MOSERS MODERNES MUSTERLÄNDLE
Vorbemerkung:
Gemeint ist die sog. 'kath. Diözese' Rottenburg im
Schwabenland, das nicht nur durch die Streiche der 'sieben Schwaben'
bekannt wurde, sondern in letzter Zeit immer mehr an trauriger
Berühmtheit durch den sog. 'kath. Bischof Moser, der dort als sog.
'Oberhirte' fungiert.
In dessen sog. 'katholischem' Musterlände (auf deutsche Verhältnisse
bezogen) erschien 1977 ein offener Brief von Moser-Priestern, der bei
seinem Erscheinen Moser scheinbar noch zu einem ganz schwachen Protest
aufschreckte. Wie ermutigend diese Kritik aber in Wirklichkeit war,
zeigt ein zweiter offener Brief dieser 'Priester-Gruppe' (das 'sog. '
spare ich mir diesmal) vom letzten Jahr, der sogar die Zustimmung des
sog. Ortsordinarius' erhielt.
Wir drucken beide Schreiben hier ungekürzt ab,
a) um zu zeigen, welche Progresse der Progressismus macht - mit offiziellem, 'amtlichem' Einverständnis, und
b) um all denen unter den Traditionalisten die zukünftige 'Hausordnung'
bekannt zu machen, die nach Lefebvres weiser Gutheißung mit den
"Ortsbischöfen" unter einem Dach zusammen hausen wollen.
Eberhard Heller
Brief der Aktionsgemeinschaft Rottenburg
an die Pfarrer in der Evangelischen Landeskirche Württemberg
Liebe Kolleginnen und Kollegen! (1977 )
Wir, die Aktionsgemeinschaft Rottenburg, sind eine Vereinigung von 130
meist jüngeren Theologen im Dienst der Diözese Rottenburg, größtenteils
Pfarrer in der Gemeindcarbeit. Vor acht Jahren haben wir uns zu einer
Aktionsgemeinschaft zusammengeschlossen mit dem Ziel, die immer
notwendige Reform in Kirche und Gemeinde in Gang zu halten und mit
Initiativen zu fördern.
Für reformbedürftig halten wir auch bzw. immer noch das Verhältnis
zwischen unseren beiden Konfessionen. Zwar ist in den letzten 15 Jahren
vieles besser geworden. Wir haben z. B. im Umgang mit
konfessionsverschied-nen Brautpaaren gelernt, prinzipielle
Gleichberechtigung gelten zu lassen und die Entscheidung des Paares
über die Konfession der Kinder zu respektieren. Wir kooperieren in den
Bereichen Kindergarten, Religionsunterricht und Sozialarbeit. Wir lesen
mindestens auf dem Gebiet der Exegese evangelische und katholische
Autoren gleichermaßen. Wir sehen auch die Parallelen in der problematischen
Polarisicrung innerhalb unserer Kirchen und verstehen einander oft
besser, als wir zu verstehen geben.
Trotzdem haben wir den Eindruck, daß das Gespräch zwischen den
Konfessionen in den letzten Jahren unergiebig geworden und die
Entwicklung aufcin.indcrhin zu einem Stillstand
gekommen ist - bei allen erfreulichen Annäherungen auf der Ebene
ökumenischer Expertcngcsprächc (z. B. Accra, Dombes). Diesen Eindruck
teilen viele unserer Gemeindeglieder wie auch jene 33 katholischen
Theologen, die sich 1972 genötigt sahen,"wider die Resignation in der
Kirche" zu schreiben. Die Entwicklung wieder in Gang zu bringen und
voranzutreiben, halten wir auch für unsere eigene Sache, nicht nur für
die der bevollmächtigten Vertreter in den ökumenischen Gremien und
kirchlichen Zentralbehörden.
Diesen Brief schreiben wir an Sie als Träger jenes kirchlichen Amtes, das auch wir als katholische Pfarrer
ausüben. Die gegenseitige Anerkennung der Ämter, wie sie z. B. die
ökumenischen Universititsinstitute - gewiß nicht unbestritten - 1973
gefordert haben und in der Sie zu Recht eine Vorbedingung für eine
Weiterentwicklung sehen, ist für uns in der Aktionsgemeinschaft
Rottenburg im allgemeinen kein Problem mehr, sofern Sie in der
Landeskirche ordiniert sind. Wir anerkennen Sie als Vorsteherinnen und
Vorsteher Ihrer Gemeinden und deren Gottesdienste und sehen in Ihnen
Amtsträger gleicher Vollmacht und gleicher Verantwortung - bei allen
Unterschieden der jeweiligen geschichtlichen und theologischen
Bestimmtheit, die wir nicht verschweigen wollen.
Im folgenden beschränken wir uns auf zwei Aspekte dªr ökumenischen
Frage: die Stellung des Pfarrers und die Abendmahlspraxis in unseren
Kirchen. Wir sind uns dabei bewußt, daß gerade den Christen heute noch
viele andere Probleme beschäftigen müßten, z. B. der Hunger in der
Welt, die Lage der Randgruppen, Umwelt- und Datenschutz. Wir haben aber als Gemeindeleiter auch Probleme, deren
Lösung wir nicht mit dem Verweis auf größere verweigern sollten, zumal
auch die kaum zu lösen sind, es sei denn gemeinsam.
