56. Jahrgang Nr. 3 / Mai 2026
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Ausgabe Nr. 9 Monat November 2004
Widerstand? - Fehl(er)anzeige!


Ausgabe Nr. 11 Monat Dezember 2004
Die Allerheiligste Dreifaltigkeit


Ausgabe Nr. 4 Monat April 2004
Joseph Görres


Ausgabe Nr. 6 Monat Oktober 2005
Ein terminologisches Dilemma


Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2005
Unfreundliche Betrachtungen


Ausgabe Nr. 11 Monat december 2005
The Holy Trinity


Ausgabe Nr. 11 Monat december 2005
La Sainte Trinité


Ausgabe Nr. 1 Monat Februar 2006
Am Scheideweg


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1971
Einige präzise Fragen an Herrn Professor Schmaus


Ausgabe Nr. 2 Monat Mai 1971
WAHNSINN


Ausgabe Nr. 2 Monat März 2003
Orthodoxie und europäische Identität


Ausgabe Nr. 3 Monat April 2003
Die Irrtümer des Johannes Rothkranz


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2002
Buchbesprechung


Ausgabe Nr. 3 Monat Mai 2002
Welche Bedeutung hat der Kanon 1366 § 2 des CIC


Ausgabe Nr. 4 Monat Juli 2002
AN DIE PRIESTER


Ausgabe Nr. 1 Monat April 2000
Der heilige Anselm von Canterbury


Ausgabe Nr. 2 Monat Juni 2000
Der selige Oliver Plunket


Ausgabe Nr. 6 Monat Dezember 2000
Linientreue Zwerge


Ausgabe Nr. 6 Monat Dezember 2000
MITTEILUNGEN DER REDAKTION (dt/espa)


Ausgabe Nr. 7 Monat Oktober 1971
FRIEDRICH HEINRICH JACOBIS


Ausgabe Nr. 3 Monat August 1999
Warum die Einsicht Ecône unterstützt


Ausgabe Nr. 5 Monat Dezember 1999
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 2 Monat Juni 1998
ERWIDERUNG AUF DIE STELLUNGNAHME VON DR. E. HELLER


Ausgabe Nr. 5 Monat Dezember 1998
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1997
Buchbesprechungen


Ausgabe Nr. 3 Monat Juli 1997
Buchbesprechungen


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1997
SEKTIERERTUM ALS VORGABE


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 1993
DER HL. ALBERTUS MAGNUS


Ausgabe Nr. 5 Monat Februar 1994
ZUM PROBLEM DER ERFORDERLICHEN INTENTION BEI DER SAKRAMENTENSPENDUNG


Ausgabe Nr. 4 Monat November 1996
VERSINKT DER KATHOLISCHE WIDERSTAND... (Anmerkungen)


Ausgabe Nr. 5 Monat Dezember 1996
Buchbesprechungen


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1995
WELCHE PHILOSOPHIE? - Einleitung


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1995
WELCHE PHILOSOPHIE? -Fortsetzung


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 1995
NUR NOCH AUSLAUFMODELL?


Ausgabe Nr. 5 Monat März, Doppelnr. 5-6 1996
WELCHE PHILOSOPHIE? 2. Teil


Ausgabe Nr. 13 Monat June 2011
La Santisima Trinidad


Ausgabe Nr. 3 Monat September 1994
LESERBRIEFE


Ausgabe Nr. 4 Monat Mai 2006
Leserbriefe zu dem Beitrag Am Scheideweg


Ausgabe Nr. 3 Monat September 2013
Die Irrtümer des II. Vatikanums und ihre Überwindung


Ausgabe Nr. 5 Monat Dezember 1984
DIE LÄSTERUNG DES GEISTES


Ausgabe Nr. 1 Monat Mai 1980
EINSICHT!


Ausgabe Nr. 1 Monat Mai 1980
PRÄZISE ZIELE!


Ausgabe Nr. 2 Monat Juni 1980
EINSICHT!!


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1980
DIE KATZE LÄSST DAS MAUSEN NICHT.


Ausgabe Nr. 6 Monat Februar 1981
IM VERTRAUEN AUF GOTT!


Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2006
Und ihr werdet sein wie Gott


Ausgabe Nr. 3 Monat September 1979
DASS (...) DER WAHRHEIT DIE EHRE GEGEBEN WIRD


Ausgabe Nr. 3 Monat September 1979
UNSCHULD UND SCHULD DER FRAU IN DOSTOJEWSKIJS WERK


Ausgabe Nr. 7 Monat April 1980
JOHANNES PAUL II.


Ausgabe Nr. 7 Monat April 1980
STELLUNGNAHME GEGEN DIE VORWÜRFE, DIE GEGEN DAS VON DER SAKA GEPLANTE SEMINAR GERICHTET SIND.


