WAS HEISST KATHOLISCHER TRADITIONALISMUS ?
von Manfred Erren
1.) Was heißt "Katholischer Traditionalismus"? Daß Katholiken an der Überlieferung festhalten. Sie halten nichts für wahr, was dem überlieferten katholischen Glauben widerspricht, nichts für erlaubt, was der überlieferten katholischen Sitte zuwider ist. Sie halten den, der diese Haltung nicht teilt, für nicht katholisch, wer immer es auch sei.
2.) Stören Traditionalisten die Einheit der Kirche? Im Gegenteil. Sie halten die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche für von Gott gestiftet und allein seligmachend, lassen keine andere Kirche neben ihr gelten und lehnen jeden Pluralismus und Liberalismus ab. Wohl aber stören sie gerade damit die Bemühungen, Anhänger aller verschiedenen Religionen und Konfessionen in einer von Menschen gestifteten Einheitsreligion zu verbrüdern.
3.) Warum nehmen die katholischen Traditionalisten am offiziellen Gemeindeleben nicht teil? Weil das offizielle Gemeindeleben in vielen Punkten die überlieferte Glaubenslehre mißachtete, die überlieferte Form der Riten entstellt und verfälscht und die Ehre der Heiligen herabsetzt. Von solch unkatholischem Verhalten distanzieren sich die Traditionalisten unter Protest.
4.) Wie praktizieren dann die Traditionalisten ihren Katholizismus? Sie halten am katholischen Glauben fest und unterrichten auch ihre Kinder darin, sie leben nach katholischer Sitte und erziehen auch ihre Kinder dazu, sie empfangen die katholischen Sakramente und vereinigen sich im Gebet mit den Heiligen der Kirche. All das führt sie zwangsläufig zum Widerstand gegen unkatholische Anordnungen der Bischöfe und kirchlichen Ämter und bestärkt sie darin.
5.) Kann nein denn sinnvoll sagen, die große Mehrheit der katholisch Getauften samt Bischöfen und Pfarrern habe heute den wahren Katholizismus nicht? Natürlich, denn der Katholizismus kommt nicht aus der Volksmenge hervor, sondern ist ihr einst gepredigt worden. Im strengen Sinn hat der Satz. sogar immer gegolten. Heute aber gilt er mehr denn je, da dem Volk Glaube, Sitten und Gebete durch planmäßige Aktivitäten höchster Amtsträger wieder ausgeredet werden.
6.) Welches sind diese Aktivitäten, die der Kirche schaden? Es sind 1. die Durchführung der Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils, 2. die mißbräuchliche Amtsführung Pauls VI., 3. die Neuerungen in der Liturgie und der sog. Ökumenismus, 4. die Anpassung der allgemeinen Unterweisung an die Irrtümer der modernen Welt.
Die Beschlüsse des 2. Vatikanischen Konzils
7.) Wieso schaden die Konzilsbeschlüsse der Kirche? Die Konzilsbeschlüsse sind vielfach getragen von dem Wunsch, die Strenge der überlieferten katholischen Lehre zu umgehen und ihre Anwendung ins Leben zu ersparen. Sie sind deshalb in ihrem Gesamtsinn der katholischen Überlieferung zuwider, und ihre Bekanntgabe hat vom ersten Tag an bis heute zu den schwersten Ärgernissen Ansporn und Gelegenheit gegeben.
8.) Wie verträgt sich diese Feststellung mit dem Glauben an die Unfehlbarkeit des kirchlichen Lehramtes? Das 2. Vatikanische Konzil hat ausdrücklich betont, keinen Irrtum unfehlbar verurteilen und keine Wahrheit unfehlbar verkünden zu wollen. Also hat es sich selbst nicht als Sprecher des unfehlbaren kirchlichen Lehramtes aufgefaßt. Es stand auch sonst in wichtigen Punkten nicht in der Tradition der katholischen Konzilien. Das Dogma von der Unfehlbarkeit des kirchlichen Lehramtes findet deshalb auf dieses Konzil keine Anwendung.
