MITTEILUNGEN DER REDAKTION
München, den 23.1.198o
Verehrte Leser!
1. Unsere derzeitige Situation - und das spüren Sie sicherlich ebenso -
ist bestimmt durch zwei Prozesse, durch die unsere Reihen noch einmal
kräftig gesiebt werden und denen etliche Beiträge in diesem Heft
gewidmet sind: einmal durch die 'konservative' Verführung so mancher
Gläubiger durch den polnischen Okkupanten der Cathedra Petri, der schon
jetzt einen Teil des noch unter Paul VI. vorhandenen Widerstandes durch
seine Disziplinierungsmaßnahmen u.a. gegen Küng eingeschläfert hat, und
zum andern durch die sich anbahnende Scheidung der Geister in
Kompromißler lefebvreianischer Prägung und in diejenigen, die ihrem
Glauben und ihrer Kirche treu bleiben wollen. Dieser zweite Vorgang
wird auch recht gut gesehen in einem mit "T.W." gezeichneten Leserbrief
in "Kyrie eleison" (l0/1979, S.353): "Meiner Meinung nach steht die
letzte Scheidung der Geister nun bevor. Der 'historische Kompromiß' im
kirchlichen Bereich wird bald dazu führen, daß die Integralisten von
den Traditionalisten ebenso verfolgt werden, wie bisher die
Traditionalisten von den Progressisten verfolgt worden sind. Man wird
uns Spalter, Starrsinnige, Rückständige, Querulanten etc. nennen und
diejenigen Priester quasi suspendieren, indem man ihnen die Zelebration
in den übriggebliebenen Meßzentren untersagt, während man den Gläubigen
die Sakramente verweigert. Dadurch aber stellen sich die 'Indultianer'
(d.h. diejenigen, die auf einen Induit wie in England seit Kardinal
Heenans Zeiten hoffen) dann unweigerlich und automatisch selber in die
liberale Ecke. So wird auch in dieser Situation das unverrückbare Kreuz
zum Zeichen des Widerspruchs werden. Das Kreuz ist der Maßstab für die
Menschen und nicht umgekehrt."
Inzwischen ist die Vermutung, daß es zu Behinderungen, ja sogar zu
Verfolgungen der Integralisten durch die kompromißlerischen
Traditionalisten kommen würde, längst Wirklichkeit geworden. Ich
brauche nicht an die Vorgänge in Stuttgart und Ulm erinnern. Jeder kann
die Angriffe, Verleumdungen und Verdächtigungen verfolgen, die die
CH-SAKA von Econe und seinen Hilfstruppen auszustehen hat, nachdem sie
es 'gewagt' hatte, über den Plan eines neuen Priesterseminars zu
informieren. (Ich führe hier dieses Beispiel an, damit mir niemand den
Vorwurf der Parteilichkeit machen kann: zwischen der CH-SAKA und uns
bestanden bisher nur lockere Verbindungen.) Gerade gestern erhielt ich
eine briefliche Nachricht, nach der Prof. Erren im Anschluß an die
Sonntagsmesse vom 2o.1.1980 im Freiburger Meßzentrum den Gläubigen
abgeraten haben soll, das neue Seminar finanziell zu unterstützen. Er
soll u.a. folgendes verkündet haben: In einem Anruf von Herrn
Schmidberger habe dieser ihm mitgeteilt, daß die SAKA das neue Seminar
ohne Erlaubnis (!) von Mgr. LefebVre geplant habe, daß sie Econe nur
Konkurrenz machen und eine Spaltung betreiben wolle, weswegen man ihr
Vorhaben finanziell nicht unterstützen dürfe. - Man stelle sich vor:
die SAKA-Basel hatte es gewagt, etwas ohne Erlaubnis von Mgr. Lefebvre
zu planen. Welche 'Ungeheuerlichkeit'! Es läßt sich nur ahnen, in
welcher: Verblendung Mgr. Lefebvre - er, der sich standhaft geweigert
hat, irgendwelche Verbindlichkeiten gegenüber den Gläubigen zu
übernehmen - und seine Vasallen leben müssen und in welche
Realitätsferne sie durch diese Einstellung gerückt sind,
2. Auf unseren Appell hin haben etliche Leser frühere Nummern der
EINSICHT an uns zurückgesandt - ihnen allen ein herzliches "Vergelt's
Gott". So ist es uns nun wieder möglich, Bitten nach älteren Heften zu
erfüllen. Gleichzeitig darf ich aber weiter darum bitten, abgelegte
Hefte der EINSICHT an die Redaktion bzw. an meine Privatadresse
abzusenden.
3. Von den ersten 16 Seiten dieses Heftes liegt ein Sonderdruck vor,
den Sie - auch gratis - bei der Redaktion nachbestellen können und mit
dem wir Sie bitten, für unser Anliegen zu werben. Weiterhin bitte ich
Sie, uns auch Adressen von möglichen Abonnenten mitzuteilen. Man hat
bisher teilweise mit Erfolg unsere Informationsarbeit unterdrücken
können. Inzwischen ist aber vielen auf grund der internen Vorgänge klar
geworden, daß mit Verschweigen der Tatsachen bzw. der wahren
Einstellungen niemand gedient ist. Darum noch einmal: bitte werben Sie
für unser Anliegen!
4. In letzter Zeit sind von unseren Abonnenten verstorben: H.H.
Dr.theol. Paul Baur (28.l0.79), Herr Sedelberger aus Oberrohrdorf /
Schweiz (bereits März 1978) und Herr Dr. Aubert Salzmann aus Wels /
Österreich. Wie immer in diesem Fall werden wir für die Verstorbenen
eine Totenmesse lesen lassen. R.I.P.
5. Die Buchbesprechung von W. Siebel "Katholisch oder konziliar" kann
leider erst im nächsten Heft erscheinen. Ich bitte um Verständnis.
Ihr Eberhard Heller
"ALS ICH AUS DER SOWJETUNION AUSGEWIESEN WURDE, TRUG ICH HANDSCHELLEN,
UND IN DIESE HANDSCHELLEN WAR EINGESTANZT: MADE IN USA. (WLADIMIR
BUKOWSKI)
(aus einer Anzeige von Josef Müller, Villingen) |