Sie werden uns fragen, auf welches Ziel hin wir die ökumenische
Entwicklung betreiben. Unsere Antwort ist, wenn auch zwangsläufig
ziemlich abstrakt, wohl eindeut-.g genug, wenn wir sagen: Wir wollen
keine Verschmelzung oder Uniformierung der verschiedenen Kirchen, wir
wollen keine Ökumene im Sinn des Subtraktions- oder
Additionsverfahrens; wir wollen vielmehr eine Einheit der Kirche in der
Vielfalt der Traditionen, Theologien, Liturgien, Disziplincn, also eine
vom Evangelium normierte Katholizitat und eine in katholischer Weite
verstandene Evangelizität.
ZUR STELLUNG DES PFARRERS
Seit bald zehn Jahren machen wir die Erfahrung, daß d.e Intensität der Kontakte und der Zusammenarbeit
zwischen Kirchcngemeinden unserer beiden Konfessionen in hohem Maß von
uns, den Pfarrern und Gemeindevorstehern, abhangt ökumenische
Direktorien und Empfehlungen \on Kirchenbehorden oder kirchlichen
Gremien können kaum etwas bewirken, wenn ïwir Pfarrer nicht wollen
Diese "Schlüsselstellung" des Pfarrers in der okumen'schcn Praxis
braucht nicht an sich schon fragwürdig zu sein, wenn wir sie aus dem
Charakter eines gestaltenden Leitungsdienstes ableiten, den unser Amt
hat. Hier geht es lediglich darum, einzugestehen, daß wir sie besitzen.
Ohne dieses Eingestindms uird es jns kaum gelingen, den Mißbrauch
solcher "Macht" zu vermeiden, von ihr den rieht.gen Gebrauch zu machen
oder bewußt auf sie zu verzichten.
Welchen Gebrauch wir von dieser Schlüsselstellung machen, wird
zwangsläufig von verschiedenen Umstanden abhingen: von theologischen
Auffassungen, zu denen wir gelangt sind, wie \on guten oder schlechten
Erfahrungen, die wir schon in der ökumenischen Arbeit gemacht haben,
von unseren Gemeinden und denen, die dort mitarbeiten, wohl auch von
Sympathien und Antipathien zwischen uns selbst, wie sie nun einmal in
zwischenmenschlichen Beziehungen herrschen. So beobachten wir, daß sehr
vieles dort möglich ist, v.o wr uns verstehen, und fast nichts geht, wo
wir nicht wollen oder nicht zu können meinen.
Weil uns, wenn die Umstände günstig sind, sehr vieles möglich ist,
haben gerade -wir uns immer wieder zu fragen, was wichtig, sinnvoll,
theologisch gerechtfertigt, fur unsere Gemeinden nützlich und hilfreich
ist. Da wir als Pfarrer diese Frage nicht nur hypothetisch stellen,
sondern unsere Antwort immer auch eine Entscheidung für die Praxis der
Gemeinde ist, handelt es sich hierbei stets um einen vor Ort, wie er in dieser Weise z.B. für die Vertreter der
Kirchenbehorden oder fur Theologicprotessorcn kaum eintritt. Letztere können uns darum die konkrete Entscheidung nie abnehmen.
Aus dieser Sicht der ökumenischen Situation und der Schlusselrolle des
Pfarrers entstand fur uns das Bedürfnis, Ihnen unsere Überlegungen zur
Frage der Abendmahlspraxis zu schreiben.
ZUM KATHOLISCHEN ABENDMAHLSVERSTÄNDNIS
Sie wissen, daß in den katholischen Kirchengemeinden der Bundesrepublik
ein Wandel geschehen ist. der auch Theologie und Praxis des Abendmahls
- der Euchansticfcicr oder Messe, wie wir sagen - umfaßt
Bemerkenswerterweise kam es zu diesem Wandel zunächst aus pastoralen
Gründen schon vor dem Ersten Weltkrieg. Er ist für uns mit dem Namen
Pius' X. verbunden. In der theologischen Reflexion hat sich dann die
jahrhundertelang in der lateinischen Kirche allem geltende Methode, mit
Vorstellungen und Begriffen der scholastischen Philosophie die
Mahlfeier des Todes und der Auferstehung Jesu theologisch zu erfassen,
als Ergebnis vieler geschichtlicher Umstände und Bedingungen erwiesen
und steht heute als ein theologisches System da, das selbst wieder
einer kritischen Interpretation bedarf. Aufgrund exegetischer Arbeit
und theologiegeschichtlidier Forschung haben wir inzwischen zu
Deutungen des Abendmahls gefunden, die den Bedingungen heutigen
Empfindens und Verstehens besser gerecht werden. Der Schwäche der
scholastischen Deutung, daß sie, auf Katechismus und Volksfrömmigkeit
übertragen, leicht magische Vorstellungen aufkommen ließ, suchen wir in
Predigt und Unterricht zu begegnen; das zeigen z. B. neuere
Religionsbucher fur den Erstkommunionunterricht. Daß Katholiken heute
in der Regel nicht mehr in der Gefahr sind zu glauben, durch Sakramente
sei die Gnade Gottes für Menschen verfugbar geworden, verrat die
Praxis, gerade auch die derzeitige Bußpraxis unter Katholiken Und wenn
unsere hierarchisch gegliederte Kirche der Versuchung nicht entgangen
sein solfie, durch Vorschriften über die Verwaltung der Sakramente
Herrschaft über de Gewissen auszuüben, dann zegt die innere Situation
der katholischen Kirche, daß Gemeinden und Pfarrer, Bischofskonferenzen
und Synoden sich genügend Freiheit fur ihre notwendigen Entscheidungen
nehmen können, wenn s:e es nur ernsthaft wollen.
