrenversammlung", d.h.
natürlich Versammlung unseres Herrn Jesus Christus. Von kyriaké kommt
"Kirche", englisch church; von ekklesla französisch église.
Sacherklärung: Das Wort "Kirche" kann bezeichnen:
1. ein Gotteshaus, z.B. wenn wir sagen: Wir gehen in die Kirche; oder wenn wir von einer gotischen Kirche sprechen.
2. das sichtbare Gottesreich unter den Menschen. Wenn wir hier von
Kirche sprechen, so meinen wir im folgenden immer "Kirche" in diesem
zweiten Sinne, d.h. das sichtbare Gottesreich unter den Menschen.
4. Jesus selbst hat das Wort "Kirche" natürlich noch nicht gebraucht;
Er nennt sie Sein Reich (regnum, "Königreich"). Im Unterschied zu den
weltlichen Reichen, z.B. zu dem römischen Reich seiner Zeit, ist Sein
Reich ein geistliches Reich, d.h. es ist dafür da, für unser
geistliches Wohl, für unser Seelenheil zu sorgen. Die Kirche ist also
zwar ^Ln dieser Welt, jedoch nicht von dieser Welt. Der Heiland selbst
sagt: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt." (Joh. 18,36) Es war am
Morgen jenes Tages, an dem Jesus gekreuzigt wurde, also unseres
Karfreitags. Man führte den göttlichen Heiland gefangen in das
Prätorium des römischen Landpflegers Pontius Pilatus, ohne dessen
Zustimmung keine Hinrichtung vorgenommen werden durfte. Unser
göttlicher Heiland war schon gegeißelt und mit Dornen gekrönt. Vor
Pilatus bekannte nun Jesus: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wenn
mein Reich von dieser Welt wäre, würden meine Diener kämpfen, daß ich
nicht den Juden überliefert werde. Nun aber ist mein Reich nicht von
hier." Da sagte Pilatus zu Ihm: "Also bist du doch ein König?" Jesus
antwortete: "Ja, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in
die Welt gekommen, daß ich der Wahrheit Zeugnis gebe. Jeder, der aus
der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme." (Joh. 18,36f)
5. Also nicht mit dem Schwert kämp fen Seine Diener für den Heiland.
Was soll dann die revolutionäre "Theologie der Befreiung" mit der
Maschinenpistole in der Hand? Wie paßt sie zu den Worten Jesu? Ganz und
gar nicht! Also fort mit ihr! -
Also ist Jesus König; Er ist dazu in die Welt gekommen; Er ist König -
jetzt. Darum laßt uns das Christkönigsfest feiern am letzten Sonntag im
Oktober, wie es der Heilige Vater Papst Pius XI. im Jubeljahr 1925
angeordnet hat, in nächster Nachbarschaft von Allerheiligen und
Allerseelen! Dort gehört es hin! Nicht aber an den letzten Sonntag im
Kirchenjahr, wenn wir des Endes der Welt gedenken, - wie es jetzt Mode
geworden ist, so als ob erst dann in nebelhafter Zukunft Christus König
sein wird. Nein, jezt ist Christus König, mag es auch der Welt nicht
passen!
Also: jeder! Jeder ist zu dem Reiche Christi berufen. Auch der Reiche!
- Es ist Mode geworden zu behaupten, die Kirche sei eine Kirche der
Armen; sie habe sich un diese zu kümmern. So hört man es in der
Predigt, so hört man es in Hirtenbirefen. Wieso eigentlich? Jeder ist
zu Christi Reich berufen, da jeder eine unsterbliche Seele hat, also
auch der Wohlhabende. Und wenn es wahr ist, daß es für den Reichen
besonders schwer ist, ins Himmelreich einzugehen, dann sollte man sich
um ihn seelsorglich gerade besonders bemühen! Aber natürlich nicht
etwa, umGeld zu ergattern, sondern um seine Seele, trotz seines
Reichtums, noch zu retten.
6. Wer also hat die Kirche gestiftet?
Es ist hier gefragt nach der im Wortlaut des Glaubensartikels genannten
katholischen Kirche, keineswegs etwa nach einer verschwommenen
"christlichen" Kirche. Den Ökumenismus unserer Tage haben wir schon in
der letzten Katechese deutlich und mit Entschiedenheit abgelehnt. Die
Antwort aber lautet: Jesus Christus hat die - katholische - Kirche
gestiftet.
7. Halten wir also treu zu der von Jesus Christus gestifteten heiligen
katholischen Kirche! Lassen wir uns von neumodischen Irrlehren
innerhalb und außerhalb der Kirche nicht verführen! Man hört heute
immer wieder von der Confessio Augustana, dagegen kaum von den
Beschlüssen des Konzils von Trient. Man hört heute immer wieder vom
Zweiten Vatikanischen Konzil, das keine Glaubensentscheidungen
getroffen hat, - warun aber nicht vom Ersten Vatikanischen Konzil mit
seinen wichtigen Entscheidungen? Ist das Tridentinum, ist das Vaticanum
I unbequem geworden? Sollen sie totgeschwiegen werden? Passen diese
beiden Konzilien nicht zum modischen "Ökumenismus", nicht zur
Annäherung an den Protestantismus?
Wir aber sollen uns erst recht bemühen um die wahre katholische Lehre,
wie sie auf den heiligen Konzilien festgestellt worden ist, und zwar
auch für unsere Zeiten! Wir sollten die Beschlüsse und
Glaubensentscheidungen der heiligen Konzilien, besonders auch des
Tridentinums und des Vatikanums I (1869/7o), kennenlernen und uns zu
eigen machen. Wenn wir uns dabei distanzieren von den unkatholischen
Strömungen unserer Zeit, - desto besser! Wir sollen uns ja von der Welt
abschliessen und unser eigenes, treukatholisches Leben führen,
möglichst gemeinsam. So wie wir es uns in der Katechese 3 über den 8.
Glaubensartikel, in der Nr. 17, vorgenommen haben.
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