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
EN LA ENCRUCIJADA


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
À la croisée des chemins


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
At the crossroads


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
Y seréis como Dios (Gn. 3, 5)


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
And thou wilt be like God (Gen. 3,5)


Ausgabe Nr. 1 Monat Mai 1975
DER VERABSCHEUTE DIENST


Ausgabe Nr. 2 Monat Juni 1975
EHE, FAMILIE UND ERZIEHUNG


Ausgabe Nr. 13 Monat September 2007
LA SANTISIMA TRINIDAD


Ausgabe Nr. 13 Monat September 2007
Et vous serez comme Dieu


Ausgabe Nr. 2 Monat Juni 2008
Zum 50. Todestag des katholischen Dichters Reinhold Schneider


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 2008
Die prinzipielle Offenbarung Gottes und die konkrete Offenbarung


Ausgabe Nr. 1 Monat Februar 2009
Die Erfassung der Einheit (des Wesens) Gottes


Ausgabe Nr. 2 Monat April 2009
Dokumente zum Fall Williamson


Ausgabe Nr. 3 Monat August 2009
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Ausgabe Nr. 11 Monat giugno 2010
Al crocevia


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2011
A. 9- 13. a-b Ist das Kirchenvolk in der Konzilskirche erhalten?


Ausgabe Nr. 13 Monat June 2011
E sarete come Dio (Gn. 3, 5)


Ausgabe Nr. 13 Monat June 2011
Al crocevia


Ausgabe Nr. 3 Monat Sptember 2011
Das Reich Gottes 'haben wollen'


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
DIE THEORIE DER INTERPERSONALITÄT IM SPÄTWERK J.G. FICHTES


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Einleitung


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel I


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel II


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel II, Forts. 1


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 1


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 2


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 3


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 4


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 5


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 6


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 7


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 8


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 9


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel IV


Ausgabe Nr. 3 Monat September 2012
Mitteilungen der Redaktion, Hinweise


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 2012
Mitteilungen der Redaktion, Hinweise


Ausgabe Nr. 2 Monat Juni 2013
Hinweis: Promotion von Eberhard Heller


Ausgabe Nr. 2 Monat Juni 2013
Neues aus dem finsteren Land Absurdistan


Ausgabe Nr. 1 Monat Februar 2014
Wie Christus als Gottes Sohn erkannt werden kann - weiterführende Betrachtungen


Ausgabe Nr. 1 Monat Februar 2014
Moderne Sozial- und Schulpolitik


Ausgabe Nr. 1 Monat Februar 2015
Gehört der Islam zu Deutschland?


Ausgabe Nr. 4 Monat September 2015
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Ausgabe Nr. 4 Monat September 2015
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Ausgabe Nr. 2 Monat Mai 2019
Himmelfahrt Christus im Herzen


Ausgabe Nr. 2 Monat Mai 2019
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Ausgabe Nr. 2 Monat März 2020
Mitteilungen der Redaktion


Ausgabe Nr. 3 Monat Mai 2020
Gedanken zu „Einsicht“, Sept. 2015, Dr. E. Heller


Ausgabe Nr. 4 Monat Juni 2020
The Errors of Vatican II and their defeat through Recognizing Christ as Son of God


Ausgabe Nr. 4 Monat Juni 2020
How Christ can be recognized as Son of God – further reflections


Ausgabe Nr. 5 Monat Juni 2020
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Ausgabe Nr. 5 Monat Juni 2020
Cómo se puede conocer a Cristo como Hijo de Dios: nuevas consideraciones


Ausgabe Nr. 6 Monat Juni 2020
Comment le Christ peut être reconnu comme le Fils de Dieu


Ausgabe Nr. 6 Monat Juni 2020
Les erreurs de Vatican II


Ausgabe Nr. 7 Monat Juli 2020
Buchbesprechung:


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Der Herr ist der Geist


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Zum 80. Geburtstag von Dr. Eberhard Heller


Ausgabe Nr. 4 Monat September 2022
Fanatismus im Islam und im Christentum?


Ausgabe Nr. 5 Monat November 2022
Wie im Islam


Ausgabe Nr. 4 Monat August 2023
Herr und Knecht


Ausgabe Nr. 5 Monat August 2024
Anmerkungen Nur noch Auslaufmodell


Ausgabe Nr. 5 Monat November 2025
Seelsorgerliches Wirken von P. Michael Mutter


Ausgabe Nr. 5 Monat November 2025
Herr und Knecht


Ausgabe Nr. 3 Monat Mai 2026
Welche Philosophie? Thomas oder Fichte?


IM VERTRAUEN AUF GOTT!
 