Wir bedienen uns heute in der Regel der Muttersprache bei der Feier der
Messe und wissen, daß für das sakramentale Zeichen das Wort der
Verkündigung konstitutiv ist. Wir bemuhen uns, den Charakter des Mahles
sichtbar zu machen und die Versöhnung der Welt durch den Opfertod Jesu
im Sinn des Hebraerbnefs zu begreifen; wir haben eine Opfertheorie
aufgegeben, die den Eindruck erwecken konnte, Jesu Opfer am Kreuz musse
zu unserer Versöhnung mit Gott immer noch einmal dargebracht bzw.
erneuert werden. Der ist fur uns kein theologisches
Problem mehr; wir haben da gewissermaßen nur einer vernunftigen Praxis.
Geblieben freilich ist. daß bei uns Verkündigung und Abendmahl eine
gottesdienstlichc Einheit bilden und die Gemeinde sich immer auch als
Mahlgemeinschaft versteht. Das heißt nicht, daß die sonntägliche Messe
als Normalfall eines Gemeindegottesdienstes uns in jeder Hinsicht
befriedigend erscheint. Von neuen Formen der Eucharistiefeier wird seit
Jahren Gebrauch gemacht; sie werden weitercntwickclt und zeigen durch
ihre Vielfalt, daß das nicht zugleich das einer
cinziggultigcn Norm Entsprechende ist. Von all dem hat sich freilich in
den neuen offiziellen Mcßkanones, die fur uns grundsätzlich einen
großen Fortschritt darstellen, noch nicht allzuviel niedergeschlagen.
Aber: Wir sind in der Entwicklung und wollen es bleiben, wie auch
unsere deutschen Bischöfe erst vor kurzem gegenüber Erzbischof Lcfcbvre
deutlich erklärt haben.
Im ganzen meinen wir heute eine biblisch begründete und sinnvolle
Abendmahlspraxis zu haben, die auch vor den Reformatoren bestehen
konnte und von der wir aus Gründen einer besseren
ökumenischen Zusammenarbeit nicht abzugehen brauchen. Als fragwürdig
erscheint sie uns nicht im Blick auf die Kirchen der Reformation, wohl
aber im Blick auf die junge Generation. Die übliche Form der
Sonntagsmesse ist zumal für junge Menschen wahrhaft
, so daß wir uns über den Verkündigungscharakter
dieser Feier und ihre zeit- und sachgemäße Gestaltung sehr wohl weitere
Gedanken machen müssen. Möglicherweise werden wir zu neuen
Erkenntnissen nur im Ökumenischen Austausch kommen. Dafür sprechen z.
B. die liturgischen Versuche, die bisher aus dem evangelischen Raum
bekannt geworden sind.
BEDENKEN HINSICHTLICH IHRER ABENDMAHLSPRAXIS
Im Blick auf Ihre Abendmahlspraxis, liebe Kolleginnen und Kollegen
aus der Evangelischen Landeskirche, tun wir zunächst schwer, aufgrund
eigener Beobachtungen zu einem
zutreffendem und gerechten Bild zu kommen Wir wissen aber, daß bei
Ihnen in den letzten Jahren vielfältige Versuche einer Erneuerung der
Abendmahlspraxis unternommen worden sind, und dies offenbar auf allen
Ebenen. Von dieser in Gang gekommenen Entwicklung versprechen wir uns
sehr viel.
Erlauben Sie uns, daß wir gleichwohl im folgenden freimutig einige Bedenken äußern, die sich an der
herkömmlichen Abendmahlsgottesdienst einer evangelischen
Kirchengemeinde richten, wie er in der Württembergischen Landeskirche
noch immer am häufigsten gefeiert wird.
In erster Linie erscheint uns hierbei als fragwürdig, daß der
Abendmahlsgottesdienst in der Reihe der Gottesdienste einer
evangelischen Kirchengemeinde einen gewissen Ausnahmecharaktcr hat und
offenbar nur von einem kleinen Teil der Gemeinde bzw. der
Gottesdienstbesucher gefeiert wird. Das Ausnahmehafte wird sicherlich
oft als das besonders Hochwertige angesehen; und so beobachten wir in
der Tat, daß die kleine Gemeinschaft das Abendmahl mit proßer
Anteilnahme feiert und aufgrund einer bewußten Entscheidung, es zu
nehmen, d.h. im Wissen um eigene Schuld und Vergebung durch Gott. Aber
die Gemeinde, die sonst Sonntag für Sonntag zusammenkommt, betrachtet
diesen Abendmahlsgottesdienst häufig nicht als
Gottesdienst und versteht sich selbst nicht als Mahlgemeinschaft.
