AUS DER RÄUBERHÖHLE IN DIE KAPELLE
von Univ.-Prof.Dr. Manfred Erren
In der Februarnummer der Zeitschrift Vox Fidei hat Prof.Dr. Paul Hacker, Münster, unter dem Titel "Keine Kirchen neben Kirchen" einen empörenden Artikel geschrieben, der Widerspruch herausfordert. Am Anfang macht H. zwar so weitgehende Zugeständnisse, daß man staunt über so viel Verständnis von Seiten eines etablierten Theologieprofessors. Man hätte mit so viel Sachlichkeit gar nicht gerechnet. Aber wo er dann zur Sache kommt, nämlich zu den heutigen Traditionalisten, ist von dem Verständnis auf einmal gar nichts mehr zu spüren, und es wird deutlich, daß H. mit seinen katholischen Zugeständnissen nicht seine wirkliche Auffassung wiedergeben, sondern nur den Traditionalisten ein wenig nach dem Mund reden wollte, um sich ihr Vertrauen zu erschleichen. Weil ihm das bei dem oder jenem gelungen sein könnte, will ich hier die allerwichtigsten von H.s falschen Behauptungen und Anregungen kurz und bündig zurechtrücken.
1. H. wirft uns mehrmals in wechselnder Ausdrucksweise vor, wir bauten eine Kirche "neben die bestehende Kirche". Dem müssen wir widersprechen. Wir können das gar nicht, denn es gibt keine bestehende Kirche außer der, die wir in der seit der Zeit des hl. Petrus gültigen und bis 1962 zwingend vorgeschriebenen Meßliturgie repräsentieren. H. kann mit der Bezeichnung "die bestehende Kirche" nur den rein physikalisch bestimmten Personenkreis derer meinen, die tatsächlich über die von früher her überkommenen materiellen Mittel der Kirche verfügen. Die Berechtigung dieser Verfügungsgewalt und die Zwecke, die damit tatsächlich verfolgt werden, kümmern H. nicht, der tatsächliche Besitz der materiellen Mittel allein ist für seinen Begriff von der Kirche schon allein maßgeblich. H. hat also einen rein materialistischen und atheistischen Begriff von der Kirche und scheint selbst Atheist zu sein.
2. H. behauptet ohne weiteres, es bleibe bestehen, daß Paul VI. rechtmäßiger Nachfolger Petri sei. Wie kann er das so sicher behaupten? Schon in der nächsten Zeile gibt er selbst zu, daß Paul VI, "auf dem Gebiet der Häretikerverfolgung" nicht tätig sei. Damit hat er seine Behauptung, Paul VI. sei rechtmäßiger Papst, schon selbst widerlegt, denn bekanntermaßen ist Papst Honorius I. nach seinem Tod exkommuniziert worden, aus keinem anderen Grunde als weil er "auf dem Gebiet der Häretikerverfolgung" nachlässig gewesen ist. Daraus folgt, daß Paul VI., der ebenfalls "nachlässig" ist, ebenfalls die Strafe der Exkommunikation verwirkt hat. Hinzu kommt, daß manche Indizien zeigen, daß G.B. Montini schon als Kardinal durch Beziehungen mit kommunistischen Regierungen die Exkommunikation verwirkt hatte. Er war dann gar nicht zum Papst wählbar, und dann wird ein ordentliches kirchliches Gericht eines Tages feststellen, daß Paul VI. niemals rechtmäßiger Papst gewesen ist. Ein ordentliches kirchliches Gericht kann ihn auch freisprechen. Es wird sich aber nicht mehr umgehen lassen, daß ein kirchliches Gericht über Paul VI. befindet, denn solange das nicht geschehen ist, kann bei der skandalösen Regierung Pauls VI. niemand wissen, ob dieser Mann rechtmäßiger Nachfolger Petri ist.