HOFFNUNG
von Wolfgang Heller
Eine der großen katholischen Tugenden ist die wohlverstandene Hoffnung auf Christus, unsern Herrn.
Die "Papstwahlen" des Jahres 1978 haben auch bei den treu gebliebenen Katholiken Hoffen und Bangen ausgelöst, daß endlich wieder jemand gewählt werde, der die abgeirrte Kirche von der breiten Chaussee des teuflischen Modernismus zurück auf den beschwerlichen Pfad der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der Liebe unseres Erlösers und unserer Heiligen führen werde.
Auf welcher Grundlage beruhen diese Hoffnungen? Ernüchtert (und ernüchternd) ist schmerzhaft festzustellen, daß die Konklaven aus Personen bestanden, die weder die modernistische Messe öffentlich abgelehnt noch die Hl. Liturgie des Tridentinums verteidigt haben. Damit haben die "Purpurträger" in ihrer wichtigsten Pflicht gegenüber Gott und den Ihnen anvertrauten Gläubigen total versagt.
Indem sie den sog. "NOM" hingenommen haben, haben sie Häresie geduldet; indem sie als Bischöfe geschwiegen haben, haben sie sich selbst der Häresie schuldig gemacht; und indem sie an der neuen "Messe" tätig festhalten, häufen sie Häresie auf Häresie und verstricken sich immer tiefer in die Fallstricke des Teufels. Und es ist ganz klar, daß die "Hirten" wissen und wissen müssen, daß sie sich durch ihr Tun und Lassen aus der Gemeinschaft Christi ausgeschlossen haben. Denn bereits der Hl. Pius X. hat in überaus deutlichen und unmißverständlichen Enzykliken das Teufelswerk des Modernismus als die heimtückischste Zusammenfassung aller Irrtümer gegeißelt, die je die katholische Kirche und ihre Fundamente bedroht haben. (Vgl. u.a. die Enzyk. "Pascendi dominici gregis" vom 8.9. 1907; das Dekret "Lamentabili" vom 3.7. 1907.) Diese Analyse des Heiligen ist heute so gültig wie vor rund 70 Jahren.
Jene, die sich in Rom trafen, waren und sind Häretiker, die sich eo ipso aus der Gemeinschaft der katholischen und apostolischen Kirche ausgeschlossen haben. Sie repräsentieren nur noch diabolisches Blendwerk.
Wie sollte von ihnen ein wirklicher Papst gewählt werden können? (Natürlich nicht!) Viele warteten wegen der schier unlösbaren Situation auf ein unmittelbares Eingreifen Gottes bei den Wahlen: "Aber der Hl. Geist muß doch den Kardinälen beistehen", so argumentieren sie, "denn bei Gott sei kein Ding unmöglich". Aber wir strapazieren das Hoffen auf den Eingriff durch den allmächtigen Gott allzu sehr, wenn wir annehmen, der Hl. Geist hätte auf die Wahlen diesen Einfluß genommen. Christus hat Seine Kirche als sichtbare Heilsinstitution geschaffen und sie Menschen anvertraut bis zum Tage des Gerichts. Auf die Führung bzw. den Beistand des Hl. Geistes, den Christus der Kirche gegeben hat, kann man nur rechnen, wenn man wirklich den Willen Gottes erfüllen will. Christus wird erst wiederkommen am Tage des Gerichts.
Ist aber nicht allein schon die programmverkündende Namenswahl Beweis genug - abgesehen von den viel entscheidenderen Gründen der Ungültigkeit der Wahl -, daß die modernistische Kirche unter ihrem neuen Anführer ihren "Zug der Flemminge" fortsetzen will? Stellt nicht der "Verzicht" auf die Krönung mit der Tiara die Leugnung u.a. des Christkönigstums dar, das sichtbar zu vertreten dem Papst obliegt?
Festzuhalten ist, daß der Stuhl Petri vakant ist.