Wir beobachten ferner, daß in manchen Gemeinden z. B. nur jeden Monat
einmal Gelegenheit gegeben wird, das Abendmahl mitzufeiern. Wenn
mehrere evangelische Kirchengemeinden in
einer Stadt sich nicht geeinigt haben, wechselweise Sonntag fur Sonntag
einen Abendmahlsgoitcsdienst zu feiern, kann es vorkommen, daß
wochenlang in Städten mit 50 000 und mehr evangelischen Christen kein
solcher Gottesdienst besucht werden kann.
Weiter fällt uns auf, daß die Abendmahlsfeier oft nicht der
Hauptgottesdienst oder ein Teil von ihm ist, sondern entweder ein
eigener Gottesdienst etwa am frühen Sonntagmorgen oder
gewissermaßen eine Nachfeier im Anschluß an den Hauptgottesdienst. Die
gottesdienstliche Gemeinde bekommt \or Beginn der Abendmahlsfeier
Gelegenheit, die Kirche zu verlassen. Nur wenige bleiben zurück, und
die Gemeinde ist nicht mehr genötigt, sich wenigstens
durch aufmerksame Anwesenheit und stille Assistenz als
Mit-Mahlgemeinschaftzu erfahren.
Was wir schließlich noch erwähnen mochten, ist die Verwendung des beim
Abendmahl übriggebliebenen Weines und des nicht gegessenen Brotes. Sie
wissen, daß wir Katholiken von einer bleibenden Gegenwart Christi in
den Abendmahlsgaben ausgehen: Welche Form der Verwendung halten Sie
unter dieser Rucksicht fur angemessen? Mancher von uns hat bei Ihnen
eine Art der Verwendung beobachtet, die - vom überlieferten
altkirchlichcn Glauben einmal abgesehen - den Eindruck erweckte, es
fehle der Sinn fur das kultische Zeichen, die symbolisch: Handlung und
für Gegenstände von hohem Gefühlswert.
Wenn die Gegenwart Christi in dieser Feier an Wort und Sakrament
gebunden ist, dann mußte der Umgang mit Gegenständen, deren
zeichenhafter Charakter in der Feier so wichtig war, nach der Feier
noch etwas von ihrer Würde zeigen. Wir sind uns gewiß darin einig, daß
die Begegnung mit dem gegenwartigen Christus personaler, nicht
physikalischer Art ist. Wie wir uns nun bemuhen, die sakramentale Feier
fur die persönliche Begegnung mit Christus im Glauben zu öffnen, so
meinen wir. Ihnen die Bitte zumuten zu können, beim Umgang mit Brot und
Wein nach der Feier sich der Person Jesu bewußt zu bleiben, dessen
Gegenwart in der Mahlfeier mit Brot und Wein verbanden war.
Wir sagen Ihnen dies alles, weil wir - unserer Meinung nach - in der
ökumenischen Entwicklung an einen Punkt gekommen sind, an dem uns Ihre
Abendmahlspraxis hier in Württemberg die Zusammenarbeit gerade im
Hinblick auf gemeinsame Gottesdienste erschwert. Wir halten es deshalb
für geboten, nicht nur in unseren eigenen Reihen über die genannten
Schwierigkeiten zu sprechen, sondern Ihnen selbst unsere Bedenken
hinsichtlich derdurchschnittlichen Abendmahlspraxis einer evangelischen
Kirchengemeinde in Württemberg vorzutragen.
Dieser Versuch, ein direktes bzw. intensiveres Gespräch unter uns
Pfarrern in die Wege zu leiten, kann nicht bedeuten, daß wir
ökumenische Expertengespräche über Amt und Abendmahl für überflüssig
halten. Vielmehr wird wohl ein zwischen uns beginnendes Gespräch ganz
von selbst in eine gemeinsame Reflexion der jeweiligen
Abendmahlstheologie, ihrer theologiegeschichtlichen und sonstigen
Hintergründe, ihrer Wahrheit und Begrenztheit, hineinführen.
FÜNF GESICHTSPUNKTE FÜR EIN GESPRÄCH
Wir formulieren abschließend fünf Fragen, die Gesichtspunkte für ein
Gespräch über diesen Brief in Ihren Reihen bzw. zwischen Ihnen und uns
darstellen könnten:
1. Sehen Sie die Stellung des Pfarrers und die Bedeutung seines Amtes
in der Beziehung zweier Gemeinden evangelischer und katholischer
Konfession ähnlich wie wir oder erheblich anders?
2. Teilen Sie aufgrund Ihrer Erfahrung unsere vielleicht sehr
zuversichtlich klingende Überzeugung, daß sich unter dem Eindruck einer
Neubegegnung mit dem biblischen Zeugnis in der katholischen Kirche ein
stärker biblisch orientiertes Abendmahlsverständnis und eine entsprechende Abendmahlspraxis durchzusetzen begonnen hat?