* Eine Papstwahl ist nicht unfehlbar und nicht unwiderruflich. Hat ein Papst einmal wie Paul VI. viele Millionen Christen der Irrlehre und der Verführung überlassen und an den Verfolger ausgeliefert und zeigt doch keine Reue, dann sollte man ihn absetzen. Auch wenn er drogensüchtig und besessen oder von einem Doppelgänger entmündigt ist, sollte man das tun; man kann das, es ist schon vorgekommen. Wer aber nach all dem was geschehen ist und geschieht noch volle päpstliche Autorität für Paul VI. fordert, der setzt die Willkür (oder Krankheit oder Narrheit) eines Menschen über das heilige Amt des Stellvertreters Christi (Tiara und Schlüssel!), über das Wort Christi ("Weide meine Schafe!"), über die Gebote Gottes ("Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht vergeblich führen!") und läßt für die Kirche kein Gesetz mehr gelten. Aber "ein Staat ohne Gesetz ist eine große Räuberbande" lehrt der hl. Augustinus. Prof. H. will uns auf eine solche verpflichten; das entspricht seinem materialistisch-atheistischen Denken, für das es einen reinen Geist, dem man mehr glauben und gehorchen müßte als einem materiell mächtigen Menschenleib, nicht gibt. 3. Zuletzt versteigt sich H.sogar noch zu der antichristlichen Forderung, wir sollten lieber auf die Sakramente verzichten als auf die Gemeinschaft mit Häretikern, und wir (wir!) sollten doch gegen die progressistischen Prälaten barmherzig sein. Als ob wir deren Leib und Leben bedrohten, wenn wir die Seelen unserer Mitmenschen vor ihnen retten! Diese wirklich verrückten Zumutungen beweisen, daß Glaubenswahrheiten, Sakramente, Seelenheil der Menschen, Glaube, Liebe, Hoffnung und das ganze Christentum H. für nichts gilt, die Durchsetzung atheistischer Gesellschaftsformen dagegen alles, und daß sein schlechtes Gewissen ihm immer wieder vor Augen stellt, was ein frommes Volk früherer, christlich regierter Staaten mit ihm gemacht hätte. Es hätte ihn - auch nein, es hätte ihn nicht auf den Scheiterhaufen zu stellen brauchen, denn er hätte es nicht so weit kommen lassen. Er hätte schnell nachgegeben und es vorgezogen, seine Pfarrkinder mit strengen Frömmigkeitsübungen zu plagen und sich selbst verwöhnen und mit fetten Pfründen versorgen zu lassen.
Eines aber darf man von H. lernen: Wie man es machen muß, wenn man erreichen will, daß etablierte Theologieprofessoren auf Katholiken eingehen und ihnen nach dem Munde reden. Man muß (noch viel entschiedener als wir es bisher tun)
1. energisch die strenge Bestrafung der progressistischen Prälaten fordern (nicht nur die Amtsenthebung oder gar nur Versetzung),
2. energisch für den Tag nach dem Ableben oder dem Rücktritt Paul VI.** eine ordentliche kirchliche Untersuchung über die Rechtmäßigkeit seines Pontifikats fordern und schon jetzt Beweismaterial sammeln (wer Paul VI. für unschuldig hält, möge Entlastungsbeweise sammeln),
3. Kapellen bauen, Kapellen, Kapellen, Kapellen, damit unter der verwesenden Haut der Kirche das lebendige Fleisch gesunde und erstarke.
* Anm.d.Red.: Auch wenn er jemals rechtmäßiger Papst gewesen ist, hat er sich durch seine Apostasie - daran besteht kein Zweifel - selbst abgesetzt. Ein kirchliches Gericht stellt diesen Abfall nur noch fest. ** Anm.d.Red.: Der Prozeß gegen ihn sollte unmittelbar erfolgen!
STUTTGART-BAD CANNSTATT
In Stuttgart - Bad Cannstatt, Mercedesstr. 3 wurde ein neues Meßzentrum errichtet, das im Rahmen der deutschen SAKA von der röm.-kath. Gemeinde St. Athanasius getragen wird. Gottesdienste am Sonntag sind abwechselnd um l0.oo Uhr oder um 15.oo Uhr (zu erfragen bei Frau Laier Tel. Stgt. 608148.) In der Woche ist die Kirche jeweils mittwochs von 18.30 - 20.oo Uhr zum Rosenkranzgebet und Andachten geöffnet. Zu erreichen: Tram Linie 1 und 21, ebenso 13; Bahn bis Bad Cannstatt; vom Hpt-Bahnhof zu Fuß durchdie mittleren und unteren Schloßanlagen.
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