Was von der sichtbaren (Reform)kirche greifbar ist, ist Lug und Trug; die äußeren Strukturen und die gelegentlich fürs Fernsehen wieder hervorgekramte alte Pracht gaukeln der Welt die einstige Kraft der wahren katholischen Kirche vor. Was aber ist diese Äußerlichkeit der Welt? Sie dient ihr als Dekoration. Es gibt kaum einen Staatsmann, welcher Couleur auch immer, der sich nicht aus Gründen des Stimmenfangs mit dem "Papst" fotografieren ließe. Was erwartet die Welt vom Vatikan? Nicht schmerzliche Wahrheiten, den Widerspruch des Kreuzes, sondern '"Politik" und Sensationen, und dies ausschließlich, um die Medien damit anfüllen zu können. Wer fürchtet noch die "Bataillone des Papstes"? Sind diese nicht längst durch den Abfall der Kirchenführer als Hilfstruppen dem Feinde dienstbar gemacht?
Festzuhalten Ist: die modernistische Kirche steht im Feindeslager. Was kann man von Rom, bei wohlverstandener Hoffnung in Christus, erwarten? Eine Festung, in die der Feind eingeschlichen. ist und sich breit gemacht hat, in die er durch Verrat eindringen konnte, nützt nunmehr dem Feind. Dieser benutzt sie als Täuschungsinstrument gegenüber dem Heervolk, damit es den gewaltigen Betrug, die totale Umkehrung der Verhältnisse, nicht bemerkt und den zu Marionetten herabgesunkenen Verrätern auch weiterhin die Stange halte.
Und darin liegt der größte Frevel, daß die Gutgläubigen um ihre Zuflucht und um ihr Heil betrogen werden. Das ist nicht nur Steine - statt - Brot geben, sondern Hingabe von Steinen als Brot! Es findet wahrlich eine geistige und heilsmäßige Aushungerung allergrößten Ausmaßes statt, ohne daß es die zum ewigen Hungertode getriebenen bemerken oder - schlimmer noch - bemerken wollen.
Festzustellen ist, daß ein Hoffen auf die sichtbare Fassade der Kirche I trügerisch ist. Es wäre nicht anders, als wenn sich die Schafe Schutz vor dem Wolf erhofften, in dem sie den Wolf selbst als ihren Hirten erwählten. Es bleibt die Hoffnung, daß Gott in seiner allumfassenden Barmherzigkeit und Güte den Verlassenen und Verratenen dennoch seinen Schutz und sein Heil zu teil werden läßt.
Worauf können wir unsere Hoffnung setzen? In jeder Beziehung müssen wir unsere Hoffnung auf Jesus Christus und seine Verheißung richten. Diese Hoffnung aber ist hartes Tagwerk, sie ist tatenvolles Hoffen und kein wehleidiges Jammern. Gerade in dieser Zeit der katastrophalen Heimsuchung ist es unumgänglich erforderlich und für jeden treugebliebenen Katholiken eine höchst ernst zunehmende Verpflichtung, für seine und aller Menschen Hoffnung tatkräftig zu kämpfen. Und jeder kann getrost sicher sein, daß dies ein guter Kampf ist, den wir in der Taufe und der Firmung unserm Herrn gelobt haben.
Wie sollte dieser Kampf für unsere Hoffnung in Christus aussehen? Es ist ein geistiger Kampf. Deswegen muß sich der Gottesstreiter geistig vorbereiten. Er muß die für den Kampf notwendigen Waffen erwerben, nämlich Gehorsam, Disziplin, Demut, geistige Schlagkraft, Wissen und über allem die Liebe zu seiner gerechten Sache. Deshalb steht an erster Stelle das Gebet. Dieses stärkt und läutert uns selbst und wirkt durch Gott verstärkend auf Schwächere und Mutlosere, hilft anderen zur bekennenden Treue. Das Gebet gibt aber nicht nur Kraft und Mut zu Gehorsam, Disziplin und Demut, sondern stärkt mit Hilfe des Hl. Geistes den Verstand und das Denken. Diese werden durch das Gebet für das tiefere Erfassen der geoffenbarten Wahrheiten vorbereitet, damit wir das erfassen und erlernen können, was vormals die Priester in den Seminarien lernen und studieren mußten, damit sie die Lehre und Liebe der Hl. Kirche unverfälscht weiterlehren konnten. Diese Aufgabe fällt heute nicht nur den treugebliebenen Priestern, sondern jedem gläubigen Laien zu. Beten wir deshalb zutiefst zum Hl. Geist, daß er unseren Verstand erleuchte und fähig mache für die Aufnahme seines göttlichen Rüstzeugs. Fleiß und Schweiß müssen wir deshalb daran setzen und lernen, was jeder nach seinem Talent zur Verfestigung seines Glaubens zu lernen vermag. Und dies ist mehr, als jeder von sich gemeinhin annimmt. Bitten wir die Hl. Jungfrau Maria und alle Heiligen, daß wir nur die reinen und lauteren Wahrheiten erfassen und uns zu eigen machen.