3. Gibt es für Sie weiterhin ernsthafte Gründe, bei der gegenseitigen
Beurteilung der Abendmahlspraxis mit Berufung auf das Neue Testamen:
von der anderen Konfession zu sagen, sie weiche von der urchristlichen
Praxis so weit ab, daß mit ihr nicht werden könne?
4.
Hallen Sie unsere Bedenken gegenüber Ihrer gegenwärtigen
Abendmahspraxis für angemessen und teilen Sie unsere Meinung, daß nicht
nur die Ökumene, sondern auch Sie selbst von einer Erneuerung Ihrer
Abendmahlspraxis einen Gewinn hätten?
5. Welche Rolle darf in Ihren Augen die Abendmahlsfrage im ökumenischen
Gespräch spielen und welche nicht? Welche Konsequenzen und
weiterführenden Schritte stehen Ihres Erachtens in der ökumenischen
Entwicklung derzeit an, und für welche fehlen noch die Voraussetzungen?
Wir bitten Sie, unseren Brief als Anfrage an Sie persönlich zu
betrachten. Wir haben seinen Text in kleineren und größeren Kreisen
mehrfach neu zu bedenken gegeben, ehe wir ihn
abschickten, über Ihre persönliche Meinung, die Sie uns zukommen
lassen, werden wir uns sehr freuen, aber mehr noch über eine Antwort,
die Sie gleichermaßen gemeinsam in Ihrem Kollcgcnkreis diskutiert
haben.
Auch wenn es in der gegenwärtigen Zeit allgemeiner Verunsicherung wenig
ratsam erscheinen mag: Lassen Sie uns trotzdem miteinander den Versuch
eines ernsthaften Dialogs beginnen.
In der gemeinsamen Verantwortung grüßen wir Sie herzlich.
Für die Aktionsgemeinschaft Rottenburg im Frühjahr 1977:
Dr. Rolf Baumann, Professor, 7410 Reutlingen
Klaus Braden, Pfarrer, 7080 Aalen
Bernd Ciré, Pfarrer, 7300 Esslingen
Dieter Fuchs, Diplomtheologe, 7000 Stuttgart
Dr. Wolfgang Gramer, Pfarrer, 7030 Böblingen
Dr. Bernhard Lang, 7400 Tübingen
Alfons Musterle, Gymnasialprofessor und Schuldekan, 7014 Kornwestheim
Hermann Pretsch, Pfarrer, 7920 Heidenheim
Anton Scheffold, Pfarrer, 7312 Kirchheim
Walter Stöffelmaier, Pfarrer, 7141 Schwieberdingen
Helmut Streit, Dekan, 7031 Ehningen
Brief der Aktionsgemeinschaft Rottenburg an alle Kollegen
im priesterlichen Amt
Januar 1981
Liebe Mitbrüder,
vor drei Jahren haben wir an unsere evangelischen Kollegen einen Brief
geschrieben und sie gebeten, über die Amts- und Eucharistiefrage mit
uns in ein Gespräch zu kommen.
Wenn wir uns heute an Sie wenden, dann deshalb, weil uns daran liegt,
bei einigen Fragen, die uns wichtig scheinen, zu wissen, ob Sie auch so
denken wie wir. Seit mehr als einem Jahr haben wir in der AGR im
Geschäftsführenden Ausschuß und in einer Hauptversammlung uns damit
beschäftigt. Eine erste Fassung des Briefes versandten wir Anfang
November 1980 an unsere Mitglieder. Nach einem Gespräch des
Geschaftsführenden Ausschusses mit dem Bischof am 1.12.80 haben wir, um
Mißverstandnisse zu vermeiden, einige unserer Anliegen verdeutlicht und
senden Ihnen nun den Brief in der überarbeiteten Fassung zu,
Drei Punkte wollen wir ansprechen:
Die Situation der Priester, die Sakramentenspendung und die Ökumene.
1. Die Situation der Priester
Die personelle Situation in unserer Diözese wird immer kritischer.
Kleinere Gemeinden erhalten keinen Priester mehr. Große Gemeinden ufern
aus und werden entsprechend nicht mehr Ñversorgt". Der ÑPfarrverband"
scheint kaum Erleichterung zu bringen. Die Zahl der Priester wird
kleiner, ihre Aufgaben werden größer. Müdigkeit und Resignation breiten
sich aus. Offizielle Stellungnahmen helfen wenig. Mag die Kirche auf
höherer Ebene "funktionieren", an der Basis verstärkt sich das Gefühl,
alleingelassen zu werden. An verschiedenen Punkten wird es besonders
deutlich:
- Die Zahl der Mitarbeiter wird größer; aber mehr Mitarbeiter fordern
mehr Zeit für Spiritualität, Kooperation
und
Planung.
- Die Bildung gewählter Gremien ist erfreulich; aber jedes Gremium erwartet die Präsenz des Pfarrers.
- Die Einzelseelsorge verlangt ein hohes Maß an Zeit für Gespräche.
Dafür bleibt kaum Raum. Das Gefühl,
allem hinterherzuninken,
verstärkt sich.