IM VERTRAUEN AUF GOTT!
ZUR ERINNERUNG AN H.H. PFR. ALOIS ASSMAYR


von
Eberhard Heller


Der Tod von H.H. Pfarrer Alois Aßmayr am 19.11.1980 hat wohl allen überdeutlich gemacht, auf wie wenigen Schultern die eigentliche Last dieser apokalyptischen Auseinandersetzung ruhte, bzw. noch ruht. Durch sein Hinscheiden am Fest der hl. Elisabeth haben wir einen der ganz wenigen Priester verloren, der ohne Rücksicht auf persönliche Vorteile, ohne diplomatische Finessen ("Bei mir soll jeder wissen, wo er dran ist.") seine Kraft in diesem Kampf, über den er sich kaum Illusionen hingab, verbraucht hat. Und wie vielen hat er in den letzten Jahren wieder Mut und GlaubensZuversicht geschenkt! Das kleine Dorf Biberwier gegenüber dem überwältigenden Massiv des Wettersteins, anziehend eher durch seine landschaftliche Vielfalt als durch seine herb stolzen Bewohner, war allein durch seine Anwesenheit, durch sein seelsorgerisches Wirken zu einem religiösen Refugium geworden, in dem Jahr für Jahr immer mehr Gläubige Zuflucht fanden.

Eine der großen Gaben von Pfr. Aßmayr bestand darin, sein unerschütterliches Gottvertrauen anderen mitzuteilen, es in sie überfließen zu lassen. "Wir brauchen nicht alles verstehen, wir müssen uns nur bemühen, Ihm, Gott, dem Vater im Himmel, ein braves Kind zu sein. Fest vertrauen drum!" Und der Grund füt dieses Vertrauen? "Der Herrgott hat uns so lieb, daß Sein Sohn sogar den schmachvollsten Tod auf sich genommen hat, um uns zu erlösen. Und dieser Liebe müssen wir vertrauen!" Dieses Gottvertrauen, das Wissen, in Seinen Händen geborgen zu sein, war das Fundament, auf dem sein Leben ruhte, es war durch nichts zu erschüttern.

Wenn man bei ihm weilte, in seiner Stube, am Kachelofen saß, nebenan die Tische voll mit Schriften, Briefen, angefangenen Manuskripten, er selbst häufig mit seiner blauen Arbeitsschürze, gelegentlich eine Zigarette in der Hand ... man fühlte sich wohl bei ihm, in all dem Durcheinander eines Junggesellendaseins; denn Pfarrer Aßmayr hatte die letzten zwei Jahrzehnte keine Haushälterin mehr gehabt. Und mit welcher Fürsorglichkeit hat er einen dann noch bewirtet: da gab's selbstgemachte Butter, selbstgemachte Marmelade, für ganz Tapfere auch selbstgemachten Käse, und nicht zu vergessen: seine berühmten Tiroler Speckknödel. Und dann seine leisen Erzählungen, seine Ermahnungen, die gemeinsamen Sorgen, die ausgetauscht wurden, aber unmerklich^erst, dann stärker ließ er wieder den Grundton erklingent Hab Vertrauen, Vertrauen in Gottes Vatergüte. Da wußte man unmittelbar - und dieser Eindruck nutzte sich nie ab: dieser Mann ist Priester Gottes, der sein Amt ernst nimmt; er lebt, was er sagt. Da gab's keine falschen Töne, keine intellektuelle Artistik oder Hinterhältigkeit, kein theologisches Gefasel, keine Phrasen und kein Ausweichen vor schwierigen Fragen. Das, was er sagte, was er vertrat, war selbständig durchdacht, schlicht und klar. Einmal ging ich mit ihm den kleinen Höhenweg unterhalb des Grubigsteins durch den Wald entlang - Leute, die in Biberwier waren, kennen ihn alle. Es war Frühjahr, der Schnee gerade geschmolzen. Bei einer durch die winterliche Schneelast umgebogenen jungen Fichte blieb er stehen. "Wie schwer wird's die haben, bis sie wieder grad steht." Und dann weiter: "So geht's halt auch jemand, den's in jungen Jahren einmal umgeworfen hat. Also Geduld mit solchen haben."

Wenn ich in den letzten Jahren nach einem Seelsorger gefragt wurde, habe ich ohne Zögern Pfarrer Aßmayr genannt. An wen sollte man auch schon verirrte Gläubige, verweisen, solche, die von der 'Kirche' betrogen worden waren, die sich von Econes Anmaßung und Arroganz abgestoßen fühlten - meinen Terminus für diese Armen: 'Econegeschädigte!, hörte er allerdings nicht gern -, wenn nicht an ihn? Für mich war er einer der wenigen, meistens der einzige, an den ich auch Personen empfehlen konnte, die noch suchten, die ihren Weg noch nicht zu Gott gefunden oder auch verloren hatten. Auch wenn ich wußte, daß wir manche Argumente klarer und schneller liefern konnten, so teilte sich doch bei ihm immer eines mit, was eigentlich das lebendige Prinzip unseres katholischen Glaubens sein sollte: die Demut. Und darin hat er uns alle beschämt! Er wollte klein sein, klein vor Gott. "Ein stolzer Gedanke, und alle Gnaden sind dahin." Oder: "Wie glänzend der Herr für mich sorgt. Mir geht's eh viel zu gut." und mit hintergründiger Selbstironie folgte dann: "Vielleicht wird mir einmal gesagt, was willst du denn noch im Paradies, du hast's ja schon auf Erden gehabt." Wie tot bleiben Argumente, wenn sie nicht gelebt werden. Jeder von uns weiß das. Das,was Pfarrer Aßmayr sich Stück für Stück geistig angeeignet hatte, konnte er weitergeben, weil es in ihm lebte.

