MYSTERIUM DES BÖSEN
ODER: WAS ICH NICHT VERSTEHE
von
Lotte Meller
N.B. Sobald ein modernistischer, theologisch halbgebildeter
Vielschreiberling ein Machwerk in die Welt gesetzt hat, zwingt sich
baldigst ein hochgebildeter Theologe mit mühseliger Akribie eine
langweilige Auseinandersetzung dazu ab. Ich verstehe nicht, daß man
solchen Blendern wie Küng, Haag u.a. diese unverständliche Beachtung
und Ehrung immer wieder zuteil hat werden lassen. Totschweigen und
unter den Tisch fallen lassen scheint mir das einzig Angebrachte.
Wesentlich ist mir ein anderes Anliegen: Seit wir mit dem leidigen
'Konzilsgeist' konfrontiert werden, reißen die Auseinandersetzungen um
die Liturgiereform nicht ab. Ich weiß, und es ist gewiß sehr notwendig,
daß dem verunsicherten Gläubigen immer wieder die Argumente dargeboten
werden, die autzeigen, daß die sog. Liturgiereform keine Reform,
sondern eine Deformation, eine Revolution war. Für mich selbst hatte
ich, auch ohne diese dezidierten theologisch-dogmatischen
Untersuchungen, schon längst eine Entscheidung getroffen. Noch ehe eine
"Una voce" sich in der Öffentlichkeit zu Wort meldete, hatten wir
heftige Diskussionen über das Konzil, da mich und andere von Anfang an
der 'Geist des Konzils' von der Gefährlichkeit der in dieser
Versammlung behandelten 'Liturgiereform' überzeugt hatte.
Es fing damit an, daß man das Konzil weltweit jeglichen Beobachtern
zugänglich machte. Ich war vorher der Auffassung - und bin es noch -,
daß ein Konzil eine interne Beratung der röm. kath. Kirche ist, die vom
Papst einberufen wird. So wenig wie sich irgendeine rein säkulare
Institution mit der Kirche vergleichen kann, so wenig etwa die
UN-Vollversammlung mit dem Konzil.
Die nächste Ernüchterung brachte dann die Hinzuziehung protestantischer
(d.h. häretischer; Theologen zur Beratung tlber die Reform des
Heiligsten, was die Kirche besitzt: des hi. Meßopfers. - Das Ergebnis
ließ ja nicht auf sich warten. Das Meßopfer wurde von Verrätern in die
Hände von Verrätern gespielt, die - wenigstens seit Luther - keinen
Hehl daraus machten, daß ihnen die Messe ein "vernichtungswürdiger
Greuel" ist.
Es gibt noch andere Punkte, die uns während des Verlaufes des Konzils
(auf das wir eigentlich unsere Hoffnungen gesetzt hatten) irritierten
und ständig verfolgten. Warum hieß es z.B. auf einmal nicht mehr: die
eine, heilige, katholische und apostolische Kirche, deren Hierarchie
auf der ununterbrochenen Nachfolge der Apostel basiert und deren Haupt
Christus ist, sondern warum wurden plötzlich alle Sekten, die Wert
darauf legten, von Kom als 'Kirchen' angesprochen? Allein darin zeigte
sich schon, wie sehr die eine, heilige, katholische und apostolische
Kirche ihre Bevollmächtigung und Verpflichtung auf Christus verraten
hatte.
Ein anderes Beispiel: die Platzierung des 'Gottesvolkes' vor dem
'Felsen Petri'. Sind wir wirklich ein wanderndes Volk in der Wüste, das
das gelobte Land noch immer suchen muß? Sind wir - im Besitz des
Evangeliums und aller sakramentaler Gnadenmittel - nicht dort, wo das
Land von "Milch und Honig überfließt"? Der Pilger, der Wanderer ist
doch der einzelne,und sein Wegweiser Christus ist dennoch unverrückbar,
und Er ist der Weg selbst. Wer sich Ihm in seiner Kirche anvertraut,
trinkt doch von den "Wassern des gelobten Landes". Oder ist diese
Auslegung bloß 'geschichtlich' zu verstehen - im Sinne der
Wahrheitsrelativisten?
Aber zurück zur Liturgiereform im weitesten Sinne: Das Kirchenjahr in
seiner Geborgenheit wurde vollkommen zerstört. Es war ein wesentlicher
Teil des gelobten Landes. Die Sakramentalien, die Andachten und Lieder
und die kirchliche Kunst wurden zumindest bagatellisiert bzw.
minimalisiert. Bis vor wenigen Jahren wohnte ich in einem Fremdenort
mit gutem religiösem Leben. Seit dem Konzil wurde dort keine
Lauretanische Litanei mehr gebetet, kein Angelus, Gebetsläuten gab's
nur noch am Abend - abgesehen von dem Ausfall des Meßopfers.
Zur modernistischen Ausrichtung des Altares nur dies noch: hat man mit
diesem Altar versus populum nicht eine Barriere zwischen den Priester
und die Gläubigen geschoben? Früher trug er an den Stuten des Altares
stehend die Last der Pfarrgemeinde gebeugt vor Gottes Thron. Jetzt hat
man dem Pfarrer die Pfarrei genommen und der Ptarrei den Pfarrer. So
entstand die Gemeinde mit einem Vorsteher.
Der Diaboius hat ganze Arbeit geliefert. Die Menschen wurden aus dem
Gnadenparadies vertrieben und zum heimatlosen sog. 'Gottesvolk' gemacht
- welcher Zynismus! |