"ERNSTE FRAGE"
von Cordula Wöhler
Ist dir Mein Herz nicht groß genug! Was meinst du Größeres zufinden? Nimm bis zum Himmel deinen Flug, Senk' dich in's Meer, es zu ergründen; Durcheil' die Welt von Süd nach Nord, Such' Alles auf, was groß auf Erden, Es wird zuletzt - denk' an Mein Wort! - Nur groß genug Mein Herz dir werden!
Ist dir Mein Herz nicht reich genug? Warum denn geht so sehr dein Streben Nach Schätzen, die wie Sandesflug Zu oft nur deiner Hand entschweben? Und wär' die ganze Erde dein, Was wird sie - sag'? - dir nützen können, Mußt - bei des Todtenlichtleins Schein - Zuletzt du dich von Allem trennen?
Ist dir Mein Herz nicht warm genug? Warum denn Zeit und Kraft verlieren In Lieb', die - oft nur Lug und Trug - Nie kann zu wahrem Glück dich führen? Ich aber mein's so gut mit dir, Möcht', ach, so gern! dich glücklich machen. Warum denn kommst du nicht zur Mir, Der Liebe Gluth dort anzufachen?
Ist dir Mein Herz nicht schön genug? Wie willst du wahre Schönheit finden In einer Welt, die lang schon trug Auf ihrer Stirn den Fluch der Sünden? Und selbst die schönste Kreatur, Ist Sie der Blume nicht zu gleich, - Heut' da! und morgen keine Spur Von all' der Pracht, der farbenreichen!
Ist dir Mein Herz nicht treu genug? Was wähnst du bei der Welt zu finden, Wo immer mehr sie scheint zu schwinden? Nur Ich bin, was Ich gestern war, Heut' und in alle Ewigkeiten, Und Meine Hand will immerdar Dich treu und fest zum Himmel leiten!
Ist Dir Mein Herz nicht stark genug? Was zagst du denn? Warum die Bangen Wenn dir der Feind auch Wunden schlug, Bei Mir wirst Hilfe du erlangen. Ich bin gleichwie ein fester Hort, Bin Schutz und Schirm den schwachen Seelen; Komm' nur zu Mir - und immerfort Darst du auf Kraft und Stärke zählen!
Sieh! dies Mein Herz steht weit genug für dich und alle Menschen offen! Als man an's harte Kreuz Mich schlug, Da ward es tief vom Speer getroffen, Da ward gebaut das Zufluchtshaus Für all' die armen Evaskinder, - Ja, auch nicht Einen schließ' ich aus, Und war's der Erde größter Sünder!
Kannst du mein Herz denn je genug In heißem Dank entgegen lieben, Da Es allein für dich nur schlug, Da Es dir stets so treu geblieben? O komm', du armes Menschenherz, Laß geh'n die Welt und ihre Gaben, Bei mir nur kannst du - frei von Schmerz - Der Liebe vollen Himmel haben!
|