 Aber nun, wo er nicht mehr ist, wer übernimmt da seine Lasten, seine Mühen, d.h. diejenigen, die ihm andere aufgeladen hatten und die er gerne übernommen hatte? Alois Aßmayr war am 9. Juni 1906 in Virgen in Osttirol geboren worden. Er hat gerne von seiner Heimat erzählt und Bilder von den Bergen, von der Kapelle mit mittelalterlichen Fresken in Obermauern gezeigt. Seine Jugend war hart, wie übrigens sein ganzes "Leben, hart und entbehrungsreich. Was er davon berichtete, war für meine Ohren ein unbekannter, fremder Zusammenklang von Herbheit, Kargheit, Härte, Armut, menschlicher Abgrenzung, Gotthingabe, Schicksalsergebenheit, Anspruchslosigkeit, manchmal auch ein wenig Freudlosigkeit - so wenigstens schien es mir - und Sittenstrenge: im Haus stand ein Bottich mit Wasser, für alle Fälle, damit niemand verdursten brauchte; zum Kühehüten bekam der Alois ein Stück Brot mit, das so hart war, daß er es vor dem Verzehr erst in Wasser aufweichen mußte; abends wurde regelmäßig der Rosenkranz gebetet; einer seiner Brüder starb, als er sich beim Gewehrreinigen versehentlich eine Kugel in den Fuß geschossen hatte; über geschlechtliche Dinge wurde kaum geredet, in diesen Dingen herrschte äußerste Zurückhaltung; sich anbahnende Liebesverhältnisse wurden im Dorf geheim gehalten bis zur für alle überraschenden Hochzeit; im Essen, in der Kleidung war man bescheiden. Diese Einfachheit in den äußeren Dingen hat Pfarrer Aßmayr nie abgelegt; seine Askese war freiwillig. Als er letztes Jahr schwer krank war, mußte man ihn richtig dazu bewegen, normal zu essen. Ich hatte ihn gebeten, doch ein ausführlicheres Zeugnis dieses kargen Lebens in seiner Jugend und überhaupt von den Lebensumständen und Gebräuchen in den Gebirgstälern zu hinterlassen; wenn er keine Zeit hätte, darüber zu schreiben, solle er doch seine Berichte auf Tonband sprechen. Leider kam er nicht mehr dazu. Mir haben diese Erzählungen immer imponiert, nicht, daß ich mich mit allen Haltungen, die er aufzeigte, einverstanden erklärte - warum sollte denn auch ein Holzfäller, der sich im heißen Sommer bei der Arbeit gelegentlich sein Hemd auszog, ein sittenloser Mensch sein? -, aber all das, was Pfr. Aßmayr erzählte, zeugte von einer geschlossenen, heute leider verloren gegangenen Lebensform, in der oben oben und unten unten blieb.

Seine Mutter habe ihn, den Hirtenjungen, der selbst buttern und käsen konnte, irgendwann einmal gefragt, ob er nicht Priester werden wolle. Nein, das wolle er nicht werden. Aber die Mutter hatte ihn besser beobachtet: was sollte sein Sträuben, als er merkte, daß Gott ihn gerufen hatte. Sein Vater wollte ihn auf dem Hof zu Hause behalten, versprach ihm 200 Schillinge - eine Menge Geld für die damaligen Verhältnisse -, wenn er bliebe. Der Vater mußte seine Schillinge behalten und Alois Aßmayr als Spätling die Lateinschule in Salzburg hinter sich bringen. Sein Theologiestudium absolvierte er in Brixen. Am 29. Juni 1932 wurde er dort zum Priester geweiht. Rückblickend verglich er seine Seminarzeit und das, was er damals erhalten hatte, mit der neuen Ausbildung in den modernistischen Fakultäten: "Heute muß man ja da drin seinen Glauben verlieren; früher hat man ihn dorten auch nicht gewonnen, aber man hat ihn da auch nicht verloren." Menschliche Hilfe, persönliches Verständnis und Gerechtigkeit waren damals auch schon recht selten. Leicht ist ihm diese Zeit im Gymnasium und im Seminar nicht gefallen. Seine Geradlinigkeit, sein Gerechtigkeitssinn, seine freie Selbständigkeit waren nicht sehr gefragt. Welch stolzes Feuer in diesem unscheinbaren, aber um so zäheren Bergburschen brannte, läßt sich aus folgender Begebenheit ersehen: Einmal saß er in Salzburg auf einer Parkbank, als sechs seiner Mitschüler, älter als er, sich ihm ganz scheinheilig näherten, um ihn dann plötzlich anzufallen und um ihn zu verprügeln. Als er mit fünf fertig war, blieb nur noch der letzte. Da sich aber die fünf ersten hingemähten Krieger an seine Arme und Beine hängten, konnte er diesen sechsten nur dadurch in die Flucht schlagen, daß er ihn kräftig in die Brust biß. Dann hatte er Ruhe.