- Die Kirche soll sich in gesellschaftlichen Bereichen stärker
einbringen. Wann soll der Pfarrer als Vertreter
der Kirchengemeinde das auch noch
tun?
- Pfarrer, die zwei oder mehrere Gemeinden haben, sollen alle
gleichrangig behandeln. Viele Dienste
müssen
parallel verrichtet werden (von der Osternacht bis zur KGR-Arbeit).
- Immerschwierigerwird es, Priesterfürwichtige "missiorarische"
Einsatzgebiete zu beauftragen, z. B.
für
Arbeiterseelsorge, Jugendarbeit oder Dritte Welt, weil nur noch nach
dem "Versorgungsprinzip"
verfahren
werden kann.
- Schließlich soll sich der Pfarrer um seine persönliche Weiterbildung, Spiritualität und Gesundheit kümmern. Wann?
Wir können angesichts dieses Katalogs verstehen, daß Priester mit 65
Jahren nur allzu gern in Pension gehen. Wir können genauso verstehen,
daß sich für größere Pfarreien nur noch unter Schwierigkeiten
Seelsorger finden. Was wir aber nicht verstehen, ist, daß die Kirche
meint, auf den Dienst verheirateter Priester einfach verzichten zu
können. Wir sind sicher, daß manche Gemeinde bereit wäre, einen
verheirateten Priester zu akzeptieren. Die "Tauglichkeit" des Priesters
steht und fällt damit, ob er ein Mann.des Glaubens ist; sie hangt nicht
an einer bestimmten Lebensform. Entscheidend ist, ob er uneingeschränkt
dem Evangelium dient oder nicht.
Mit Nachdruck setzen wir uns dafür ein, daß in absehbarer Zeit Frauen
zu Diakoninnen ordiniert werden. Nicht verstehen können wir, daß
dasPriesteramt auch in der Zukunft für Frauen grundsätzlich
verschlossen bleiben soll. Wir verkennen nicht, daß man in dieser Frage
psychologisch behutsam vorgehen müßte. Wir können aber keinen
theologisch stichhaltigen Grund finden, der ein solches "Nein"
rechtfertigte. Wir sehen vielmehr, daß viele Frauen sich lautlos von
der Kirche abwenden, weil sie sich nicht akzeptiert fühlen.
2. Sakramentenspendung
Bei allen Sakramenten zeigt sich heute, daß viel Mühe auf die
Vorbereitung zu verwenden ist: die "Zeichen" sprechen nicht mehrfürsich
selber. Wir sehen dies nicht als Mangel, sondern als Chance.
Gruppenmütter und Firmgruppenleiter sind eine Bereicherung und eine
unverzichtbare Hilfe. Aber wir erleben auch, daß die Schulung dieser
Erwachsenen - so erfreulich sie ist - einfach Zeit erfordert.
Wir sehen auch, daß viele gute Ansätze verlorengehen, wenn sie nicht
fortgeführt werden. Woher soll ein Pfarrer für diese Aufgaben die Zeit
nehmen?
Im einzelnen:
- Eine Taufe ohne Taufgespräch ist fast unmöglich. Wer hält nach der Taufe Kontakt?
- Die Firmung erfordert ein reiferes Alter von mindestens 15 Jahren.
Der Kontakt mit dem Bischof
(falls
überhaupt) bleibt punktuell und hat zu wenig Bezug zum
Gemeindeleben. Viele von uns bedrückt die Frage:
Was geschieht mit den
Geformten nachher?
- Bei der Erstkommunion zeigt sich immer mehr, daß hur wenige Eltern
eine lebendige Beziehung zur
Eucharistie haben. Wann
kommen sie und ihre Kinder das nächste Mal mit der Kirche in Berührung?
.
- Das Bußsakrament ist belastet durch eine formalistische und
rigoristische Erziehung. Bei vielen,
selbst überzeugten Christen spielt die
Beichte kaum noch eine Rolle. Angesichts der heutigen Personallage
müssen wir so erschreckend das klingt - fast froh
sein, nicht noch stundenlang im Beichtstuhl sitzen zu müssen. Zum
andern hat die unglückliche Diskussion über die "Gültigkeit" der
Bußfeier und damit verbunden ihre Abwertung nicht die Häufigkeit der
Einzelbeichte gefordert, höchstens die Zahl derer, die die gesamte
Bußpraxis der Kirche aus ihrem Leben ausschließen.
- Die Krankensalbung ist noch weithin das Signal für die Todesnähe und wird deshalb nicht im nötigen Maß
verlangt.
- Viele junge Menschen, die bereit wären, den priesterlichen Dienst zu
übernehmen, sehen die Koppelung von Amt und Zölibat nicht ein.
- Wir betonen die Würde der Ehe und achten ihre Unauflöslichkeit. Wenn
aber das kirchliche Eherecht nur denen Schlupfwinkel offenläßt, die
geschickt das Recht ausnützen, fühlen andere sich betrogen, die keine
solche Möglichkeit finden und deshalb nicht wieder heiraten können.
