MGR. LEFEBVRES STELLUNGNAHME ZU DEM BRIEF
VON ABBÉ DES LAURIERS
(zitiert nach der im "Mitteilungsblatt der Priesterbruderschaft St. Pius X.", Nr.8, S.5, wiedergegebenen Übersetzung)
+ Ecóne, Pfingsten, 15. Juni 1979
Meine lieben Freunde!
Sie bitten mich, auf den in der Zeitschrift 'Einsicht' erschienenen Brief von Pater Guérard des Lauriers zu antworten.
Er läßt mich so sehr an die Szene denken, die Unser Herr von der
Soldateska erduldet hat, daß ich es vorziehe zu schweigen wie der
göttliche Meister und für die zu beten, die uns verfolgen.
Doch kann ich soviel bestätigen, daß ich niemals die neue Messe nach
dem im November 1969 eingeführten Ritus zelebriert habe und daß ich sie
immer als gefährlich und durch einen falschen Ökumenismus vergiftet
eingeschätzt habe.
Ich denke, daß diese Bestätigung und das liturgische Leben unserer
Seminare und unserer Priorate genügen müßte, um denen, die etwa Zweifel
hätten, Sicherheit zu geben.
Fürchten wir uns nicht vor Schmähungen und Verleumdungen, sondern einzig davor, Böses zu tun.
Ihr in Christo et Maria ganz ergebener
+ Marcel Lefebvre
ERWIDERUNG DES ABBÉ DES LAURIERS
Am 5. Mai 1969, als Mgr. Lefebvre am Grabe des hl. Pius V. zelebrierte,
vollzog er die Handlungen am Altar (oder vielmehr: er ließ sie aus), so
daß die Anwesenden, zu denen ich gehörte, den Eindruck gewannen, er
verwende den jüngst promulgierten Ordo: Auslassung des Psalmes
"Judica", Auslassung der Kniebeugen während der Wandlung von Brot und
Wein. Ich weiß nicht mehr, ob diese Auslassung vor 1969 eingeführt
wurde. Wie dem auch sei, im Jahre 1969 und seither stellt diese
Auslassung das offenkundigste Kriterium dar, um festzustellen, ob der
Zelebrant die Prex I oder den römischen Kanon verwendet. Es ist eine
Ausnahme, wenn man die Worte dec Wandlung hören kann.
Wenn also ein Bischof bei der heiligen Feier die Handlungen vollzieht,
wie sie im besagten Ritus vorgeschrieben sind, dann nehmen die
Anwesenden an, daß dieser Bischof eben diesen Ritus verwendet.
Monseigneur behauptet nun, er habe den (sog.) "Novus ordo" niemals
verwendet. Ich glaube ihm auf sein Wort hin, und bin dafür dankbar.
Aber ich behaupte, daß Mgr. Lefebvre alles getan hat, was nötig war, um
die Anwesenden zu der Annahme zu verleiten, er benutze den (sog.)
"NOM". Andernfalls hätte ja auch die Debatte am Eingang von S. Maria
Maggiore nach der Messe keinen Sinn gehabt. Die Antwort von Mgr.
Lefebvre, welche in meiner Antwort auf Brief Nr. 16 angeführt ist (vgl.
"EINSICHT" IX(1)6.), habe ich nicht erfunden. (Anm.d.Red. : Mgr.
Lefebvre sagte damals: "Wenn man sähe, daß Mgr. Lefebvre die
traditionelle Messe liest, riskierte ich einen Skandal!") Diese Antwort
hat die Personen, die sie gehört haben, erschüttert: wir waren zu 20 in
dieser Messe, und nachher vielleicht zu fünf, sechs oder sieben.
Diese Dinge sind so ernst, so tief empfunden worden, daß sie sich im
Wesen eingeprägt haben und dort haften bleiben. Ich habe beschrieben,
was ich gesehen habe, das ist alles. Und das habe ich nur
'hervorgeholt', weil der Brief vom 24. Dezember äußerst schwerwiegend
ist . Auch wenn es bloß als diplomatisches Taktieren gedacht war, so
ist doch wahr, daß der Brief auf praktischem Gebiete Unwahrheiten
behauptet, welche für den Glauben ein Ärgernis sind.
