"WOLLT AUCH IHR GEHEN?" (JOH. 6,67)
von
H.H. Pater Rudolf Baumgart
Als unser Herr und Heiland Jesus Christus vor 2ooo Jahren seine Wunder
wirkte, da meinte das Volk, ER sei gewiß der erwartete Messias, der
gekommen war, um es aus der römischen Knechtschaft zu befreien. Darum
folgten ihm so viele, denn sie wollten ihn zu ihrem König machen. (Joh.
6,14/15) Nun sagt ihnen Jesus aber ganz klar, sie bemühten sich um ihn
nur der irdischen Speise wegen, während ER ihnen doch eine solche
anböte, die zum ewigen Leben führt. (Joh. 6,27) Damit will er sagen:
Für dieses irdische Leben kann ich euch keinen Wohlstand versprechen.
Ihr müßt vielmehr durch Kreuz und Leid hindurchgehen, um zu diesem
ewigen Leben zu gelangen. Nicht genug damit, daß er ihnen schon Sein
schimpfliches Ende am Kreuze vorhersagte, mutet ER ihnen nun noch
obendrein zu, Sein Fleisch zu essen und Sein Blut zu trinken.
Wie der Herr mit Seiner Ansprache zu Ende war, da brach ein Sturm der
Entrüstung unter seiner Zuhörerschaft los und einer nach dem andern
fragte: "Wie kann uns dieser sein Fleisch zu essen geben?" Und: "Diese
Rede ist hart, wer kann sie hören?!" Aber wie reagiert darauf der Herr?
Sucht Er sie zu beruhigen, will er sie wieder beschwichtigen, es sei
alles nicht so gemeint gewesen, man möge alles dieses nicht so wörtlich
nehmen? - 0 nein, der Herr nimmt nichts davon zurück, er bleibt bei
Seinen Worten und nimmt es obendrein in Kauf, daß einer um den andern
ihn verläßt. Wie nun nur noch die Apostel dastehen sich ratlos fragend,
was nun werden solle, da bleibt ER auch da Seinen Worten treu und fragt
sie nur: "Wollt auch ihr weggehen?" - Nun aber findet der hl. Petrus
die richtige Antwort. Er sagt: "Zu wem sollen wir gehen? Du allein hast
Worte des ewigen Lebens."
Diese feste Haltung Jesu sowie das vertrauensvolle Bekenntnis des hl. Apostels Petrus sind uns ein Beweis, daß
1) Jesus, der ewige Sohn Gottes und Stifter der hl. kath. Kirche, die alleinige Autorität besitzt und daß
2) es unsere Pflicht ist , zu jeder Zeit, besonders heute ganz treu zu Ihm und der hl. Kath. Kirche zu stehen.
Wo sind wir aber wirklich heut' hingekommen? Haben wir noch Verkünder
des Wortes Gottes, die sich an die unumstößlichen Entscheidungen des
kirchlichen Lehramtes (Roma locuta - causa finita) halten? Wo sind jene
Bischöfe und Priester, die den Auftrag Christi: 'Weide Meine Lämmer,
weide Meine Schafe1 noch ernsthaft befolgen? Die Jüngeren von uns haben
doch nur eine kirchliche Hierarchie kennengelernt, die in der
Seelenführung jegliche Härte vermied'und aus berechnetem Opportunismus
Dispensen am laufenden Band gewährte (Aufweichung der ehel. Moral,
Verfälschung der hll.Sakramente, Erlaubnis der Feuerbestattung etc.)
Wo sind also jene mutigen Priester und Bischöfe, die es vor Jahrzehnten
noch gewagt haben, ihren Gläubigen u.U. auch 'vor den Kopf zu stoßen'
und sie zu warnen vor Irrlehrern und Glaubensirrtümern?! In der
nachkonziliaren Kirche gibt es keine mehr. Nur ganz vereinzelt harrt da
und dort noch so mancher Priester unerschüttert vom Sturm des
Ökumenismus auf seinem Posten aus, um hilfesuchenden Gläubigen die
Worte des ewigen Lebens anzubieten. Doch selbst diese fangen teilweise
an, im Glauben unsicher zu werden: Sie werden mürbe und weil sie die
vielen sehen, die ihnen den Rücken gekehrt haben, bangen sie vor der
Hierarchie um ihr zeitliches Wohlergehen (Rente und Besoldung). So tun
sie genau das, was der Heiland bei seiner eucharistischen Rede nicht
getan hat: Sie erlauben sich Kompromisse mit den Modernisten, basteln
sich nach ihrem Gutdünken und 'Gewissen' eigene Meßriten zusammen, die
bei Modernisten und Traditionalisten ein 'Sowohl-als auch' erlauben und
preisen obendrein ihren Ausweg als den einzig und allein richtigen an,
nur damit ihnen die Gläubigen nicht davon laufen. Der Heiland aber ließ
es darauf ankommen und sagte nur: Wollt auch ihr weggehen?
Die Treugebliebenen im Glauben suchen indessen weiter nach guten standhaften Priestern.
Nun machte seit etwa lo Jahren die Priesterbruderschaft Pius X. mit
ihrem Erzbischof viel von sich reden. Das musterhafte Seminar zu EcSne
in der Schweiz sowie die neuerrichteten Priorate in allen Teilen der
Welt ließen die Herzen der Gläubigen höher schlagen: Hier sind wir zu
Hause, hier finden wir die getreue Fortsetzung des Glaubens unserer
Väter. Darum müssen wir diese Bewegung mit Gebet und Opfern nach besten
Kräften unterstützen. "Der Erzbischof ist nun unser Papst", sagte man
mir eines Tages. Das beweist, wie sehr viele Katholiken auf den
Erzbischof bauten.