Wo die kirchenrechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft sind, versuchen
wir pastorale Hilfe zu geben, falls diese gewünscht wird. Wenn z. B.
ein Katholik einen geschiedenen Protestanten nach der Scheidung
kennenlernt und ihn heiraten möchte, können wir solcher Liebe keinen
Stein in den Weg legen, sondern suchen Formen (Wortgottesdienst, Segen.
Eucharistie), die beiden das Gefühl geben, nicht von der Kirche
ausgeschlossen, sondern von ihrgesegnet zu sein. Wenn die Ehe eines
Katholiken zerbricht und er - um sein Versagen wissend - dennoch einen
neuen Weg wagen will, unter dem kein Dritter leidet, können wir °hm
unseren Beistand nicht verweigern. Das Gesetz °st für den Menschen da,
nicht der Mensch für das. Gesetz.
3. Ökumene
Die ökumenische Situation erscheint uns ambivalent. Auf der einen Seite
sehen wir eine gewisse Stagnation, die vor allem durch die
Kirchenleitungen der verschiedenen Konfessionen verstärkt wird. Die
Fenster, die Johannes XXIII. aufgestoßen hat, versuchen manche Kräfte
wieder zu schließen. Längst anstehende Probleme werden auf die lange
Bank geschoben. Offenbar spielt Angst voreinander eine große Rolle, so
daß manche Gemeinden resignieren und im ökumenischen Bereich nichts
mehr unternehmen.
Auf der anderen Seite sehen wir, daß in vielen Gemeinden Ökumene
praktisch gelebt und erfahren wird. Nicht wenige handeln nach dem
Grundsatz: "Was nicht unbedingt getrennt sein muß, machen wir
zusammen." (Das entspricht den 'Empfehlungen zur ökumenischen Arbeit am
Ort' im KA, Band XXXII, Seite 71 f vom Frühjahr 1974.)
Wir verstehen Kollegen, die vor überstürzten Schritten warnen. Auch wir
wollen keine "Eintopf-Ökumene". Aber es fällt uns schwer einzusehen,
warum Christen noch immer keine eucharistische Mahlgemeinschaft
praktizieren dürfen.
Deshalb fragen wir, ob es nicht sinnvoll und richtig wäre, nach
reiflicher Überlegung, von Fall zu Fall, auch Christen anderer
Konfessionen zur Kommunion einzuladen. Bei Gottesdiensten in kleinen
Gruppen, bei Trauungen, Erstkommunionfeiern und Firmgottesdiensten
würden solche Schritte helfen, den Wert des Brotbrechens als Zeichen
der Verbundenheit zu erkennen und so neu zu erfahren, was das Mahl des
Herrn bedeutet.
Wo Christen praktisch zusammenarbeiten, sollten sie auch das gemeinsame Mahl feiern dürfen, wenn sie den Wunsch dazu haben.
Wir sehen, daß die theologische Diskussion in der Eucharistie- und
Amtsfrage noch nicht zur vollen Verständigung geführt hat, wir sehen
aber auch, daß in den Gemeinden, wo man sich menschlich immer näher
kommt, viele den Kopf schütteln über "theologische Spitzfindigkeiten".
So begreift z. B. die jüngere Generation die nicht, die nur den
Ñkonfessionellen Besitzstand" wahren wollen. Wir nehmen ihrdurch einzu
enges Konfessionsdenken nurnoch die Chance, das bleibend Positive der
eigenen und der anderen Konfession zu erkennen und anzunehmen.
Wir fragen, warum ökumenische Gottesdienste, die bisher nur als
Wortgottesdienste zugelassen sind, nicht gelegentlich als
Sonntagsgottesdienst der Gemeinden gefeiert werden dürfen. Alle, die in
ökumenisch offener Weise tätig sind, haben unsere volle Unterstützung.
Wo gerät unsere Kirche hin, wenn wir schon bei kleinen Schritten der
Hoffnung uns behindern, statt uns gegenseitig dabei zu stärken! .
Wir sehen, daß in der evangelischen Kirche die Einsich! in die
Bedeutung der sakramentalen Zeichen, auch des Mahles, wächst. Die
gegenwärtige Situation in unserer Kirche blockiert jedoch ein
Entgegenkommen.
Wir wissen, wie wichtig es ist, als Christ in einer Kirche beheimatet
zu sein. Wir legen Wert darauf, daß Eltern ihre Verantwortung in der
religiösen Kindererziehung wahrnehmen. Aber wir bezweifeln, daß die
Formulierung der Frage nach der Kindererziehung im Eheprotokoll
ökumenisch vertretbar ist.
Wir meinen schließlich, daß es höchste Zeit ist, die diskriminierenden
Bestimmungen für kirchliche Bedienstete in bekenntnisverschiedenen Ehen
fallen zu lassen, und zwar in beiden Kirchen.
4. Schluß
Wir haben bedrängende Fragen ausgesprochen. Wir wollen nicht im
Alleingang sondern im Gespräch mit dem Bischof und den Mitbrüdern nach
Antworten suchen. Wir meinen, daß wir in den angesprochenen Problemen
mutiger miteinander vorangehen sollten, um unserer gemeinsamen Aufgabe
gerecht zu werden.