So gestärkt durch Gebet und (Selbst-) Studium, sind wir vorbereitet, den Kampf für unsere Hoffnung angehen zu können. Wir sind dabei nicht allein gelassen! Gott mit allen Heiligen und Engeln ist mit uns.
Darüberhinaus haben wir vereinzelt noch Priester und Bischöfe. Es gibt sicherlich in Rom noch Kleriker, die nicht abgefallen sind. Diese und ihren Widerstand gegen den Verfall des Reiches Gottes auf Erden müssen wir durch unseren Kampf in erster Linie stärken, ihnen Mut machen und durch unsere entschlossene Haltung notfalls das übergroße Opfer abringen, das erforderlich ist, damit zum einen die apostolische Sukzession gewahrt bleibt und zum anderen der verwaiste Stuhl Petri endlich wieder besetzt werde.
Dies ist die Tat, die die wahre Kirche am dringendsten nötig hat. Nur so kann die Sichtbarkeit der Kirche über unsere Zeit u.a. gerettet werden. Daraufhin muß unsere tätige Hoffnung in Christus abzielen, daß seiner Braut, der von Christus eingesetzten Kirche, sein Stellvertreter auf Erden vorstehe und die ihm anvertraute Herde wahrhaft weide und vor dem Abgrund bewahre.
Schrecken wir, schrecken die wenigen Bischöfe vor dieser Hoffnung zurück? Wahr ist, daß viele Furcht davor haben, diese geistige Selbständigkeit in Christus zu erringen. Hat nicht Pius X. bei seiner Wahl die Kardinäle unter Tränen gebeten, von ihm als Nachfolger Petri abzusehen? Wie inständig hat er das Gebet des Herrn am Kalvarienberg gebetet! Dennoch! Er mußte seine Furcht und seinen Schrecken niederringen und demütig das ihm bestimmte Amt zum Heile der Kirche antreten. Er hat die Kraft dazu gefunden, obwohl ihn die Verantwortung schier niederdrücken wollte. Er hat den Mut gefunden, die unverfälschten Wahrheiten der Kirche neu zu verkünden und die Irrlehren zu verdammen. Wenn also den Heiligen die Furcht vor dem Amt des Verwalters zittern und zagen machte, um wieviel mehr ist heute Furcht verständlich, auch bei jenen die uns Mut machen sollten. Aber unsere Hoffnung in Christus muß helfen, diese Furcht der wenigen uns gebliebenen bischöflichen Hirten niederzuringen. Wir haben Christus auf unserer Seite. Unser Heiland hat versprochen: "Fürchtet Euch nicht, denn ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Welt". Dieses Wort sollte uns und den wenigen Klerikern Mut machen, die Gott und ihrem Amt treu geblieben sind.
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AUS: SPECULUM PERFECTIONIS
Bei Colle in der Grafschaft Perugia fand der selige Franziskus einen Armen, den er früher in der Welt gekannt hatte, und sprach zu ihm: "Bruder, wie geht es dir?" Da begann jener voll Zorn seinen Herrn zu verwünschen und sprach: "Dank der Willkür meines Herrn, den der Herr verfluchen möge, geht es mir übel, denn er hat mir alles genommen, was mir gehörte." Als der selige Franziskus sah, wie jener in tödlichem Hasse verharrte, erbarmte er sich seiner Seele und sprach zu ihm: "Bruder, verzeihe deinem Herrn aus Liebe zu Gott, damit du deine Seele rettest; dann ist es möglich, daß er dir wiedererstatte', was er dir nahm; so aber hast du dein Eigentum verloren und wirst deine Seele vernichten." Jener aber sprach: "Nicht eher kann ich ihm innerlich verzeihen, als bis er mir wiedergegeben hat, was er mir nahm." Da sprach zu ihm der selige Franziskus: "Siehe, ich gebe dir diesen Mantel und bitte dich, aus Liebe zu Gott deinem Herrn zu verzeihen." Sogleich wurde das Herz jenes Menschen milde, und wegen der Güte des seligen Franziskus verzieh er seinem Herrn das erlittene Unrecht.
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