Als Kaplan - oder Kooperator, wie man damals sagte - kam er nach Nikolsdorf, wirkte in Wangle, in St. Veit und Dölsach, einmal hatte er eine Vertretung im Ötztal. Jetzt konnte er sich von den paar Groschen, die er erhielt, Bücher kaufen, mußte aber auf den Wintermantel verzichten und im Beichtstuhl frieren. Während des Krieges, im Jahre 1941, wurde er als Pfarrer nach Biberwier versetzt. Er erlebte dort noch den Rückzug der deutschen Truppen und den Einmarsch der Amerikaner. Da gab's eine Reihe Tote. Die Nazis hatten ihn vom Schuldienst suspendiert. "Macht, was ihr wollt! Mit Recht kriegt ihr mich nie, mit Unrecht immer!" - war sein Kommentar. Pfr. Aßmayr machte einmal eine Andeutung, daß er durch eine Mutter-Gottes-Vision damals gewußt habe, daß dieser Nazi-Spuk bald eine Ende finden würde.

Persönlich lernte ich Pfarrer Aßmayr kennen, als wir nach der Primiz von Kaplan Storck im Herbst 1973 von München wegfuhren und in Biberwier Zwischenstation machten. Aßmayr war uns von dem damaligen Redakteur dieses Blattes, Dr. Fuchs, als einer der Priester genannt worden, der noch die 'alte Messe' lese- Mehr wußten wir von ihm nicht. Jahre vorher hatte ich zwar schon einmal nach einer Schitour in Biberwier die hl. Messe besucht, aber da herrschte noch die heile Welt und Priester, die die gültige Messe lasen, fielen deswegen noch nicht besonders auf.

Spät abends kamen wir in Biberwier an. Ja, die hl. Messe lese der Pfarrer am nächsten Morgen um 7 Uhr. Um 7 Uhr waren wir in der Kirche. Am Altar kniete eine Gestalt, in einem dunklen Lodenumhang, reglos, im Gebet versunken: Pfarrer Aßmayr. Er wirkte in seiner Reglosigkeit größer. Dieses Bild war überwältigend. In all den Jahren nachher ist es sich stets gleichgeblieben. Und was ich dann bald wußte: Dort am Altar, vor Seinem Gott, da wollte er sein, da wollte er Ihm dienen, in aller Einfachheit, wie er seinen Dienst selbst charakterisierte: "in aller Armseligkeit". Wie sah nun dieser Dienst aus? Kurze Zeit später wußte ich es, ich konnte den Tagesablauf des Biberwierer Pfarrers selbst miterleben: Um vier, fünf Uhr morgens auf und in die Kirche zum Gebet, Kreuzweg, Rosenkranz, Brevier - so früh war ich allerdings nicht dabei -; dann hl. Messe. Er las sie still, einfach, ohne Hast und äußerst vornehm (mir fällt keine passendere Bezeichnung ein). Nach dem Religionsunterricht in der Schule nahm er eine kleine Stärkung zu sich, kaum einen richtigen Bissen; die erste Mahlzeit am Tag. Abends Rosenkranz, früh zu Bett. Um Mitternacht stand er wieder auf, um erneut vor Gott zu knien.

Als ich ihn das erste Mal bei diesem nächtlichen Gang in die Kirche begleitete, wollte ich, um ihm gefällig zu sein, Licht in der Kirche anmachen. "Lassen Sie nur, wir brauchen keines." Und dann das Beten in der dunklen Kirche: wohltuende Ruhe und Geborgenheit. Die harten Kniebänke vergaß man. Vorne am Altar brannte das Ewige Licht. Nach und nach machte es den Altarraum heller und heller. Ja, wir brauchten kein Licht mehr, wir hatten genug.

Die Gestalt, die morgens am Altar kniete in andächtiger Versenkung, die man kaum durch seine eigene Anwesenheit zu stören wagte, und die mitternächtlichen Anbetungen, wo er "erst so richtig mit dem Herrgott sprechen, Ihm alles anvertrauen konnte", das sind Momente, die ich nie vergessen werde.

Dieses Leben der Askese, des Gebetes war jahraus, jahrein gleich; gleich blieb auch lange Jahre die aufgenötigte menschliche Zurückgezogenheit, unter der er sehr litt. Ja, er habe so manche Gebetserhöhung gehabt. Aus gesundheitlichen Gründen mußte er später die nächtlichen Anbetungen aufgeben, was er sehr bedauerte.