9.) Halten die Traditionalisten jeden einzelnen Satz der Konzilsbeschlüsse für falsch? Nein. Die Traditionalisten verkennen nicht, daß auch das 2. Vatikanische Konzil viele überlieferte Wahrheiten und Gebote der katholischen Kirche in Erinnerung gebracht hat, die nicht bestritten werden dürfen.
10.) Warum beschränken die Traditionalisten ihre Ablehnung dann nicht auf bestimmte einzelne Sätze und bestimmte Auslegungen? Weil die Verlautbarungen des 2. Vatikanischen Konzils mit gefährlichen Zweideutigkeiten und Hintergedanken so unentwirrbar durchsetzt sind, daß nur völlige Ablehnung vor der ungewollten Zulassung von Irrtümern schützen und angerichteten Schaden wiedergutmachen kann.
Die Amtsführung Pauls VI.
11.) Wieso hat Paul VI. der Kirche geschadet? Paul VI. hat ganze katholische Völker gegenüber ihren ungläubigen Feinden und Kirchenverfolgern entscheidend geschwächt (Ukraine, Ungarn, Vietnam, Portugal, Spanien), hat die Kirche fortgesetzt vor Häretikern, Schismatikern, Ungläubigen und sogar Christenverfolgern gedemütigt und hat ihm unterstellte Geistliche, die Irrlehren verkündeten, ungehindert gewähren lassen. Er hat veranlaßt, daß alle katholischen Riten so geändert wurden, daß sie einen neuen Sinn bekommen haben und jetzt eine neue Religion zum Ausdruck bringen, die nicht die überlieferte katholische ist. Schließlich beharrte er trotz der himmelschreienden Ärgernisse, die dadurch entstanden sind, bis in den Tod auf allen seinen Anordnungen und verbot jede Umkehr und Wiedergutmachung.
12.) Muß ein Katholik dem Papst nicht blind vertrauen? Niemals. Die Verpflichtung auf das katholische Gewissem und auf die Gebote Gottes und die Überlieferung der Kirche hat unbedingten Vorrang vor dem Gehorsam gegen jede menschliche Obrigkeit.
13.) Wie vertragen sich diese Feststellungen mit dem Glauben an die Unfehlbarkeit des Papstes? Der Papst ist nur bei sinngemäßer Ausübung seines Amtes und nur unter ganz bestimmten äußeren Voraussetzungen unfehlbar. Weder das eine noch das andere war in dem oben beanstandeten Verhalten Pauls VI. gegeben, so daß das Dogma von der Unfehlbarkeit darauf keine Anwendung findet. Die Frage nach den geheimen Gründen, ob Paul VI. etwa die Kirche absichtlich verriet oder dauernd menschlicher Schwäche unterlag oder unter Zwang stand oder gar nicht rechtmäßiger Papst gewesen ist, braucht den Gläubigen nicht zu kümmern. Er muß nur wissen, daß er Anordnungen, die der überlieferten katholischen Glaubens- und Sittenlehre widersprechen, keinesfalls befolgen darf, von wem sie auch ausgehen.
Die Neuerungen in der Liturgie
14.)Wieso schaden die neuen Riten der Kirche? Weil sie den theologischen Definitionen der überlieferten Lehre nicht entsprechen z.T. sogar widersprechen, so daß sie den Gläubigen die Gnade Gottes und die Teilnahme am Leben der katholischen Kirche zweifelhaft machen oder vorenthalten im oder gar rauben. Wer an den neuen Riten teilnimmt, wird überdies durch die dabei zur Geltung kommenden Irrtümer und Fehlhaltungen in unkatholischem Sinn beeinflußt und dem überlieferten katholischen Glauben und der Gemeinschaft der Heiligen immer mehr entfremdet.
15.) Ist für das Seelenleben der Gläubigen die Teilnahme am Gottesdienst der Gemeinschaft nicht unter allen Umständen notwendig? Nein. Außer dem lebendigen Glauben ist nur der Empfang der heiligen Sakramente zum Heil notwendig. Die Teilnahme an Gemeinschaftsfeiern, deren Sinn nicht eindeutig katholisch ist, ist dagegen schädlich und verboten. Auch die Pflicht zum sonntäglichen Besuch des heiligen Meßopfers besteht nur für den, der zum Besuchs eines unzweifelhaft katholischen Meßopfers Gelegenheit hat, und erstreckt sich nicht auf die Gemeindefeiern nach den stets zweifelhaften neuen Riten.
