DIE CONFESSIO AUGUSTANA IST NICHT KATHOLISCH
von Joachim May
Immer stärker wird der ökumenische Rummel angeheizt. Gelegentlich redet der eine oder andere - aus dem katholischen oder aus dem protestantischen Lager - von "Stagnation", von ökumenischer Erkaltung oder ähnlich, aber das dient nur dem umso vehementeren Vorantreiben. Bei Millionen von Katholiken ist das Glaubensbewußtsein nahezu abgestorben. Das gilt für das einfache Volk, aber auch für die theologischen Meinungsführer. Eine wahre Sintflut ökumenischer Literatur überschwemmt den Büchermarkt und trimmt die Gehirne von immer mehr Menschen. "ökumenische Kirchenzentren" werden errichtet, ökumenische Aktivitäten werden gestartet, Journalisten haben einen ökumenischen Arbeitskreis gegründet, jedem bekannteren Verstorbenen wird ein ökumenisches Büchlein auf Biegen oder Brechen angehängt. Vor allem an der "Basis" wird mit den Schwach- und Ungläubigen, denen alles "wurscht" ist, wenn sie nur kumpanieren können, operiert. Und da das 450. Gedenkjahr der Abfassung der "Confessio Augustana", der entscheidenden protestantischen Bekenntnisschrift, 1980 bevorsteht, wird von beiden Seiten ein ökumenisches Trommelfeuer inszeniert. Die "Confessio Augustana" enthält nicht den katholischen Glauben. Wenn immer wieder penetrant auf das "Verbindende", auf "Gleichklänge" hingewiesen wird, dann bezieht sich dies nur hinsichtlich der Trinität und Jesus Christi auf die Artikel 1 und 3. Ansonsten kann nur ein Verwischer und Vernebler die Lehre der Augustana hinsichtlich der Kirche und der Sakramente katholisch nennen.
* Die Augustana kennt, wenn sie von Sakramenten überhaupt spricht, nur Taufe, Abendmahl und Beichte.
* Die katholische Lehre von der Eucharistie als wahrem Opfer wird ausdrücklich als Irrtum verworfen.
* Keine Rede ist in der Augustana von so wesentlichen Glaubensinhalten wie dem sakramentalen Priestertum und dem obersten Hirtenamt des Papstes. Das in der Augustana erwähnte Bischofsamt wird nicht im katholischen Sinne verstanden.
* Die mit der Confessio Augustana in engem Zusammenhang stehenden Schmalkaldischen Artikel und die Konkordienformel, ebenfalls protestantische Bekenntnisschriften, bringen den Gegensatz zur katholischen Lehre noch viel schroffer und deutlicher zum Ausdruck, besser gesagt: ehrlicher und offener. Die Augustana milderte ab, was aus der damaligen politischen und gesamtgeschichtlichen Situation zu erklären ist. Im übrigen haben die katholischen Reichsstände und der päpstliche Legat der Augustana eine Confutatio entgegengestellt, in der die Augustana als wegen zahlreicher Punkte in Widerspruch zur katholischen Lehre stehend bezeichnet wurde.
Die katholischen Propagatoren der Anerkennung der Augustana - gestartet wurde der Rummel von dem Münsteraner katholischen Theologen Vinzenz Pfnür vor etwa vier Jahren - leiden an einem gestörten katholischen Selbstverstäntnis allen.voran die Professoren A. Brandenburg und Schütte (letzterer vom Einheitssekretariat in Rom). Vor allem die Frage, wieweit die Augustana im Protestantismus, zumal dieser ja in Tausende von Denominationen zerfallen ist, überhaupt anerkannt wird, wird gar nicht gestellt. Selbst im lutherischen Protestantismus wird sie nur von einem kleinen Teil akzeptiert, von den "Rechtskirchlichen" nämlich, während die überwiegende Zahl der Protestanten längst über Luther hinweggegangen ist und entweder gar nicht mehr religiös ist oder an die Stelle der Religion irgendeine der verschiedenen innerweltlichen Ideologien und Heilslehren gesetzt hat. Den Protestantismus gibt es somit gar nicht. Seine Entwicklung geht immer mehr in die Irre. "Die Ökumeniker, welche die Frühwerke Luthers als 'überspitzte Aussagen' abzuwerten suchen, übersehen die Entelechie des reformatorischen Ansatzes bei Luther, der konsequent von anderen Reformatoren weiterentwickelt wurde" (DT Pfingsten 1978) und derzeit bei solchen Positionen, wie sie der Pastor Dr. Schulz aus Hamburg einnimmt, angelangt ist. "Die CA ist nur ein Teilstück einer Kurve, deren Formel ten weiteren Verlauf, zum Teil gegen den Willen des späteren Luther bestimmte."
Die Augustana kann nicht als Ausdruck des katholischen Glaubens anerkannt werden. Der Schrei nach der "Einheit", nach Beseitigung des Ärgernisses der Spaltung (ut omnes unus sint), damit die "Christen" ein glaubwürdiges Zeugnis vor der Welt ablegen und ähnliche Argumente ließen sich leicht auf Echtheit und Ehrlichkeit überprüfen. Den Protestanten wäre die einfache Frage zu stellen, ob sie bereit sind, das Glaubensbekenntnis des Konzils von Trient, das ja nur etwa 30 Jahre nach der Augustana stattfand, anzuerkennen. Damit könnte man die ständig beschworene "Katholizität" des Protestantismus nachweisen. Sicher würde sich bei einer solchen "Gegenprobe" sehr rasch herausstellen, daß die Protestanten an ihrer ganz anderen Kosmogonie und damit an ihrem Reduktionschristentum und Schwundglauben festhalten möchten. Ein Weg zurück zur ganzen katholischen Wahrheit kommt bestimmt nicht in Frage. Teilwahrheiten, und dazu noch bequemere, gibt man nicht mehr um des anstrengenderen Ganzen willen auf.
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