EIN LAIE MACHT SICH EINIGE GEDANKEN
von
Rudolph Muschalek
Und zwar über uns selbst. Nicht über die andern, wer sie auch sein
mögen. Er macht sie sich über uns selbst, also nicht so sehr über sich
selbst persönlich, nach Art einer Gewissenserforschung. Er meint
vielmehr mit dem Personalpronomen "uns" die treu gebliebenen
Katholiken, zu denen er sich selber freilich auch zu rechnen wünscht.
Und so wird, was er sich so denkt, schließlich doch auch zu einer Art
persönlicher Gewissenserforschung: Sind wir wirklich so treu geblieben,
unserem Wesen als Katholiken so treu geblieben? Wir gehen soweit wir
dazu in der Lage sind, zur heiligen Messe nach der Baaderstraße oder
sonst an einen Ort, wo das heilige Meßopfer noch in zweifellos gültiger
Weise dargebracht wird, wenigstens an Sonn- und Feiertagen. Ist das
alles, was derzeit Gott von uns erwartet? Drei Gedanken sind es, die
mich dabei immer wieder beschäftigen.
1. Unsere treu gebliebenen Priester sind alt, sind kränklich. Auf
dieser Tatsache bauen die andern auf: Wo werden sie ihre Priester
hernehmen, wenn diese nicht mehr da sind? Wir brauchen nur zu warten,
dann hört das alles von alleine auf! - Es ist nicht schwer, sich
vorzustellen, daß die andern so denken. Was aber tun wir? Das Beten
genügt nicht; die Frage ist vielmehr, was tun wir, um der künftigen Not
an Priestern abzuhelfen? Was helfen uns noch so viele Meßzentren, wenn
sie allmählich verwaisen?
2. Man sagte immer, und das doch wohl mit Recht, der eigentliche
Nährboden, aus dem katholische Priester erwachsen, sei die katholische
Familie. Also müssen wir unsere Aufmerksamkeit auf diese richten, - auf
weite Sicht, versteht sich. Aus ihrer Kinderschar sollte eins den
geistlichen Beruf ergreifen. Hier genügt es aber absolut nicht, die
Dinge dem Zufall zu überlassen: Wenn wir wirklich katholische Familien
haben wollen, müssen wir katholische Menschen bilden, und zwar in
Kreisen, in Gruppen für die einzelnen natürlichen Stände: Frauen und
Männer, Mädchen und junge Männer, Kinder. Predigt und gelegentliche
Christenlehre genügen hier durchaus nicht; sie erreichen den einzelnen
zu wenig konkret und persönlich, sie lassen ihn in seiner anonymen
Isoliertheit, und das ist freilich für alle das Bequemste.
Ist aber das Christentum etwas Bequemes für Bequeme? Das ist ja der
Jammer, daß es billig und bequem geworden ist . Aus dieser
Bequemlichkeit müssen wir heraus und etwas tun für Christus und die
Rettung der unsterblichen Seelen. - Was lebt, bewegt sieht, entfaltet
sich, breitet sich aus. Wenn etwas sich nicht mehr bewegt, sich nicht
weiter entfaltet, sich nicht ausbreitet, stagniert es, versucht es zwar
festzuhalten, was es besitzt, ist aber prinzipiell bereits tot. In
dieser Lage sind, scheint es mir wenigstens, wir selbst. Wohl gemerkt,
ich rede nicht vom Gebet, ich rede nicht von der Sonntagsmesse, ich
rede nicht von guten Artikeln, die nur allzu wenige lesen, ich rede von
Vertiefung, von Entfaltung, von Ausbreitung, von Apostolat und Mission.
3. Es gibt schon zahlreiche Meßzentren, es gibt zahlreiche Gruppen treu
gebliebener Katholiken, wo aber bleibt ihr Zusammenschluß? So wie es
jetzt ist, leben wir zerstreut und sind schwach, und wenn es so bleibt,
wie es jetzt ist , bleiben wir zerstreut und bleiben wir schwach. Das
bedeutet zunächst, wir dürfen andere treu gebliebene Katholiken nicht
herabsetzen. Es wird uns bei diesen dies und bei jenen jenes nicht
gefallen; schweigen wir darüber! Betonen wir das Gemeinsame, auf daß
wir eins seien! - Das Bedeutet dann aber auch, daß wir eine
organisatorische Spitze haben müssen, die uns alle nach außen hin
vertritt. Wo bleibt diese organisatorische Spitze, diese Speerspitze
des heiligen Erzengels Michael?
Wenn wir uns in diesen drei Punkten nicht zu besseren wenden, dürfen
wir keine Hoffnung haben, so sehr wir auch beten und unserer
Sonntagspflicht persönlich genügen.
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