Wir sind überzeugt, daß der Geist Gottes trotz unserer Halbherzigkeit
einen Weg findet; aberwir wissen auch, daß erauf unser Mitwirken
wartet. Er weht dort, wo er will, aber sicher oft dort, wo man's nicht
will. Schon in der Urkirche war er gelegentlich recht unbequem. Er
forderte alle heraus zu neuen Wegen. Wir fänden es großartig, ihm auch
heute etwas zuzutrauen. Die Zeit der Experimente ist nie vorbei, denn
wir wissen alle nicht, wozu der Geist uns morgen herausruft.
Liebe Kollegen! Wir haben auf unser Schreiben an die evangelischen
Pfarrer damals eine Fülle von Briefen erhalten. Wir sind dankbar für
dieses erfreuliche, von uns in diesem Maß nicht erwartete Echo. Darum
freuen wir uns auch heute, wenn Sie uns schreiben, wie Sie über unseren
Brief denken, ob zustimmend oder ablehnend. Beides brauchen wir, und
nurgemeinsam finden wir weiter. In diesem Sinn grüßen wir Sie alle.
Der Geschäftsführende Ausschuß der Aktionsgemeinschaft (sowie Mitglieder des bisherigen GA):
Alfons Musterle, Kornwestheim
Klaus Braden, Ludwigsburg
Walter Stöffelmaier, Leonberg
Bernd Ciré, Esslingen
Reiner Bareis, Rottenburg
Dr. Rolf Baumann, Reutlingen
Dr. Thomas Broch, Rottenburg
Wolfgang Gaugier, Stuttgart
Herbert Leichtle, Ulm
Hans Nagel, Tübingen
Anton Scheffold, Bad Buchau
Otto Schlichte, Biberach/Riß
Winni Schmitt, Riedlingen
Herbert Schmucker.Cleebronn
Martin Stöffelmaier, Aalen
Helmut Streit, Ehningen
ORIGINALTON 'BISCHOF' MOSER: "PAPST WILL DIE ÖKUMENE"
(aus: KIRCHE UND LEBEN, Bistumszeitung Münster, vom 3.2.1980)
"Vorwürfe, der Papst bremse die ökumenischen Bemühungen ab, hat Bischof
Dr. Georg Moser, Rottenburg-Stuttgart, zurückgewiesen. Bei einem
ökumenischen Gottesdienst im neuen Stuttgarter Stadtteil Neugereut, den
er gemeinsam mit dem evangelischen Landesbischof Hans von Keler hielt,
erklärte Moser, er wisse persönlich von Johannes Paul II. mit
Sicherheit, daß der Papst zur Notwendigkeit und Dringlichkeit der
Ökumene steht. Auch nach dem Fall Küng' ist nach den Worten des
Bischofs ökumenische Zuversicht am Platz. Man solle weder in
Resignation noch in zu hoch angesetzte Träume verfallen, sondern sich
um weitere gemeinsame Schritte ins Zentrum christlicher Existenz
bemühen. Wenn wie in Neugereut zwei Gemeinden unter ein Dach ziehen,
sei dies ein Beweis, daß diese Anstrengungen, sich unter den einen
Herrn der Kirche zu stellen, weitergingen. Das gemeinsame
Kirchenzentrum in dem jungen, sich ständig vergrößernden Stadtteil sei
der sichtbare Gegenbeweis gegen alles Reden von der Ökumene, die
angeblich in der Sackgasse stecke. 'Wir gehören unter dem einen Herrn
zusammen, gerade auch in der Verschiedenheit der einzelnen Gemeinde und
Kofession', erklärte auch Landesbischof von Keler. Anderssein müsse
unter Christen erlaubt sein, und nur dort herrsche der rechte
ökumenische Geist, wo sich Christen als ergänzungsbedürftig
entdeckten."
ZUR EXEGESE DES "DE LABORE SOLIS" AUS DEN PAPSTWEISSAGUNGEN DES MALACHIAS
(aus einer Leserzuschrift)
Labor bedeutet nicht nur Arbeit, und Sol bedeutet nicht nur Sonne,
sodaß labor solis nicht unbedingt Sonnenfinsternis ist oder sogar, wie
geschehen, mit der Fatima-Sonne in Verbindung gebracht werden soll.
Studiert man die großen Wörterbücher, die alle auf dem Thesaurus
Linguae Latinae fußen, so sieht man, daß labor bedeuten kann: Arbeit,
Arbeitskraft, Arbeitsamkeit Arbeitsanstrengung Arbeitsmühe
Arbeitsbeschwerde, Not, Drangsal, Schmerz, Strapaze, "Streß".
Und sol bedeutet: Sonne, Sonnengott, Sonnenlicht, Sonnenglut,
Sonnenschein, Sonnenstrahl, Sonnenwärme, sonniger Tag, Tag, öffentliche
Tätigkeit Öffentlichkeit, Mann der Öffentlichkeit, "Star".
Nun, Joh. Paul II. ist bestimmt ein Star, und von seinem Streß hört und
liest man täglich. Der 'Papst' vom "Star-Streß", so wäre er genau
beschrieben, scheint mir.
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