Als er merkte, welche Richtung die vorgeblichen Reformen einschlugen - der Verrat war ihm bei der Einführung der neuen Opferungsgebete bewußt geworden -, streifte er all die schleichenden Häresien schnell wieder ab. Seine Kritik an den Neuerungen teilte er auf einer Priesterkonferenz mit, wies auf die Enzyklika "Pascendi" vom hl. Pius X. hin, keiner kannte sie, nicht einmal der Bischof, und keiner wollte sie kennen. Als er sah, daß auch in seiner Heimat die Priester vor dem Modernismus kapituliert hatten, blieb er weiteren Priestertreffen fern. Früher hatte man ihm sogar einmal die Stelle des Spirituals des Priesterseminars in Innsbruck angeboten. Das hatte er aber abgelehnt. Im Hinblick auf die Verantwortung und Schuld, die jeder seiner reformerischen Amtsbrüder auf sich nahm, meinte er: "Mei, bin ich froh, daß ich nur ein kleiner Dorfpfarrer bin."

Die meisten im Dorf wußten nicht, wen sie da als Pfarrer wirklich hatten. Nur wenige verstanden ihn. Ein Arzt aus einem Nachbardorf meinte, er müsse ihn als "komischen Heiligen" apostrophieren. Respekt, ja, denn er ließ sich nicht 'rumkriegen', aber da war auch viel Reserviertheit. Nein, folgen auf diesem Weg der Entbehrung, der Mühsal, des freiwilligen Opfers, wolltenihm nur wenige. Das Verhältnis zwischen den Pfarrern und den Biberwierern war wohl nie recht gut gewesen. Die früheren Geistlichen hatten das Dorf entweder bald wieder verlassen oder vor der Mentalität der Leute kapituliert. Die knapp 600 Seelen, die Pfarrer Aßmayr betreuen sollte, hatten ihren früheren Geistlichen das Leben nicht leicht gemacht. Biberwier galt als 'rot' und îromm' wollte eigentlich niemand sein. "Mir blieb nur die Wahl, entweder aufzugeben, oder in die Tiefe zu gehen." Und dieses Selbständigbleiben als Priester gegenüber einer Gemeinde, die ihn viel lieber in die Wirtschaft und zum Kartenspielen verlockt hätte, hat ihn erhebliche Anstrengungen gekostet. Viele der Leser haben ihn als offenen, vornehm zurückhaltenden Priester kennen gelernt, der niemanden abwies, sondern sich aller annahm und auch totalen Blödsinn mit Geduld anhörte. Wenige nur wissen, daß er lange Zeit mit Vereinsamung und Verbitterung zu kämpfen hatte. Über dreißig Jahre Zurückgezogenheit waren nur schwer zu ertragen. Wenn es bei ihm 'stürmte', d.h. wenn ihn die Verbitterung zu übermannen drohte, hörte er sich vom Tonband die greußlichsten Verführungen der Mystiker an, die er vorher darauf gesprochen hatte. "Hinterher habe ich mir dann sagen müssen: hast du's noch gut", und es ging weiter. Als ich nach meiner Promotion für ein paar Tage bei ihm zu Besuch weilte, meinte ich nur, all zu lange könne er dieses Eremitendasein nicht mehr führen. Die Gläubigen hätten kaum noch Seelsorger, und er würde sehen, demnächst würden immer mehr Leute bei ihm Rat und Hilfe suchen. Er winkte damals recht ungläubig ab. Aber man mußte wirklich kein großer Prophet sein, um diese Entwicklung vorauszusagen. Biberwier wurde durch seinen Pfarrer, der die 'alte Messe' las, sogar so bekannt, daß selbst der clevere Fremdenverkehrsmanager diese'Besonderheit' geschäftlich ausschöpfte und mancher Biberwierer darüber nachdachte, daß man den Pfarrer vielleicht doch ein wenig verkannt hatte.

Von München aus war es nicht sehr weit bis Biberwier, und wir haben Pfarrer Aßmayr in der Folge recht häufig besucht. Es entstand ein herzliches, freundschaftliches Verhältnis. Oft war das Pfarrhaus überbelegt. Es war ja auch noch recht ideal hier: die Kirche stand noch neben dem Wirtshaus. Und Pfarrer Aßmayr kam auch nach München. Zuerst als Gast zu unserer Hochzeit, dann, ab dem Verbot der hl. Messe im März 1976 als Priester -so häufig es ihm möglich war -, um in St. Michael, Baaderstr., die hl. Messe zu feiern. Dort hat er im Oktober 1977 auch unseren Sohn Bernhard getauft. Welch schöne und zugleich schlichte Zeremonie!