"Non sunt facienda mala ut eveniant bona!" (Man darf keine Übeltaten vollbringen, damit Gutes daraus
hervorgehen möge.)
Was auf dem Gebiet der Sittenlehre zutrifft, findet auf dem Gebiete
(der Theologie) des Glaubens eine unendlich stärkere Anwendung. Ein
Christ, besonders wenn er ein Bischof ist, hat nicht das Recht,
Irrtümer zu behaupten oder nahezulegen, die gegen den Glauben gerichtet
sind, in der Absicht, eben diesem Glauben zum Siege zu verhelfen] Eine
solche Taktik wäre einfach teuflisch.
STELLUNGNAHME FÜR ERZBISCHOF LEFEBVRE
Mit Bedauern stellen wir fest, daß eine Gruppe traditioneller
Katholiken in letzter Zeit einen rücksichtslosen Kampf gegen Erzbischof
Lefebvre und die Priesterbruderschaft St. Pius X. führt.
Bei allen Meinungsverschiedenheiten, die bestehen können, hätten wir
erwartet, daß bei einer geistigen Auseinandersetzung unter Brüdern, die
Regeln der Fairneß beachtet und der Wahrheit die Ehre gegeben wird.
Leider schreckt diese Gruppe in ihrem Kampf gegen Erzbischof Lefebvre
und die Priesterbruderschaft nicht vor Unterstellungen und Verdrehungen
zurück.
Es ist nicht wahr, wenn behauptet wird, der wahre Glaube sei für Erzbischof Lefebvre eine Angelegenheit des Experimentierens!
Es ist nicht wahr, wenn behauptet wird, der Erzbischof sei für die 'Neue Messe' (NOM) und habe sie auch schon gelesen!
Wahr dagegen ist, daß Erzbischof Lefebvre für den wahren Glauben und
für die tridentinische Messe schwere Kirchenstrafen auf sich genommen
hat!
Es ist nicht wahr, wenn behauptet wird, Priester aus Ecóne und Weißbad
hätten nie ein klärendes Wort zur 'Neuen Messe' (NOM) gesagt!
Es ist nicht wahr, wenn behauptet wird, ein deutschsprachiger Priester
der Priesterbruderschaft lese von Zeit zu Zeit die 'Neue Messe' (NOM)!
Neben vielen anderen sind dies wohl die törichsten und unsinnigsten Behauptungen.
Es hat jedoch keinen Sinn, an die Einsicht der obengenannten Gruppe zu
appellieren, denn mit Leichtigkeit hätte sie sich überzeugen können,
was an all diesen Gerüchten wahr und was falsch ist.
Deshalb wenden wir uns an Sie, die Gläubigen: Vertrauen Sie weiter, wie
bisher, Erzbischof Lefebvre, denn er hat sich in dieser Zeit der
Wirrnis und des Glaubensniederganges als ein guter und getreuer Hirte
erwiesen!
Vertrauen Sie seinem Werk, der Priesterbruderschaft St. Pius X., und lassen Sie sich nicht von einer Randgruppe verunsichern!
Im Juni 1979
Dr. Heinrich Bayer, Koblenz
Dr. Elisabeth Gerstner, Overath-Immekeppel
Prof. Dr. Walter Hoeres, Frankfurt/Main
Dr. Inge Köck, Regensburg
Dr. Georg Loos, Mainz
Prof. Dr. Peter Metz, Berlin
Prof. Dr. Wigand Siebel, Saarbrücken
Dr. Carl Pius Waggershauser, Überlingen
Prof. Dr. Alfred Wendehorst, Erlangen
Dr. Hans Wertenbach, Stutensee
Dr. Josef Wilhelm, Pfullingen
Dr. Hans Richard Zeppenfeld, Lübeck |