Diese Bewegung der Traditionalisten scheint nun aber - gemessen an den
jüngsten Verhandlungen mit dem abgefallenen Rom - einen gefährlichen
Aufweichungsprozeß im Glauben durchzumachen. Besonders verhängnisvolle
Zugeständnisse an die Apostaten allerorten haben die tieferdenkenden
Gläubigen erschrocken aufhorchen lassen. Was ist denn da plötzlich vor
sich gegangen? Das kann und darf doch nicht wahr sein! Diese gewaltsame
Kursänderung kann ich mir nur so erklären: Der Erzbischof und seine
Anhänger haben mit Bedauern feststellen müssen, daß bei harter,
konsequenter Linie die Gläubigen allmählich das Feld räumen. Darum
wurde es notwendig (ca. 9o % der Anhänger sollen das gewünscht haben),
Kompromisse mit Rom und den Gläubigen zu schließen.
a) Mit Rom, indem man neben der
Wahrheit auch den Irrtum akzeptiert (hl. Meßopfer neben dem "NOM") und
daß in Zukunft in den durch den Modernismus entweihten Kirchen wiederum
die Zelebration der hl. tridentinischen Messe 'erlaubt' wird.
b) Mit den Gläubigen, indem man die vom Modernismus infizierten Seelen
nicht entgiftet, sondern das Gift in geringen Dosen weiter verabreicht
(z.B. noch weiter vereinfachte Nüchtemheitsgebote vor der hl.
Kommunion, bedingte Erlaubnis zum Besuch des "NOM", keine einheitlich
strengen Kleidervorschriften f.d. Besuch der hl. Messe, keine auf der
ganzen Linie durchgreifenden Bemühungen, die unabänderlichen Beschlüsse
des kirchlichen Lehramtes klar darzubieten und deren Befolgung auch zu
fordern - Priester, die mit dieser Überzeugung arbeiten, sind
unerwünscht).
Auf Grund all dieser Tatsachen müssen wir uns nunmehr fragen: Wie hat
sich damals unser Herr und Heiland Jesus Christus bei Seiner
eucharistischen Rede zu Kapharnaum verhalten? Hat er, weil er im voraus
um die sauere Reaktion seiner Hörer wohl wußte, diese wohl durch
Zugeständnisse beruhigt? - 0 nein, das hat er nicht getan. Gott weiß
ja, was und wieviel er für das seelische Wohl der Seinen verlangen kann
und muß. Darum verwundert uns die gelassene Frage des Heilandes in
keinster Weise: "Wollt auch ihr weggehen?"
Was sich damals vor 2000 Jahren am See Genesareth ereignete, das
wiederholt sich jetzt ebenso. Ganze Massen fallen vom Glauben ab, sie
kehren Jesus den Rücken und nur verschwindend wenige bleiben zurück.
Zwar ergehen viele Beschwichtigungen an uns, die uns beruhigen sollen,
es solle alles nicht so krass genommen werden, es sei alles nur halb so
schlimm. Aber die tieferblickenden Gläubigen merken sofort, daß das
alles nicht im Sinne Jesu Christi sein kann. Ja, wir alle werden uns
sogar noch auf die Frage Jesu gefaßt machen müssen: "Wollt auch ihr
weggehen?" - Was sollen wir darum in dieser geradezu trostlosen
Situation tun? Die Antwort lautet: Wir bleiben dort, wo Jesus ist . Nur
bei Ihm, beim wahren hl. Meßopfer ist das ewige Heil zu finden.
Richten wir uns auf am Beispiele der Heiligen. Alle haben sich ohne
Einschränkung ganz auf Jesus Christus verlassen. Darum waren sie auch
jederzeit bereit für die Wahrheit Seiner Lehre zu sterben und den
Irrtum schonungslos zu verdammen. So nannte z.B. der hl. Bischof
Polykarp den Irrlehrer Marcian den "Erstgeborenen Satans". Der hl.
Papst Gregor VII. starb mit den Worten: "Ich habe die Gerechtigkeit
geliebt und die Gottlosigkeit gehaßt, darum sterbe ich in der
Verbannung". - Und schließlich bemerkt der hl. Franz von Sales: "Die
erklärten Feinde Gottes und der Kirche müssen so kräftig wie möglich
getadelt werden. Die Liebe verpflichtet dazu, laut und schreiend vor
dem Wolf zu warnen, wenn ein solcher sich mitten in die Herde
geschlichen hat; ja sogar, wo immer man einem solchen begegnet!"
So wollen wir dort bleiben, wo der Herr ist , das ist beim wahren hl.
Meßopfer der hl. Kirche, und wir sollen keine Mühe scheuen, dorthin zu
gehen. Sollte eines Tages 'erlaubt' werden, nach vollzogenem Greuel an
heiliger Stätte durch die 'Feier' des "NOM" auch das hl. Meßopfer
darzubringen, so halten wir uns selbstverständlich von solchen Feiern
fern. Das wäre nämlich eine Beleidigung Gottes. Wahrheit und Irrtum
vertragen sich nun einmal so wenig wie Feuer und Wasser. Wer keine
Möglichkeit findet, dem wahren hl. Meßopfer beizuwohnen, der bleibe zu
Hause und vereinige sich mit all jenen hl. Messen, die von
treugebliebenen Priestern zelebriert werden. Möge uns der hl. Apostel
in unserem Entschluß festigen, daß wir unseren Vorsatz an seinem
Bekenntnis kräftigen: "Zu wem sollen wir auch gehen? Du hast Worte des
ewigen Lebens."
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