Nachdem ich im Frühjahr 1975 die Redaktion der EINSICHT übernommen hatte, galt eine meiner ersten Bemühungen, Pfarrer Aßmayr als Mitarbeiter zu gewinnen. Nein, er könne nicht schreiben, das hätte er noch nie getan, da würde nichts Gescheites heraus kommen. Gott sei Dank, hat er dann doch zu schreiben begonnen. Was wäre diese Zeitschrift ohne seine Beiträge gewesen, ohne seine klaren, einfachen Aussagen! Wieviele Neuabonnenten hat er gewonnen! Manchmal lieferte er für einen Artikel gleich mehrere Entwürfe. Aber was muß ich über diese Arbeiten noch schreiben, jeder kennt sie ja und weiß, wieviel sie ihm bedeutet haben. Nur das eine: Im Februar 1976, also kurz vor dem offiziellen Verbot der hl. Messe am 7. März, erschien von ihm der berühmt gewordene Artikel "Was ist Wahrheit". Etwaige (Straf)Maßnahmen seitens des Innsbrucker Bischofs hatte der Autor in Kauf genommen. Die Menge der zustimmenden Zuschriften waren für ihn überwältigend. Ich schlug vor, er solle sich doch in einem öffentlichen Brief dafür bedanken, da er die Schreiben nicht alle einzeln beantworten konnte. Das tat er, aber in welcher Weise! "Auf meine Artikel in der EINSICHT, besonders aber auf den in Nr.6, Febr. 1976 "Was ist Wahrheit" habe ich ziemlich viele und herzliche Dankesbriefe erhalten, über die ich mich aufrichtig gefreut habe. Zeigen sie doch, daß viele, auch Priester, mich verstehen und meine Haltung teilen. Ich halte meine Haltung nur für selbstverständlich als Kind Gottes, als Streiter Christi und als Hirte, wenn auch nur als ein ganz kleiner und unbedeutender. Aber Liebe und Treue können doch auch in einem für die Welt unbedeutenden Menschenherzen wohnen. Darum fühle ich mich verpflichtet, mich den Wölfen, auch wenn sie Hirtenkleider oder sogar Oberhirtenkleider tragen, furchtlos entgegen zu werfen. Daß das eine gefährliche Sache ist, ist mir vollkommen klar. Ich fühle mich aber ganz und gar in der Hand Gottes geborgen. Es kann mir nichts geschehen, was mein himmlischer Vater nicht will oder zuläßt. Was Er aber zuläßt oder will, dafür kann ich Ihm nur danken, ob es mir wohl oder weh tut. (...) Uns Christen, besonders uns Priestern soll der Herr nicht immer wieder den betrüblichen Vorwurf machen müssen: 'Was seid ihr so furchtsam, ihr Kleingläubigen?' Trauen und vertrauen wir fest auf Unsern Herrn und Seine hl. Mutter! Unser Vertrauen freut Ihn und Sie! (...) Liebe Freunde, macht Euch keine Sorgen um mich, ich mache mir auch keine. Aber ich danke Euch herzlich für Eure lieben Briefe, die meine Haltung nur bestärken. (...) Es grüßt Euch alle herzlich und segnet Euch - ich werde beim Hl. Opfer an Euch alle denken!" (V,362) Der Dank wurde zum erneuten Geschenk, das Mut und Gelassenheit verströmte.

Diese Furchtlosigkeit war es auch, die den Reform-Bischof Rusch von Innsbruck davon abhielt, gegen ihn vorzugehen. Es herrschte bei ihm auch noch ein gewisser Respekt vor dem Pfarrer aus dem Außerfern, den er einmal bewundernd fragte: "Reden Sie immer so (sc. offen)?", als Pfarrer Aßmayr ihm gesagt hatte, daß er dem modernistischen Rom und auch ihm, seinem Vorgesetzten nicht mehr traue. Außerdem befürchtete man einen Skandal, wenn man diesen aufrichtigen Geistlichen feuern würde. "Wenn ihr mich hier laßt, schade ich euch noch am wenigsten."

Manch einer hat vielleicht heimlich oder offen Pfarrer Aßmayr einen gewissen Vorwurf gemacht, daß er sich nicht institutionell von der Amtskirche losgelöst hat. Daß er es nicht tat, kann man eventuell bedauern. War er deswegen inkonsequent? Nein, er hatte sogar schon Pläne für seinen Fortgang gefaßt. Aber er hatte nicht durchschaut, daß die Amtskirche durch ihren Abfall jegliche Autorität verloren hatte. Als z.B. Paul VI. gestorben war und die Kirchenglocken hätten läuten sollen - wie das normalerweise beim Ableben eines Papstes üblich ist -, ließ er sie schweigen. Für ihn war kein hl. Vater gestorben. Gleich lief das Telephon heiß: wie er es wagen könne, nicht läuten zu lassen, wo doch der Papst gestorben sei. Seine Antwort: "Ihr kennt mich doch, ich bin kein Heuchler." Aber er konnte sich nicbt.vorstellen, daß die Ordinariate, der Vatikan, die Pfarrstellen, überhaupt nicht mehr existent sein sollten. Irgendeinen Ordnungsfaktor mußte es doch in diesem Verhau noch geben! Wer sollte die Toten beerdigen? Und ähnliche Fragen. - Was soll's! All die Priester, die mehr wußten, die das Kirchenrecht besser kannten als er, haben wohlweißlich den Mund gehalten oder ihnen verlogene Geschichten erzählt, aus persönlichen Rücksichtnahmen oder politischem Taktieren. Das hat er nie getan. Er hat seinen Kampf zu Ende geführt, er ging segnend aus dieser Welt. Für das, was er uns allen geschenkt hat, sind wir ihm zutiefst zu Dank verpflichtet. Bis zum Schluß stellte er sich schützend vor seine Freunde, um sie gegen absurde Verdächtigungen zu verteidigen. Und er hat es noch getan, als er totkrank daniederlag.

