NUR LINKER MODERNISMUS?
von
Manfred Jacobs
In der Buchbesprechung: "Einmal ein richtiger Kalender für die Jugend"
(VOX FIDEI Heft 23 vom 1. Dezember 1979) wird auf Seite 16 links oben
lobend vermerkt, daß der Kalender gegen den linken (!) Modernismus
Stellung bezöge. Den Modernismus aber nur einer Richtung zuzuordnen,ist
grundfalsch und gefährlich zugleich; denn der Modernismus ist überall
zu Hause, sogar im Innern der katholischen Kirche selbst. Dies zu
wissen ist von eminenter Bedeutung für die Schärfung der Sinne. Es ist
nämlich eine große Wachsamkeit notwendig, denn die Modernisten sprechen
eine Sondersprache, d.h., sie verwenden allgemein bekannte Ausdrücke
und Sentenzen, schieben diesen aber eine andere Bedeutung unter. Sie
nennen das "Neuformulierung", oder auch "Neuinterpretation"! Diese
Methode wenden sie an, weil sie eine andere Denkart im Katholizismus
einführen wollen, und diese, auf Grund ihrer unoffenen und mehrdeutigen
Redeweise sowie katholischer Schläfrigkeit und Unaufmerksamkeit,
teilweise auch schon verbreiten konnten. Mit einer
normal-ehrlich-eindeutigen Ausdrucksweise wäre das natürlich nicht zu
bewerkstelligen gewesen. Hier zeigt sich die Herrschaft der Sprache
(Umdeutung durch semantische Verschiebungen, stilistische Änderungen
u.s.w.).
Der "Modernismus" selbst hat mit Modernität im eigentlichen Sinne des
Wortes nicht das allergeringste zu tun. Ganz im Gegenteil; er ist
uralt. Er wärmt die ebenso uralte gnostische Denkweise, die sich bis
weit in vorchristliche Jahrtausende hinein verfolgen läßt, lediglich
immer wieder neu auf. Auch die Urchristen hatten schon Probleme mit den
Gnostikern, die, damals genau so wie heute, unfähig waren und sind, die
Geistesrichtung für christliches Denken und Fühlen nachzuvollziehen.
Die Gnosis erscheint im Laufe der Geschichte immer in einer anderen
Maske. Das unkatholische Denken hat schon unzählige Formen gezeigt,
weil es eher gasförmig-diffus ist, und deshalb kaum definierbar,
sichbar oder fixierbar. Sie ist keine begrenzte Häresie, sondern eine
unbegrenzte, unchristliche Denkart mit einer unchristlichen Unterlage.
Eine unkontrollierbar-unchristliche Weltanschauung, die die echt
katholische Weltanschauung und Denkweise entfernt.
Das, was uns heute im theologischen Bereich als die allerneuesten
Erkenntnisse vorgesetzt, was uns als der allerletzte Schrei aufgetischt
wird, ist längst nicht mehr knackfrisch. Alleine schon der Syllabus,
des Papstes Pius IX. von 1864 und vor allem die Enzyklika "Pascendi"
Pius X. aus dem Jahre 19o7 beweisen dies. Besonders das letztgenannte
päpstliche "Rundschreiben über die Lehren der Modernisten" sollte
inhaltlich jeder, ohne Unterschied, kennen, und es empfiehlt sich,
dieses hochbedeutsame päpstliche Dokument wenigstens einmal zu lesen!
Auch die kl. Schrift "Jargon des klerikalen Modernismus" von Prof.Dr.
Adalbert Majtényi soll in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben.
Avis. Par un malentendu l'épitre ‚ Mgr. Lefebvre dans notre dernier
numéro a été signée "un prêtre français". Nous prions nos lecteurs
d'excuser cette faute. |