16.) Gibt es noch Gelegenheiten, das sicher katholische Meßopfer zu besuchen und die sicher katholischen Sakramente zu empfangen? Es gibt sie überall dort, wo das Meßopfer und die Sakramente nach denn überlieferten katholischen Ritus vollzogen werden. Dies ist heute noch an vielen verstreuten Orten bei einzelnen treu gebliebenen Priestern und Bischöfen der Fall, vor allem im Rahmen privater Einrichtungen, z.B. in zahlreichen sog. Meßzentren und bei Erzbischof Marcel Lefebvre und den von ihm geweihten Priestern.
Die Anpassung an die moderne Welt
17.) An welche Irrtümer der modernen Welt wird die allgemeine Unterweisung angepaßt? All alle irgendwie auftretenden. Da die religiöse Unterweisung seit dem 2. Vatikanischen Konzil den atheistischen Forderungen stattgibt, a) die Lehre der Kirche den Wandlungen des wissenschaftlichen und philosophischen Denkens der Menschen anzupassen, b) von allen religiösen Behauptungen im Zusammenleben der Menschen, angeblich im Interesse von Frieden und Wohlfahrt, abzusehen, ist die Verkündigung des Glaubens an den Dreifaltigen Gott und Seine Offenbarung tatsächlich aufgegeben und das Denken der Gläubigen allen triebhaften, weltlichen und satanischen Einflüssen wehrlos ausgeliefert. Dem entspricht auch die allmähliche Abschaffung des Kreuzzeichens im Ritus und die allmähliche Entfernung aller Kreuzsymbole und Kruzifixe von Altären, Meßgewändern, Saalwänden.
18.) Glauben die katholischen Traditionalisten im Ernst, daß die Kirche allem Fortschritt der Wissenschaft und allen Wandlungen der Zeit zum Trotz auf ihren einmal definierten Lehren beharren soll? Was sonst? Und zwar nicht nur auf den Wortlaut der Lehrsätze, sondern auch auf ihrer Auslegung im einzelnen. Das kirchliche Lehramt kann gar keinen anderen Sinn und Zweck haben, und es ist im Interesse der ganzen Menschheit absolut notwendig, daß es ihn erfüllt.
19.) Sehen die Traditionalisten nicht, daß im Grunde stets religiöse Gegensätze Ursache von Krieg und Unfrieden sind? Doch, und zwar sehen sie klar, daß es im tiefsten Grunde immer derselbe religiöse Gegensatz ist, der Krieg und Unfrieden verursacht, nämlich die Auflehnung gegen den einzig wahren Dreifaltigen Gott, die Nichtbefolgung Seiner Gebote, und die Verachtung der Kirche Seines eingeborenen Sohnes Jesus Christus, des Erlösers. Nur wo die Völker sich zu ihrem wahren Herrn und Friedensfürsten Jesus Christus und zu Seiner einen, heiligen katholischen und apostolischen Kirche bekehren, kann wahrer Friede werden.
20.) Müssen die katholischen Traditionalisten nicht fürchten, daß dieser ihr Glaube von der modernen Welt immer mehr verachtet und vergessen wird, ihre Kirche aber allmählich aussterben und sich auflösen wird? Nein. Zwar steht fest, daß der Glaube zum Ende der Weltzeit immer mehr verachtet und vergessen wird, denn Jesus Christus hat das selbst vorhergesagt. Er hat aber zugleich Seiner Kirche verheißen, daß sie bis ans Ende der Zeiten bestehen und zuletzt über ihre Verfolger triumphieren wird. Unsere Sorge muß deshalb nicht dem Fortbestehen der Kirche, sondern dem Seelenheil der Menschen gelten, das nur durch die Kirche erlangt werden kann. (aus einem Rundbrief der SAKA) DIE KATHOLIKEN SAMMELN SICH IN DER SAKA
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