Herr, Gott, wir bitten Dich, schenke Deinem Diener Deine Huld und Deine überströmende Freude.

Weil die Innsbrucker Reformer seinen letzten Willen hinsichtlich seiner Beerdigung mißachteten, war keiner von uns bei seinem Begräbnis anwesend. Dafür wurde das feierliche Requiem in St. Michael in München von einem Priester gehalten, mit dem er eng befreundet war. Erst nach den Weihnachtsfeiertagen war es mir möglich, mit einem Bekannten und unseren Kindern sein Grab zu besuchen. Der Friedhof in Biberwier war tief verschneit, kaum ein Pfad, der zu den einzelnen Gräbern führte. Wir mußten suchen, und dann noch Schnee vom Grabkreuz wegfegen, bis wir lesen konnte: Alois Aßmayr. Hier also hatte er seine letzte Ruhe gefunden. Im Schnee stand ein kleiner Christbaum mit ein paar roten Kerzen. Fast in den weißen Massen verborgen brannte ein Grablicht. ... Wie ist doch der Tod so unverständlich! Biberwier, ohne Pfarrer Alois Aßmayr, war wieder ein einfaches Bergdorf in Tirol geworden! R.I.P.

Nachtrag:

Mit meiner Familie besuchte ich im vergangenen September Pfr. Aßmayr. Es war ein herrlicher Tag, darum unternahmen wir gleich nach der hl. Messe mit einer Bekannten, die ebenfalls zu Besuch in Biberwier weilte, eine Bergwanderung auf den Schachtkopf, einem Vorgipfel des Grünsteinmassivs. Die Kinder, drei und fünf, hielten sich recht tapfer. Endlich kamen wir am Gipfel an, den ein Kreuz krönt. Ein Gipfelbuch war auch da, in das sich die Fünfjährige schon selbst eintragen wollte. Welche Überraschung aber bot sich uns, als wir die erste Seite aufgeschlagen hatten und in vertrauten Schriftzügen lesen konnten: "Alpenland, wie bist du schön!" und auf der folgenden Seite: "Alois Aßmayr, Pfarrer." Vor zwei Jahren im Oktober hatte er hier oben seine letzte Bergmesse gefeiert und nachher das Gipfelbuch eröffnet: "Alpenland, wie bist du schön". ÌÌie er uns nachher erzählte, handelt es sich bei dem Vers um einen Gedichtanfang.) Der Tag war wunderherrlich, warm und wolkenlos. Die Gipfel ragten sanft in den tiefblauen Himmel. Die Sicht war ausgezeichnet. Wir blieben eine ganze Weile dort oben. Ich wußte, daß Pfarrer Aßmayr vielleicht schon bald sterben würde. Erinnerungen stiegen in mir auf. Selbst im hohen Alter hatte er noch mit uns Bergwanderungen unternommen. Er konnte klettern wie eine Gemse. Was würden wir dann ohne ihn machen? Dieses Bekenntnis zu seiner Heimat, dieses Zeichen von ihm hier oben, so ganz unerwartet, verursachte in mir ein seltenes Gefühl der Freude.

War er nicht für uns alle selbst zum Zeichen geworden, Zeichen in einem ganz tiefen Sinne? Hatte er uns nicht ein Zeugnis gegeben der Demut vor Gott? und des vollkommenen Gottvertrauens, bis zu seinem Tode?

NÄCHSTES ROSENKRANZGEBET AM 5. MÄRZ 1981 UM 18 UHR: BETEN WIR DIESMAL BESONDERS FÜR DAS SEELENHEIL ALL DERER/ DIE IN DEN LETZTEN JAHREN VON DIESER ERDE ABBERUFEN WURDEN UND DIE AM KAMPF FÜR UNSEREN GLAUBEN TEILGENOMMEN HABEN, BETEN WIR FÜR UNSERE TOTEN PRIESTER, PFARRER ASSMAYR UND DR. KATZER.
 
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